Quält Sie die Frage: „Ist mein Kind Smartphone süchtig?“. Damit sind Sie nicht alleine. Das Smartphone ist in vielen Familien regelmäßig der Auslöser für Streits und Diskussionen. Aber das Smartphone ist aus der heutigen Zeit kaum noch weg zu denken. Es bietet viele Möglichkeiten, die uns das Leben leichter machen. Die neusten Nachrichten, das Wetter oder E-Mails checken oder eben mal ein Spiel spielen, ein paar Posts bei Snapchat oder Instagram, alles in sekundenschnelle möglich.

Das alles bietet Vorteile, birgt aber auch eine gewisse Gefahr. Gerade Kinder und Jugendliche nutzen sehr häufig ihr Handy oder Smartphone- sie wachsen damit auf. Sie sind auf Social Media Plattformen wie YouTube, Instagram, Snapchat, Facebook und WhatsApp aktiv. Vielen Eltern erscheint es so, als wären ihre Kinder ständig am Handy. Über kurz oder lang stellt sich hier für viele die Frage „Hat mein Kind ein Smartphonesucht oder Handysucht?“. Doch wie viel Smartphonenutzung ist überhaupt „normal“ und wann spricht man von einer Sucht?

Das Foto seines Abendessens auf Instagram posten, den neusten High-Score im Lieblingsspiel knacken oder dauerhafter Smalltalk mit Freunden auf Whatsapp – im 21. Jahrhundert scheint das normal zu sein. Doch ist es das auch? Hier gibt es einen schmalen Grad zwischen Langeweile und Sucht, wer durchschnittlich 60 Mal am Tag auf das Smartphone schauen muss, gilt als süchtig. Kinder, Jugendliche und Personen mittleren Alters sind am häufigsten betroffen, allerdings gilt nicht jeder von ihnen als smartphonesüchtig. Doch wie erkennt man, ob das eigene Kind süchtig nach seinem Smartphone oder anderen MEDIEN ist?

Was ist Handysucht bzw. Smartphonesucht?

Die Smartphonesucht ist kein anerkanntes Krankheitsbild, ebenso wie die Computerspielsucht. Dennoch ist sie ein Thema, was zunehmend mehr Menschen betrifft. Forscher haben herausgefunden, dass Handysucht vor Allem mit der intensiven Nutzung von Kommunikations-Apps in Verbindung steht. Folglich wird Handysucht als der zwanghafte Drang, mit anderen Menschen per Kommunikationsmittel in Kontakt treten zu wollen, definiert. Dies lässt sich durch das „Fear of missing out“-Syndrom erklären, also der Angst, etwas zu verpassen. Diese wird durch die Kommunikationsanwendungen auf dem Smartphone und der ständigen Erreichbarkeit durch diese verstärkt.

Hierdurch entsteht das Verlangen, ständig mit anderen Menschen verbunden sein zu wollen. Ein weiterer Punkt, warum Smartphone Nutzung süchtig machen kann, ist die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Das kann wie folgt erklärt werden: Zunächst führt man eine Handlung aus. In diesem Fall ist es das Anschalten des Handys durch Knopfdruck. Dieser Handlung folgt dann eine Überraschung. Diese kann eine neue Nachricht von Freunden sein, ein neuer Post auf Facebook oder Instagram oder ähnliches. Dadurch erfolgt die Ausschüttung von Dopamin, was dazu führt, dass immer häufiger zum Smartphone gegriffen wird. Doch das allein macht noch keine Sucht aus.

Woran erkennt man Smartphonesucht?

Um die Frage, „Ist mein Kind smartphonesüchtig?“ beantworten zu können, muss zunächst der Unterschied zwischen einer Smartphonesucht und normalem Nutzungsverhalten greifbarer gemacht werden. Hierfür unterteilen Psychologen häufige Smartphonenutzer in vier Typen:

  1. Typ D nutzt das Handy vor Allem bei Langeweile, um die Zeit schneller vergehen zu lassen. Dieser Typ ist zwar viel online, kann seine Nutzung aber regulieren.
  2. Typ C ist sich der negativen Auswirkungen eines übermäßigen Handygebrauchs bewusst. Er weiß, dass sich die häufige Smartphonenutzung negativ auf soziale Kontakte auswirken kann. Er ist ebenfalls viel online, kann aber durch dieses Wissen um negative Folgen seine Nutzung regulieren.
  3. Typ B verfügt über gute soziale Kompetenzen, die es möglich machen, seinen Alltag trotz ständigem online sein zu regeln.
  4. Typ A wird als akut süchtig eingestuft. Dieser Typ kapselt sich ab, vernachlässigt soziale Kontakte. Er lebt nicht mehr in der echten Welt, sondern nur noch in der virtuellen.

