1. Die Frage „Soll ich mein Kind aufs Internat schicken?“ bewegt regelmäßig eine Vielzahl Eltern. Internate standen lange im Ruf, entweder für Eliten und Hochbegabte oder für besonders förderbedürftige Schüler da zu sein. Doch hinter dem Begriff verbindet sich nicht die eine Schulform. Vielmehr bieten verschiedene Internatsschulen eine Vielzahl von Leistungen, die für unterschiedlichste Bedürfnisse maßgeschneidert sind. Ob es für Ihr Kind die richtige Entscheidung ist, eine entsprechend Einrichtung zu besuchen, lässt sich daher nicht ohne weiteres sagen. Vielmehr ist die Frage, ob sich im breiten Angebot der fast 300 Internatsschulen in Deutschland eines findet, das die Entwicklung Ihres Kindes besonders fördert. Eine professionelle Internatsberatung kann hier hilfreich sein.

Was sind Internate?

Der Begriff Internat deckt eine ganze Reihe von Bildungseinrichtungen ab, die sich dadurch auszeichnen, dass ihre Schüler in der Einrichtung selbst wohnen und durch sie betreut werden. Die Schulen können entweder unter öffentlicher Trägerschaft stehen, also über Bund, Länder oder Kommunen finanziert sein, oder unter freier Trägerschaft. In letzterem Fall werden sie über eine gemeinnützige nicht-öffentliche Organisation, oft über kirchliche Einrichtungen geführt. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um staatlich anerkannte Ersatzschulen, die dieselben Prüfungsrechte besitzen wie öffentliche Schulen.

Andere sind lediglich Ergänzungsschulen, die ihre Schüler auf außerhalb der Schule abzuhaltende „Externenprüfungen“ vorbereiten.
Inhaltlich können Internatsschulen die besondere Förderung hochbegabter oder auch sozial unangepasster Schüler als Schwerpunkt setzen. Sie können sich aber auch durch einen besonderen pädagogischen Ansatz auszeichnen, etwa als Landerziehungsheim oder Waldorfschule. Die katholischen Internatsschulen sind überwiegend reine Mädchen- bzw. reine Jungenschulen. Ein Sportinternat wiederum verschreibt sich der Förderung einer bestimmten Sportart.

Die monatlichen Kosten für einen Internatsbesuch beginnen bei etwa 300 Euro an öffentlichen Schulen und können bei privaten Trägern bis auf rund 2500 Euro anwachsen. Viele der teureren Einrichtungen vergeben jedoch Stipendien, während vor allem für Schulen, die einen besonderen Förderbedarf leisten (z.B. für verhaltensauffällige oder aufmerksamkeitsgestörte Kinder), die Kosten bei entsprechenden Attesten zumindest anteilig vom Jugendamt übernommen werden können.

Soll ich mein Kind aufs Internat schicken? Was spricht für ein Internat?

Viel mehr als selbst in einer Ganztagsschule ist Ihr Kind im Internat gehalten, soziale Kompetenz zu erlernen. Im ständigen Zusammensein mit Gleichaltrigen auch jenseits des Schulalltags lernen die Schüler zum einen, anderen Menschen mit Einfühlungsvermögen entgegenzutreten. Aber auch die Kraft zur Selbstbehauptung wird im Internatsumfeld gestärkt, nicht zuletzt durch den Umstand, den Alltag mit den Mitschülern gestalten zu müssen, ohne auf elterliche Unterstützung zurückgreifen zu können. Entsprechend sind die Schüler gezwungen, eine hohe Eigenverantwortung zu entwickeln.

Darüber hinaus werden die vergleichsweise hohen Kosten einer Internatsschule in eine umfassende Betreuung durch überdurchschnittlich qualifiziertes Lehrpersonal umgesetzt. Kleine Klassen und individuelle Unterstützung sorgen für ein intensives Lernumfeld und im Allgemeinen für eine hohe Bildungsleistung der Schüler. Auf der anderen Seite bedeutet diese Intensität auch, dass die Kinder eine straffe Struktur in der Tagesgestaltung erhalten.

