Methoden · Vorlage als PDF · Beispiel

Potenzialanalyse Mitarbeiter: Methoden, Vorlage und Beispiel

Eine Potenzialanalyse von Mitarbeitern beantwortet die Frage, wer im Unternehmen mehr kann, als die heutige Stelle verlangt. Diese Seite zeigt die Methoden im Vergleich, liefert einen Einschätzungsbogen als PDF und erklärt, wo die Vorlage endet und die Diagnostik beginnt.

Einschätzungsbogen als PDFZehn Merkmale mit VerhaltensankernNormierte Verfahren ab 250 € nettoNach DIN 33430

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Potenzialanalyse von Mitarbeitern beurteilt, welche Voraussetzungen jemand für künftige, größere oder andere Aufgaben mitbringt – nicht, wie gut er heute arbeitet.
  • Vier Methoden sind verbreitet: Einschätzung durch die Führungskraft, strukturiertes Mitarbeitergespräch, normierte Testverfahren und Verhaltensbeobachtung. Sie unterscheiden sich stark in Aufwand und Belastbarkeit.
  • Die Vorlage auf dieser Seite ist ein Einschätzungsbogen für Führungskräfte mit zehn Merkmalen und einer fünfstufigen Skala. Kostenlos als PDF, ohne Anmeldung.
  • Die Grenze der Vorlage: Sie bleibt eine Fremdeinschätzung. Für Entscheidungen über Beförderung, Förderprogramm oder Nachfolge braucht es unabhängige Vergleichswerte.
  • Preise: normierte Verfahren 250 € netto je Verfahren und Person, Potenzialanalyse mit Interview und Gutachten ab 500 € netto.

Was eine Potenzialanalyse von Mitarbeitern ist

Die Potenzialanalyse ist ein Instrument der Personalentwicklung. Sie blickt nach vorn: Was kann diese Person übernehmen, und was braucht sie dafür?

Auf einen Blick

Alle Eckdaten

ThemaPotenzialanalyse von Mitarbeitern
ZielVoraussetzungen für künftige Aufgaben erkennen und entwickeln
MethodenEinschätzungsbogen, Mitarbeitergespräch, normierte Testverfahren, Verhaltensbeobachtung
VorlageEinschätzungsbogen mit zehn Merkmalen als PDF, kostenlos
Normierte VerfahrenBIP, NEO-PI-R, LMI, IST 2000 R
Kosten250 € netto je Verfahren, Potenzialanalyse ab 500 € netto
GrundlageEignungsbeurteilung nach DIN 33430

Interne Besetzung

Eine Teamleitung wird frei. Drei Mitarbeiter kommen infrage. Wer bringt die Voraussetzungen für Führung mit – und wer wäre in der Fachlaufbahn besser aufgehoben?

Personalentwicklung

Das Weiterbildungsbudget ist begrenzt. Die Potenzialanalyse zeigt, bei wem welche Maßnahme ansetzt, statt alle in dasselbe Seminar zu schicken.

Bindung von Leistungsträgern

Wer seine Perspektive kennt, bleibt eher. Ein ehrliches Gespräch über Potenzial und nächste Schritte ist oft wirksamer als eine Gehaltserhöhung.

Umstrukturierung

Rollen fallen weg, neue entstehen. Die Potenzialanalyse hilft, Menschen nach ihren Voraussetzungen zuzuordnen statt nach ihrer bisherigen Kostenstelle.

Geht es um Schlüsselpositionen und Führungsebenen, ist die Potenzialanalyse für Unternehmen das passende Format. Geht es um eine ganze Gruppe von Nachwuchskräften, das Talent-Assessment.

Potenzialanalyse Mitarbeiter: die Methoden im Vergleich

Vier Methoden, vier Antworten auf dieselbe Frage. Je wichtiger die Entscheidung, desto weiter unten in der Tabelle sollten Sie ansetzen.