Besonders um Typ A muss man sich ernsthaft Sorgen gemacht werden. Dieser Typ ist allerdings auch leicht zu erkennen, da er sich aktiv abkapselt. Um jedoch frühzeitig erkennen zu können, dass das Kind in eine Sucht hinein gerät, ist es nötig, das Verhalten des Kindes zu beobachten. Treten einige dieser Symptome gehäuft auf, ist es zumindest nötig, genauer hinzusehen.

Sie fragen sich ganz konkret: Ist mein Kind Smartphonesüchtig? Einige Symptome die zeigen, ob Ihr Kind smartphonesüchtig ist, sind:

  • Gedankliche Eingenommenheit / Konzentrationsprobleme-Reizbarkeit / Agressivität
  • Traurigkeit (z.B. wenn sich Freunde treffen und dabei Spaß haben, wenn man selber nicht dabei ist)
  • Angst (z.B. dass Freunde bzw. andere Menschen bessere Erfahrungen machen, als man selber)
  • Toleranzentwicklung
  • Steigende Dauer des Gebrauchs / Drang ständig online zu sein
  • Vernachlässigung früherer Hobbys
  • Entzugssymptomatik bei Nichtgebrauch (z.B. Unruhe und Nervosität, wenn nicht klar ist, was die Freunde gerade tun)

Ist mein Kind smartphone süchtig? Was kann ich als Elternteil tun?

Treffen einige der Symptome auf den Jugendlichen zu, stellt sich als nächstet die Frage, was dagegen getan werden kann. Das Konfiszieren des Smartphones ist sicherlich die erste Lösung, die einem hierbei in den Sinn kommt. Diese bringt aber nicht den gewünschten Erfolg. Es geht bei der Smartphonesucht nicht darum, den Konsum komplett einzustellen, sondern wieder ein gesundes Maß hierfür zu finden. Dadurch unterscheidet sich diese Sucht deutlich von anderen Süchten. Betroffene müssen lernen, wieder auf andere Verhaltensweisen zurück zu greifen und soziale Kontakte und Hobbys wieder zu pflegen. Hierfür müssen sie eine neue Priorisierung von Handynutzung und „realer Welt“ vornehmen, um somit wieder einschätzen zu können, was normaler Konsum bedeutet. Hierbei hilft eine Therapie.

Damit ihr Kind gar nicht erst in die Gefahr einer Sucht gerät, sollte die Smartphonenutzung von Anfang an begeleitet werden und die Eltern sollten als Vorbild agieren. Eltern sollten zeigen, wie das Internet funktional genutzt werden kann und mit ihren Kindern in Kontakt bleiben. Sie sollten über Gefahren im Internet aufklären und aufmerksam hierfür machen. Einen geeigneten zeitliche Rahmen für die Smartphonenutzung vorzugeben ist hierbei nicht einfach. Das Vernetzungsverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Standards, die füher galten, müssen heute neu gesetzt werden. Kinder und Jugendliche lernen schon früh technische Kompetenzen, anders als noch vor 10 Jahren.

Reflexionsfragen können Eltern helfen, die aktuelle Situation im Haushalt einzuschätzen wie z.B

1.Wieviele technische Geräte gibt es im Haushalt?

