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Schimpfwörter begegnen uns immer wieder im Alltag und auch wir selbst können uns meist nicht davon freisprechen, in einigen Situationen eines dieser Wörter zu sagen. Schimpfwörter bei Kindern sind für Eltern allerdings häufig ein schwieriges und unangenehmes Thema. Es lässt sich allerdings in der Regel nicht vermeiden, dass Kinder diese Wörter aufschnappen und ebenfalls nutzen bzw. sagen. Warum nutzen Kinder diese Wörter? Was können Eltern tun? Wie geht man mit dem Thema Schimpfwörter bei Kindern um?

Warum nutzen Kinder diese Wörter?

Wie bereits geschrieben, begegnen uns Schimpfwörter häufig im Alltag. Das kann durch einen selbst sein, wenn einem z.B. ein Teller runter fällt, im Freundes- und Familienkreis, auf der Straße, in der Bahn, im Kindergarten, der Schule, oder oder oder. Auch Kinder sind diesen Wörtern und Ausdrücken also unweigerlich und spätestens in Kindergarten oder Schule ausgesetzt und schnappen diese auf. Möglichkeiten, wie Kinder Schimpfwörter kennenlernen können, gibt es also genügend.

Schimpfwörter bei Kindern sind dabei vor allem für die Erwachsenen um sie herum eine heikle Angelegenheit. Warum Kinder diese Wörter und Ausdrücke nutzen, kann dabei unterschiedliche Gründe haben. Besonders die kleineren Kinder, die noch in den Kindergarten gehen, verstehen häufig nicht die Bedeutung der Wörter, die sie so lauthals heraus schreien. Ihnen geht es vielmehr um die Reaktionen der Erwachsenen, die sie hervorrufen, indem sie die Wörter oftmals besonders laut und wiederholend durch die Wohnung schreien. Denn Schimpfwörter bei Kindern lösen bei Erwachsenen in der Regel eine Reaktion aus, die von Entsetzen, über Entrüstung, Ärger, Bestürzung, bis hin zu Belustigung reichen kann. Kinder erreichen mit dem Benutzen von Schimpfwörtern also, dass Erwachsenen ihnen eine Reaktion schenken, was die Kinder wiederrum spannend finden, denn sie sind neugierig welche Reaktion sie wohl bekommen werden. Sie entdecken damit eine weitere Facette von Sprache und was sie damit auslösen und bezwecken können und testen gleichzeitig Grenzen aus. Außerdem ist ihnen so auch in der Regel die Aufmerksamkeit der Erwachsenen sicher, einfach nur indem sie laut ein Wort heraus posaunen.

Eine weitere Möglichkeit, warum Kinder Schimpfwörter benutzen, ist der selbe Grund warum Erwachsenen diese nutzen können. Kraftausdrücke und ähnliches sind starke Worte, die bei einem starken Gefühl wie Ärger oder Wut dabei helfen können, diesen Ausdruck zu verleihen und dem Gegenüber unmissverständlich klar zu machen, wie aufgebracht man ist. Gerade Kinder haben häufig noch keine anderen adäquaten Möglichkeiten, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und greifen deshalb im Affekt auf diese Ausdrücke zurück, um ihre innere Spannung abzubauen.

Was kann man tun?

Schimpfwörter bei Kindern sind also nichts ungewöhnliches und es gibt verschiedene Gründe, warum diese genutzt werden. Aber wie kann man sich als Elternteil verhalten? Nachfolgend werden einige Hinweise und Tipps zum Umgang mit Schimpfwörtern bei Kindern aufgelistet, die hilfreich sein können. Diese sind allerdings nicht als abschließend oder allgemeingültig anzusehen, sondern sollen nur eine Orientierungshilfe bieten. Wie Eltern mit dieser Thematik bei ihrem Kind umgehen, sollte individuell geschaut und umgesetzt werden, je nach Situation, Charakter, usw.

Sich selbst als Vorbild sehen

Zuerst sollten Eltern sich selber hinterfragen und auf ihr eigenes Verhalten schauen. Wie gehen sie selber mit Schimpfwörtern um und wie häufig rutschen sie ihnen heraus? In stressigen Situationen oder in Situationen, in denen man wütend ist, kann auch Erwachsenen schnell etwas herausrutschen, was sie eventuell nicht wollten. Und das entgeht den Kindern in der Regel nicht. Im Gegenteil, sie können sich das Verhalten der Eltern abschauen und es kopieren. Deshalb sollten Eltern im ersten Schritt versuchen, verstärkt auf ihr eigenes Verhalten zu achten und Schimpfwörter so gut es geht zu vermeiden. So können sie als Vorbild fungieren.

