Informatik studieren: Mathe, NC, Realität
Informatik hat den besten Arbeitsmarkt aller Studiengänge in Deutschland – und eine der höchsten Abbruchquoten. Beides hängt zusammen: Der Zugang ist meist offen, das Studium ist es nicht. Diese Seite zeigt, warum Informatik in erster Linie Mathematik ist, wie viel Programmiervorkenntnis Sie wirklich brauchen und woran im ersten Jahr die meisten scheitern.
Das Wichtigste in Kürze. Informatik ist keine Programmierausbildung, sondern eine formale Wissenschaft. Diskrete Mathematik, Analysis, Lineare Algebra und Theoretische Informatik tragen die ersten drei Semester; Programmieren ist Werkzeug, nicht Gegenstand. Der Zugang ist an vielen Hochschulen frei – genau das erzeugt die hohe Abbruchquote, weil die Selektion vom Zulassungsverfahren in das erste Studienjahr verlagert wird. Wer Mathematik mag oder zumindest aushält, findet danach den stärksten Arbeitsmarkt aller Studiengänge mit den höchsten Einstiegsgehältern außerhalb von Medizin und Consulting. Programmiervorkenntnisse sind hilfreich, aber keine Voraussetzung – mathematische Grundlagen sind es faktisch schon.
Steckbrief
Informatik studieren – alle Eckdaten auf einen Blick
Informatik ist im Studienfeld Technik & Informatik der größte Studiengang und derjenige mit dem größten Abstand zwischen Zugangshürde und Studienanforderung. Diese Lücke ist der Schlüssel zum Verständnis des Fachs.
| Merkmal | Informatik (B.Sc.) | Einordnung |
|---|---|---|
| Abschluss | Bachelor of Science, danach Master of Science | Direkteinstieg nach dem Bachelor ist üblich und gut bezahlt |
| Regelstudienzeit | 6 Semester Bachelor, 4 Semester Master | Faktische Studiendauer liegt häufig darüber |
| Typischer NC | an vielen Standorten zulassungsfrei | Wo es einen NC gibt, meist zwischen 1,8 und 2,7 |
| Mathematikanteil | ca. 30 bis 35 Prozent der Credits | Diskrete Mathematik, Analysis, Lineare Algebra, Stochastik |
| RIASEC-Profil | I + R (Investigative, Realistic) | Analytisch-forschend vor konstruierend-praktisch |
| Abbruchquote | rund 40 Prozent im Bachelor an Universitäten | Eine der höchsten aller Studiengänge |
| Programmiervorkenntnisse | hilfreich, aber nicht vorausgesetzt | Mathematische Grundlagen sind faktisch wichtiger |
| Einstiegsgehalt | ca. 50.000 bis 62.000 Euro brutto pro Jahr | Spitzengruppe unter allen Fachrichtungen |
| Arbeitsmarkt | anhaltend deutlich mehr Stellen als Absolventen | Der stärkste Arbeitsmarkt aller Studiengänge |
Alle Angaben sind Orientierungswerte, Stand August 2026. Abbruchquoten variieren erheblich zwischen Universitäten und Fachhochschulen; maßgeblich sind die Angaben der jeweiligen Hochschule und die Hinweise unter Zulassung und Bewerbung.
Begriffsklärung
Welche Informatik? Fünf Varianten im Vergleich
„Informatik studieren" kann fünf sehr verschiedene Dinge bedeuten. Die Wahl der Variante entscheidet über Mathematikanteil, Praxisnähe und Berufsbild stärker als die Wahl der Hochschule.
Abb. 1: Alle fünf führen in gefragte Berufe. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel formale Mathematik auf dem Weg dorthin liegt.
Eine sechste Option wird häufig übersehen: die Ausbildung zum Fachinformatiker. Wer vor allem entwickeln möchte und keine Freude an formaler Theorie hat, kommt darüber oft schneller und zufriedener ans Ziel – mit exzellenten Arbeitsmarktchancen und der Möglichkeit, später berufsbegleitend zu studieren. Die Grundsatzfrage klärt unser Ratgeber Studium oder Ausbildung, konkrete Profile finden Sie unter Ausbildungsberufe.
Wirtschaftsinformatik als Brücke. Wer sowohl an Technik als auch an Unternehmen interessiert ist, findet in der Wirtschaftsinformatik die derzeit vielleicht beste Kombination aus Zugänglichkeit und Arbeitsmarkt. Sie liegt an der Schnittstelle zu Wirtschaft & Management – ein Vergleich mit BWL lohnt sich, wenn Sie zwischen beiden Richtungen schwanken.
