Lehramt studieren: Schulform, Fächer, Referendariat
Bei kaum einem Studiengang entscheiden zwei Weichenstellungen so stark über den späteren Alltag wie hier: die Schulform und die Fächerkombination. Beide fallen vor der Immatrikulation, beide sind später nur mit Aufwand korrigierbar – und beide werden regelmäßig nach den falschen Kriterien getroffen. Diese Seite erklärt, worauf es dabei ankommt.
Das Wichtigste in Kürze. „Lehramt studieren" gibt es nicht – es gibt Lehramt für eine bestimmte Schulform, und diese Entscheidung fällt vor der Bewerbung. Grundschule, Sekundarstufe I, Gymnasium, Berufskolleg und Sonderpädagogik unterscheiden sich in Zulassung, Studienaufbau, Alltag und Einstellungschancen erheblich. Die zweite Weichenstellung ist die Fächerkombination: Sie entscheidet stärker über die spätere Einstellung als jede Note. Mathematik, Physik, Informatik und Sonderpädagogik sind seit Jahren Mangelfächer, in Deutsch, Geschichte und Biologie ist die Lage regional deutlich enger. Der Weg führt über Bachelor, Master of Education und Referendariat; Lehramt ist zudem Landesrecht – 16 Bundesländer mit eigenen Regelungen, was Wechsel und Mobilität betrifft.
Steckbrief
Lehramt studieren – alle Eckdaten auf einen Blick
Das Studienfeld Lehramt ist das einzige, das direkt auf einen einzigen Beruf zuläuft – und zugleich das mit den größten regionalen Unterschieden.
| Merkmal | Lehramt | Einordnung |
|---|---|---|
| Abschluss | Bachelor plus Master of Education, teils Staatsexamen | Je Bundesland unterschiedliches System |
| Regelstudienzeit | 6 + 2 Semester (Grundschule) bis 6 + 4 (Gymnasium) | Danach Referendariat von 12 bis 24 Monaten |
| Typischer NC | 1,8 bis 3,0, je nach Fach und Schulform | Mangelfächer oft zulassungsfrei |
| Aufbau | Zwei Fächer plus Bildungswissenschaften plus Fachdidaktik | Grundschule teils mit drei Fächern |
| RIASEC-Profil | S + A (Social, Artistic) | Vermittelnd-fördernd plus gestaltend |
| Rechtsrahmen | Landesrecht, 16 eigene Regelungen | Wechsel zwischen Ländern ist möglich, aber prüfungsbedürftig |
| Verbeamtung | in den meisten Ländern üblich | Voraussetzung unter anderem: gesundheitliche Eignung |
| Besoldung Einstieg | Besoldungsgruppe A12 oder A13, je Land und Schulform | Netto durch Beamtenstatus vergleichsweise hoch |
| Arbeitsmarkt | Lehrkräftemangel in fast allen Ländern | Stark abhängig von Fach und Schulform |
Alle Angaben sind Orientierungswerte, Stand August 2026. Studienstruktur, Referendariatsdauer, Besoldung und Verbeamtungspraxis unterscheiden sich je Bundesland erheblich und ändern sich regelmäßig; maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Kultusministeriums. Weitere Hinweise unter Zulassung und Bewerbung.
Weichenstellung 1
Die Schulform: fünf verschiedene Berufe
Wer sagt, er wolle Lehrer werden, hat die eigentliche Entscheidung noch nicht getroffen. Zwischen einer Grundschulklasse und einer Berufsschulklasse liegen zwei völlig verschiedene Berufe – mit unterschiedlichem Studium, unterschiedlicher Zulassung und unterschiedlichem Alltag.
Abb. 1: Orientierungswerte, Stand August 2026. Die Lage unterscheidet sich zwischen Bundesländern erheblich – maßgeblich sind die Prognosen des jeweiligen Kultusministeriums.
Die Frage, die zuerst gehört. Nicht „Welches Fach mag ich?", sondern: Mit welchem Alter möchte ich täglich arbeiten? Ein Siebenjähriger, der lesen lernt, und ein Siebzehnjähriger, der eine Facharbeit schreibt, verlangen völlig verschiedene Fähigkeiten. Wer diese Frage nicht klärt, wählt die Schulform über das Lieblingsfach – und landet im falschen Beruf mit dem richtigen Fach.
