„Wie bewerbe ich mich an einer Universität? Wie funktioniert die Bewerbung an der Uni“ – zu diesen Fragen allgemeingültige Aussagen zu treffen bzw. Antworten zu finden ist etwas schwierig, da für jeden Studiengang sehr individuelle Anforderungen, Fristen und Inhalte von den unterschiedlichen Hochschulen und Universitäten gefordert werden. Nichtsdestotrotz gibt es einige Rageln und Fakten, die allgemein zu beachten sind.

Welche Termine und Fristen gibt es für eine Bewerbung an der Uni bzw. Hochschulen?

Zunächst einmal sollte man abklären, in welchem Semester der Wunschstudiengang angeboten wird. Die große Mehrzahl aller Studiengänge beginnen im Wintersemester. Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen. Das liegt an der jeweiligen Hochschule und dem entsprechenden Studiengang. Diese Information lässt sich bei der jeweiligen Hochschule leicht erfragen oder über die Internetseite recherchieren. In der Regel läuft das Bewerbungsverfahren für Neuabiturienten grundsätzlich für ein Wintersemester vom 15. April bis zum 15. Juli und für ein Sommersemester vom 15. Oktober bis zum 15. Januar. Altabiturienten haben einen Monat weniger Zeit.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen um mich überhaupt bei einer Hochschule bewerben zu können?

Grundsätzlich muss man für die Bewerbung an der Uni oder Hochschule eine Hochschulreife vorweisen können. Davon gibt es eine Reihe unterschiedlicher Arten. Durch das Abitur erreicht man die allgemeine Hochschulreife. Damit ist ein Studium sämtlicher Studiengänge aller Hochschularten (abhängig von der Zulassungsbeschränkung) möglich. Daneben gibt es noch das Fachabitur. Durch das Absolvieren dieses Abschlusses erlangt man die Fachhochschulreife, die länderabhängig bestimmte Studiengänge an Universitäten, sonst aber sämtliche Studiengänge an Fachhochschulen ermöglicht.

Ein besonderer Fall ist das Studieren ohne Abitur. Die Nachfrage steigt stetig. In der Regel kann man ein Studium ergreifen, wenn man eine abgeschlossene Berufsausbildung (2+ Jahre) mit anschließender, mehrjähriger Berufserfahrung vorzuweisen hat. Mit ein paar Ausnahmen ist die Auswahl der Fächer auf den Bereich der Berufsausbildung begrenzt. Mehr Möglichkeiten bietet hierbei das Ablegen eine Meisterprüfung oder eines ebenbürtigen Grades.

Ist die Frage des Abschlusses geklärt, stellt sich die Frage der Zulassungsbeschränkung. Mehr dazu unter „Was sind zulassungsbeschränkte und zulassungsfreie Studiengänge?“

Was sind zulassungsbeschränkte und zulassungsfreie Studiengänge?

Zulassungsbeschränkte Studiengänge sind Studiengänge die eine bestimmte Qualifikation bedürfen. Am häufigsten handelt es sich hierbei um den Numerus Clausus oder auch NC (mehr dazu unter „Was ist ein Numerus Clausus?“). Darüber hinaus können aber auch Aufnahmeprüfungen, ein Portfolio oder ähnliches von den Bewerbern vorausgesetzt werden. Das hängt dann vom jeweiligen Studiengang ab. Kreative oder musikalische Studiengänge setzen oft eine oder mehrere Beispielarbeiten zum Einschätzen des Talents des Bewerbers voraus.

Zulassungsfreie Studiengänge sind, wie der Name schon sagt, Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkungen. Das heißt jeder Studieninteressent kann sich hier bewerben und bekommt relativ schnell eine feste Zusage. Es gibt keinen NC (Numerus Clausus). Hierzu zählen beispielsweise regelmäßig Studienfächer wie Maschinenbau oder Elektrotechnik. Es sollte jedoch beachtet werden, dass zulassungsfreie Studiengänge oftmals überfüllte Hörsäle zur Folge haben. Laut Studierenden, wird diesem „Problem“ gerne seitens der Hochschule mit einer sehr hohen Durchfallquote innerhalb der ersten drei Fachsemester begegnet, um so auf die „gewünschte“ Anzahl Studierender zu gelangen. Davon sollte man sich jedoch nicht in der Entscheidung beeinflussen lassen, wenn man sich für das Fach wirklich interessiert.

Was ist ein Numerus Clausus?

