Ab welchem Alter man ein Kind in den Kindergarten schicken sollte, wird oft diskutiert. Dabei gehen die Meinungen zum Teil stark auseinander. Eine These ist, dass ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen des Kindes verbessert. Aber stimmt das? Verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern?

Aktuelle Studie

In Deutschland gibt es seit 1996 einen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kinderbetreuung, welcher ab Ende des 3. Lebensjahres gilt. Seit 2013 wurde dieser Rechtsanspruch auch auf Kinder ab einem Jahr ausgeweitet. Es ist allerdings wenig darüber bekannt, wie sich das Alter des ersten Kindergarten-/Krippenbesuchs auf die Entwicklung auswirkt. Deshalb haben die Universität Erlangen-Nürnberg und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Studie durchgeführt und veröffentlicht. Die Frage „ Verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern? “ wurde dabei aufgegriffen.

Untersucht wurden zwei Gruppen von Kindern, die fast gleich alt sind. Die eine Gruppe kam jedoch ungefähr 5 Monate früher in den Kindergarten, als die andere. Das liegt daran, dass Kindergärten in der Vergangenheit Kinder aufgenommen haben, die zwar noch nicht 3 Jahre alt waren, aber noch im selben Jahr 3 Jahre alt geworden sind. Kinder, die erst im Januar des nächsten Jahres oder später 3 Jahre alt geworden sind, wurden erst das Jahr danach aufgenommen. Diesen Alterssprung, in welchem der Kindergartenbesuch angefangen hat, wurde von der Studie genutzt. So wurden die Effekte eines früheren Kindergartenbesuchs untersucht.

Einfluss auf kognitive und nicht kognitive Fähigkeiten?

Also, verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern? Hat er Auswirkungen auf den Übergang von Schule zu Beruf? Um das herauszufinden, wurden in der Studie die kognitiven und nicht kognitiven Fähigkeiten von 15-jährigen Jugendlichen gemessen, die in die zwei Gruppen eingeteilt wurden. Eine Gruppe kam also 5 Monate früher in den Kindergarten, als die andere. Bei den kognitiven Fähigkeiten kamen Sprachtests, naturwissenschaftliche und mathematische Tests und allgemeine Kognitionstest zum Einsatz. Bei den nicht kognitiven Fähigkeiten kamen die Persönlichkeitsmerkmale des Big-Five-Modells zum Einsatz, ebenso wie ein Fragebogen zu den Stärken und Schwächen im Umgang mit anderen Kindern.

Heraus kam, dass weder ein Effekt auf die kognitiven, noch auf die nicht kognitiven Fähigkeiten zu beobachten ist. Das heißt, es gab zwischen den Gruppen kaum oder keine Unterschiede. Im Dezember geborene Jugendliche, die also ca. 5 Monate früher in den Kindergarten gekommen sind, haben beispielsweise in Physik oder Mathe nicht besser oder schlechter abgeschnitten im Vergleich zu Kindern, die im Januar darauf geboren wurden. Somit scheint sich ein früher Kindergartenbesuch weder auf die kognitiven, noch die nicht kognitiven Fähigkeiten auszuwirken.

Die Studie hat die Ergebnisse außerdem noch nach dem Bildungsstand, der Muttersprache der Mutter und dem Migrationshintergrund der Kinder differenziert. Auch hier wurden keine Effekte eines früheren oder späteren Kindergartenbesuchs festgestellt.

Effekte mit der Zeit nicht mehr sichtbar?

Kann die Frage „ Verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern? “ damit pauschal verneint werden? In der Studie wurde vermutet, dass mögliche Effekte über die Zeit verschwinden könnten. Dies sei durch erfolgreiche Förderung von Kindern mit niedrigerem Entwicklungsstand in der Schule denkbar. Um herauszufinden, ob es Effekte eines frühen Kindergartenbesuchs kurz vor Beginn der Schule gibt, wurden die Daten zur Schuleingangsuntersuchung aus Schleswig-Holstein in der Studie ausgewertet. Bei diesen Schuleingangsuntersuchungen werden unter anderem auch Sprach- oder motorische Probleme erhoben, ebenso wie Verhaltensauffälligkeiten. Sie finden vor der Einschulung statt, also ungefähr um den 6. Geburtstag herum.

Auch hier kam die Studie zu dem Ergebnis, dass ein früher Kindergartenbesuch keine nachweisbaren Effekte auf die Entwicklung der Kinder zu haben scheint. Auch diese Ergebnisse wurden wieder unter anderem nach Migrationshintergrund differenziert, wobei auch keine Effekte festgestellt wurden.

Welche Rolle spielt die Betreuungsqualität?

Auch diese Ergebnisse legen nahe, dass die Frage „ Verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern? “ verneint werden kann. Die Studie hat jedoch eine potenzielle Ausnahme gefunden. Es deute sich an, dass Kinder mit Migrationshintergrund dann von einem frühen Kindergartenbesuch profitieren zu scheinen, wenn sie in einem Landkreis mit hoher Betreuungsqualität der Kindergärten leben. Da diese Kinder aber oft in Landkreisen leben würden, in denen es nur eine geringe Betreuungsqualität der Kindergärten gäbe, würden sie möglicherweise deshalb nicht von einem frühen Kindergartenbesuch profitieren.

Hierbei könnten aber auch andere Einflussfaktoren von Bedeutung sein, wie beispielsweise die Vernetzung der Eltern untereinander, so die Studie. So sei es möglich, dass die Unterschiede nicht allein aus der Betreuungsqualität resultierten, sondern auch aus der stärkeren oder weniger starken Vernetzung der Eltern, vor allem der Eltern mit Migrationshintergrund. Eine Vernetzung mit einheimischen Eltern könne sich demnach auch positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken.

Deshalb heißt es in der Studie, dass diese Befunde nur ein Hinweis auf die mögliche Bedeutung der Betreuungsqualität darstellen und nicht davon auszugehen sei, dass allein die Betreuungsqualität entscheidend sei.

Fazit

Die Studie konnte die Frage „ Verbessert ein früher Kindergartenbesuch die Entwicklungschancen von Kindern? “ für ca. 3-jährige Kinder, bei denen der zeitliche Unterschied für den Kindergarteneintritt nicht mehr als 5 Monate beträgt, verneinen. Es wurden keine Unterschiede in den kognitiven und nicht kognitiven Fähigkeiten gefunden. Auch bei 6-jährigen konnten keine Effekte eines früheren Kindergartenbesuchs festgestellt werden. Eine mögliche Ausnahme könnten allerdings Kinder mit Migrationshintergrund sein, die in Landkreisen mit hoher Betreuungsqualität der Kindergärten leben, da diese von einem früheren Kindergartenbesuch zu profitieren scheinen. Deshalb sei es nötig, nicht nur die Anzahl der Kindergartenplätze zu erhöhen, sondern auch die Betreuungsqualität. So könnte frühes Lernen bei Kindern mit Migrationshintergrund besser gefördert werden.

Hier finden Sie die Studie der Universität Erlangen-Nürnberg und des IABs:

Früher in den Kindergarten, besser gerüstet ins Leben?

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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