MethodeAufwandStärkeSchwäche
Einschätzungsbogen der Führungskraftgeringschnell, kostenlos, nah am Alltagabhängig von Sympathie und Nähe, zwischen Führungskräften kaum vergleichbar
Strukturiertes Mitarbeitergesprächgering bis mittelbezieht die Sicht der Person ein, klärt Interessenmisst Selbstdarstellung, keine Vergleichswerte
Normierte Testverfahrenmittelunabhängig vom Vorgesetzten, Vergleich mit Normstichprobezeigt Voraussetzungen, nicht Verhalten im konkreten Team
Biografisches Interview durch Externemittelerfasst Umgang mit Verantwortung und Rückschlägenbraucht geschulte Interviewer
Verhaltensbeobachtung (Assessment-Übungen)hochzeigt Verhalten unter Beobachtungteuer, für einzelne Personen selten verhältnismäßig
Belastbarkeit der Methoden für eine Entscheidung
Einschätzung der Führungskraft alleingering
Einschätzung plus Mitarbeitergesprächmittel
Normierte Testverfahrenhoch
Testverfahren plus biografisches Interviewsehr hoch
Einordnung aus der Beratungspraxis, keine Messdaten. Belastbar heißt: Die Einschätzung hält auch dann, wenn eine andere Person sie vornimmt.

Vorlage: Einschätzungsbogen als PDF

Zwei Seiten, zehn Merkmale, eine fünfstufige Skala und Platz für ein konkretes Beispiel je Merkmal. Zum Ausdrucken oder digitalen Ausfüllen.

Potenzialanalyse Mitarbeiter – Einschätzungsbogen für Führungskräfte. PDF, zwei Seiten, kostenlos und ohne Anmeldung.

Vorlage herunterladen (PDF)
MerkmalVerhaltensankerLeitfrage für das Beispiel
Lernfähigkeiterfasst neue Aufgaben schnell und überträgt GelerntesWann hat sich die Person zuletzt in etwas völlig Neues eingearbeitet?
Leistungsmotivationsetzt sich eigene Ziele oberhalb der VorgabeWelches Ziel hat sie sich selbst gesetzt?
Eigeninitiativegreift Themen auf, ohne beauftragt zu seinWas hat sie angestoßen, das niemand verlangt hat?
Belastbarkeitbleibt unter Druck handlungsfähig und sachlichWie hat sie die letzte Hochlastphase bewältigt?
Problemlösenzerlegt komplexe Aufgaben, findet tragfähige LösungenWelches Problem hat sie gelöst, an dem andere hängen blieben?
Kommunikationvertritt Standpunkte klar und hört zuWie hat sie eine unbequeme Position vertreten?
Zusammenarbeitteilt Wissen, trägt Konflikte offen ausWem hat sie zuletzt geholfen, besser zu werden?
Verantwortungsteht für Ergebnisse ein, auch für FehlerWie ist sie mit einem eigenen Fehler umgegangen?
Veränderungsbereitschaftnimmt neue Aufgaben, Methoden und Rollen anWie hat sie auf die letzte Umstellung reagiert?
Führungsmotivationwill Verantwortung für andere übernehmenWann hat sie geführt, ohne Führungskraft zu sein?
1

Verhalten bewerten, nicht Eigenschaften

Nicht „ist belastbar“, sondern „blieb im Jahresabschluss bei drei Ausfällen im Team sachlich und hat priorisiert“. Ohne Beispiel kein Wert.

2

Zeitraum festlegen

Bewerten Sie die letzten zwölf Monate. Der Eindruck der letzten zwei Wochen überlagert sonst alles andere.

3

Leistung und Potenzial trennen

Der Bogen fragt am Ende nach beidem getrennt. Eine sehr gute Fachkraft mit geringer Führungsmotivation ist kein Problem – solange niemand sie zur Führungskraft macht.

4

Mit der Person besprechen

Der Bogen ist eine Gesprächsgrundlage, kein Geheimdokument. Die Selbsteinschätzung der Person daneben zu legen, ist der aufschlussreichste Teil.

Beispiel: so liest sich ein ausgefüllter Bogen

Ein fiktives, aber typisches Beispiel: Sachbearbeiterin im Einkauf, sechs Jahre im Unternehmen, im Gespräch für die Teamleitung.

Einschätzung der Führungskraft (Skala 1 bis 5)
Lernfähigkeit5
Leistungsmotivation4
Eigeninitiative4
Belastbarkeit3
Problemlösen5
Kommunikation3
Zusammenarbeit4
Verantwortung5
Veränderungsbereitschaft4
Führungsmotivation2
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung. Summe 39 von 50, aktuelle Leistung 5 von 5.