Der NC (Numerus Clausus) ist eine Zulassungsbeschränkung für Studiengänge. Das Wort „Numerus Clausus“ bedeutet in etwa „beschränkte Anzahl„. Im übertragenen Sinne beschreibt der Numerus Clausus ein Abiturdurchschnittsnote, die ein Bewerber mindestens vorweisen muß, um zu dieser „limitierten Anzahl“ an zugelassenen Bewerbern zu gehören. Daher bezieht er sich auf die Abschlussnote im Abitur des Bewerbers. Numeri Clausi können bundesweit oder örtlich, d.h. lokal vergeben werden. Örtlich bezieht sich dann auf die einzelnen Hochschulen, die ihre Forderungen selbst wählen. Bei den bundesweiten NCs handelt es sich zumeist um Studiengänge wie Medizin. Zulassungsbeschränkt sind oftmals Studiengänge, die besonders große Bewerberzahlen aufweisen oder nur eine beschränkte Kapazität haben. Die Beschränkung wird je nach Studiengang von der Hochschule (örtlich) oder bundesweit über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben. Auch bei Nicht-Erfüllen des NCs besteht noch Hoffnung, für den Wunschstudiengang zugelassen zu werden (Wartesemester).

Was hat es mit Wartesemestern auf sich?

Sie sind eine oft genutzte Art, um eine Zulassung auf einen zulassungsbeschränkten Studiengang zu erreichen, für den der eigene NC nicht ausreicht. Wartesemester sind Semester in der Zeit zwischen dem Abiturabschluss und der ersten Immatrikulation an einer Hochschule. Achtung: Dabei zählen die offiziellen Semesterzeiten und das Datum auf dem Abiturzeugnis.

Beispiel:

Absolviert ein Studieninteressent sein Abitur (je nach Bundesland) im Mai 2018 und verfolgt den Plan, sich zum Wintersemester 2020/2021 zu immatrikulieren, hat er bis dahin vier Wartesemester gesammelt:

  1. WiSe 2018/2019
  2. SoSe 2019
  3. WiSe 2019/2020
  4. SoSe 2020

Doch wie läuft dann die Bewerbung an der Uni ab?

Reicht der eigene NC (Numerus Clausus) nicht aus, um die Anforderungen einer Zulassungsbeschränkung zu erfüllen, gibt es noch die Möglichkeit über Wartesemester zugelassen zu werden. Das geschieht automatisch. Es bedarf keiner zusätzlichen Bewerbung. Hier gibt es mehrere Optionen:

  • Bei Erfüllung der vorgegebenen Anzahl an Wartesemestern bleibt der NC komplett unbeachtet.
  • Bei einer geringeren Anzahl an Wartesemestern wird ein geringerer NC benötigt.

Beispiel BWL:

Nehmen wir an, der NC für BWL würde 2,5 lauten. Die Anzahl der geforderten Wartesemester seien fünf. Weist nun ein Bewerber die Anzahl von fünf Wartesemestern oder mehr auf, dann wird sein NC bei  der Entscheidung auf Zulassung unbeachtet bleiben. Weist er hingegen weniger als fünf Wartesemestern auf, wird sein persönlicher NC wieder berücksichtigt. Der geforderte NC könnte in dem Fall jedoch nur noch 3,0 betragen. Die verbreitete Annahme, dass sich der persönliche NC mit der Anzahl an Wartesemestern verbessert, ist falsch.

Was gibt es für verschiedene Verfahren bzw. Prozesse für eine Bewerbung an der Uni?

Die Antwort ist abhängig von Hochschule und Studiengang. Eine Bewerbung für zulassungsfreie Studiengänge läuft immer direkt über die Hochschule selbst ab. Heutzutage funktioniert das in den meisten Fällen über ein Online-Portal der Hochschule. Die Mehrzahl der Hochschulen und Universitäten haben auf ihrer Internetseite einen Link für Studieninteressenten, der sie an ein Bewerberportal weitergeleitet. Hier muss man sich dann registrieren und kannseine Bewerbung mit den geforderten Dokumenten verfassen oder hochladen. Die Zusage für zulassungsfreie Studiengänge erfolgt in der Regel relativ zeitnah innerhalb weniger Tage oder Wochen.

Ist der Wunschstudiengang jedoch zulassungsbeschränkt kann es sehr gut sein, dass meine Bewerbung über hochschulstart.de abgewickelt wird. Ob das wirklich der Fall ist, hängt wieder von Hochschule und Studiengang ab und kann einfach erfragt oder recherchiert werden.

Hochschulstart.de ist eine Service- und Internetplattform auf die eine Vielzahl von Hochschulen zugreifen, um ihr Bewerbungsverfahren abzuwickeln. Auf diesem Weg wird die Vergabe von Studienplätzen besser koordiniert und Ressourcen der Hochschulen effizienter genutzt. Die als hochschulstart bezeichnete Serviceorganisation ist die Nachfolgeorganisation der früheren ZVS(Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen).

Bei der Bewerbung an der Uni auf einen zulassungsbeschränkten Studiengang kann die Wartezeit bis zur Zu-/Absage einige Wochen dauern. Es wird also dazu geraten, gleich mehrere Hochschulen oder Studiengänge ins Auge zu fassen.

