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Das Thema Digitalisierung spielt auch in der Bildung eine Rolle. Das Thema digitale Bildung hat dabei zwei Seiten. Zum einen die der Jugendlichen und zum anderen die der Schulen. Wie nutzen Jugendliche digitale Medien für die Bildung? Wie gehen Schulen damit um?

Aktuelle Daten

Dem Thema digitale Bildung hat sich das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in seinem IW-Trends 2/2020 „Bildung digital? – Wie Jugendliche lernen und Schulen lehren“ gewidmet. Das Thema sei von Bedeutung, da Jugendliche täglich viel Zeit mit digitalen Medien verbringen würden, auch um diese für die Schule zu nutzen. Deshalb sei es auch wichtig, dass den Jugendlichen vermittelt werde, wie online bereitgestellte Inhalte konsumiert und bewertet werden könnten.

In dem IW-Trends werden die Ergebnisse einer Befragung, welche im Rahmen des JUNIOR-Projekts durchgeführt wurde, bei dem es vor allem darum ging, eine Schülerfirma zu gründen, vorgestellt. Teilgenommen hätten bei der 2019 stattgefundenen Befragung rund 2000 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die zu einem Großteil (77 Prozent) das Gymnasium besucht hätten und sich durch die Teilnahme am JUNIOR-Projekt für die Themen rund um Unternehmen und Wirtschaft interessieren würden. Um weitergehend auch die Seite der Schulen zu beleuchten, wurden in dem IW-Trend auch PISA-Daten aus dem Jahr 2018 hinzugezogen.

Lernmethoden

Bei der Beleuchtung des Themas digitale Bildung geht es in dem IW-Trend zuerst um von den Jugendlichen präferierte Lernmethoden. Die Jugendlichen seien hierzu zu der besten Lernmethode befragt worden, mit der sie lernen könnten. 42 Prozent der Jugendlichen gaben dabei an, am besten mit Videos zu lernen. Diese Antwort hätten Jungen dabei signifikant häufiger gegeben als Mädchen. Weitere 27 Prozent nannten die Besprechung um Unterricht, weitere 13 Prozent Texte, lediglich 10 Prozent das Lernen mit Eltern oder Freund/innen, weitere 4 Prozent Sonstiges und nur 3 Prozent Podcasts.

Wie wichtig Videos als digitales Medium für Jugendlichen als Lernmethode sind, werde auch durch die Ergebnisse anderer Studien unterstrichen. So führt das IW die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage vom Rat für kulturelle Bildung aus dem Jahr 2019 an. Demnach würden rund die Hälfte der Nutzer/innen der Plattform „YouTube“ angeben, dass die dort zur Verfügung stehenden Videos (sehr) wichtig für schulische Dinge seien. Am häufigsten würden Videos dazu genutzt werden, nicht verstandene Inhalte aus dem Unterricht zu wiederholen oder Hausaufgaben zu lösen.

Die Auswahl der Videos

Weitergehend wurde in dem IW-Trends beleuchtet, wie Jugendliche die Videos im Kontext der digitalen Bildung auswählen würden. Dabei wurde sowohl die Auswahl zum Lernen sowie die zur Informationsbeschaffung im Rahmen wirtschaftlicher und politischer Themen betrachtet. Die Jugendlichen konnten in der Befragung verschiedene Kriterien auswählen und diese von 1 (am wichtigsten) bis zu 8 (am unwichtigsten) auflisten. An erster Stelle stand dabei laut IW bei den meisten Jugendlichen (51,7 Prozent) die Empfehlung von Freund/innen. Persönliche Netzwerke scheinen laut IW somit das wichtigste Kriterium für Empfehlungen von Videos zu sein. An zweiter Stelle folgen die Empfehlungen von Lehrkräften. Ebenfalls wichtig seien die Anzahl der Likes und Aufrufe (Views), die Vorschläge der online Plattform und die Reihenfolge, in der die Ergebnisse bei der Suchmaschine angezeigt werden würden.

Diese Ergebnisse wurden auch geschlechterspezifisch aufgeschlüsselt. Sowohl bei den Jungen als auch den Mädchen würde dabei die Empfehlung von Freund/innen auf Platz 1 stehen. Bei den Jungen folge an zweiter Stelle die Anzahl der Likes und Aufrufe und an dritter Stelle die Vorschläge der Plattform. Bei den Mädchen stehe die Empfehlung von Lehrkräften an zweiter Stelle und die Vorschläge der Plattform ebenfalls an dritter.

Durch weitere statistische Tests wurde in dem IW-Trends ermittelt, für welche Schüler/innen welches der Kriterien besonders wichtig ist. Dazu wurde ermittelt, für welche Gruppe die Wahrscheinlichkeit hoch ist, ein Kriterium auf Platz 1 zu setzen. Die Ergebnisse, welche Gruppen welches Kriterium am ehestens als sehr wichtig einstufen, waren laut IW-Trends:

  • Empfehlungen von Freund/innen: Jungen, Schüler/innen an Gymnasien, Schüler/innen ab 16 Jahren
  • Empfehlungen von Lehrkräften: Mädchen, Schüler/innen die nicht auf ein Gymnasium gehen und jene unter 16 Jahren
  • Anzahl der Likes und Aufrufe (Views): Jungen (besonders hohe Relevanz), nicht Gymnasiast/innen, Schüler/innen ab 16 Jahre
  • Vorschläge der Plattform: Jungen, Schüler/innen an Gymnasien, Schüler/innen unter 16 Jahren
  • Reihenfolge der Ergebnisse in der Suchmaschine: Mädchen, Schüler/innen an Gymnasien, Schüler/innen ab 16 Jahren

Alles in allem habe die Nutzung von Videos bei der digitalen Bildung von Jugendlichen eine hohe Relevanz.