Studieninhalte
Was Sie im Informatikstudium tatsächlich lernen
Der Bachelor besteht aus vier Blöcken: Mathematik, Theoretische Informatik, Praktische Informatik und Technische Informatik. Der Anteil, den die meisten unter „Informatik" verstehen – Software bauen – ist einer von vieren.
Abb. 2: Mathematik und Theoretische Informatik machen zusammen mehr als die Hälfte aus. Das erste Semester enthält an Universitäten fast ausschließlich Grundlagen.
Mathematik
Diskrete Mathematik mit Mengenlehre, Relationen, Graphen und Kombinatorik ist das Fundament der gesamten Informatik. Analysis und Lineare Algebra laufen meist über zwei Semester und sind an Universitäten häufig dieselben Vorlesungen wie im Mathematikstudium – mit demselben Anspruch. Dazu kommen Stochastik und in vielen Curricula Numerik.
Theoretische Informatik
Logik, formale Sprachen, Automatentheorie, Berechenbarkeit und Komplexitätstheorie. Hier geht es um Fragen wie: Welche Probleme sind überhaupt algorithmisch lösbar? Wie viel Zeit und Speicher braucht eine Lösung mindestens? Das ist reine Beweisführung – und für viele der überraschendste Teil des Studiums.
Praktische Informatik
Programmierung, Algorithmen und Datenstrukturen, Datenbanken, Software Engineering, Betriebssysteme, verteilte Systeme. Ab dem fünften Semester folgen Vertiefungen wie Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Computergrafik oder Data Engineering. Wichtig: Auch dieser Block ist konzeptionell und nicht handwerklich – Algorithmen und Datenstrukturen ist eine Beweisveranstaltung mit Programmieranteil, keine Programmiervorlesung.
Technische Informatik
Rechnerarchitektur, Digitaltechnik, Rechnernetze. An technisch orientierten Standorten kommt Elektrotechnik hinzu. Der Umfang variiert zwischen den Hochschulen stark – ein Grund, das Modulhandbuch vor der Bewerbung zu lesen.
Realitätscheck
Der Mathematik-Schock und die höchste Abbruchquote im Studienfeld
Rund vier von zehn Informatikstudierenden brechen den Bachelor an Universitäten ab. Das ist kein Zeichen dafür, dass das Fach zu schwer wäre – sondern dafür, dass die Selektion an einer anderen Stelle stattfindet als bei Medizin oder Psychologie.
Abb. 3: Beide Modelle sortieren – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Bei Informatik tragen Sie das Risiko selbst, dafür ist der Zugang offen.
Woran es konkret scheitert
- Analysis und Lineare Algebra an Universitäten sind häufig dieselben Veranstaltungen wie für Mathematikstudierende – mit Epsilon-Delta-Beweisen ab der zweiten Woche.
- Diskrete Mathematik verlangt formale Beweisführung, eine Denkform, die in der Schule kaum vorkommt.
- Theoretische Informatik ist für viele der eigentliche Bruch: keine Programme, keine Anwendung, nur Formalismus.
- Algorithmen und Datenstrukturen verbindet beides – wer die Mathematik nicht mitbringt, scheitert auch am praktisch klingenden Modul.
Der zentrale Satz dieser Seite. Informatik ist nicht das Studium des Programmierens. Programmieren verhält sich zur Informatik wie Rechnen zur Mathematik: notwendiges Werkzeug, aber nicht der Gegenstand. Wer das Fach wählt, weil er gern Software baut, und Mathematik dabei als notwendiges Übel einplant, hat die Gewichtung umgedreht – und trifft im zweiten Semester auf die Realität.
Was wirksam hilft. Erstens: den Mathematik-Vorkurs belegen, den fast jede Hochschule vor Semesterbeginn anbietet – der größte Einzelhebel gegen einen frühen Abbruch. Zweitens: in der ersten Woche eine feste Übungsgruppe bilden, weil Übungsblätter in Informatik faktisch nicht allein zu schaffen sind. Drittens: die eigenen Lernmethoden prüfen – welche Techniken tatsächlich wirken, zeigt unser Lerntypen-Test im Abschnitt zu den empirisch belegten Lernstrategien.
Die häufigste Frage
Brauche ich Programmiervorkenntnisse?