Weichenstellung 2 · Der wichtigste Abschnitt dieser Seite
Die Fächerkombination entscheidet über die Einstellung
Im Lehramt gibt es eine Besonderheit, die es in kaum einem anderen Studiengang gibt: Ihre Einstellungschance steht bereits bei der Immatrikulation weitgehend fest – nämlich mit der Wahl der Fächer. Die Abschlussnote spielt eine Rolle, die Fächerkombination eine größere.
Abb. 2: Die Spreizung ist erheblich. Wer Informatik und Mathematik kombiniert, hat faktisch freie Standortwahl. Wer Deutsch und Geschichte am Gymnasium kombiniert, konkurriert regional stark.
Die pragmatische Strategie
Der Rat, den wir in der Beratung am häufigsten geben, ist kein Entweder-oder: Kombinieren Sie ein Fach, das Sie lieben, mit einem Fach, das gesucht wird. Deutsch mit Informatik. Geschichte mit Mathematik. Englisch mit Physik. Sie studieren dann sechs Semester lang etwas, das Sie interessiert – und bewerben sich anschließend mit einem Profil, das Schulen dringend brauchen.
Was gegen reine Neigungswahl spricht. Zwei Überhangfächer am Gymnasium bedeuten in ungünstigen Regionen: Warteliste, befristete Verträge, Umzug in ein anderes Bundesland oder der Wechsel in eine andere Schulform nach dem Studium. Das ist kein hypothetisches Risiko, sondern ein regelmäßiger Beratungsfall. Wer beide Fächer aus Leidenschaft wählt, sollte diese Konsequenz bewusst annehmen – nicht versehentlich hineinlaufen.
Ein Detail, das viele übersehen. Nicht jede Fächerkombination ist überhaupt zulässig. Die Bundesländer schreiben Kombinationsregeln vor – etwa dass ein Fach aus einer bestimmten Gruppe stammen muss. Zusätzlich bietet nicht jede Hochschule jede Kombination an. Prüfen Sie beides, bevor Sie sich auf eine Wunschkombination festlegen; der Hochschulfinder hilft bei der Standortsuche, verbindlich sind die Angaben der Hochschule.
Studieninhalte
Zwei Fächer, Didaktik, Bildungswissenschaften – und Praxis
Das Lehramtsstudium besteht aus vier Bestandteilen. Die Gewichtung überrascht viele: Die Fachwissenschaft dominiert, besonders am Gymnasium.
Abb. 3: Orientierungswerte, am Gymnasium ist der fachwissenschaftliche Anteil am höchsten, an Grundschulen deutlich niedriger.
Fachwissenschaft
Am Gymnasium bedeutet Mathematik-Lehramt: Analysis, Lineare Algebra und Stochastik weitgehend auf dem Niveau des Fachstudiums. Deutsch-Lehramt bedeutet Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Mediävistik. Wer das Fach nur mag, weil er es in der Schule mochte, sollte das Modulhandbuch prüfen – zwischen Schulfach und Universitätsfach liegen Welten.
Fachdidaktik
Wie vermittelt man einen Inhalt so, dass er verstanden wird? Diagnostik von Lernständen, Umgang mit typischen Fehlvorstellungen, Aufgabenkonstruktion, Differenzierung in heterogenen Gruppen. Fachlich der interessanteste Teil für viele – und der, an dem sich zeigt, ob jemand gern erklärt.
Bildungswissenschaften
Pädagogische Psychologie, Erziehungswissenschaft, Soziologie der Bildung, Schulrecht, Inklusion. Der Psychologieanteil ist real – wie Lernen funktioniert, ist eine empirische Frage, und die Befundlage weicht regelmäßig von der Alltagsintuition ab. Ein Beispiel dafür ist die verbreitete Lerntypentheorie, deren Belegstand wir im Lerntypen-Test einordnen.
Praxisphasen
Orientierungspraktikum, Berufsfeldpraktikum und in den meisten Ländern ein Praxissemester im Master. Diese Phasen sind die ehrlichsten Momente des Studiums: Hier zeigt sich, ob man vor einer Klasse bestehen will – lange bevor das Referendariat beginnt.
Was viele zu spät merken
16 Bundesländer, 16 Systeme
Bildung ist Ländersache. Für Lehramtsstudierende hat das drei konkrete Folgen, die vor der Studienortwahl bedacht gehören.
