Ein Studium soll auf ein berufliches Tätigkeitsfeld vorbereiten und dafür Fachkenntnisse, Fähigkeiten und Methoden vermitteln, damit man zu wissenschaftlicher oder künstlerischer Arbeit und zu verantwortlichem Handeln befähigt wird. So steht es in §7 des Hochschulrahmengesetzes. Doch inwieweit bereitet ein Studium wirklich auf eine berufliche Tätigkeit vor? Wie gut ist der Praxisbezug im Studium bzw. als wie gut wird dieser wahrgenommen?

Zu wenig Praxisbezug im Studium

Laut dem Hochschul-Bildungs-Report 2020 des Stifterverbands in Kooperation mit McKinsey&Company schätzt nur jeder Dritte Studierende den Praxisbezug im Studium als gut ein. Bei der Beschäftigungsfähigkeit ist es sogar nur jeder Vierte. Der Hochschul-Bildungs-Report 2020 fasst mehrere Befragungen zu dem Thema zusammen. Alle kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Der Praxisbezug im Studium und die Vorbereitung auf den Beruf werden von den meisten als unzureichend eingeschätzt. Mindestens die Hälfte der Studierenden bzw. Absolventen ist unzufrieden, unabhängig von der Befragung.

 

Unterschiede zwischen den Hochschultypen und Fächern

Der Hochschul-Bildungs-Report 2020 hat sich darüber hinaus mit Unterschieden in der Einschätzung zwischen den Hochschultypen beschäftigt. Bei den Fachhochschulen seien demzufolge ca. 50 Prozent der Studierenden mit dem Praxisbezug zufrieden. Bei den Universitäten seien es lediglich ca. 33 Prozent. Es gäbe aber kaum einen Unterschied bei der Wichtigkeit des Praxisbezugs für die Studienqualität. Diese würde von 90 Prozent der Studierenden an Fachhochschulen und von 80 Prozent der Studierenden an Universitäten als hoch eingeschätzt. Als wie gut der Praxisbezug im Studium dann tatsächlich bewertet wird, hängt laut Report von dem jeweiligen Fach ab.

Der Praxisbezug in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird von Fachhochschulstudierenden als positiv eingeschätzt. 70 Prozent seien zufrieden mit der Sammlung eigener praktischer Tätigkeiten, 60 Prozent würden die Vermittlung von Praxiswissen im Studium schätzen. Bei Universitätsstudierenden dieser Fächer sehe das aber ganz anders aus. Hier seien 4 von 5 unzufrieden mit dem Praxisbezug.

In den Ingenieurswissenschaften wird der Praxisbezug auch in den Fachhochschulen als weniger gut eingeschätzt. Hier beurteilen ihn nur noch 44 Prozent als gut. An Universitäten bewerten 32 Prozent der Studierenden den Praxisbezug in diesen Fächern als gut.

Der Praxisbezug in den Naturwissenschaften wird von Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten gleich oft als positiv bewertet. 34 Prozent der Studierenden beider Hochschultypen bewerten ihn als positiv. Für die Universitäten ist das der beste Wert, für die Fachhochschulen der schlechteste.

Wie gut der Praxisbezug im Studium ist hängt also vom Hochschultyp und dem Studienfach ab. Um den Praxisbezug zu verbessern ist es laut dem Hochschul-Bildungs-Report 2020 nötig, je nach Hochschultyp und Fach unterschiedliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Arbeitsmarktrelevanz der Studienangebote zu stärken. Dazu sei eine systematische Integration von Anwendungs- und Praxisbezügen in die Lehre notwendig.

 

Beispiele für mehr Praxisbezug im Studium

Im Hochschul-Bildungs-Report 2020 werden noch einige Projekte einzelner Hochschulen vorgestellt, die den Praxisbezug im Studium erhöhen. Zum einen gibt es das sogenannte Service-Learning. Das ist eine Lernstrategie, die bürgerschaftliches Engagement mit Anweisungen und Reflektionen verknüpft. So soll eine intensivere Lernerfahrung geschaffen werden und zivile Verantwortung erlernt werden. Dies stärke das zivilgesellschaftliche Engagement von Studierenden, Lehrenden und Hochschulangehörigen durch Besuche von Seminaren oder einen freiwilligen gemeinnützigen Dienst.

Des Weiteren gibt es Fallstudien. Hierbei werden Lösungen zu fiktiven oder historischen Problemstellungen eines Unternehmens erarbeitet. Ein Beispiel sind die Leuphana Case Studies der Universität Lüneburg.

Eine weitere Methode sind Projektarbeiten für Unternehmen. Hier werden Projekte aus Organisationen in Lehrveranstaltungen eingebunden. Ein Beispiel ist die Onlineplattform Link-ProjeX.

Als letztes wird die Start-Up-Förderung genannt, zum Beispiel durch Gründungsberatung, Workshops oder auch Wahlpflichtmodule.

 

Fazit

Der Praxisbezug im Studium wird von vielen Studierenden als unzureichend empfunden. Dabei ist die Bewertung stark vom Hochschultyp und dem Studienfach abhängig. An Fachhochschulen sind die Studierenden durchschnittlich zufriedener mit dem Praxisbezug, als an Universitäten. Aber auch hier sind insgesamt nur ca. 50 Prozent zufrieden. Um den Praxisbezug im Studium zu verbessern ist es deshalb nötig, abhängig vom Hochschultyp und dem Studienfach Wege zu finden, diesen zu steigern.

 

Hier finden Sie den Hochschul-Bildungs-Report 2020 des Stifterverbands in Kooperation mit McKinsey&Company:

Hochschul-Bildungs-Report 2020

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.