Die kurze Antwort: nein, formal nicht. Die längere Antwort ist nützlicher.
Machbar, aber mit Startnachteil
Die Programmiervorlesung beginnt bei null. In der Praxis sitzt allerdings ein Teil der Kohorte mit mehreren Jahren Hobbyerfahrung daneben, wodurch das Tempo steigt. Wer bei null startet, investiert im ersten Semester deutlich mehr Zeit – schafft es aber regelmäßig.
Entlastung im ersten Jahr
Wer Grundlagen einer Sprache beherrscht, gewinnt Zeit – und kann sie in Mathematik investieren, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Das ist der eigentliche Wert von Vorkenntnissen: nicht der Vorsprung im Programmieren, sondern der freie Kopf für die Theorie.
Was sich vorher wirklich lohnt
Drei Monate vor Studienbeginn: Schulmathematik der Oberstufe auffrischen, insbesondere Funktionen, Ableitungen und Vektorrechnung. Dazu eine Sprache wie Python bis zum Niveau Schleifen, Funktionen und einfache Datenstrukturen. In dieser Reihenfolge – nicht umgekehrt.
Ein aussagekräftiger Selbsttest. Suchen Sie ein frei verfügbares Übungsblatt aus einer Vorlesung Diskrete Mathematik im ersten Semester. Nicht um es zu lösen – sondern um die eigene Reaktion zu beobachten. Neugier ist ein sehr gutes Zeichen. Wenn Sie stattdessen sofort nach der Programmiervorlesung suchen, sagt das etwas über die Passung zur Kerninformatik – und spricht möglicherweise für Wirtschafts- oder Medieninformatik. Strukturiert prüfen Sie das über den kostenlosen Studienwahltest.
Zugang
NC und Zulassung: Der offene Zugang ist Chance und Risiko
Informatik ist an einem erheblichen Teil der deutschen Hochschulen zulassungsfrei. Wo es einen NC gibt, liegt er meist im Zweierbereich. Für Studieninteressierte mit mittlerem Abitur ist das eine echte Chance – solange klar ist, dass die Auswahl damit nicht entfällt, sondern nur verschoben wird.
Abb. 4: Orientierungswerte über Standorttypen, Stand August 2026. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben der jeweiligen Hochschule.
Weil der Zugang selten das Problem ist, verschiebt sich die eigentliche Entscheidung auf die Frage nach dem Standorttyp: An Technischen Universitäten ist der Mathematikanteil am höchsten und die Theorie am tiefsten, an Fachhochschulen liegt der Schwerpunkt auf Projekten und Anwendungsnähe. Beide Wege führen in denselben Arbeitsmarkt – der Alltag unterscheidet sich erheblich. Eine Übersicht bietet der Hochschulfinder, die Einordnung der Formen der Ratgeber Hochschulwahl. Wer ohne Abitur einsteigen möchte, findet die Wege unter Studieren ohne Abitur – über eine IT-Ausbildung ist das gut erschlossen.
Diagnostische Perspektive
Das Eignungsprofil: Was Informatik über sechs Semester trägt
Wir betrachten Studiengänge nach dem Anforderungsprofil – danach, welche Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale mit Erfolg und Zufriedenheit zusammenhängen. Diese Perspektive stammt aus der Orientierungsberatung und aus über 10.000 Beratungen.
Abb. 5: I steht deutlich vor R. Wer vor allem bauen und wenig beweisen möchte, ist in Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik oder einer IT-Ausbildung passender aufgehoben.
Kognitives Anforderungsprofil
Schlussfolgerndes Denken
Abstrakte Strukturen erfassen, Muster erkennen, formale Systeme durchdringen. Der stärkste einzelne Prädiktor für Erfolg in Theoretischer Informatik und Algorithmik.
Rechnerisches Denken
Trägt Analysis, Lineare Algebra, Stochastik und Numerik. Weniger Rechenfertigkeit als sicherer Umgang mit formalen Notationen und Umformungen.
Komplexität halten
Beim Debuggen und beim Beweisen müssen mehrere Abhängigkeiten gleichzeitig im Kopf behalten werden. Trainierbar, aber im ersten Jahr spürbar unterschiedlich ausgeprägt.