Unterschiedliche Studienstrukturen
Die meisten Länder nutzen Bachelor und Master of Education, einzelne halten am Staatsexamen fest. Auch Umfang und Lage der Praxisphasen unterscheiden sich. Ein Wechsel der Hochschule über Landesgrenzen hinweg ist deshalb im laufenden Studium aufwendiger als in anderen Fächern.
Anerkennung beim Wechsel
Der Abschluss wird grundsätzlich gegenseitig anerkannt, praktisch können aber Auflagen entstehen – etwa wenn eine Fächerkombination im Zielland nicht vorgesehen ist oder Anteile fehlen. Wer nach dem Studium umziehen möchte, prüft das besser vor dem Studium.
Unterschiedliche Bedarfe und Besoldung
Ein Fach kann in einem Land Mangelfach und im Nachbarland überlaufen sein. Auch Besoldungshöhe, Verbeamtungspraxis und Referendariatsdauer variieren. Die Prognosen der Kultusministerien sind öffentlich – und lohnen die halbe Stunde Lesezeit.
Der praktische Rat. Studieren Sie möglichst in dem Bundesland, in dem Sie später arbeiten wollen. Das erspart Anerkennungsfragen, das Referendariat schließt nahtlos an, und Sie lernen das Schulsystem kennen, in dem Sie unterrichten werden. Wenn das nicht möglich ist, klären Sie die Anerkennungslage frühzeitig beim Kultusministerium des Ziellandes – schriftlich.
Nach dem Studium
Referendariat und Verbeamtung
Das Referendariat ist der Vorbereitungsdienst: eigenverantwortlicher Unterricht unter Anleitung, begleitende Seminare, bewertete Lehrproben und das zweite Staatsexamen. Je nach Bundesland dauert es zwölf bis vierundzwanzig Monate.
Was es fachlich ist
Die Phase, in der aus Fachwissen Unterricht wird. Für viele die intensivste Lernzeit des gesamten Werdegangs – und die, in der sich zeigt, ob der Beruf trägt.
Was es persönlich ist
Doppelbelastung aus Unterricht, Vorbereitung und Prüfungsdruck, häufig mit Umzug. Die Belastung ist real und ein bekannter Grund für Ausstiege – gerade weil sie nach dem Studium kommt, wenn man sich am Ziel wähnt.
Verbeamtung
In den meisten Ländern üblich, mit Voraussetzungen: Altersgrenze, Staatsangehörigkeitsregelungen und gesundheitliche Eignung. Die amtsärztliche Untersuchung ist kein Formalakt – bestimmte chronische Erkrankungen können zur Ablehnung führen.
Was das finanziell heißt
Beamte zahlen keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung, dafür private Krankenversicherung mit Beihilfe. Das Netto liegt dadurch deutlich über dem, was das Bruttogehalt vermuten lässt – ein Punkt, der Vergleiche mit der Privatwirtschaft verzerrt.
Ein Punkt, der früh geklärt gehört. Wer eine chronische Erkrankung hat, sollte die Frage der gesundheitlichen Eignung nicht bis zum Ende des Studiums aufschieben. Die Regelungen unterscheiden sich zwischen den Ländern, und eine Ablehnung bedeutet nicht das Ende des Berufswegs – Angestelltenverhältnisse sind möglich, allerdings mit anderer Absicherung und anderem Netto. Eine frühzeitige, unverbindliche Klärung schafft Planungssicherheit.
Diagnostische Perspektive
Das Eignungsprofil: Was Lehramt über vierzig Jahre trägt
Wir betrachten Studiengänge nach dem Anforderungsprofil. Bei Lehramt ist die Besonderheit: Es ist der einzige Studiengang, der auf einen Beruf zuläuft, den alle Bewerber aus jahrelanger eigener Anschauung zu kennen glauben – aus der Schülerperspektive. Genau diese Vertrautheit ist das Problem. Diese Perspektive stammt aus der Orientierungsberatung und aus über 10.000 Beratungen.
Abb. 4: Wer S stark und E schwach ausgeprägt hat, kann hervorragend einzelne Schüler fördern und tut sich mit einer unruhigen Klasse von 28 dauerhaft schwer.
Kognitives Anforderungsprofil
Erklären und formulieren
Denselben Sachverhalt auf drei verschiedene Arten erklären können, bis der Zugang sitzt. Die zentrale berufliche Fähigkeit – und die, die man in Nachhilfe oder Tutorien am ehesten vorab testen kann.
