Für Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist 2026 ein schwieriges Jahr. Die Zahl der Stellenanzeigen für Berufseinsteiger in Deutschland ist seit ihrem Höchststand im Juli 2022 um rund zwei Drittel eingebrochen. Das zeigt eine Auswertung des Indeed Hiring Lab vom 23. September 2026. Der Stellenmarkt insgesamt ist im selben Zeitraum deutlich weniger stark geschrumpft. Einen Lichtblick gibt es trotzdem: Ausbildungsplätze und duale Studiengänge halten sich bemerkenswert stabil.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | Indeed-Auswertung: Einstiegsstellen rund zwei Drittel unter 2022, Ausbildung rund 50 Prozent über 2019. Welche Felder wachsen und was Berufseinsteiger jetzt tun können. |
|---|---|
| Themenbereich | Arbeitsmarkt, Berufsausbildung, Berufseinstieg |
| Veröffentlicht | 28. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | Karriereberatung ab 160 Euro je Stunde, Orientierungs-Beratung ab 900 Euro |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Was Indeed ausgewertet hat
Die Ökonomin Virginia Sondergeld hat Stellenanzeigen auf Indeed in Deutschland von 2019 bis Juli 2026 analysiert. Als Einstiegsstelle zählt eine Anzeige, wenn sie Begriffe wie „Junior“, „Trainee“, „Graduate“ oder „Young Professional“ enthält. Ausbildungsstellen wurden über Begriffe wie „Ausbildung“, „Lehrstelle“ oder „Duales Studium“ erfasst. Die Kernbefunde:
- Einstiegsstellen: rund zwei Drittel unter dem Höchststand vom Juli 2022 und inzwischen 46 Prozent unter dem Niveau von 2019.
- Breiter Rückgang: In 26 von 28 Berufsgruppen gibt es weniger Einstiegsangebote als 2022. Besonders stark betroffen sind IT-Anwendungen (minus 77 Prozent), Marketing (minus 75 Prozent) und Projektmanagement (minus 60 Prozent).
- Nur zwei Felder im Plus: Gesundheit und Pharmazie (plus 18 Prozent) sowie Gastronomie und Gastgewerbe (plus 10 Prozent) – vor allem über Ausbildungsstellen.
- Praktika und Werkstudentenjobs: 24 Prozent unter 2019.
- Ausbildung und duales Studium: rund 50 Prozent über 2019. In 20 von 23 vergleichbaren Berufsgruppen entwickeln sich Ausbildungsstellen besser als Einstiegsjobs.
Ist die KI schuld?
Die naheliegende Erklärung lautet: Künstliche Intelligenz übernimmt die Aufgaben, mit denen früher Berufseinsteiger angefangen haben. Die Indeed-Daten stützen diese Erzählung nur teilweise. Der Rückgang begann im Sommer 2022, also vor der Veröffentlichung von ChatGPT. Als Hauptursache nennt Sondergeld die schwache Konjunktur; ein KI-Effekt sei nach aktueller Datenlage noch nicht nachweisbar.
Auffällig ist trotzdem, wo die Stellen herkommen. Nur 15 Prozent der Ausbildungsstellen gelten als stark KI-exponiert, bei den Einstiegsstellen sind es 42 Prozent, bei Praktika und Werkstudentenstellen 33 Prozent. Die Berufe, die am stärksten einbrechen, sind überwiegend Bürotätigkeiten mit hohem Anteil an Text, Code und Analyse. Genau hier setzen auch die Befunde aus den USA an: Die Stanford-Studie „Canaries in the Coal Mine?“ zeigt, dass 22- bis 25-Jährige in stark KI-exponierten Berufen dort inzwischen 19 Prozent hinter ihren Altersgenossen zurückliegen. Was die Studie misst und wo ihre Grenzen liegen, haben wir im Beitrag Stanford-Studie: KI verengt die Auffahrrampe für Berufseinsteiger eingeordnet. Die Indeed-Zahlen sind das deutsche Gegenstück: Der Einbruch ist hier sogar stärker, die Ursachen aber vielschichtiger.