Persönlichkeitsseitige Passung
Zwei Merkmale stechen hervor. Frustrationstoleranz ist bei kaum einem Fach so relevant: Ein Programm, das nicht läuft, und ein Beweis, der nicht schließt, geben stundenlang keine Rückmeldung. Wer Fortschritt in kurzen Abständen braucht, empfindet das als zermürbend. Gewissenhaftigkeit ist der stärkste Persönlichkeitsprädiktor für Studienerfolg überhaupt und in einem Fach mit wöchentlichen Übungsblättern besonders wirksam. Wie diese Dimensionen gemessen werden, erklären wir beim Persönlichkeitstest; einen kostenlosen Big-Five-Test finden Sie dort ebenfalls.
Warum Selbsteinschätzung hier nicht reicht. Gerade beim figural-abstrakten Profil weicht das Selbstbild systematisch von gemessener Leistung ab – Schulnoten in Mathematik sagen darüber weniger aus, als die meisten annehmen. Für eine Entscheidung mit dieser Tragweite ist Messung der Schätzung überlegen: Intelligenztest und Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten. Als kostenloser erster Schritt genügt oft der Potenzial-Selbstcheck.
Ehrliche Einordnung
Wer typischerweise an Informatik scheitert
Bei rund 40 Prozent Abbruch im Bachelor lohnt der genaue Blick. Die Fälle folgen fünf Mustern – und vier davon sind vor Studienbeginn erkennbar.
Programmieren erwartet, Mathematik bekommen
Der mit Abstand häufigste Fall. Motivation stammt aus dem Bauen von Software, das erste Jahr besteht überwiegend aus Beweisen. Die Motivation trägt nicht bis zu den anwendungsnahen Modulen.
Die Wahl nach Arbeitsmarkt
Informatik als sichere Bank, ohne inhaltliches Interesse. Der Arbeitsmarkt ist real ausgezeichnet – aber er nützt nur denen, die den Abschluss erreichen.
Allein arbeiten wollen
Übungsblätter in Informatik sind auf Gruppenarbeit ausgelegt. Wer keine Lerngruppe findet oder keine sucht, baut ab der dritten Woche einen Rückstand auf, der sich kaum aufholen lässt.
Vorkenntnisse überschätzt
Mehrere Jahre Hobbyprogrammierung erzeugen das Gefühl, das erste Jahr locker zu nehmen. Die Vorkenntnisse helfen in der Programmiervorlesung – und gar nicht in Analysis.
Falscher Standorttyp
Ein anwendungsorientierter Kopf an einer theorielastigen TU. Derselbe Mensch hätte an einer HAW mit Projektschwerpunkt gut abgeschlossen. Kein Eignungs-, sondern ein Passungsproblem.
Was vorher hilft
Modulhandbuch lesen, Mathematik-Vorkurs belegen, in Woche eins eine Lerngruppe bilden, Standorttyp bewusst wählen. Vier Schritte gegen vier der fünf Muster.
Wer bereits im Studium zweifelt, findet Einordnung unter Studienabbruch – bei Informatik ist der Wechsel an eine Fachhochschule oder in die Wirtschaftsinformatik oft die bessere Lösung als der vollständige Ausstieg. Die häufigsten Denkfehler vor der Wahl sammelt unser Beitrag zu den Fehlern bei der Studienwahl, konkrete Vorgehensweisen die 19 Tipps zur Studienwahl.
Nach dem Abschluss
Berufsfelder und Gehalt nach dem Informatikstudium
Informatik hat den stärksten Arbeitsmarkt aller Studiengänge in Deutschland: Über alle Spezialisierungen hinweg übersteigt die Zahl offener Stellen die Zahl der Absolventen deutlich – und zwar seit Jahren. Konkrete Tätigkeitsprofile finden Sie in unseren Berufsbildern.
Abb. 6: Informatik gehört beim Einstieg zur Spitzengruppe aller Fachrichtungen. Die Spreizung innerhalb des Fachs ist geringer als etwa bei BWL.
Softwareentwicklung & Architektur
Entwurf und Umsetzung von Anwendungen, später Systemarchitektur und technische Führung. Das größte Feld mit der breitesten Auswahl an Branchen und Arbeitsmodellen.
Passt zu: konstruktivem Denken, Ausdauer, Freude an sauberen Lösungen.
KI & Machine Learning
Modellentwicklung, Training, Evaluation, Deployment. Das Feld mit den höchsten Einstiegsgehältern – und dem höchsten Mathematikanteil auch im Beruf.
Passt zu: starkem Interesse an Statistik und formalen Modellen.
IT-Sicherheit
Penetration Testing, Security Engineering, Incident Response, Forensik. Hohe Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot an qualifizierten Fachkräften.