Tiefe im Studium
Das Studium verlangt Fachwissenschaft auf Universitätsniveau, besonders am Gymnasium. Wer das Fach nur aus der Schulperspektive kennt, unterschätzt diesen Teil regelmäßig.
Gruppen lesen
Erkennen, wer aussteigt, bevor er es zeigt. Dynamiken in einer Gruppe erfassen und steuern, während man gleichzeitig Inhalt vermittelt – die eigentliche Doppelbelastung des Berufs.
Persönlichkeitsseitige Passung
Drei Dimensionen sind zentral. Extraversion trägt die tägliche Präsenz vor der Gruppe – Unterricht ist über Jahrzehnte ein Bühnenberuf, und das kostet introvertierte Menschen mehr Energie, ohne dass sie deshalb schlechtere Lehrkräfte wären. Emotionale Stabilität trägt den Umgang mit Konflikten, Elternkritik und Klassen, die nicht mitziehen. Gewissenhaftigkeit trägt Vorbereitung und Korrekturen – ein Anteil, der in der Schülerwahrnehmung vollständig unsichtbar bleibt. Wie diese Dimensionen gemessen werden, erklären wir beim Persönlichkeitstest; einen kostenlosen Big-Five-Test finden Sie dort ebenfalls.
Der blinde Fleck dieses Berufs. Jeder Bewerber hat dreizehn Jahre lang Lehrkräfte beobachtet – aus der einen Perspektive, aus der man den Beruf nicht sehen kann. Unsichtbar bleiben Korrekturberge, Elterngespräche, Konferenzen, Dokumentation, Gutachten und die Vorbereitung, die hinter einer scheinbar mühelosen Stunde steckt. Diese Vertrautheit erzeugt eine Sicherheit, die auf einer sehr unvollständigen Grundlage steht. Messung statt Schätzung liefert die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten; als kostenloser erster Schritt genügt oft der Potenzial-Selbstcheck.
Ehrliche Einordnung
Wer typischerweise am Lehramt scheitert
Die Ausstiege verteilen sich anders als in anderen Fächern: weniger im Bachelor, mehr im Referendariat und in den ersten Berufsjahren. Fünf Muster erklären den Großteil.
„Ich mag Kinder"
Ein notwendiges, kein hinreichendes Motiv. Unterricht bedeutet, eine Gruppe zu führen, die nicht freiwillig da ist, gegen Widerstände einen Lernprozess zu organisieren und dabei bewertend zu bleiben. Das ist etwas anderes als Zuneigung.
Das Lieblingsfach weitergeben
Wer Literatur liebt, unterrichtet nicht Literatur – er unterrichtet Jugendliche, von denen ein Teil kein Interesse hat. Wer das nicht trennt, erlebt täglich eine Enttäuschung.
Fachniveau unterschätzt
Mathematik-Lehramt am Gymnasium ist in den ersten Semestern weitgehend Mathematikstudium. Wer das Fach aus der Schule mochte, trifft auf ein anderes Fach mit demselben Namen.
Fächer nach Neigung, Folgen ignoriert
Zwei Überhangfächer am Gymnasium bedeuten in ungünstigen Regionen befristete Verträge oder Umzug. Der Fehler passiert im ersten Semester, sichtbar wird er sechs Jahre später.
Der Praxisschock im Referendariat
Doppelbelastung, Bewertungsdruck, erste eigene Klasse. Wer bis dahin wenig vor Gruppen stand, erlebt hier zum ersten Mal, was der Beruf verlangt – nach fünf Jahren Studium.
Was vorher hilft
Vor dem Studium vor einer Gruppe stehen: Nachhilfe, Jugendarbeit, Trainerlizenz, Ferienfreizeit. Nicht Einzelbetreuung, sondern Gruppe. Das klärt in wenigen Wochen, was fünf Jahre Studium offenlassen.
Wer bereits im Studium zweifelt, findet Einordnung unter Studienabbruch – im Lehramt ist der Wechsel in den Fachbachelor häufig mit erheblicher Anrechnung möglich. Wer nach Berufsjahren an Grenzen stößt, findet Wege in der beruflichen Neuorientierung; die Übergänge in Erwachsenenbildung, Bildungsmanagement und Personalentwicklung sind gut gangbar.