Wie muss die Bewerbung an der Uni oder Hochschule aussehen und welche Bestandteile umfasst sie?

Auch wenn die Mehrzahl der Hochschulen ihre Bewerbungsverfahren über Online-Portale abwickeln, gibt es noch Einzelne die den Postweg vorziehen.

Abhängig vom Bewerbungsverfahren werden auf jeden Fall folgende Unterlagen verlangt:

  • Antragsformular zur Bewerbung (von der Hochschule gestellt)
  • Nachweis über die Hochschulreife (bspw. beglaubigtes Abiturzeugnis)

Abhängig vom Studiengang und der Hochschule können noch folgenden Unterlagen verlangt werden:

  • Motivationsschreiben
  • Nachweis über ein Vorpraktikum
  • Portfolio/Mappe/Eignungsprüfung (bspw. für Kunst oder Musik)
  • Exmatrikulations-/Leistungsbescheinigung (bei Hochschulwechsel)

Über den vollen Umfang der Unterlagen, die die Hochschule verlangt, wird man konkret bei der Bewerbung in Kenntnis gesetzt.

Wie sieht ein Bewerbungsschreiben bzw. Motivationsschreiben aus?

Ein Bewerbungsschreiben bzw. Motivationsschreiben für ein Studium unterscheidet sich nicht wesentlich von einem Schreiben für eine neue Arbeitsstelle. Dabei gilt es, von sich zu überzeugen. Wie der Name schon sagt, bewirbt man seine eigene Person und schildert seine Motivation. Wichtige Punkte im Schreiben sind:

  • Bisherige Leistungen
  • Motivation und Interesse für Studiengang und Hochschule
  • Besonderheiten der eigenen Person

Es sollten klare Worte und Beispiele herangeführt werden, denn leere Versprechungen, wie „Ich will studieren, weil ich gut bin“, werden eher negativ gewertet.

Der Aufbau des Motivationsschreibens sollte in Etwa wie folgt aussehen:

  • Einleitung: Höflicher Einstieg
    • In jedem Fall mit „Sehr geehrte Damen und Herren,…“
    • Kurzes Vorstellen
  • Hauptteil: Beschreibung der Leistungen und Qualitäten
    • Wie verlief die Schulzeit? Gab es hier bereits eine richtungsweisende Fachwahl…?
    • Was sind relevante Praxis-Erfahrungen, die hilfreich für das Studium sein können?
    • Was ist die Motivation für genau dieses eine Studium, Studiengang und Hochschule?
    • Warum glaubt der Bewerber den Studiengang erfolgreich bewältigen zu können?
    • Was macht den Bewerber so besonders, dass die Hochschule ausgerechnet ihn und keinen anderen annehmen sollte?
  • Schlussteil: Höflicher Abschluss
    • Hoffnung auf Antwort schildern
    • Abschiedsformel mit „Mit freundlichen Grüßen…“

Was tun, wenn ich angenommen wurde, eine Zulassung bekommen habe?

Hat man sich einmal beworben, heißt es Daumen drücken. War die Bewerbung an der Uni erfolgreich, erreicht den Bewerber ein paar Wochen vor Semesterbeginn ein Zulassungsbescheid von der entsprechenden Hochschule. Jetzt geht es an die Immatrikulation bzw. das Einschreiben.

Der Zulassungsbescheid sollte genauestens durchgelesen werden, denn in ihm steht alles drin was man zum Einschreiben braucht. Die angegebenen Fristen sollten unbedingt eingehalten werden. Für die Immatrikulation muss man in den meisten Fällen persönlich erscheinen. In der Regel werden dabei folgende Unterlagen verlangt:

  • Nachweis über die Hochschulreife (bspw. beglaubigtes Abiturzeugnis)
  • Krankenversicherungsnachweis
  • Personalausweis
  • Nachweise über Praktika/Eignungsprüfungen oder ähnliches (abhängig vom Studiengang)
  • Zulassungsbescheid

Darüber hinaus wird der Semesterbeitrag fällig, der auch an Fristen gebunden ist. Durch das Ausbleiben des Semesterbeitrages in den vorgegebenen Fristen folgt eine Exmatrikulation.

Nach der Immatrikulation gilt man offiziell als Student – Herzlichen Glückwunsch!

Thema dieses Beitrags: Bewerbung an der Uni! Wie funktionert die Bewerbung an einer Hochschule?

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Über den Autor Jan Bohlken

Jan Bohlken (Gründer & Inhaber des Profiling Institut) ist Studien- und Berufsberater, Karrierecoach und Personalberater. Im Blog des Profiling Instituts setzt er sich regelmäßig mit den verschiedensten Themen aus dem Umfeld Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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