Der deutsche Philologenverband fordert strengere und damit vergleichbarere Abiturnoten. Die Benotungskriterien sollten verschärft werden, mehr Kurse in die Abiturnote mit eingebracht werden, Prüfungen schwieriger werden und vieles mehr. Was genau wird von dem Verband gefordert? Sind strengere Abiturnoten nötig? Was sollen sie bringen?

Noteninflation und schlechtere Studien- und Berufsvorbereitung?

Die Abiturnote gilt noch immer als beste Voraussage dafür, ob ein Studium erfolgreich bestritten wird oder nicht. Das liegt vermutlich auch daran, dass diese sich aus einem Langzeitteil und einer Kurzzeitmessung zusammensetzt. Zwei Drittel der Abiturnote bestehen aus den Leistungen über die gesamte gymnasiale Oberstufe. Das restliche Drittel setzt sich aus den Ergebnissen der Abiturprüfungen zusammen. Diese Zusammensetzung ähnelt den Studienanforderungen strukturell, weshalb die Prädiktionskraft für ein erfolgreiches Studium so groß ist.

Allerdings fordert der deutsche Philologenverband jetzt strengere Abiturnoten. Dieser Verband vertritt 90.000 Lehrer in Deutschland und bemängelt vor allem die aktuelle Notenverordnung von der Kultusministerkonferenz (KMK). Dieser Verordnung für die Oberstufe sind die Bundesländer und somit auch die Lehrer/innen unterstellt, das heißt, sie müssen sich an diese halten. In dieser Notenverordnung ist geregelt, wie viel Prozent Schüler/innen leisten müssen, um welche Note zu erlangen. Momentan ist es so, dass es ausreicht, 45 Prozent einer Prüfung zu meistern, um diese mit 5 Punkten zu bestehen. Außerdem reichen 90 Prozent Leistung aus, um 14 Punkte und damit eine glatte Eins zu erlangen.

Durch diese niedrigen Schwellen komme es aber laut Verband zu einer Diskrepanz zwischen erbrachter Leistung und deren Bewertung. Die Bewertung gebe nicht mehr den realen Stand der Schüler wieder. Dadurch käme es zu einer Verzerrung zwischen tatsächlichem Leistungsstand und den Noten.

Strenge Abiturnoten seien deshalb nötig, um wieder eine realistische Selbsteinschätzung der Schüler/innen zu gewähren, die Vergleichbarkeit der Noten zu erhöhen und Schüler/innen besser auf den Beruf oder das Studium vorzubereiten. Denn um erfolgreich in Beruf und Studium zu sein, müssten Schüler/innen auch sich und ihre Leistungen adäquat einschätzen können. Für die Prädiktionskraft des Abiturs bezüglich des Studienerfolgs seien die tatsächlichen Leistungen der Schüler/innen entscheidend und keine geschönten Abiturnoten.

In Bezug auf strenge Abiturnoten wird gefordert, die Schwelle für die Erreichung von 5 Punkten und damit bestanden wieder auf 50 Prozent zu erhöhen. Ebenso solle die Schwelle für 14 Punkte, also einer glatten Eins, auf 95 Prozent angehoben werden.

Bessere Vergleichbarkeit der Abiturnoten

Um die Vergleichbarkeit der Abiturnoten zwischen den Bundesländern noch weiter zu verbessern, fordert der Philologenverband nicht nur strengere Abiturnoten. Für eine bessere Vergleichbarkeit sollte es laut Verband außerdem vorgeschrieben sein, die Fächer Mathematik, Deutsch, eine Naturwissenschaft und eine Fremdsprache die gesamte gymnasiale Oberstufe lang zu belegen und diese dann auch in die Abiturnote mit einzubringen. Diese Kernfächer sollten nicht ersetzt werden können.

Für die belegte Fremdsprache solle es allerdings noch weitere Neuerungen geben, wenn es nach dem deutschen Philologenverband geht. So solle es künftig so sein, dass nur ein ein- statt ein zweisprachiges Wörterbuch in der Abiturprüfung zur Verfügung gestellt werden solle. Dies sei während des Unterrichts vielerorts bereits gängiger Standard, doch in der Abiturprüfung sei das zweisprachige Wörterbuch vorgesehen. Damit würden die Abiturprüfungen hinter das normale Niveau des Unterrichts fallen, was kritisiert wird.

Darüber hinaus wird gefordert, dass mehr Kurse aus der Oberstufenzeit in die Abiturwertung mit eingebracht werden sollten. Aktuell seien es 40 Kurse. Mit einer Anhebung der Kursanzahl sei die Leistung der Schüler/innen über die gesamte Oberstufenzeit vergleichbarer.

Höheres Niveau in allen Bereichen

Die Kritik an den Abiturprüfungen, der Notenvergabe und der mangelnden Vergleichbarkeit ist allerdings noch nicht alles, was der deutsche Philologenverband kritisiert. Um ein höheres Niveau des Abiturs zu erreichen, seien nicht nur strengere Abiturnoten nötig, sondern es sei auch nötig, den Zwei-Drittel Bereich des Abiturs anzupassen. Hier wird gefordert, dass weniger nicht bestandene Kurse im Laufe der Oberstufe in die schlussendliche Wertung des Abiturs mit eingebracht werden dürften. Aktuell sei es so, dass 20 Prozent der eingebrachten Kurse solche sein könnten, in denen Schüler/innen durchgefallen seien (also weniger als 5 Punkte erreicht haben). Dies sei laut dem Verband zu viel. Sie fordern, dass maximal 10 Prozent der eingebrachten Kurse durchgefallen sein dürften.

Fazit

Der deutsche Philologenverband sieht also in mehreren Bereichen des Abiturs Verbesserungsbedarf. Zum einen werden strengere Abiturnoten gefordert, um den tatsächlichen Leistungsstand der Schüler/innen besser abzubilden und somit auch die Berufs- und Studienvorbereitung zu gewährleisten. Außerdem sollten bestimmte Fächer verbindlich belegt und eingebracht werden müssen, um die Vergleichbarkeit zu erhöhen. Die Abiturprüfung in den Fremdsprachen sollte außerdem an das Niveau des Unterrichts angepasst werden. Weitergehend wird gefordert, dass mehr als die jetzigen 40 Kurse aus der Oberstufenzeit in das Abitur mit eingebracht werden sollten, ebenfalls um die Vergleichbarkeit zu erhöhen. Die Anzahl der nicht bestandenen Kurse, die in die Abiturwertung mit eingebracht werden darf, sollte laut Verband allerdings gesenkt werden. Alles in allem soll mit den Forderungen des Verbandes die Vergleichbarkeit der Abiturnoten erhöht werden und das formale sowie das inhaltliche Niveau des Abiturs angehoben werden. Das Thema wird viel diskutiert und es gibt viele verschiedene Meinungen hierzu. Was denken Sie darüber? Wie empfanden Sie den Schwierigkeitsgrad Ihrer Abiturprüfung?

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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