Perspektiven
Besoldung, Sicherheit und die Wege neben der Schule
Lehramt ist einer der wenigen Studiengänge, bei denen sich Verdienst und Arbeitsplatzsicherheit vorab präzise beziffern lassen – weil beides gesetzlich geregelt ist. Die Besoldung richtet sich nach Besoldungsgruppe, Erfahrungsstufe und Bundesland.
| Aspekt | Einordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Einstiegsbesoldung | A12 oder A13, je Land und Schulform | Zahlreiche Länder haben auf A13 für alle Schulformen umgestellt – Stand je Land prüfen |
| Entwicklung | automatischer Aufstieg in Erfahrungsstufen | Planbar, unabhängig von Verhandlung |
| Netto-Effekt | keine Beiträge zu Arbeitslosen- und Rentenversicherung | Netto deutlich höher als bei vergleichbarem Bruttogehalt in der Privatwirtschaft |
| Krankenversicherung | private Versicherung mit Beihilfe | Langfristige Kostenentwicklung mitdenken |
| Teilzeit | vergleichsweise gut möglich | Ein wesentlicher Grund für die hohe Vereinbarkeit |
| Arbeitsplatzsicherheit | im Beamtenverhältnis faktisch vollständig | In keinem anderen akademischen Beruf vergleichbar |
| Aufstieg | Fachleitung, Schulleitung, Schulaufsicht, Seminarleitung | Mit eigener Besoldungsstruktur |
Wege neben dem Klassenzimmer
Schulleitung und Schulaufsicht
Führungsverantwortung für Kollegium, Organisation und Schulentwicklung. Der klassische Aufstiegsweg – und einer, der wesentlich mehr Verwaltung bedeutet als Unterricht.
Lehrerbildung
Fachleitung im Studienseminar, Lehrerfortbildung, Mitarbeit an Lehrplänen. Für alle, die gern das Handwerk selbst weitergeben.
Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement
Volkshochschulen, Bildungsträger, Verlage, betriebliche Weiterbildung. Der häufigste Übergang aus dem Schuldienst heraus – siehe auch Karriereplanung.
Bildungsverwaltung und Stiftungen
Ministerien, Schulämter, Stiftungen, Bildungsforschung. Systemebene statt Einzelfall – mit dem Vorteil der bereits vorhandenen Praxiskenntnis.
Einordnung im Gesamtvergleich. Der Bruttovergleich mit wirtschaftsnahen Fächern täuscht: Durch entfallende Sozialversicherungsbeiträge liegt das Netto im Beamtenverhältnis erheblich höher, als die Bruttozahlen vermuten lassen. Rechnen Sie beim Vergleich mit anderen Studiengängen deshalb netto, nicht brutto. Den Fachvergleich der Einstiegsgehälter finden Sie in unserer Auswertung der Einstiegsgehälter nach Fachrichtung. Zur Automatisierbarkeit gibt der Check Ist mein Beruf automatisierbar? eine klare Einschätzung: Materialerstellung und Korrektur werden durch KI stark entlastet, Beziehungsarbeit und Klassenführung gehören zu den am wenigsten substituierbaren Tätigkeiten überhaupt.
Verwandte Studiengänge
Alternativen zum Lehramt – nach Motiv sortiert
Motiv: Wissen vermitteln
Erziehungswissenschaft, Erwachsenenbildung oder Medienpädagogik vermitteln ohne Klassenführung und Notengebung – mit größerer Freiheit und geringerer Sicherheit.
Motiv: Junge Menschen begleiten
Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik oder Sonderpädagogik setzen bei der Person an statt beim Stoff.
Vertiefung: Soziale Arbeit studieren
Motiv: Das Fach selbst
Wenn die Fachliebe stärker ist als der Vermittlungswunsch, ist der Fachbachelor der ehrlichere Weg – mit späterem Quereinstieg als Option in Mangelfächern.
Beispiel: Informatik studieren
Motiv: Sicherheit und Verbeamtung
Verwaltungswissenschaft und der gehobene Dienst bieten vergleichbare Sicherheit ohne Klassenzimmer – ein Weg, den viele gar nicht auf dem Schirm haben.
Der Quereinstieg als Option. In Mangelfächern öffnen fast alle Bundesländer den Seiteneinstieg für Fachabsolventen – etwa aus Informatik, Physik oder Ingenieurwissenschaften. Wer sich beim Abitur noch nicht sicher ist, kann das Fach studieren und die Entscheidung für den Schuldienst später treffen. Die Konditionen unterscheiden sich je Land erheblich und ändern sich mit der Bedarfslage. Systematisch vergleichen lassen sich die Optionen über den Studiengangfinder und die Übersicht aller neun Studienfelder.
