Karriere-Trendwende? Warum Ausbildung den Bachelor (oft) überholt und was das für 2024/2025 bedeutet

Die Kernprognose der Bertelsmann Stiftung von 2014 – die unumkehrbare Akademisierung – hat sich in den letzten Jahren verfestigt. Allerdings zeigen aktuelle Daten eine Stabilisierung der Studierneigung und eine zunehmende Attraktivität der betrieblichen Ausbildung für bestimmte Gruppen.

Die Realität nach dem Abi: Der Fachkräftemangel diktiert die Karriere

Noch vor einem Jahrzehnt prognostizierte die Bertelsmann Stiftung eine unaufhaltsame Akademisierungswelle bis 2030. Die Quintessenz: Immer mehr junge Menschen würden ein Studium beginnen, während die betriebliche Ausbildung weiter schrumpft.

Die aktuelle Datenlage bestätigt den Trend, zeigt aber auch eine dramatische Verschärfung des Problems – und eine wachsende Chance für alle, die sich für eine Ausbildung entscheiden. Doch welcher Weg passt zu Ihnen? Finden Sie es in unserem „Studium oder Ausbildung“-Quiz heraus.


Die Fakten: Studienanfänger vs. Ausbildungsanfänger (2024)

Die Hochschulen gewinnen das Mengen-Rennen weiterhin knapp:

  • Studienanfänger (2023): Rund 479.000 junge Menschen
  • Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (2023): Rund 466.000 Verträge

Obwohl die Ausbildung zahlenmäßig leicht zurückliegt, ist die Nachfrage der Wirtschaft immens – und der Engpass verschärft sich jährlich.

Unbesetzte Lehrstellen: Der Hilferuf der Wirtschaft

Die erschreckendste Entwicklung seit der ursprünglichen Prognose ist der massive Anstieg unbesetzter Lehrstellen. Die im Jahr 2013 verzeichneten rund 40.000 fehlenden Bewerber haben sich nahezu verdoppelt:

Aktuelle Zahl: Im Jahr 2023 blieben rund 73.400 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Dieser Mangel wird durch die anstehende Renteneintrittswelle der geburtenstarken Jahrgänge (über 10 Millionen Fachkräfte bis 2030) weiter verschärft. Der Weg in die betriebliche Ausbildung ist heute somit der sicherste Weg in eine unbefristete Anstellung.

Kennzahl 2013 (Basis) 2023 (Aktuell) Entwicklung
Neu abgeschl. Ausbildungsverträge ca. 520.000 ca. 466.000 Rückgang
Studienanfänger (Erstsemester) ca. 420.000 ca. 479.000 Anstieg
Unbesetzte Ausbildungsplätze ca. 40.000 ca. 73.400 Verschärfung

Die Aufwertung der Berufsbildung: Besser als der Bachelor?

Die Politik und die Wirtschaft haben auf den Engpass reagiert, indem sie die Durchlässigkeit und den Wert der Ausbildung massiv erhöht haben:

  1. Die Power des Dualen Studiums: Der Anteil dual Studierender ist seit 2013 auf rund 12 Prozent gestiegen. Es verbindet akademische Theorie mit betrieblicher Praxis.
  2. Der „Bachelor Professional“: Meister- und Technikerabschlüsse sind heute dem Bachelor rechtlich gleichgestellt und bieten oft eine höhere Gehaltsstabilität.
  3. Zuwanderung: Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz öffnet die Ausbildung für internationale Talente.

Fazit: Ihre Karriere-Entscheidung heute

Der Trend zur Akademisierung ist nicht gestoppt, aber die „Rendite“ der Ausbildung ist massiv gestiegen. Wer heute eine Ausbildung wählt und sich später zum Meister oder Fachwirt weiterbildet, investiert in eine krisenfeste Zukunft.

Wir helfen bei Ihrer Orientierung!

Sie stehen vor der Wahl zwischen Ausbildung, Studium oder Dualem Studium? Angesichts dieser komplexen Marktentwicklungen ist eine individuelle Beratung entscheidend. Wir unterstützen Sie gezielt mit unseren Experten-Angeboten:

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Über den Autor Jan Bohlken

Jan Bohlken (Gründer & Inhaber des Profiling Institut) ist seit über 20 Jahren Studien- und Berufsberater, Karrierecoach und Headhunter bei BohlkenConsulting. Im Blog des Profiling Instituts setzt er sich seit 2007 regelmäßig mit verschiedensten Themen aus dem Umfeld Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander. Er ist Experte in vielen aktuellen Themenfeldern rund um das Feld Bildung.

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