Passt zu: analytischem Misstrauen, Detailgenauigkeit, Systemdenken.
Data Engineering & Analytics
Datenpipelines, Warehouses, Auswertung und Visualisierung. Schnittstelle zwischen IT und Fachbereich mit wachsender strategischer Bedeutung.
Passt zu: strukturiertem Arbeiten und Interesse an Geschäftsfragen.
Cloud, DevOps & Infrastruktur
Betrieb, Automatisierung, Skalierung. Weniger sichtbar als Entwicklung, aber mit hoher Verantwortung und guter Verhandlungsposition.
Passt zu: Prozessdenken, Zuverlässigkeit, Ruhe unter Druck.
Forschung, Consulting & Gründung
Universitäre Forschung, IT-Beratung oder der Schritt in die Selbstständigkeit. Informatik ist eines der wenigen Fächer, in denen Gründung ohne Kapital realistisch ist.
Passt zu: ausgeprägtem I-Profil oder zusätzlich starkem E-Anteil.
Einordnung im Gesamtvergleich. Wie Informatik beim Einstiegsgehalt gegenüber anderen Fachrichtungen abschneidet, zeigt unsere Auswertung der Einstiegsgehälter nach Fachrichtung sowie die Betrachtung nach Branchen. Zur Frage, wie KI die Softwareentwicklung selbst verändert, gibt der Check Ist mein Beruf automatisierbar? eine Einschätzung: Routinecode wird stark automatisiert, Architektur, Sicherheitsentscheidungen und die Übersetzung fachlicher Anforderungen in Systeme bleiben menschliche Kernaufgaben.
Studienform
Uni, Fachhochschule, dual oder Fernstudium?
Bei Informatik verändert der Hochschultyp den Studienalltag stärker als bei fast jedem anderen Fach – weil sich der Mathematik- und Theorieanteil erheblich unterscheidet. Eine allgemeine Einordnung bietet unser Ratgeber zur Hochschulwahl.
| Form | Zugang | Mathematikanteil | Schwerpunkt | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|---|
| TU / Universität | NC 1,8–2,7 oder frei | sehr hoch | Theorie, Algorithmik, Forschung | Wer beweisen mag und promovieren könnte |
| FH / HAW | oft zulassungsfrei | moderat | Projekte, Praxissemester, Anwendung | Wer bauen will und Theorie als Mittel sieht |
| Duales Studium | Bewerbung beim Unternehmen | moderat | Theorie und Praxis im Wechsel | Wer Struktur braucht und früh Geld verdienen will |
| Fernstudium | zulassungsfrei | hoch, ohne Übungsgruppe | Selbststudium | Berufstätige mit sehr hoher Selbstdisziplin |
| Privathochschule | zulassungsfrei | je nach Profil | kleine Gruppen, Netzwerk | Wer Gebühren tragen kann und Betreuung sucht |
Das duale Studium ist bei Informatik stark ausgebaut und löst gleich zwei der fünf Abbruchmuster: Der feste Rhythmus ersetzt die fehlende Struktur, und die Praxisphasen halten die Motivation aufrecht, während die Theorie läuft. Das Fernstudium ist dagegen die anspruchsvollste Variante – ohne Übungsgruppe fällt eine der wichtigsten Stützen weg. Wer noch grundsätzlich schwankt, sollte die Frage Studium oder Ausbildung klären; in der IT ist die Ausbildung eine der stärksten Alternativen zum Studium überhaupt.
Verwandte Studiengänge
Alternativen zu Informatik – nach Motiv sortiert
Der Weg zur besseren Alternative führt über die Frage, was Sie an Informatik reizt. Vier typische Motive, vier verschiedene Antworten.
Motiv: Software bauen
Wenn der Kern das Entwickeln ist, sind Softwaretechnik an einer HAW, ein duales Studium oder die Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung die direkteren Wege – mit deutlich weniger Theorie.
Übersicht: Ausbildungsberufe
Motiv: Technik verstehen
Elektrotechnik, Mechatronik oder Technische Informatik verbinden Hardware und Software – mit ähnlichem Arbeitsmarkt und stärkerem physischem Bezug.
Feldübersicht: Technik & Informatik
Motiv: IT im Unternehmen
Wirtschaftsinformatik ist die zugänglichste Variante mit exzellentem Arbeitsmarkt – Schnittstelle zwischen Fachbereich und Technik, moderater Mathematikanteil.