Entscheidungshilfe
Fünf Fragen, die Sie vor der Bewerbung beantworten sollten
- Welche Schulform – und warum? Die Frage nach dem Alter der Schüler steht vor der Frage nach dem Fach. Sie entscheidet über den Alltag der nächsten vierzig Jahre.
- Kenne ich die Bedarfslage meiner Fächerkombination? Im Ziel-Bundesland, nicht allgemein. Die Prognosen der Kultusministerien sind öffentlich einsehbar.
- Habe ich schon einmal vor einer Gruppe gestanden? Nicht Einzelnachhilfe – eine Gruppe, die nicht automatisch zuhört. Wer das nie getan hat, entscheidet über einen Beruf, den er nur aus der Gegenrichtung kennt.
- Habe ich das Modulhandbuch meines Fachs gelesen? Universitätsfach und Schulfach tragen denselben Namen und sind verschiedene Dinge. Besonders relevant am Gymnasium.
- Kenne ich mein Anforderungsprofil – gemessen, nicht geschätzt? Interessen über den Studienwahltest, Persönlichkeit und Belastbarkeit über eine Potenzialanalyse.
Geprüfte Expertise · E-E-A-T
Wer diese Seite verantwortet
Jan Bohlken
Diplom-Sozialökonom · Gründer und Geschäftsführer Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert · RIASEC-Experte · Mitglied nfb, DGfK, dvb
Jan Bohlken begleitet seit über 25 Jahren Studienentscheidungen auf Basis normierter Eignungsdiagnostik. Lehramt ist das Fach, bei dem die Entscheidung am häufigsten auf einer scheinbar sicheren, tatsächlich aber sehr einseitigen Grundlage getroffen wird.
„Jeder Bewerber hat dreizehn Jahre lang Lehrer beobachtet – und dabei genau den Teil des Berufs nicht gesehen, um den es geht. Wer vor dem Studium einmal selbst vor einer Klasse stand, entscheidet auf einer völlig anderen Grundlage."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · Systemische Beraterin (DGSF) · Eignungsdiagnostik
Raphaela Peitsch verantwortet die fachliche Prüfung dieser Seite. Ihr Schwerpunkt liegt auf pädagogisch-psychologischer Diagnostik und auf der Frage, welche Persönlichkeitsmerkmale in Berufen mit dauerhafter Gruppenpräsenz tragfähig sind.
Transparenz
Quellen und Stand der Angaben
- Lehrerbildungsgesetze und Verordnungen der Länder in der jeweils geltenden Fassung. Grundlage der Angaben zu Studienstruktur, Fächerkombinationen, Referendariat und Verbeamtung. Bildung ist Landesrecht; maßgeblich ist stets das jeweilige Bundesland.
- Kultusministerkonferenz Statistiken und Prognosen zum Lehrkräftebedarf sowie länderübergreifende Vereinbarungen zur gegenseitigen Anerkennung von Lehramtsabschlüssen.
- Bedarfsprognosen der Kultusministerien der Länder Grundlage der Einschätzungen zu Mangel- und Überhangfächern. Diese Prognosen werden regelmäßig aktualisiert und unterscheiden sich zwischen den Ländern erheblich.
- Besoldungsgesetze der Länder in der geltenden Fassung. Grundlage der Angaben zu Besoldungsgruppen und Erfahrungsstufen.
- Heublein, U. et al. (2023) Studienabbruchstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).
- Holland, J. L. (1997) Making Vocational Choices: A Theory of Vocational Personalities and Work Environments. 3. Auflage, Psychological Assessment Resources. Theoretische Grundlage des RIASEC-Anforderungsprofils.
- Costa, P. T., & McCrae, R. R. (1992) Revised NEO Personality Inventory professional manual. Psychological Assessment Resources. Grundlage der Big-Five-Diagnostik im Profiling Institut.
- DIN 33430:2016-07 Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen. Norm, nach der das Profiling Institut zertifiziert ist.
Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Seite ersetzt weder die offizielle Studienberatung der Hochschulen noch die verbindlichen Angaben der Kultusministerien und stellt keine Rechtsberatung dar. Regelungen zu Studienstruktur, Referendariat, Verbeamtung und Besoldung ändern sich regelmäßig. Rechtsstand und Datenstand: August 2026.
