Vor einigen Jahren ging die Geburtenrate der Kinder in Deutschland noch kontinuierlich zurück. Heute verändert sich die Lage allerdings wieder in die entgegengesetzte Richtung und es werden wieder mehr Kinder geboren. Das bedeutet allerdings auch, dass mehr Kinder in die Schule kommen. Wie ist die Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen? Und wie wird sich diese weiterentwickeln?

Aktuelle Zahlen

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat sich in seinem IW-Kurzbericht 85/2019 „Grundschulen: In den Städten wird es eng“ mit der der Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen befasst. Hierbei nutzten sie vor allem Werte des Statistischen Bundesamtes und verglichen diese für verschiedene Jahre, um die vergangene Entwicklung aufzuzeigen und auch die zukünftige Entwicklung abschätzen zu können.

Zuerst lag der Fokus der Betrachtung auf der Entwicklung der Geburtenzahl in Deutschland. Diese habe im Jahr 2016 ihren Tiefstand erreicht, sei jedoch danach bis 2018 wieder angestiegen. Hinzu käme, dass bis 2018 auch zahlreiche Kinder im Grundschulalter, also unter 10 Jahren, nach Deutschland zugewandert seien. Dies spiegele sich auch in der Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen wieder. So sei diese in den Schuljahren 2013/2014 sowie 2014/2015 besonders niedrig gewesen und steige seitdem wieder an. Im Jahr 2018/2019 habe sie bei 2,8 Millionen Grundschüler/innen in den ersten bis vierten Klassen bundesweit gelegen. Würden alle Erst- bis Viertklässler/innen einbezogen werden, also auch jene, die in Baden-Württemberg an einer Primarstufe an einer integrierten Gesamtschule zu finden seien, sei der Anstieg sogar noch deutlicher. Insgesamt sei die Anzahl der Grundschüler/innen um 4 Prozent seit dem Schuljahr 2014/2015 angestiegen.

Bundesländer und Regionen

Bezogen auf die Bundesländer würde sich diese Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen zwischen 2014/2015 und 2018/2019 allerdings unterschiedlich verteilen und widerspiegeln. So seien zwar fast allerorts die Zahlen gestiegen, in Niedersachsen habe es hingegen einen Rückgang der Zahlen um 1,8 Prozent gegeben. Eher klein sei der Anstieg in Nordrhein-Westfalen (2 Prozent), Baden-Württemberg (2,8 Prozent) und Rheinland-Pfalz (3,9 Prozent) gewesen. Den größten Zuwachs habe es in Brandenburg gegeben (11,3 Prozent), gefolgt von Berlin (10,2 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (10,1 Prozent) und Sachsen (10 Prozent). Im Allgemeinen sei die Entwicklung in den östlichen Bundesländern sowie in den Stadtstaaten deutlicher bzw. stärker verlaufen als im restlichen Deutschland.

Der IW betrachtet die Entwicklung jedoch nicht nur differenziert nach Bundesländern, sondern auch nach Regionen, also Großstädte, städtische Kreise, ländliche Kreise und dünnbesiedelte ländliche Kreise betrachtet. Hierbei wurden die Entwicklungen zwischen den Jahren 2013/2014 und 2017/2018 jeweils bundesweit, in den westlichen und östlichen Bundesländern betrachtet, jedoch ohne Zahlen aus dem Bundesland Baden-Württemberg. Dabei wurde deutliche, dass vor allem in den westlichen Bundesländern der Unterschied zwischen Städten und Land deutlich war. So war der Anstieg der Grundschüler/innen in den Großstädten im Westen Deutschlands mit 7,7 Prozent besonders deutlich, während er in den restlichen Gebieten nur zwischen 2,4 und sogar -0,7 Prozent lag. Im Osten Deutschlands war der Anstieg der Grundschüler/innen auch in den ländlichen Regionen deutlicher zu verzeichnen.

Prognose

Neben dieser vergangenen Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen beschäftigt sich der IW auch mit den zukünftigen Prognosen und Perspektiven. Hierzu wurden die Zahlen der in Deutschland lebenden 2- bis 5-Jährigen und 0­- bis 3-Jährigen herangezogen. Hierbei zeigte sich, dass 2018 5,6 Prozent mehr 2- bis 5-Jährige in Deutschland lebten als 6- bis 10-Jährige, also Kinder im Grundschulalter. Bei der Betrachtung der 0- bis 3-Jährigen sei die Entwicklung sogar noch deutlicher und betrage 8,1 Prozent. Außerdem müsse auch mit zahlreichen Kindern gerechnet werden, die in den nächsten Jahren erst nach Deutschland zuwandern würden. Mit der geschätzten Anzahl dieser Kinder, würde sich die Differenz auf rund 9 Prozent erhöhen.

Eine so deutlich angestiegene Anzahl an 2- bis 5-Jährigen bedeute, dass die Anzahl der Grundschüler/innen in Deutschland auch künftig weiter deutlich ansteigen werde. Bezogen auf die Bundesländer sei dies vor allem in den Stadtstaaten zu erwarten, während die deutlichen Zunahmen in den östlichen Bundesländern vermutlich eher wieder sinken würden. Weiter steigen würden die Zahlen voraussichtlich jedoch auch in Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Auch diese Zahlen wurden weitergehend differenziert nach den vier Regionen Großstädte, städtische Kreise, ländliche Kreise und dünn besiedelte ländliche Kreise betrachtet, mit bundesweiten Werten und Werte für Ost und West (diesmal inklusive den Werten für Baden-Württemberg). Betrachtet wurden hier die vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2017. Auch hierbei zeigte sich für den Westen Deutschlands ein deutlicher Unterschied zwischen der Entwicklung in den Städten und jener in den ländlichen Regionen. So seien in den Großstädten deutlich mehr Kinder zwischen 2 und 5 Jahren, aber auch zwischen 0 und 3 Jahren zu finden, verglichen mit den derzeitigen 6- bis 10-Jährigen, während der Unterschied in den ländlicheren Regionen deutlich geringer oder sogar negativ sei. Es sei also davon auszugehen, dass die Zahlen der Grundschüler/innen in den westlichen Großstädten künftig noch deutlicher ansteigen würden. Auch im Osten sei zukünftig eine ähnliche Entwicklung zu erwarten, da hier die Zahl der 2- bis 5-Jährigen und 0- bis 3-Jährigen in den ländlichen Gebieten ebenfalls deutlich hinter denen in den Großstädten liegen würden. Es sei laut IW demnach zu erwarten, dass künftig auch im Osten ein Gefälle in der Anzahl der Grundschüler/innen zwischen Stadt und Land zu verzeichnen sein werde.

Diese Entwicklung der Anzahl von Grundschüler/innen mache es vor dem Hintergrund des Rechtsanspruches auf einen Ganztagsschulplatz notwendig, die Möglichkeiten einer Ganztagsbetreuung flächendeckend und vor allem in den Städten weiter voranzutreiben, um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können. Hier sei laut IW auch politischer Handlungsbedarf gegeben, um dies mit zu unterstützen.

Hier finden Sie den IW-Kurzbericht 85/2019:

Grundschulen: In den Städten wird es eng

Hier finden Sie außerdem einen Artikel des iwd (der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft) zum Thema:

Mehr Nachwuchs an den Schulen

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.