Die unmittelbare Reaktion

Je nachdem, warum und in welcher Situation die Kinder die Wörter nutzen und auch, welche Ausdrücke fallen, können und sollten die Reaktionen der Eltern auf Schimpfwörter bei Kindern unterschiedlich ausfallen. Vor allem bei kleineren Kindern, die harmlosere Schimpfwörter einfach so herausschreien, um zu testen, welche Reaktion darauf kommt, kann es hilfreich sein, dem Verhalten keine große Aufmerksamkeit zu schenken und es eher zu ignorieren. Das heißt, dass die Eltern weder schockiert, noch ärgerlich, noch belustigt reagieren sollten, sondern gelassen bleiben und keine besondere Reaktion zeigen. Bleibt die erhoffte Reaktion der Eltern aus, wird das Benutzen der Wörter und Ausdrücke schnell langweilig für das Kind.

In anderen Situationen, etwa wenn härtere Schimpfwörter verwendet werden oder diese so genutzt werden, dass sie eine andere Person verletzen, sollte eingegriffen werden. Hier bietet es sich oft an, ein Gespräch mit dem Kind zu führen. Dabei kann erarbeitet werden, woher das Kind das Wort kennt und ob es weiß, was es bedeutet. Oft wissen die Kinder nicht, was die Wörter bedeuten und deshalb auch nicht, dass sie diskriminierend, abwertend und stark beleidigend wirken können. Deshalb sollten Eltern den Kindern erklären, was diese Wörter bedeuten und warum es einigen Menschen sehr wehtun kann, wenn diese benutzt werden. Hier können die Eltern nach dem Gespräch dann auch durchgreifen und diese Art von Wörtern konsequent verbieten und nicht tolerieren.

Nutzt das Kind die Schimpfwörter, um seiner Wut oder seinen anderen negativen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, kann es auch hilfreich sein, wenn die Eltern die Gefühle der Kinder benennen. Damit können sie dem Kind helfen, den Gefühlen anders Ausdruck zu verleihen, weshalb sie die Schimpfwörter eventuell nicht mehr brauchen.

Alternativen finden

Ebenfalls hilfreich beim Thema Schimpfwörter bei Kindern kann es sein, gemeinsam alternative Wörter für die Schimpfwörter zu finden. Diese Wörter können im „Notfall“ verwendet werden, wenn jemand in der Familie das Gefühl hat, fluchen zu müssen. Diese Wörter gemeinsam auszudenken und festzulegen kann dabei lustig sein und den Druck aus dem Thema rausnehmen, welcher eventuell seitens der Eltern besteht.

Eine Kasse einrichten

Wie die vorherige Möglichkeit, zielt auch diese Idee auf eine innerfamiliäre Lösung ab, die für alle Familienangehörigen gilt. So kann eine Kasse für Schimpfwörter eingerichtet werden, in die jeder, der ein Schimpfwort benutzt hat, einen kleinen festgelegten Betrag einzahlt. So wird allen auch bewusst, wie häufig sie wirklich Schimpfwörter nutzen.

Eine feste Zeit einrichten

Als eine Art paradoxe Handlungsmöglichkeit kann es hilfreich sein, eine feste Zeit zum Wut ablassen und Schimpfwörter benutzen einzurichten. Das können z.B. 5 Minuten einmal in der Woche oder auch häufiger oder seltener sein, in denen alle Familienmitglieder ihrer Wut, ihrem Frust oder ähnlichem Ausdruck verleihen können und Schimpfwörter benutzen können. Einigen Kindern kann dies gut tun und ihnen helfen, sich besser zu sortieren.

Fazit

Schimpfwörter bei Kindern sind keine Seltenheit und zunächst einmal nichts, worum sich Eltern viele Sorgen machen sollten. Vor allem die kleineren Kinder wollen mit den aufgeschnappten Wörtern testen, welche Reaktionen sie hervorrufen können und wo die Grenzen sind. Schimpfwörter können aber auch benutzt werden, um negativen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, da die Kinder noch nicht wissen, wie sie dies anders tun können. Sollen die Wörter allerdings aktiv beleidigen oder verletzen, sollte spätestens eingegriffen werden. Während harmlosere Schimpfwörter ignoriert werden können und sollten, um keine große Aufmerksamkeit zu schenken, sollten härtere oder diskriminierende Ausdrücke thematisiert und deren Bedeutung erklärt werden. Auch die dahinterstehenden Gefühle der Kinder sollten thematisiert und verbalisiert werden, um ihnen so anders Ausdruck zu verleihen. Auch familieninterne Lösungen, wie alternative Wörter, eine Kasse oder feste Zeiten können hilfreich sein. Eltern sollten sich in jedem Fall außerdem selbst mit ihrem Umgang mit Schimpfwörtern auseinander setzen, um als Vorbild fungieren zu können.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.