Häufige Fragen
FAQ: Lehramt studieren
Welchen NC brauche ich für Lehramt?
Das hängt vollständig von Fach und Schulform ab. Grundschullehramt liegt vielerorts bei 1,8 bis 2,5, weil die Nachfrage hoch ist. Am Gymnasium schwankt der NC je Fach zwischen 2,0 und 3,0, in Mangelfächern wie Mathematik, Physik und Informatik ist das Studium häufig zulassungsfrei. Der NC sagt hier nichts über die Schwierigkeit aus, sondern nur über die Nachfrage.
Welche Fächerkombination sollte ich wählen?
Unsere Standardempfehlung: ein Fach, das Sie lieben, kombiniert mit einem Fach, das gesucht wird. Mangelfächer sind seit Jahren Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Technik und Sonderpädagogik; in Deutsch, Geschichte, Biologie und Sport ist die Lage regional deutlich enger. Prüfen Sie zusätzlich, ob die Kombination im Ziel-Bundesland und an der Wunschhochschule überhaupt zulässig ist – nicht jede ist es.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Lehrkraft insgesamt?
Bachelor sechs Semester plus Master of Education zwei bis vier Semester, je nach Schulform. Danach folgt das Referendariat mit zwölf bis vierundzwanzig Monaten, abhängig vom Bundesland. Insgesamt sind es also etwa fünfeinhalb bis sieben Jahre bis zur vollen Lehrbefähigung.
Werde ich als Lehrkraft automatisch verbeamtet?
Nein, aber in den meisten Bundesländern ist die Verbeamtung üblich. Voraussetzungen sind unter anderem eine Altersgrenze, staatsangehörigkeitsrechtliche Bedingungen und die gesundheitliche Eignung, die amtsärztlich festgestellt wird. Diese Untersuchung ist kein Formalakt – bei chronischen Erkrankungen lohnt eine frühzeitige Klärung. Ohne Verbeamtung ist eine Anstellung im Angestelltenverhältnis möglich, mit anderer Absicherung und anderem Netto.
Kann ich das Bundesland nach dem Studium wechseln?
Grundsätzlich ja, die Länder erkennen Lehramtsabschlüsse gegenseitig an. In der Praxis können Auflagen entstehen, etwa wenn eine Fächerkombination im Zielland nicht vorgesehen ist. Wer einen Wechsel plant, sollte das vor Studienbeginn beim Kultusministerium des Ziellandes klären – am besten schriftlich.
Wie viel Fachwissenschaft steckt im Lehramtsstudium?
Im Bachelor rund 60 Prozent, am Gymnasium tendenziell mehr. Sie studieren Ihre Fächer weitgehend auf demselben Niveau wie Fachstudierende: Mathematik-Lehramt bedeutet Analysis und Lineare Algebra, Deutsch-Lehramt bedeutet Literatur- und Sprachwissenschaft. Das eigentliche Lehrerhandwerk konzentriert sich auf Master und Referendariat.
Welches RIASEC-Profil passt zum Lehramt?
Der Holland-Code lautet S-A-E: Social an erster Stelle, Artistic an zweiter, Enterprising an dritter. Das E wird häufig unterschätzt – Unterricht bedeutet, eine Gruppe zu führen, die nicht freiwillig anwesend ist. Wer S stark und E schwach ausgeprägt hat, fördert einzelne Schüler hervorragend und tut sich mit einer unruhigen Klasse dauerhaft schwer. Ihr Profil ermitteln Sie mit dem kostenlosen Studienwahltest.
Was verdient man als Lehrkraft?
Die Einstiegsbesoldung liegt je nach Bundesland und Schulform bei A12 oder A13; zahlreiche Länder haben inzwischen auf A13 für alle Schulformen umgestellt. Entscheidend für den Vergleich mit der Privatwirtschaft ist das Netto: Beamte zahlen keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung, wodurch das Netto deutlich über dem liegt, was das Brutto vermuten lässt.
Ist Lehramt ein sicherer Beruf?
In den meisten Fächern und Schulformen ja – der Lehrkräftemangel besteht in fast allen Bundesländern und wird sich nach den vorliegenden Prognosen so schnell nicht auflösen. Die Einschränkung betrifft einzelne Kombinationen am Gymnasium in nachgefragten Regionen. Im Beamtenverhältnis ist die Arbeitsplatzsicherheit anschließend faktisch vollständig.