Wann macht ein Internat keinen Sinn?

In erster Linie ist von einem Internatsbesuch abzuraten, und damit die Frage nach „Soll ich mein Kind aufs Internat schicken?“ mit einem klaren „Nein“ zu beantworten, wenn das Kind selbst ihn als ein Abschieben empfindet. Eine Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden des Kindes auf dem Internat wie auf jeder Schule ist, dass es für die entsprechende Einrichtung zumindest offen ist. Bei einer Internatsschule heißt dies freilich, dass es sich an ein ganz neues Lebensumfeld, eine ungewohnte Tagesstruktur und eine fremde Gruppe Gleichaltriger gewöhnen muss. Entsprechend sollten Sie vor Ihrer Entscheidung sondieren, ob Ihr Kind selbständig genug ist, einen solchen Schritt zu tun, und ebenso, ob es das lange Getrenntsein von Ihnen nicht als Zurückweisung versteht.

Aber auch finanzielle Fragen können gegen einen Internatsbesuch sprechen: Für nicht wenige Familien sind bestimmte Internatsschulen von vornherein zu kostspielig. Und schon ein staatliches Internat kann mit mehr als 3500 Euro im Jahr eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen.

Woran erkenne ich, welches Internat zu meinem Kind passt?

Entscheiden Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, ob es auf eine Internatsschule gehen will, und klären Sie mit Ihrem Kind die Frage „Soll ich mein Kind aufs Internat schicken?“ so ist es aufgrund der Breite des Angebots von größter Bedeutung, das richtige Internat zu finden. Grundlegend ist zunächst die Klärung der finanziellen Belastung. Können Sie sich die Schule über den gesamten Zeitraum leisten bzw. gibt es Stipendien, über die sich Ihr Kind bewerben kann? Ebenso wichtig ist freilich die Frage nach den Bedürfnissen und Stärken Ihres Kindes. Wollen Sie einzelne Fähigkeiten und Talente fördern oder bevorzugen Sie eine bestimmte pädagogische Ausrichtung? Sind diese Grundfragen einmal geklärt, so ist es allerdings unerlässlich, sich über einen Besuch der Einrichtung ein Bild von ihr zu machen. Erst danach und nach ausführlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort sollten Sie eine Entscheidung fällen.

Internatsberatung

Um Ihnen einen ersten Überblick zu verschaffen und Sie bei Ihrer Auswahl zu unterstützen, gibt es eine ganze Reihe von Anlaufstellen zur Internatsberatung im Netz. Über öffentliche Internatsschulen informieren die Kultusministerien der Länder, über Schulen zur Sportförderung der Deutsche Sportbund (http://www.eliteschulen-des-sports.de). Das Angebot an katholischen Schulen finden Sie auf https://katholische-internate.de, das evangelische Gegenstück auf http://www.evangelische-internate.info. Der Verband deutscher Privatschulverbände (VDP) stellt sein Angebot unter http://privatschulen.de dar, der Verband der Landerziehungsheime unter https://www.die-internate.de. Viele weitere Adressen zum Thema Internatsberatung in Deutschland gibt es auf http://www.internate-portal.de/internatsberatungen/deutschland.

Daneben gibt eine Reihe von privaten Internatsberatungen. Heir ist jedoch Vorsicht geboten und darauf zu achten, wie neutral die jeweilige Beratung wirklich arbeitet, oder ob hinter der Beratung zwei oder drei Einrichtungen stehen, die nachher ausschließlich empfohlen werden, da eine Kooperation zwischen Internatsberatung und Internatsschule besteht.

Thema dieses Artikels: Soll ich mein Kind aufs Internat schicken?

Weiter Infos und Hilfestellung für  die Zeit nach dem Internat erhalten Sie hier: Nach dem Abitur

Über den Autor Jan Bohlken

Jan Bohlken (Gründer & Inhaber des Profiling Institut) ist Studien- und Berufsberater, Karrierecoach und Personalberater. Im Blog des Profiling Instituts setzt er sich regelmäßig mit den verschiedensten Themen aus dem Umfeld Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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