16Personalities vs. MBTI: Worin unterscheiden sie sich wirklich?
Sie sehen ähnlich aus — beide vergeben 4-Buchstaben-Typen wie INTJ oder ENFP. Trotzdem sind 16Personalities und MBTI nicht dasselbe. Wir klären die Unterschiede, die wissenschaftliche Einordnung und wann Sie beides besser meiden sollten.
Wissenschaftliche Diagnostik anfragenDrei Dinge vorab — damit Sie die folgenden Details richtig einordnen:
16Personalities ist nicht MBTI
Trotz ähnlicher Typennamen sind die Verfahren unterschiedlich: 16Personalities nutzt eine andere Itembasis, andere Skalen und ergänzt die A/T-Dimension.
Beide haben dieselben Grundprobleme
Niedrige Retest-Reliabilität, künstliche Dichotomisierung, schwache prognostische Validität. Das gilt für MBTI ebenso wie für 16Personalities.
Big Five ist die bessere Wahl
Für seriöse Diagnostik in Recruiting, Karriereberatung und Coaching: Big Five oder HEXACO mit etablierten Verfahren wie NEO-PI-R oder BIP.
Die Kurzfassung
| Kriterium | MBTI | 16Personalities |
|---|---|---|
| Anbieter | The Myers-Briggs Company | NERIS Analytics Ltd. (UK) |
| Lizenz / Zugang | Lizenzpflichtig, zertifizierte Trainer | Online frei zugänglich |
| Dimensionen | 4 (E/I, S/N, T/F, J/P) | 5 (zusätzlich A/T) |
| Theoretische Basis | C. G. Jung, Myers & Briggs | Big-Five-Annäherung mit Jung-Vokabular |
| Anzahl Items | 93 (MBTI Form M) bzw. 144 | Etwa 60 |
| Dauer | 20–30 Minuten | 10–15 Minuten |
| Wissenschaftlicher Status | Kritisch beurteilt | Wenig peer-reviewt |
| DIN-33430-konform | Nein | Nein |
Praktische Folge: Wenn Sie zwischen MBTI und 16Personalities wählen müssen, ist 16Personalities zugänglicher und enthält mit der A/T-Skala etwas mehr Information. Beide eignen sich aber gleichermaßen nicht für Personalauswahl oder klinische Diagnostik.
Was ist 16Personalities?
16Personalities ist ein Online-Persönlichkeitstest, der von NERIS Analytics Limited (Großbritannien) entwickelt und betrieben wird. Er ist einer der weltweit meistgenutzten Persönlichkeitstests — laut Anbieter über 200 Millionen Test-Durchführungen.
Der Test arbeitet mit fünf Dimensionen, die in vier Buchstaben plus einem Suffix ausgedrückt werden:
- Mind: Introvertiert (I) oder Extravertiert (E)
- Energy: Beobachtend (S für Sensing) oder Intuitiv (N für Intuition)
- Nature: Denkend (T für Thinking) oder Fühlend (F für Feeling)
- Tactics: Beurteilend (J für Judging) oder Wahrnehmend (P für Perceiving)
- Identity: Selbstsicher (A für Assertive) oder Turbulent (T für Turbulent)
Daraus ergeben sich 32 Typen (16 × 2 wegen A/T) — wobei NERIS die A/T-Achse als modifizierende Variable nutzt und die Haupttypen weiterhin 16 sind, kombiniert mit -A oder -T (z. B. INTJ-A vs. INTJ-T).
Wichtig: NERIS bezeichnet sich selbst nicht als MBTI. Auf der Website heißt es, der Test sei „inspiriert von Jung-Theorie und Big Five“. Rechtlich ist 16Personalities unabhängig von Myers-Briggs.
Was ist der MBTI?
Der Myers-Briggs Type Indicator (MBTI) wurde von Katharine Cook Briggs und ihrer Tochter Isabel Briggs Myers ab den 1940er Jahren auf Basis der Typenlehre von C. G. Jung entwickelt. Heute wird er von The Myers-Briggs Company in Kalifornien lizenziert und über zertifizierte Trainer:innen vertrieben.
Der MBTI nutzt vier dichotome Achsen:
- E/I — Extraversion vs. Introversion: Wo holt man Energie?
- S/N — Sensing vs. Intuition: Wie nimmt man Informationen auf?