2. Wie oft bin ich am Handy, bezüglich der Vorbildsfunktion?

3. Was hat mein Kind für einen Handyvertrag, d.h wie lange kann mein Kind im Internet surfen?

4. Gibt es Nutzungsregelungen bezüglich dem Handykonsums?

5. Wie sieht die familiäre Situation aus?

Unsere Kinder wachsen mit Smartphone auf

Durch diesen frühen Kontakt mit Computern und Smartphones besteht ein anderer Bezug zu diesen Geräten, als bei der Elterngeneration. Deshalb ist nicht jede Nutzung direkt als zu viel anzusehen. Vereinfacht ist zu sagen, je jünger ihr Kind ist, desto kleiner sollte der Zeitraum für die Smartphonenutzung sein. Mit zunehmendem Alter sollte dieser Rahmen dann erweiter werden. Jugendliche müssen im nächsten Schritt Eigenverantwortung und Freiheit im Umgang mit dem Smartphone lernen. Hier sollten nicht Verbote und Einschränkungen der Weg sein, um dies zu erreichen, sondern aktives begleiten und aufmerksames in Kontakt bleiben. Gelingt dies, haben Jugendliche in der Regel weniger Probleme damit, ihr Nutzungsverhalten selbstständig einzuschränken.

Wenn Sie das Gefühl haben, die Handynutzung ihres Kindes nimmt Überhand, sollten Sie das Gespräch suchen. Sprechen Sie ihre Beobachtung an, jedoch ohne Verbote anzudrohen oder Vorwürfe zu machen. Versuchen Sie eher eine Regelung für die ganze Familie zu finden, wie beispielsweise keine Handys am Tisch zu nutzen. Wird diese Regelung gut umgesetzt und hält sich Ihr Kind an getätigte Absprachen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Sucht verringert.

Wer kann helfen? Wo erhalte ich Beratung?

Wenn Sie den konkreten Verdacht haben, dass Ihr Kind smartphonesüchtig ist und Sie alleine nicht mehr weiter wissen, gibt es einige Anlaufstellen, die helfen können. Der Fachverband für Medienabhängigkeit e.V. hat im Internet eine Adressliste seiner Anlaufstellen online gestellt ( http://www.fv-medienabhaengigkeit.de/91.html ). Diese können ein erster Ansprechpartner sein und gegebenenfalls weitervermitteln. Auch bei ELSA (Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen) erhalten sie Informationen und Beratung ( https://www.elternberatung-sucht.de/ ). Liegt eine Sucht vor, kommt eine Therapie infrage. Diese kann ambulant, teilstationär und vollstationär ablaufen. Die Entscheidung, welche Form angebracht ist, hängt mit der Schwere und Form der Sucht zusammen. Die Kinder und Jugendlichen lernen hier wieder einen gesunden Umgang mit dem Smartphone und eine neue Priorisierung von virtueller und relaer Welt. Nach der Therapie sollten Sie aufmerksam und interessiert mit Ihrem Kind in Kontakt bleiben, um einen Rückfall zu vermeiden.

Was tun, wenn man selbst Smartphone süchtig ist?

Wenn sie fürchten selbst betroffen zu sein, können sie versuchen durch gewisse Maßnahmen, ihren Handykonsum erst einmal einschränken. In den Weiten des Internets finden sich zahlreiche Selbsthilfegruppen wie  http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/foren/9/vorstellung-bestehender-selbsthilfegruppen-shg/ Hier findet man Betroffene, mit denen man seine Erfolge aber auch Rückschläge teilen kann.

Konkrete Tips zur Reduzierung des Handykonsums:

  1. Handy lautlos stellen um nicht bei jedem SMS-Ton zusammenzuzucken.
  2. Ein weiterer kleiner Trick ist es, sich einen echten Wecker zu kaufen und diesen statt dem virtuellen Handywecker zu benutzen. So vermeidet man, den ersten Griff zum Handy am Morgen.
  3. Hilfreich ist es auch, bei wichtigen Dingen wie z.B. Meetings, das Handy auszuschalten.
  4. Überlegen Sie mal wie wichtig ihnen ihre solzialen Netzwerke sind und löschen vielleicht einfach mal einige ihrer sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co.
  5. Besorgen sie sich eine App, die ihren Konsum überwacht:  z.B. BreakFree gibt es für Android und IOS

Thema: Ist mein Kind Smartphonesüchtig?

Weitere Informationen unter: Spielsucht Konsole und Computer

 

Über den Autor Jan Bohlken

Jan Bohlken (Gründer & Inhaber des Profiling Institut) ist Studien- und Berufsberater, Karrierecoach und Personalberater. Im Blog des Profiling Instituts setzt er sich regelmäßig mit den verschiedensten Themen aus dem Umfeld Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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