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Heutzutage gibt es viele verschiedene Erziehungsstile, die in der Bevölkerung verbreitet sind. Einer davon ist der autokratische Erziehungsstil. Dieser kann als eine verschärfte Form des autoritären Erziehungsstil angesehen werden. Was genau bedeutet das? Wie gut ist dieser Erziehungsstil? Welche Folgen hat er?

Definition

Der autokratische Erziehungsstil ist ein durch die Sozialpsychologie definierter Erziehungsstil. Er gilt dabei als eine Steigerung des autoritären Erziehungsstils. Das bedeutet, dass er die Sichtweisen und Handlungsweisen des autoritären Erziehungsstils noch verschärft. Personen, die diesen Stil verfolgen, gehen davon aus, dass es absolut notwendig ist, den Kindern gegenüber als klare und unanfechtbare Autoritätsperson aufzutreten. Die Hierarchie in der Familie ist also noch klarer und die Eltern stellen sich noch mehr als Autoritätsperson dar, da angenommen wird, dass dies notwendig für das Kind ist.

Der autokratische Erziehungsstil zeichnet sich weitergehend dadurch aus, dass die Erziehenden starre Regeln vorgeben und jegliche Entscheidungen ungeachtet der Gefühle und Bedürfnisse der Kinder allein fällen. Eine besonders große Rolle spielen dabei die Themen Gehorsam und Disziplin. Die Dinge, die von den Erziehenden entschieden werden, müssen von den Kindern befolgt werden, ohne dass sie ihre Sichtweise kundtun könnten. Dadurch werden die Gefühle, Bedürfnisse, Interessen, Sichtweisen, Ideen und Meinungen der Kinder in keiner Weise berücksichtigt. Diese sind für die Erziehenden und deren Entscheidungen unwichtig.

Das bedeutet, dass die Erziehenden allein alle Regeln aufstellen, die Aufgaben und auch Aktivitäten bestimmen, die die Kinder machen sollen und die Einhaltung der Regeln sehr streng überwachen. Dabei wird gefordert, dass die Kinder diese Dinge einhalten und gehorsam befolgen. Um dies zu erreichen, werden häufig Drohungen ausgesprochen, es wird mit einschüchternden Verhaltensweisen agiert und Fehlverhalten wird bestraft. Richtiges Verhalten kann gelobt werden, was allerdings nicht immer geschieht. Eigeninitiative und Selbstständigkeit des Kindes werden nicht gefördert oder überhaupt gewünscht.

Das Verhältnis zwischen Kind und Erziehenden ist dabei in der Regel kühl und distanziert. Verhält sich das Kind richtig, ist der Erziehende jedoch in der Regel freundlich.

Auswirkungen und Folgen

Der autokratische Erziehungsstil ist also eine weitere Verschärfung des autoritären Erziehungsstils. Eine vermeintlich gute Folge dieses Erziehungsstiles ist es häufig, dass die Kinder tatsächlich den Regeln und Vorschriften der Eltern folgen und keine öffentlichen und unangenehmen Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Sie wirken angepasst und artig. Dennoch ist es, ähnlich wie bei dem autoritären Stil so, dass auch hier überwiegend negative Auswirkungen und Folgen des Erziehungsstils durch die Forschung ausgemacht wurden. Denn diese vermeintlich schöne Außenwirkung kann starke Folgen nach sich ziehen.

Eine der zentralsten Auswirkungen ist es, dass sich die Kinder nicht zu selbstständigen und selbstverantwortlichen Personen entwickeln können. Sie lernen nicht, ihre eigene Meinung zu formulieren, ihre Bedürfnisse zu äußern und selbst Entscheidungen für sich zu treffen. Sie sind in ihrem Handeln von den Erziehenden abhängig und auf diese angewiesen. Sie können sich, ihre Kreativität sowie Eigeninitiative nicht entfalten und lernen sich somit nicht als eigenständige und fähige Person kennen. Dadurch können sie häufig kein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickeln. Auch Gefühle der Minderwertigkeit können auftreten.

Diese Gefühle der Minderwertigkeit können sich darin äußern, dass die Personen sich nichts zutrauen und denken, ihre Meinung sei nichts wert. Außerdem kann es so dazu kommen, dass sie auch in der Schule und im beruflichen Leben noch Probleme damit haben, für sich oder gar andere Entscheidungen zu treffen und für diese die Verantwortung zu übernehmen. Auch für sich und die eigene Meinung einstehen kann schwerfallen.

Zugespitzt, kann es auch zu psychischen Störungen kommen. So kann de Erziehungsstil unter Umständen Zwangserkrankungen oder andere psychischen Schwierigkeiten begünstigen.

Diese innerlichen Folgen und Probleme, können sich aber auch anders im Verhalten widerspiegeln. So kann es sein, dass die Personen sich aggressiv gegenüber anderen oder auch sich selber zeigen. Dadurch kann der Versuch unternommen werden, eigene Unsicherheiten zu überspielen.

Fazit

Der autokratische Erziehungsstil geht also als eine Grundannahme davon aus, dass es wichtig und notwendig ist, gegenüber dem Kind als klare Autoritätsperson aufzutreten. Die Hierarchie in der Familie ist klar geregelt, wobei die Erziehenden unangefochten an der Spitze stehen. Sie treffen alle Entscheidungen, bestimmen Tätigkeiten, setzen starre Regeln, überwachen diese, können drohen, einschüchtern und bestrafen. Die Kinder werden dabei in keiner Weise einbezogen oder berücksichtigt. Dadurch wird die Entfaltung und in der Konsequenz auch die Selbstwirksamkeit und das Selbstbewusstsein gehemmt. Auch die Eigeninitiative und Kreativität bleibt auf der Strecke. Betroffenen kann es schwerfallen, Entscheidungen zu treffen und für sich einzutreten. Es kann zu Minderwertigkeitsgefühlen kommen. Die Folgen können sich auch in eine psychische Störung zuspitzen. Das Verhalten der Betroffenen ist häufig aggressiv gegenüber sich oder anderen, um so von ihren Unsicherheiten abzulenken. Heute und bei uns ist der autokratische Erziehungsstil in dieser klaren Form nicht mehr weit verbreitet.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.