- T/F — Thinking vs. Feeling: Wie trifft man Entscheidungen?
- J/P — Judging vs. Perceiving: Wie organisiert man die Außenwelt?
Daraus ergeben sich 16 Typen mit dreistelligen Namen wie INTJ („Architekt“), ESFP („Entertainer“) oder ENTP („Erfinder“).
Der MBTI ist im Coaching- und Trainings-Bereich extrem etabliert, wird aber in der akademischen Persönlichkeitspsychologie seit Jahrzehnten kritisch beurteilt. Detail-Analyse: MBTI im Detail.
Die wichtigsten Unterschiede im Detail
1. Die A/T-Achse: 16Personalities' einziger eigener Beitrag
Der wichtigste methodische Unterschied: 16Personalities ergänzt die Identitäts-Achse Assertive vs. Turbulent. Das entspricht im Wesentlichen Neurotizismus aus dem Big-Five-Modell. Damit nähert sich 16Personalities einer 5-Dimensionen-Struktur an, die der klassische MBTI nicht hat.
2. Itembasis und Berechnung
Die Item-Pools beider Tests sind unterschiedlich. 16Personalities nutzt selbst entwickelte Items, der MBTI eine über Jahrzehnte gepflegte Itembasis. Die Berechnungsalgorithmen sind ebenfalls verschieden — selbst wenn beide bei einer Person denselben 4-Buchstaben-Typ ausspucken, sind die Entscheidungswege intern nicht identisch.
3. Lizensierung und Zugang
MBTI: lizenzpflichtig, nur über zertifizierte Coaches zugänglich, kostet im Trainings-Setting typisch 50-150 Euro pro Person mit Beratungsgespräch. 16Personalities: kostenlos online, Premium-Bericht für ca. 30-50 USD.
4. Typennamen
Beide nutzen 4-Buchstaben-Codes, aber die ergänzenden Bezeichnungen unterscheiden sich. 16Personalities prägt eigene Namen wie „Vermittler“, „Aktivist“ oder „Logistiker“, während der klassische MBTI mit Begriffen wie „Architekt“ oder „Berater“ arbeitet.
5. Forschungsgrundlage
MBTI hat eine umfangreiche, teils kritische Forschungstradition. 16Personalities ist als jüngerer Online-Test in der peer-reviewten Forschung kaum vertreten. NERIS publiziert Eigenanalysen, aber keine externen Validierungen in psychologischen Fachjournals.
Wissenschaftliche Einordnung — beide leiden unter denselben Problemen
Sowohl MBTI als auch 16Personalities haben in der wissenschaftlichen Persönlichkeitspsychologie keinen anerkannten Status als diagnostische Instrumente. Drei Hauptprobleme:
Problem 1: Niedrige Retest-Reliabilität
Studien zum MBTI zeigen: Bei Wiederholung des Tests nach 5 Wochen erhalten 30 bis 50% der Probanden einen anderen Typ. Bei 16Personalities ist die Reliabilität ähnlich — die A/T-Achse zeigt höhere Stabilität, die anderen vier Achsen nicht.
Zum Vergleich: Big-Five-Tests erreichen Retest-Reliabilitäten von 0,70 bis 0,90 über vergleichbare Zeiträume.
Problem 2: Künstliche Dichotomien
Wenn man die Verteilung der MBTI- und 16P-Items in der Bevölkerung anschaut, sind sie normalverteilt — die meisten Menschen liegen mittig, nicht an den Polen. Die Schwarz-Weiß-Zuteilung zu E oder I (J oder P, etc.) ist statistisch willkürlich. Eine Person mit 51% E wird als E klassifiziert, eine mit 49% als I — obwohl beide nahezu identisch sind.
Big Five und HEXACO arbeiten dagegen mit kontinuierlichen Skalen — realistischer und differenzierter.
Problem 3: Schwache prognostische Validität
Studien zur Vorhersage von Berufserfolg, Studienerfolg oder Lebenszufriedenheit zeigen für MBTI/16P deutlich schwächere Validitätskoeffizienten als für Big Five. Die Information, dass jemand „ein INTJ“ ist, sagt empirisch wenig über die Performance in einer konkreten Rolle aus.
Was Sie stattdessen tun können
Wenn Sie MBTI oder 16Personalities für Coaching-Reflexion nutzen: Das ist legitim, solange Sie die Grenzen kennen. Die Verfahren können Anstoß zur Selbsterkundung sein und ein gemeinsames Vokabular für innere Prozesse liefern.