Was Beschäftigte selbst erwarten
Eine Umfrage der IU Internationalen Hochschule unter 2.000 Beschäftigten, veröffentlicht am 24. September 2026, passt ins Bild: 54,9 Prozent meinen, dass KI-Kenntnisse in vielen Feldern zur Grundvoraussetzung für den Berufseinstieg werden. Gleichzeitig hat fast jede und jeder Zweite in den vergangenen zwölf Monaten keine Arbeitszeit für KI-Weiterbildung aufgewendet. Die Erwartung ist also da, die Vorbereitung oft nicht. Wo Sie selbst stehen, zeigt unser kostenloser KI-Kompetenz-Test; wie sich KI-Kenntnisse in der Bewerbung sinnvoll zeigen lassen, lesen Sie unter Bewerbung mit KI.
Was das für Ihre Planung bedeutet
- Die Ausbildung ist kein Umweg. Wer zwischen Studium und Ausbildung schwankt, sollte die aktuelle Lage kennen: Der Ausbildungsmarkt ist 2026 aufnahmefähiger als der Einstiegsmarkt für Akademiker. Ein Überblick über Berufe und Wege findet sich in unserem Bereich Ausbildungsberufe und unter Ausbildung nach dem Abitur.
- Das Fachgebiet zählt mehr als der Abschluss. Gesundheit wächst, IT-Anwendungen und Marketing schrumpfen. Welche Berufsfelder langfristig tragen, zeigt unser Ranking Berufe mit Zukunft, wo bis 2027 überhaupt neue Stellen entstehen, die IAB-Prognose 2027.
- Praxis früh sammeln. Wenn Einstiegsstellen knapp sind, gewinnen Bewerberinnen und Bewerber, die schon im Studium Projekte, Werkstudentenjobs oder ein Praxissemester vorweisen können.
- Die Suche länger planen. Rechnen Sie für den Berufseinstieg mit mehr Zeit und mehr Bewerbungen als frühere Jahrgänge – und sehen Sie das nicht als persönliches Scheitern, sondern als Marktlage.
Gerade in einem engen Markt hilft es, die eigenen Stärken genau zu kennen, statt breit zu streuen. Einen ersten Anhaltspunkt geben der Berufswahltest und der Studienwahltest. Für eine fundierte Entscheidung kombinieren wir in der Berufsberatung mehrere normierte Verfahren nach DIN 33430 mit einem ausführlichen Gespräch.
Einordnung der Daten
Stellenanzeigen sind ein Frühindikator, keine Beschäftigungsstatistik. Nicht jede Stelle wird ausgeschrieben, nicht jede Anzeige führt zu einer Einstellung, und die Auswahl über Schlagworte wie „Junior“ erfasst nicht alle Einstiegspositionen. Die Originalauswertung von Indeed lag uns nicht vor; die Zahlen stammen aus der Berichterstattung von dpa, t3n, zdfheute und Personalwirtschaft, die sich auf die Veröffentlichung vom 23.09.2026 beziehen. Die Richtung ist in allen Quellen eindeutig, einzelne Prozentwerte werden unterschiedlich gerundet.
Quellen
- Indeed Hiring Lab (Virginia Sondergeld): „Berufseinstieg: Stellenangebot sinkt, Ausbildungssystem bietet einen Anker“, 23.09.2026 – hiringlab.indeed.com
- t3n: Berichterstattung zur Indeed-Auswertung – t3n.de
- Personalwirtschaft: „Einstiegsjobs brechen ein – und KI ist nicht die Hauptursache“ – personalwirtschaft.de
- IU Internationale Hochschule: Umfrage unter 2.000 Beschäftigten, veröffentlicht 24.09.2026 (dpa)
- Stanford Digital Economy Lab: „Canaries in the Coal Mine?“, Fassung vom 12.08.2026 – digitaleconomy.stanford.edu
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert.