Vergleich: BWL studieren
Motiv: Mit Daten arbeiten
Data Science, Statistik oder Mathematik selbst führen tiefer in die formale Seite – mit noch höherem Mathematikanteil, aber sehr starkem Arbeitsmarkt.
Feldübersicht: Naturwissenschaften
Systematisch statt punktuell suchen. Wer mehrere Alternativen gleichzeitig prüfen will, arbeitet mit dem Studiengangfinder und der Übersicht aller neun Studienfelder. Welche Felder arbeitsmarktseitig wachsen, zeigt der Ratgeber Studiengänge mit Zukunft.
Entscheidungshilfe
Fünf Fragen, die Sie vor der Bewerbung beantworten sollten
- Habe ich ein Modulhandbuch gelesen? Bei Informatik besonders wichtig, weil sich der Mathematikanteil zwischen Standorten um mehr als zehn Prozentpunkte unterscheidet. Das Modulhandbuch ist das ehrlichste Dokument, das eine Hochschule veröffentlicht.
- Weiß ich, dass Informatik überwiegend Mathematik ist – und finde ich das interessant? Nicht erträglich, sondern interessant. Über sechs Semester ist das der Unterschied zwischen Durchhalten und Aufblühen.
- Wähle ich Informatik wegen des Fachs oder wegen des Arbeitsmarkts? Der Arbeitsmarkt ist real ausgezeichnet – aber er belohnt nur diejenigen, die den Abschluss erreichen.
- Passt der Standorttyp zu meinem Denken? TU bedeutet Theorie, HAW bedeutet Projekte. Beide führen in denselben Arbeitsmarkt, aber nur einer passt zu Ihrem Alltag.
- Kenne ich mein Anforderungsprofil – gemessen, nicht geschätzt? Interessen über den Studienwahltest, kognitives Profil und Persönlichkeit über eine Potenzialanalyse.
Geprüfte Expertise · E-E-A-T
Wer diese Seite verantwortet
Jan Bohlken
Diplom-Sozialökonom · Gründer und Geschäftsführer Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert · RIASEC-Experte · Mitglied nfb, DGfK, dvb
Jan Bohlken verbindet über 25 Jahre Eignungsdiagnostik mit ebenso langer Erfahrung als Headhunter für technische Fach- und Führungspositionen. Er kennt den IT-Arbeitsmarkt aus der Perspektive der einstellenden Unternehmen – und weiß, welche Profile dort tatsächlich gesucht werden.
„Informatik ist der Studiengang mit dem größten Abstand zwischen Vorstellung und Realität. Fast alle kommen, weil sie etwas bauen wollen. Was sie im ersten Jahr bekommen, ist Analysis. Wer das vorher weiß und sich darauf einlässt, hat danach den besten Arbeitsmarkt des Landes."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · Systemische Beraterin (DGSF) · Eignungsdiagnostik
Raphaela Peitsch verantwortet die fachliche Prüfung dieser Seite. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Messung kognitiver Anforderungsprofile und auf der Frage, wann ein Passungsproblem als Eignungsproblem missverstanden wird.
Transparenz
Quellen und Stand der Angaben
- Zulassungswerte und Verfahren Angaben der Hochschulen sowie hochschulstart.de zum Wintersemester 2025/26 und Sommersemester 2026. NC-Werte sind Ergebnis eines Vergabeverfahrens, keine feste Zugangsvoraussetzung.
- Heublein, U. et al. (2023) Studienabbruchstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Grundlage der Angaben zu Abbruchquoten und Abbruchgründen; Informatik und Mathematik/Naturwissenschaften weisen dort die höchsten Werte aller Fächergruppen auf.
- Statistisches Bundesamt Studierendenzahlen nach Fächergruppen und Studienbereichen sowie Absolventenzahlen.
- Holland, J. L. (1997) Making Vocational Choices: A Theory of Vocational Personalities and Work Environments. 3. Auflage, Psychological Assessment Resources. Theoretische Grundlage des RIASEC-Anforderungsprofils.
- Schmidt, F. L., & Hunter, J. E. (1998) The Validity and Utility of Selection Methods in Personnel Psychology. Psychological Bulletin, 124(2), 262–274. Grundlage der Aussagen zur Prognosekraft kognitiver Fähigkeiten und Gewissenhaftigkeit.
- Amthauer, R., Brocke, B., Liepmann, D., & Beauducel, A. (2001) Intelligenz-Struktur-Test 2000 R. Hogrefe, Göttingen. Verfahren zur Erhebung des kognitiven Anforderungsprofils in der Potenzialanalyse.