Wenn Sie aber seriöse diagnostische Aussagen brauchen — für Personalauswahl, Karriereberatung, klinische Fragestellungen — gehen Sie zu wissenschaftlich validierten Verfahren:
| Anliegen | Empfehlung | Verfahren |
|---|---|---|
| Selbsterkenntnis & Coaching | Big Five mit Facetten | NEO-PI-R |
| Berufliche Neuorientierung | Big Five + RIASEC + Karriereanker | NEO-PI-R + Karriereanker nach Schein |
| Recruiting / Personalauswahl | Berufsbezogene Diagnostik | BIP-6F |
| Führungskräfte-Coaching | BIP + 360°-Feedback | Tests für Führungskräfte |
| Team-Workshop | Big-Five-Profile | Team-Diagnostik |
| Integrität / Vertrauensposition | HEXACO mit H-Faktor | HEXACO-PI-R |
Detaillierte Vergleiche: MBTI vs. Big Five, HEXACO vs. Big Five und BIP vs. NEO-PI-R.
10 häufige Fragen zu 16Personalities und MBTI
Antworten auf die wiederkehrenden Fragen, die uns Klient:innen und Personalverantwortliche zu beiden Verfahren stellen.
Nein. 16Personalities ist ein angelehnter Online-Test, der ähnliche 4-Buchstaben-Typen wie INTJ oder ENFP vergibt. Aber: die Itembasis ist anders, die Berechnungsmethoden sind anders, und 16Personalities ergänzt eine fünfte Achse — A (Assertive) versus T (Turbulent), die im klassischen MBTI nicht existiert.
Auch rechtlich: MBTI ist ein lizenzpflichtiges Verfahren der The Myers-Briggs Company. 16Personalities ist davon unabhängig — und wird über die Website NERIS Analytics Limited (UK) frei zugänglich gemacht.
Die A/T-Skala (Assertive/Turbulent) ergänzt das klassische MBTI-Modell um eine Identität-Dimension. Assertive wird beschrieben als selbstsicher, stresstolerant, weniger empfindlich. Turbulent als perfektionistisch, selbstkritisch, leichter gestresst.
Das entspricht in etwa der Big-Five-Dimension Neurotizismus (Turbulent = hoher Neurotizismus, Assertive = niedriger Neurotizismus). 16Personalities versucht damit eine Schwäche des klassischen MBTI auszugleichen — das emotional-stabilitäts-Element fehlt im Original.
Eingeschränkt. NERIS Analytics publiziert keine peer-reviewte Validierungsstudien in psychologischen Fachjournals. Die Webseite verweist auf eigene Datenanalysen aus Millionen Test-Durchführungen — das ersetzt aber keine wissenschaftliche Validierung.
Konkret fehlen: Konstruktvalidität durch unabhängige Faktorenanalysen, Kriteriumsvalidität gegen Berufserfolg oder klinische Außenkriterien, Retest-Reliabilitätsstudien nach wissenschaftlichem Standard.
Beide haben strukturell dieselben Probleme:
- Niedrige Retest-Reliabilität: Bei Wiederholung nach einigen Wochen erhalten 30 bis 50% einen anderen Typ.
- Künstliche Dichotomien: Die meisten Menschen liegen mittig auf den Skalen — die Schwarz-Weiß-Zuordnung ist statistisch willkürlich.
- Schwache prognostische Validität: Korreliert nur schwach mit Berufserfolg und Verhalten im Beruf.
Die A/T-Zusatzskala von 16Personalities bringt etwas mehr Information ins Spiel — fundamentale Schwächen löst sie aber nicht.
Drei Gründe — keiner davon ist wissenschaftlich:
- Marketing: Die Myers-Briggs Company hat über Jahrzehnte ein riesiges Netz aus Trainern, Coaches und HR-Beratern aufgebaut.
- Verständlichkeit: 16 Typen mit eingängigen Namen sind leichter kommunizierbar als kontinuierliche Big-Five-Profile.
- Selbst-Identifikation: Menschen lieben es, sich einem Typ zuzuordnen — das gibt Identität und Gruppenzugehörigkeit.
