Der Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) hat eine forsa-Umfrage zum Thema Berufszufriedenheit von Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland in Auftrag gegeben. Diese wurde im Januar und Februar 2018 durchgeführt. Hierzu wurden insgesamt 1200 Schulleiterinnen und Schulleiter in ganz Deutschland zu Themen wie Arbeitszufriedenheit, Belastungsfaktoren, ihre Einschätzung zum Lehrermangel und den größten Problemen im Schulalltag befragt. Die Ergebnisse der Umfrage und die Stichprobe für NRW wurden am 09. März in Düsseldorf vorgestellt. Viele Schulleitungen sind zwar hoch motiviert, doch fühlen sich von der Politik nicht genügend unterstützt.

Die größten Probleme

Bei der Umfrage zur Berufszufriedenheit von Schulleitungen wurde festgestellt, dass zu den größten Problemen u.a. der Lehrkräftemangel zählt. Dieser wird von 57 Prozent angegeben, was ihn zum häufigsten genannten Problem macht. 23 Prozent der Befragten gaben Probleme bei der Integration und Inklusion an. Die Arbeitsbelastung und den Zeitmangel im Schulalltag nennen 20 Prozent. Darüber hinaus werden auch Probleme mit den Eltern, die Bildungspolitik, die Bildungsbehörden, Dinge, die den Zustand der Schule betreffen und Dinge, die sich konkret auf das Verhalten von Schülern beziehen genannt.

Arbeitszufriedenheit und Motivation

95 Prozent der Schulleitungen gehen alles in allem sehr gern oder eher gern zur Arbeit. Ihre Motivation ziehen fast alle Schulleitungen aus der Unterstützung ihres Kollegiums und aus der Anerkennung durch Schüler und Eltern. Auch aus den Tätigkeiten und Aufgaben selbst, ziehen 86 Prozent der Befragten Motivation. Unterstützt fühlt sich ein Großteil der Befragten durch das Lehrerkollegium. 64 Prozent fühlen sich durch Schüler und Eltern unterstützt, 56 Prozent durch die erweiterte Schulleitung und 55 Prozent durch die Schulaufsicht.

Aufgabenerfüllung und Belastungsfaktoren

83 Prozent der Befragten ihre Aufgaben immer oder zumindest häufig zu ihrer Zufriedenheit erfüllen können. Unter den Schulleitungen, die ihre Aufgaben nur gelegentlich zu ihrer eigenen Zufriedenheit erfüllen können, ist der größte Anteil mit 24 Prozent unter 40 Jahre alt. Also ist die Berufszufriedenheit von Schulleitungen, die zur neune Generation gehören geringer.
Als größte Belastungsfaktoren werden von 89 bzw. 88 Prozent das wachsende Aufgabenspektrum und die steigende Verwaltungsarbeit genannt. Rund 82 Prozent sehen es als belastend, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachtet. Hierzu kommentiert der Bundesvorsitzende des VBE Udo Beckmann, dass die riesigen Herausforderungen, wie die Inklusion und Integration, nicht zu bewältigen seien, wenn die Politik sich weiterhin weigere, das erforderliche Geld in die Hand zu nehmen. So wie die Politik zurzeit agiere, lasse sie die Schulleitungen als Mangelverwalter alleine dastehen. Darüber hinaus werden das geringe Zeitbudget, der Lehrkräftemangel und knappe Ressourcen von einer Großzahl als belastend genannt. Unzureichend vorbereitet auf den Job fühlen sich 29 Prozent der Befragten, 59 Prozent von ihnen sind unter 40 Jahre alt.
Verbesserungsbedarf sehen die Schulleitungen bei der Erhöhung der Anrechnungsstunden für das Kollegium, einer Erhöhung der Leitungszeiten an allen Schulen, einer gesicherten Stellvertreter-Regelung und bei einer besseren personellen Ausstattung durch bspw. Hausmeister und Schulsekretariat. Ebenfalls werden Budgeerhöhungen und der Ausbau der erweiterten Schulleitung genannt. Auch verbesserte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten wünschen sich 37 Prozent. So würde die Berufszufriedenheit von Schulleitungen steigen.

Weiterempfehlung des Berufs

Auf jeden Fall weiterempfehlen würden 24 Prozent der Befragten den Beruf als Schulleitung. Immerhin 49 Prozent würden ihn zumindest wahrscheinlich weiterempfehlen. Wahrscheinlich nicht oder auf keinen Fall würden 23 Prozent ihren Beruf weiterempfehlen. Frauen, Leitungen unter 40 Jahren und Grundschulleiter würden den Beruf dabei seltener weiterempfehlen.