- Einstiegsgehälter und Arbeitsmarktlage Auswertung des Profiling Instituts auf Basis öffentlich verfügbarer Vergütungsdaten und eigener Beobachtungen aus Personalauswahl und Executive Search, Stand August 2026.
- DIN 33430:2016-07 Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen. Norm, nach der das Profiling Institut zertifiziert ist.
Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Seite ersetzt weder die offizielle Studienberatung der Hochschulen noch die verbindlichen Angaben der Zulassungsstellen. Rechtsstand und Datenstand: August 2026.
Häufige Fragen
FAQ: Informatik studieren
Brauche ich Programmierkenntnisse für ein Informatikstudium?
Formal nein, die Programmiervorlesung beginnt bei null. Praktisch verschaffen Vorkenntnisse allerdings Luft: Wer im ersten Semester nicht gleichzeitig programmieren lernen und Analysis bewältigen muss, hat einen spürbaren Vorteil. Wichtiger als Programmierpraxis sind jedoch mathematische Grundlagen – wer nur eines von beidem vorbereiten kann, sollte Mathematik wählen.
Wie viel Mathematik kommt im Informatikstudium vor?
An Universitäten rund 30 bis 35 Prozent der Credits: Diskrete Mathematik, Analysis über zwei Semester, Lineare Algebra, Stochastik, oft Numerik. Hinzu kommt die Theoretische Informatik mit weiteren 20 Prozent, die ebenfalls formale Beweisführung verlangt. An Fachhochschulen liegt der Anteil deutlich niedriger.
Warum ist die Abbruchquote in Informatik so hoch?
Weil die Selektion nicht am Zugang, sondern im ersten Studienjahr stattfindet. Der Zugang ist meist offen, die Anforderungen sind es nicht. Der häufigste Einzelgrund: Studierende erwarten Programmieren und treffen auf Mathematik. Wer das vorher weiß und einen Vorkurs belegt, hat einen erheblichen Teil des Risikos bereits ausgeschlossen.
Welchen NC brauche ich für Informatik?
An vielen Hochschulen gar keinen – Informatik ist an einem erheblichen Teil der Standorte zulassungsfrei. Wo es einen NC gibt, liegt er meist zwischen 1,8 und 2,7, an sehr nachgefragten Technischen Universitäten am unteren Rand dieser Spanne. Alternativen sammelt unser Ratgeber Studium ohne NC.
Was ist der Unterschied zwischen Informatik und Wirtschaftsinformatik?
Kerninformatik geht in die Tiefe: Theorie, Algorithmik, Systeme. Wirtschaftsinformatik geht in die Breite: IT plus Betriebswirtschaft, mit dem Ziel, zwischen Fachbereich und Technik zu vermitteln. Der Mathematikanteil ist in der Wirtschaftsinformatik deutlich niedriger, der Arbeitsmarkt ebenfalls ausgezeichnet. Für viele ist sie die realistischere Wahl.
Uni oder Fachhochschule – was ist besser für Informatik?
Besser ist die falsche Kategorie. An Universitäten liegt der Schwerpunkt auf Theorie und Algorithmik, an Fachhochschulen auf Projekten und Anwendung. Beide führen in denselben Arbeitsmarkt; Arbeitgeber unterscheiden bei Berufseinsteigern kaum. Entscheidend ist, welcher Alltag zu Ihrem Denken passt – ein Passungs-, kein Qualitätsunterschied.
Welches RIASEC-Profil passt zu Informatik?
Der Holland-Code des Fachs lautet I-R-C: Investigative deutlich vor Realistic, gefolgt von Conventional. Wer bei I schwach liegt und vor allem R mitbringt – also bauen statt beweisen will – findet in Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik oder einer IT-Ausbildung die bessere Passung. Ihr Profil ermitteln Sie mit dem kostenlosen Studienwahltest.
Was verdient man nach dem Informatikstudium?
Der Einstieg liegt je nach Spezialisierung zwischen etwa 44.000 und 72.000 Euro brutto pro Jahr. Machine Learning und IT-Sicherheit liegen vorn, IT-Administration am unteren Rand. Informatik gehört damit beim Berufseinstieg zur Spitzengruppe aller Fachrichtungen – bei gleichzeitig deutlich geringerer Spreizung als etwa in den Wirtschaftswissenschaften.
Lohnt sich ein Master in Informatik?