Situation an den Schulen

Um das Thema digitale Bildung auch von der Seite der Schulen zu beleuchten, werden in dem IW-Report die Ergebnisse der PISA-Studie 2018 ausgewertet. Dabei werde deutlich, dass digitale Geräte und das Arbeiten an diesen laut Schüler/innen bislang wenig in der Schule genutzt würden. In den naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern würden digitale Geräte am häufigsten genutzt werden, am zweithäufigsten in den Fremdsprachen, gefolgt von Gesellschaftskunde. Falls die Geräte genutzt würden, wäre dies in der Regel auf maximal 30 Minuten pro Woche begrenzt.

Bezogen auf die Befragung der Lehrkräfte im Fach Deutsch zeige sich, dass diese Schüler/innen dazu auffordern würden, digitale Geräte zu nutzen, um den Unterricht aufzubereiten. 77 Prozent gaben an, den Auftrag nach themenbezogenen Informationen zu suchen, zu vergeben. Weitere 67 Prozent würden kurze digitale Aufgaben stellen, welche in einer Woche von den Schüler/innen erledigt werden könnten. 53 Prozent würden digitale Geräte zum Abgeben von (Haus-)Aufgaben nutzen. Zum selber verfassen digitaler Inhalte, wie einem Blogeintrag, würden Lehrkräfte nur zu 10 Prozent auffordern. Es zeige sich, dass digitale Inhalte und Geräte eher zu der Vor- oder Nachbereitung des Unterrichts eingesetzt werden würden und nicht im Unterricht selbst.

Das Thema Medienkompetenz und digitale Kompetenz komme dabei im Unterricht zu kurz, da nur die Hälfte der Lehrkräfte angegeben habe, den Jugendlichen beizubringen, Informationen kritisch auf deren Subjektivität hin zu prüfen. Die Prüfung der Vertrauenswürdigkeit einer digitalen Quelle würden 65 Prozent der Lehrkräfte vermitteln. Diese Ergebnisse und Werte schätzt das IW als zu gering ein, um die Qualität der digitalen Bildung und den souveränen Umgang von Jugendlichen mit digitalen Dingen zu gewährleisten. Durch eine adäquate Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule, könne schlussendlich auch die Verbreitung von falschen Fakten („Fake News“) verringert werden.

Weitergehend wird die technische Ausstattung der Schulen in den Blick genommen. Dabei fehle es vor allem an schnellen Internetverbindungen an den Schulen, effektiven Online-Lernplattformen, digitalen Geräte für den Unterricht und an qualifiziertem Personal für technische Belange. Weniger Probleme gebe es bei der geeigneten Software, der Rechenleistung digitaler schulischer Geräte und den pädagogischen und technischen Kompetenzen der Lehrkräfte. Letzteres sei allerdings auch nur zu 57 Prozent als ausreichend angegeben worden, was laut IW zu Problemen führen könne.

Fazit und Empfehlungen

Aus den Ergebnissen des IW-Trends zu einer digitalen Bildung zieht das IW am Ende des Berichts ein Fazit und leitet Empfehlungen ab, um das Thema digitales Lernen gut umsetzen zu können. So sei es vor allem für Jungen und Schüler/innen unter 16 Jahren wichtig, die Algorithmen hinter den Vorschlägen der Plattformen zu verstehen und wie ihr eigenes Verhalten im Internet diese beeinflusse, bzw. welche Spuren im Internet zurückblieben. Gleiches gelte allerdings auch für Mädchen und ältere Schüler/innen, da diese zwar weniger auf die Vorschläge der Plattformen reagieren würden, dafür aber auf die Reihenfolge, in der die Ergebnisse in der Suchmaschine angegeben werden.

Das Thema Medienkompetenzen in den Schulen sei besonders wichtig und es solle vermittelt werden, wie Videos gefunden werden könnten, die hochwertig und vertrauenswürdig seien. Um dies vermitteln zu können, müssten allerdings auch die Lehrkräfte über die entsprechenden Medienkompetenzen verfügen. Deshalb brauche es pädagogische Konzepte und auch eine Überprüfung der Medienkompetenz der Schüler/innen, so das IW. Außerdem müssten die Lehrkräfte laut IW weiter an ihren digitalen Kompetenzen arbeiten, um den Schüler/innen gute und hilfreiche Videos empfehlen zu können und so auf deren Lernrealität einzugehen. Deshalb müsse laut IW das Thema digitale Bildung und digitales Unterrichten in der Ausbildung von Lehrkräften stärker und wiederkehrend thematisiert und hervorgehoben werden.

Die Vermittlung einer adäquaten Medienkompetenz wirke sich dabei vermutlich nicht nur auf die Jugendlichen selbst aus, sondern auch ihre Netzwerke, denn persönliche Empfehlungen würden laut den Ergebnissen die größte Rolle bei der Auswahl der Videos spielen.

Hier finden Sie das IW-Trends 2/2020:

Bildung digital? – Wie Jugendliche lernen und Schulen lehren

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.