Wissenschaftliche Persönlichkeitspsychologie hat den MBTI seit Jahrzehnten kritisiert (Pittenger 1993, McCrae & Costa 1989, viele weitere) — die Praxis hat das oft ignoriert.
Ja, mit Vorsicht. Als Reflexionsanstoß in Coaching-Workshops kann das 16-Typen-Modell funktionieren — viele Klient:innen finden die Selbstbeschreibung hilfreich, um Muster zu artikulieren.
Nicht geeignet: als diagnostische Grundlage für Karriereentscheidungen, Personalauswahl oder klinische Fragestellungen. Mehr dazu: MBTI im Detail.
Der Basis-Test auf 16personalities.com ist kostenlos. NERIS bietet kostenpflichtige Premium-Berichte mit detaillierten Auswertungen (typisch 20-50 USD).
Was viele übersehen: Die Datennutzungsbedingungen erlauben die Nutzung der Testdaten für Marketingzwecke. Wenn Sie Wert auf vollständigen Datenschutz legen, ist DSGVO-konforme professionelle Diagnostik die bessere Wahl.
Wissenschaftlich validierte, DIN-33430-konforme Verfahren:
- NEO-PI-R — Goldstandard der Big-Five-Diagnostik (Costa & McCrae)
- BIP-6F — Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung
- HEXACO-PI-R — bei Werte- und Integritätsfragen
- Strukturierte Interviews ergänzend zu Tests
Diese liefern dimensionale, replizierbare und prognostisch valide Profile — und genügen den Anforderungen der DIN 33430.
Die 4 (bzw. 5) Skalen von 16Personalities entsprechen ungefähr Big-Five-Dimensionen:
- E/I (Extraversion/Introversion) ↔ Extraversion
- S/N (Sensing/Intuition) ↔ Offenheit für Erfahrung (locker)
- T/F (Thinking/Feeling) ↔ Verträglichkeit (locker)
- J/P (Judging/Perceiving) ↔ Gewissenhaftigkeit
- A/T (Assertive/Turbulent) ↔ Neurotizismus (invers)
Die Übersetzung ist allerdings ungefähr — die genaue Faktoranalyse zeigt, dass MBTI/16P-Skalen nicht sauber auf Big-Five-Faktoren laden. Wer wissenschaftliche Präzision will, sollte direkt mit Big Five oder HEXACO arbeiten.
Nein, nicht als diagnostisches Hauptinstrument. Wir achten auf DIN-33430-Konformität und nutzen wissenschaftlich validierte Verfahren. Wenn Klient:innen mit MBTI- oder 16Personalities-Hintergrund zu uns kommen, integrieren wir das ggf. als Coaching-Sprache — aber unsere Diagnostik bauen wir auf NEO-PI-R, BIP oder HEXACO-PI-R auf.
Konditionen & Preise
Drei häufig gebuchte Diagnostik-Pakete am Profiling Institut. Alle Preise inklusive persönlicher Besprechung, schriftlicher Befund und DSGVO-konformer Datenverarbeitung.
NEO-PI-R
Big-Five-Diagnostik mit 30 Facetten, schriftlicher Befund und 45-Minuten-Besprechung.
Mehr erfahrenPotenzialanalyse
Multimodale Diagnostik: NEO-PI-R + BIP + Leistungstest + Interview + ausführliche Beratung.
Details & BuchungBIP-6F
Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeit, DIN-33430-konform, mit Manager-Profil.
Mehr erfahrenVollständige Übersicht: Beratungsformen & Preise
Ihr Diagnostiker
Persönlichkeitsdiagnostik ist Vertrauenssache. Der Kopf hinter den Verfahren am Profiling Institut:
Jan Bohlken
15+ Jahre Eignungsdiagnostik, DIN-33430-Qualifizierung, Spezialisierung auf Führungskräftediagnostik, Karriereberatung und berufliche Neuorientierung. Mitglied nfb, DGfK und dvb.
Persönlich vor Ort an 7 Standorten
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Über den Autor
Jan Bohlken kennt MBTI und 16Personalities aus dutzenden Beratungsgesprächen mit Klient:innen, die diese Tests durchlaufen haben. Er verweist regelmäßig darauf, wo die Verfahren ihre Stärken (Selbstreflexion, Vokabular) und ihre Grenzen (Personalauswahl, klinische Aussagen) haben — und setzt selbst wissenschaftlich fundierte Alternativen ein.