Für Forschung, KI-Entwicklung und viele Spezialisierungen ja. In der Softwareentwicklung ist der Direkteinstieg nach dem Bachelor verbreitet und gut bezahlt; Berufserfahrung wiegt dort oft schwerer als der zusätzliche Abschluss. Ein Master lohnt sich vor allem, wenn er eine klare Spezialisierung ergänzt.
Kann ich Informatik ohne Abitur studieren?
Ja, und es ist einer der am besten erschlossenen Wege überhaupt. Eine abgeschlossene IT-Ausbildung plus Berufserfahrung öffnet an den meisten Hochschulen den Zugang, ebenso Meister- oder Fachwirttitel. Die Regelungen unterscheiden sich je Bundesland – Details unter Studieren ohne Abitur.
Ist Informatik oder eine IT-Ausbildung sinnvoller?
Das hängt vom Ziel ab. Wer entwickeln will und ungern beweist, kommt über die Ausbildung zum Fachinformatiker schneller und oft zufriedener ans Ziel – mit sehr guten Arbeitsmarktchancen und der Option, später berufsbegleitend zu studieren. Wer in Architektur, Forschung oder KI arbeiten möchte, braucht das Studium. Die Grundsatzfrage klärt Studium oder Ausbildung.
Wie wichtig ist Englisch im Informatikstudium?
Sehr wichtig, aber unproblematisch. Fachliteratur, Dokumentation und ab dem Master häufig auch Vorlesungen sind englischsprachig. Das Niveau der Oberstufe genügt als Ausgangspunkt; das Fachvokabular wächst im Studium von selbst mit.
Macht KI das Informatikstudium überflüssig?
Nein, aber sie verschiebt die Schwerpunkte. Routinecode wird stark automatisiert – genau der Teil, der ohnehin nicht Gegenstand des Studiums ist. Was an Bedeutung gewinnt, sind Systemarchitektur, Sicherheitsentscheidungen, das Verstehen von Modellen und die Übersetzung fachlicher Anforderungen in technische Systeme. Also: die theoretischen Anteile, über die im ersten Studienjahr am meisten geklagt wird.
Wann ist eine professionelle Studienberatung bei Informatik sinnvoll?
Besonders in zwei Fällen: wenn Sie Informatik vor allem wegen des Arbeitsmarkts erwägen, ohne den Fachinhalt zu kennen – dann klärt eine Beratung, ob die Passung trägt. Und wenn Sie zwischen Kerninformatik, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik und einer IT-Ausbildung schwanken; hier entscheidet das gemessene Anforderungsprofil zuverlässiger als das Bauchgefühl. Eine Studienberatung nach DIN 33430 arbeitet mit normierten Verfahren.
Themenwelt
Weiterführende Seiten zur Studienwahl
Das Studienfeld und seine Nachbarn
Andere Studiengänge im Detail
Orientierung, Zugang und Finanzierung
Diagnostik, Beratung und Alternativen
Fazit
Informatik belohnt die, die durchkommen – ungewöhnlich stark
Kein anderer Studiengang in Deutschland verbindet einen so offenen Zugang mit einem so starken Arbeitsmarkt. Der Preis dafür steht im ersten Studienjahr: Wo andere Fächer am Eingang aussortieren, tut Informatik es in Analysis und Diskreter Mathematik. Wer das weiß, sich vorbereitet und eine Übungsgruppe findet, hat anschließend eine der besten Ausgangslagen überhaupt.
Wer dagegen vor allem entwickeln will und Theorie als Hindernis empfindet, sollte die Alternativen ernsthaft prüfen – Wirtschaftsinformatik, ein Studium an einer HAW oder eine IT-Ausbildung. Das ist kein Rückschritt, sondern die präzisere Wahl.
Der nächste Schritt
Interessen klären Sie in zehn Minuten mit dem kostenlosen Studienwahltest. Ihr kognitives Profil lässt sich dagegen nicht schätzen – dafür gibt es die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten mit normierten Verfahren, Gutachten und Auswertungsgespräch. Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei und unverbindlich.
Zuletzt fachlich geprüft: August 2026 · Jan Bohlken, Dipl.-Sozialökonom, DIN 33430 · Fachliche Zweitprüfung: Raphaela Peitsch, Dipl.-Psychologin. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand August 2026. Diese Seite ersetzt weder die offizielle Studienberatung der Hochschulen noch die verbindlichen Angaben der Zulassungsstellen.
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