Lehrkräftemangel und Seiteneinsteiger

36 Prozent der Befragten, also jeder Dritte, gibt an, konkret vom Lehrkräftemangel betroffen zu sein und mit unbesetzten Stellen zu kämpfen. An Schulen, die mit unbesetzten Stellen zu kämpfen haben, sind rund 10 Prozent der nötigen Stellen nicht besetzt. Als Grund für diesen Lehrkräftemangel sehen 87 Prozent die zu geringen Bewerberzahlen. Außerdem werden die mangelnde Attraktivität der Schule für Bewerber, eine unzureichende Qualifikation der Bewerber und die besseren Rahmenbedingungen für Lehrer in anderen Bundesländern genannt. Laut VBE-Chef hätte die Politik schon vor Jahren die Ausbildungskapazitäten hochsetzen müssen. Durch die gleichzeitige Erhöhung an Aufgaben für Schulen, könnten viele Lehrer nur noch in Teilzeit arbeiten, um der Belastung standzuhalten. Als Lösung nennt er das Bereitstellen von mehr Studienplätzen, die bessere Abstimmung von Ausbildungsbedingungen und –ausgestaltung auf die pädagogischen Herausforderungen, sowie die Bereitstellung der nötigen Ressourcen, zur Bewältigung der neuen Aufgaben.
An etwa jeder dritten Schule gibt es momentan Seiteneinsteiger. Das sind Menschen, die keine vorhergehende Lehramtsqualifikation erworben haben. Lediglich an jeder dritten dieser Schulen haben die Seiteneinsteiger vor ihrem Unterrichtseinsatz eine systematische, pädagogische Vorqualifizierung erhalten, um die auf ihr neues Berufsfeld vorzubereiten. In der Mehrheit der Fälle war dies nicht der Fall. Eine weitere berufsbegleitende pädagogische Qualifizierung erhalten Seiteneinsteiger nur an jeder zweiten Schule. Weder eine Vorqualifizierung, noch eine weiterführende und berufsbegleitende Qualifizierung erhalten 33 Prozent der Seiteneinsteiger. Der Bundesvorsitzende des VBE bezeichnet diese Ergebnisse als „pädagogischen Wahnsinn“.  Die wachsende Heterogenität und Diversität der Schüler würden mehr, anstatt weniger pädagogisches Wissen erforderlich machen. Um nicht auf einen pädagogischen Kollaps zuzusteuern, sei es nötig, den Seiteneinsteigern grundlegende pädagogische und methodisch-didaktische Kompetenzen mitzugeben.

Fazit – Berufszufriedenheit von Schulleitungen

Bei der abschließenden Frage, wie die Schulleitungen die Schulpolitik in ihrem Bundesland bewerten, gaben 69 Prozent die Schulnote 3 und 4. 20 Prozent der Schulleitungen würden sogar nur eine 5 oder 6 geben. Im Mittel wird die Schulpolitik mit 3,8 bewertet, was ausbaufähig ist. Gerade von der Politik fühlen sich die meisten Schulleitungen alleingelassen. Bei den neuen Schulleitungen, also den unter 40-jährigen, ist festzustellen, dass sie unzufriedener sind. Sie geben an, ihre Aufgaben weniger häufig zu ihrer Zufriedenheit erledigen zu können, fühlen sich häufiger nicht gut vorbereitet auf den Beruf und würden diesen deshalb weniger häufig weiterempfehlen. Die Berufszufriedenheit von Schulleitungen unter 40 Jahren ist damit nicht sehr hoch. Udo Beckmann sagt hierzu, dass die neue Generation an Schulleitern von Anfang an demoralisiert werde. Dringend gefordert werden von den Schulleitungen mehr Anrechnungsstunden für die Kollegen und mehr Leitungszeiten für sich selbst. So könnten die gestiegenen Verwaltungsaufgaben, die als Belastung empfunden werden, besser aufgeteilt und bearbeitet werden. Handlungsbedarf ist vor allem auch gegeben, da schätzungsweise zurzeit 1000 Direktoren und Konrektoren fehlen. Beckmann sagt hierzu, dass es sich wieder lohnen müsse, eine Schule zu leiten. Schulleitungen müsste angemessen bezahlt werden. Dass unter den bestehenden Umständen Schulleitungsstellen nicht besetzt werden können, wundere ihn nicht. Nicht nur Schulleitungen fehlen, sondern auch 10 Prozent der Lehrer. Diese Ergebnisse und die Ergebnisse zu den Seiteneinsteigern machen weiterhin deutlich, dass gehandelt werden muss. Um einen pädagogischen Kollaps mittelfristig zu verhindern, müssen die Seiteneinsteiger ausreichend geschult werden und mehr Studienplätze geschaffen werden. Die Politik ist hier in der Verantwortung, ihre Schlüsse aus der Befragung zu ziehen und zu handeln, um so auch die Berufszufriedenheit von Schulleitungen zu steigern.

Hier der Link, zu der Umfrage:
Forsa-Umfrage von Schulleitungen zur Berufszufriedenheit

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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