Geschwisterstreits gehören in jeder Familie, mit mehr als einem Kind, meist zum täglichen Leben dazu. Abhängig von verschiedenen Faktoren scheinen sich die Kinder mindestens einmal am Tag, wenn nicht sogar mehrmals am Tag zu streiten. Das kann Eltern an ihre Grenzen bringen. Aber warum gibt es Geschwisterstreits? Welche Funktion können diese haben? Und was können Eltern tun?

Warum streiten Geschwister?

Jedes Kind ist individuell und so haben auch alle Geschwister andere Gründe, weshalb sie streiten. Dennoch gibt es einige Dinge, die besonders häufig die Ursache von Geschwisterstreits sind. Ganz oben auf der Liste steht dabei der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Nähe der Eltern. Jedes Geschwisterkind möchte so viel Aufmerksamkeit wie möglich von den Eltern erreichen, die anderen Geschwister sind hierbei Konkurrent/innen. Durch Streit fechten die Kinder diese Konkurrenzsituation aus, sie streiten darum, wer mehr Aufmerksamkeit bekommt und zu wem die Eltern in dieser Situation zu halten scheinen. Denn durch lauten Streit wird in aller Regel die Aufmerksamkeit der Eltern geweckt, sie wollen vermitteln und ergreifen unter Umständen wirklich Partei für ein Kind.

Besonders häufig gibt es diese Konkurrenzstreits bei Kindern, die altersmäßig eng beieinander liegen. Hier ist die Rivalität zwischen den Kindern oft besonders groß, denn sie vergleichen sich und ihre Situation verstärkt mit der ihrer Geschwister. Kommen dann noch aus ihrer Sicht ungerechte Bevorzugungen hinzu, sind häufige Streits keine Seltenheit. Aber auch gleichgeschlechtliche Geschwister streiten häufiger und zwar aus dem selben Grund. Sie vergleichen sich ebenfalls stark.

Bei Kindern bis ungefähr 4 Jahren geht es jedoch häufig wirklich um einen Gegenstand, den das andere Geschwisterkind gerade hat, welchen sie selber haben möchten. Da sie noch keine anderen Strategien entwickeln konnten, greifen sie dann nach diesem und versuchen ihn, wenn nötig, auch gewaltsam an sich zu nehmen.

Ebenfalls eine Rolle spielt die Geburtsreihenfolge der Kinder. Jede Position kommt mit eigenen Herausforderungen und auch Eigenschaften der Kinder einher. So waren Erstgeborene eine Zeit lang Einzelkinder und wissen, wie es ist, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu genießen, die ihnen mit Geburt des ersten Geschwisterkindes nicht mehr zuteilwird. Darüber hinaus müssen sie allerdings auch alle Dinge als erstes mit den Eltern „ausfechten“, beispielsweise wann gewisse Dinge erlaubt sind. Die nachfolgenden Kinder müssen diese Kämpfe nicht mehr kämpfen, was als unfair empfunden werden kann. Auch das kann zu Geschwisterstreits führen.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Gründe, warum Geschwisterstreits entstehen können. Diese sind so vielfältig und individuell, wie jeder Mensch. Die hier aufgeführten Gründen, vor allem die Aufmerksamkeit der Eltern oder eine als unfair empfundene Behandlung, sind oft ein Auslöser.

Tipps für Eltern

Nun soll es darum gehen, wie Eltern gut auf Geschwisterstreits reagieren können. Generell sollte es möglichst vermieden werden, Partei zu ergreifen oder die Kinder zu vergleichen bzw. Erwartungen zu formulieren. Dinge wie „der Klügere gibt nach“ und „verhalte dich wie ein Erwachsener, du bist älter“, zeigen oft nur begrenzt Wirkung, ebenso, wie sich klar auf die Seite eines Kindes zu stellen. