Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 hält sich eine Sorge besonders hartnäckig: Künstliche Intelligenz könnte ausgerechnet die Einstiegsjobs verdrängen, also genau die Aufgaben, mit denen junge Menschen bisher ins Berufsleben gestartet sind. Für die USA hat eine Stanford-Auswertung dazu alarmierende Zahlen geliefert. Jetzt liegen erstmals belastbare Daten für Deutschland vor. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat am 13. Oktober 2026 ausgewertet, wie sich die Vollzeitbeschäftigung in mehr und weniger KI-nahen Berufen seit 2022 entwickelt hat. Das Ergebnis lautet: Entwarnung – mit einem Vorbehalt für die Jüngsten.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | IAB-Daten für Deutschland: KI-nahe Berufe wachsen, nur 20- bis 29-Jährige liegen 1,2 Prozentpunkte zurück. Warum die Konjunktur schwerer wiegt. |
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| Themenbereich | Arbeitsmarkt, Berufseinstieg, Bildung und Beruf |
| Veröffentlicht | 20. Oktober 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | private Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach wissenschaftlichen Standards, sieben Standorte in Deutschland |

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze
- Kein Einbruch in KI-nahen Berufen: In den Berufen, in denen Sprachmodelle viele Aufgaben beschleunigen könnten, lag die Vollzeitbeschäftigung 2025 rund 1 Prozent über dem Niveau von 2022. In den weniger betroffenen Berufen lag sie gut 3 Prozent darunter.
- Die Jüngeren trifft es am stärksten: Bei den 20- bis 29-Jährigen ging die Vollzeitbeschäftigung insgesamt um rund 3 Prozent zurück, bei den 30- bis 39-Jährigen um 1,3 Prozent, bei den Älteren um weniger als 1 Prozent.
- Der KI-Abstand bei den Jüngeren: In stark KI-nahen Berufen schrumpfte die Beschäftigung der 20- bis 29-Jährigen um 3,8 Prozent, in den übrigen Berufen um 2,6 Prozent. Das ist ein Rückstand von 1,2 Prozentpunkten. Bei den 30- bis 39-Jährigen entwickelten sich KI-nahe Berufe dagegen um fast 6 Prozentpunkte besser.
- Statistisch nicht gesichert: Werden Konjunktur und Homeoffice-Eignung herausgerechnet, bleibt für die Jüngeren ein leicht negativer Zusammenhang. Er wächst von Jahr zu Jahr, ist aber nicht signifikant.
- Die Konjunktur wiegt schwerer: Junge Beschäftigte in Berufen aus wirtschaftlich schwächelnden Branchen verloren 4,2 Prozent. Dieser Zusammenhang ist laut IAB mehr als doppelt so stark wie der mit der KI-Nähe eines Berufs.
Wie das IAB gemessen hat
Grundlage sind monatliche Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025 mit durchschnittlich rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten zwischen 20 und 64 Jahren. Auszubildende, Beamte, Selbstständige und Minijobber sind nicht enthalten. Welche Berufe als KI-nah gelten, bestimmt ein international verbreitetes Maß: der Anteil der Tätigkeiten, die sich mit Sprachmodellen deutlich schneller erledigen ließen. Hoch ist dieser Anteil etwa in der Unternehmensorganisation, im Rechnungswesen und im Recht, in den Medien und in der Informatik.
Wichtig für die Einordnung: Das Maß beschreibt, wo KI eingesetzt werden könnte, nicht, wo Betriebe sie tatsächlich nutzen. Die Autorinnen und Autoren betonen selbst, dass ihre Befunde beschreibend sind und keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Sie verstehen sie als Hinweis, dass KI zu den schlechteren Startchancen junger Menschen zumindest teilweise beigetragen haben könnte.
Das Warnsignal: Industrie und Berufe ohne Studium
Überraschend ist, wo der negative Zusammenhang am deutlichsten auftritt. Nicht bei jungen Akademikerinnen und Akademikern, über die öffentlich am meisten gesprochen wird, sondern im Verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademisch geprägten Berufen. Dort ist der Befund statistisch belastbar, obwohl diese Berufe im Schnitt sogar weniger KI-nah sind als akademische. In akademisch geprägten Berufen und im Dienstleistungssektor fand das IAB keinen solchen Zusammenhang.
Für die Berufswahl heißt das: Die einfache Formel „Bürojob gefährdet, Werkbank sicher“ trägt nicht. Entscheidend ist eher, wie stark ein Beruf auf standardisierbaren Routinen beruht und in welcher Branche er angesiedelt ist. Eine Einordnung nach Berufen finden Sie in unserem Überblick Welche Berufe ersetzt KI?
Deutschland ist nicht die USA
Die Stanford-Auswertung von Erik Brynjolfsson und Kollegen hatte für die USA eine relative Beschäftigungslücke von 19 Prozent bei 22- bis 25-Jährigen in besonders KI-nahen Berufen gemessen. Die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur Stanford-Studie zum Berufseinstieg. Für Deutschland fällt der Abstand deutlich kleiner aus. Ein Teil der Erklärung liegt in der Datenbasis: Das IAB betrachtet eine breitere Altersgruppe und klammert Auszubildende aus. Hinzu kommen andere Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt, etwa die duale Ausbildung. Auch die OECD schätzt den bisherigen Beitrag generativer KI zu den schwierigeren Startbedingungen junger Menschen als begrenzt ein und misst Konjunktur, Zinsen und Branchenstruktur mehr Gewicht bei.
Was das für Ihren Berufseinstieg bedeutet
Die gute Nachricht zuerst: Wer 2026 oder 2027 ins Berufsleben startet, muss KI-nahe Berufe nicht meiden. Sie haben sich in Deutschland bisher sogar besser entwickelt als der Rest. Schwieriger ist der Einstieg vor allem wegen der schwachen Wirtschaft, und die trifft Einsteiger immer zuerst. Aktuelle Zahlen dazu stehen in unseren Beiträgen zum Arbeitsmarkt im Herbst 2026 und zur IAB-Prognose 2027. Vier Punkte helfen bei der Planung:
- Branche vor Berufsbezeichnung prüfen. Ein Beruf in einer wachsenden Branche ist robuster als derselbe Beruf in einer schrumpfenden. Unsere Übersicht der Berufe mit Zukunft hilft beim Sortieren.
- Erfahrungswissen früh aufbauen. Das IAB erklärt den Vorsprung Älterer mit Erfahrung und beruflichem Urteilsvermögen, also mit genau den Fähigkeiten, die KI eher ergänzt als ersetzt. Praktika, Werkstudentenjobs und eine Ausbildung bauen dieses Wissen auf. Welche Wege es gibt, zeigt unsere Übersicht der Ausbildungsberufe; warum die Ausbildung derzeit gute Argumente hat, lesen Sie unter Jobs für Berufseinsteiger 2026.
- KI-Kompetenz zeigen. Wer mit KI-Werkzeugen sicher umgeht, ist für Betriebe eher Verstärkung als Konkurrenz. Wo Sie stehen, zeigt der kostenlose KI-Kompetenz-Test; praktische Hinweise gibt der Ratgeber Mit KI arbeiten.
- Die eigene Passung klären. Wer weiß, welche Tätigkeiten ihm liegen, wählt gezielter. Einen ersten Anhaltspunkt gibt unser Berufswahltest für Schüler; wie KI bei der Entscheidung helfen kann und wo nicht, beschreibt der Beitrag Berufswahl mit KI.
Stehen Sie vor einer Entscheidung, ob bei der ersten Berufswahl oder beim Kurswechsel nach einigen Jahren im Job, lohnt sich eine fundierte Standortbestimmung. In der Berufsberatung verbinden wir normierte, validierte Testverfahren mit einem ausführlichen Gespräch. Für Berufstätige, die ihre Richtung im KI-Zeitalter neu bestimmen wollen, ist die Orientierungsberatung der passende Weg; Hintergründe bietet unsere Seite zur beruflichen Neuorientierung im KI-Zeitalter. Alle Themen rund um künstliche Intelligenz im Job bündelt der Bereich KI und Beruf.
Quellen
- Arntz, Melanie; Dinelli, Michele; Schlenker, Oliver (2026): KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt. IAB-Forum, 13.10.2026 – iab-forum.de
- Brynjolfsson, Erik; Chandar, Bharat; Chen, Ruyu (2026): Canaries in the Coal Mine? Six Facts about the Recent Employment Effects of Artificial Intelligence. Stanford Digital Economy Lab, Fassung vom 12.08.2026
- Eloundou, Tyna u. a. (2024): GPTs are GPTs: Labor market impact potential of LLMs. Science 384, S. 1306–1308
- OECD (2026): OECD Employment Outlook 2026
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Werte stammen unverändert aus der genannten IAB-Studie.