Das Bild ist häufig: fachlich herausragend, verlässlich, lernstark – und mit geringer Führungsmotivation. Die Summe von 39 Punkten würde eine Beförderung nahelegen, das Profil spricht dagegen. Genau hier endet der Nutzen eines Bogens: Ob die niedrige Führungsmotivation eine Beobachtung der Führungskraft ist oder eine Eigenschaft der Person, lässt sich aus der Fremdeinschätzung nicht klären. Ein normiertes Verfahren wie das BIP misst Führungsmotivation direkt und im Vergleich zu einer Normstichprobe.

Die Summe ist nicht das Ergebnis

Zehn Werte zu addieren und nach Punktzahl zu befördern, ist der häufigste Fehlgebrauch solcher Bögen. Entscheidend ist das Profil: Welche Merkmale verlangt die Zielrolle, und wie steht die Person genau dort?

Leistung und Potenzial sind zwei Achsen
Ungenutztes PotenzialVoraussetzungen vorhanden,Leistung noch nicht sichtbarPotenzialträgergezielt entwickeln,nächste Rolle vorbereitenKlärungsbedarfUrsachen ansehen:Rolle, Führung, PassungLeistungsträger in der Rollehalten und würdigen,Fachlaufbahn anbietenPotenzialhochgeringgeringhochLeistung in der heutigen Rolle
Vereinfachtes Raster zur Einordnung, keine Messdaten. Der Bogen fragt beide Achsen getrennt ab, weil hohe Leistung allein noch nichts über die Eignung für die nächste Rolle sagt.

Wo die Vorlage endet und Diagnostik beginnt

Der Bogen ist ein guter erster Schritt. Für drei Arten von Entscheidungen reicht er nicht.

Die Vorlage reicht
  • für das jährliche Entwicklungsgespräch
  • für eine erste Sichtung, wer überhaupt infrage kommt
  • als gemeinsame Sprache zwischen Führungskräften verschiedener Abteilungen
Sie brauchen normierte Verfahren
  • wenn mehrere Kandidat:innen aus verschiedenen Abteilungen verglichen werden
  • wenn die Entscheidung teuer oder schwer rückgängig zu machen ist: Führungsrolle, Förderprogramm, Nachfolge
  • wenn die Einschätzung der Führungskraft und die Selbsteinschätzung der Person weit auseinanderliegen

BIP – berufsbezogene Persönlichkeit

14 Skalen, darunter Führungsmotivation, Gestaltungsmotivation, Belastbarkeit und Durchsetzungsstärke. Das Verfahren für die Frage „Führung oder Fachlaufbahn“. Mehr zum BIP.

NEO-PI-R – Persönlichkeit in der Tiefe

Fünf Dimensionen mit 30 Facetten. Zeigt Arbeitsweise, Umgang mit Stress und Offenheit für Neues. Mehr zum NEO-PI-R.

LMI – Leistungsmotivation

17 Dimensionen von Beharrlichkeit bis Zielsetzung. Trennt Menschen, die viel leisten, weil die Aufgabe sie trägt, von denen, die es aus eigenem Antrieb tun.

IST 2000 R – Lernfähigkeit

Sprachliches, rechnerisches und figurales Denken. Relevant, wenn die neue Rolle deutlich komplexer ist als die heutige. Online oder vor Ort in Düsseldorf, Hannover, Frankfurt und Stuttgart.

Ablauf im Unternehmen und Preise

1

Zielklärung

Wofür wird Potenzial gesucht, und was verlangt die Zielrolle? Daraus entsteht das Soll-Profil. Kostenlos.

2

Information und Einwilligung

Die Mitarbeiter erfahren, was erhoben wird, wer das Ergebnis sieht und was daraus folgt. Die Teilnahme ist freiwillig, der Betriebsrat wird eingebunden.

3

Testverfahren, auf Wunsch mit Interview

Online im eigenen Zeitfenster. In der Potenzialanalyse kommt ein biografisches Interview hinzu.

4

Gutachten und Feedbackgespräch

Diplom-Psycholog:innen werten gegen das Soll-Profil aus. Die Person erhält ihr Ergebnis im Gespräch – vor dem Arbeitgeber oder gemeinsam, je nach Vereinbarung.