Was passiert im Referendariat?
Sie unterrichten eigenverantwortlich unter Anleitung, besuchen begleitende Seminare, halten bewertete Lehrproben und legen das zweite Staatsexamen ab. Die Phase ist fachlich die intensivste des gesamten Werdegangs und zugleich die belastendste: Doppelbelastung aus Unterricht, Vorbereitung und Prüfungsdruck, häufig verbunden mit einem Umzug.
Kann ich ohne Lehramtsstudium Lehrer werden?
In Mangelfächern ja. Fast alle Bundesländer öffnen den Seiteneinstieg für Fachabsolventen, etwa aus Informatik, Physik oder den Ingenieurwissenschaften. Die Konditionen – berufsbegleitende Qualifizierung, Verbeamtungsmöglichkeit, Besoldung – unterscheiden sich je Land erheblich und ändern sich mit der Bedarfslage. Für Unentschlossene kann der Fachbachelor deshalb der flexiblere Weg sein.
Ist Grundschullehramt einfacher als Gymnasiallehramt?
Fachlich ist das Studium weniger tief, dafür sind mehr Fächer abzudecken, und der NC ist wegen hoher Nachfrage oft strenger. Im Beruf ist die Anforderung eine andere, keine geringere: Grundschullehrkräfte begleiten den Schriftspracherwerb, arbeiten mit sehr heterogenen Lernständen und haben deutlich mehr Elternkontakt. Die Frage ist nicht, was leichter ist, sondern mit welchem Alter Sie arbeiten möchten.
Wie viel Arbeit steckt hinter einer Unterrichtsstunde?
Deutlich mehr, als aus der Schülerperspektive sichtbar ist. Zur Unterrichtszeit kommen Vorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen, Dokumentation und Förderplanung. Gerade in korrekturintensiven Fächern wie Deutsch und den Fremdsprachen ist das ein erheblicher Anteil – ein Punkt, der bei der Fächerwahl mitbedacht gehört.
Wann ist eine professionelle Studienberatung beim Lehramt sinnvoll?
Besonders in drei Fällen: wenn Sie sich zwischen Schulformen nicht entscheiden können; wenn Sie zwei Neigungsfächer wählen möchten und die Konsequenzen für die Einstellung abwägen; und wenn Sie unsicher sind, ob die dauerhafte Präsenz vor Gruppen zu Ihnen passt. Genau dieses letzte Merkmal lässt sich schlecht schätzen und gut messen. Eine Studienberatung nach DIN 33430 arbeitet mit normierten Verfahren.
Themenwelt
Weiterführende Seiten zur Studienwahl
Das Studienfeld und seine Nachbarn
Andere Studiengänge im Detail
Orientierung, Zugang und Finanzierung
Diagnostik und Beratung
Fazit
Lehramt ist eine gute Wahl – wenn zwei Entscheidungen bewusst fallen
Sicherheit, Vereinbarkeit und ein Arbeitsmarkt, der auf Jahre mehr Lehrkräfte sucht als ausgebildet werden: Kaum ein Studiengang bietet diese Kombination. Der Preis ist, dass zwei Entscheidungen vor der Immatrikulation fallen und später nur mit Aufwand korrigierbar sind – die Schulform und die Fächerkombination.
Wer beide bewusst trifft, statt sie über das Lieblingsfach mitlaufen zu lassen, hat einen der stabilsten Berufswege überhaupt vor sich. Wer sie mitlaufen lässt, merkt es fünf bis sieben Jahre später – im Referendariat oder bei der ersten Bewerbung.
Der nächste Schritt
Interessen klären Sie in zehn Minuten mit dem kostenlosen Studienwahltest. Ob dauerhafte Präsenz vor Gruppen zu Ihnen passt, lässt sich dagegen nicht schätzen – dafür gibt es die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten mit normierten Verfahren, Gutachten und Auswertungsgespräch. Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei und unverbindlich.
Zuletzt fachlich geprüft: August 2026 · Jan Bohlken, Dipl.-Sozialökonom, DIN 33430 · Fachliche Zweitprüfung: Raphaela Peitsch, Dipl.-Psychologin. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand August 2026. Lehrerbildung ist Landesrecht; maßgeblich sind stets die Regelungen und Bedarfsprognosen des jeweiligen Bundeslands. Diese Seite stellt keine Rechtsberatung dar.