Einzelverfahren

Ein Verfahren je Person

250 €netto je Person
  • BIP, NEO-PI-R, LMI oder IST 2000 R
  • Gutachten mit Bezug auf das Soll-Profil
  • schriftliche Rückmeldung an die Person
Verfahren anfragen
Mit Feedbackgespräch

Verfahren plus Gespräch

300 €netto je Person
  • alles aus dem Einzelverfahren
  • Feedbackgespräch mit der Person
  • Handlungsempfehlungen für die Entwicklung
Jetzt anfragen
Empfohlen

Potenzialanalyse

ab 500 €netto je Person
  • Testbatterie und biografisches Interview
  • Gutachten mit rund 15 Seiten
  • Feedbackgespräch mit Entwicklungsempfehlung
Potenzialanalyse anfragen

Alle Konditionen: Preise der Eignungsdiagnostik.

Häufige Fragen zur Potenzialanalyse von Mitarbeitern

Ein Verfahren der Personalentwicklung, das beurteilt, welche Voraussetzungen ein Mitarbeiter für künftige, größere oder andere Aufgaben mitbringt. Im Unterschied zur Leistungsbeurteilung bewertet sie nicht die Ergebnisse der Vergangenheit, sondern das, was möglich ist.

Die Einschätzung durch die Führungskraft mit einem Bogen, das strukturierte Mitarbeitergespräch, normierte Testverfahren zu Persönlichkeit, Motivation und kognitiver Leistungsfähigkeit, das biografische Interview und die Verhaltensbeobachtung in Assessment-Übungen.

Ja. Auf dieser Seite steht ein Einschätzungsbogen für Führungskräfte als PDF zum kostenlosen Download: zehn Merkmale, fünfstufige Skala, Platz für Beispiele und eine Zusammenfassung.

Legen Sie die Zielrolle fest, bewerten Sie beobachtetes Verhalten der letzten zwölf Monate anhand fester Merkmale, notieren Sie je Merkmal ein Beispiel und besprechen Sie das Ergebnis mit der Person. Für weitreichende Entscheidungen ergänzen Sie normierte Verfahren.

Die Vorlage ist kostenlos. Normierte Verfahren kosten 250 € netto je Verfahren und Person, mit Feedbackgespräch 300 € netto. Die Potenzialanalyse mit Testbatterie, Interview und Gutachten beginnt bei 500 € netto.

Ja. Eine Testung setzt die informierte Einwilligung der Person voraus. Wer nicht teilnehmen möchte, darf daraus keinen Nachteil haben.

Nur in dem Umfang, der vorher vereinbart und der Person mitgeteilt wurde. Die Daten sind zweckgebunden. Die Person erhält in jedem Fall eine Rückmeldung.

Die Mitarbeiterbeurteilung bewertet Leistung und Verhalten in der heutigen Rolle. Die Potenzialanalyse fragt, was die Person in einer anderen Rolle leisten kann. Beides zu vermischen, ist der häufigste Fehler.

Für eine erste Selbsteinschätzung eignet sich der Führungspotenzial-Test mit 36 Fragen. Er ersetzt keine normierte Diagnostik, hilft aber bei der Vorbereitung auf das Entwicklungsgespräch.

Autor und Quellen

Jan Bohlken, Gründer des Profiling Instituts

Jan Bohlken

Diplom-Sozioökonom, Gründer des Profiling Instituts und Inhaber der Executive-Search-Beratung Bohlken Consulting. Aus 25 Jahren Personalauswahl in Automotive, Chemie und Maschinenbau kennt er beide Seiten des Tisches: die Konstruktion von Auswahlverfahren für Betriebe ebenso wie die Beratung junger Menschen, die vor der Berufswahl stehen.

DIN 33430 Mitglied nfb · DGfK · dvb > 10.000 Beratungen 7 Standorte

Fachliche Grundlagen

  • Hossiep, R. & Paschen, M.: Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP), Hogrefe.
  • Ostendorf, F. & Angleitner, A.: NEO-Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae (NEO-PI-R), Hogrefe.
  • Schuler, H. & Prochaska, M.: Leistungsmotivationsinventar (LMI), Hogrefe.
  • DIN 33430: Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik.
  • Betriebsverfassungsgesetz, § 94 (Personalfragebögen, Beurteilungsgrundsätze).

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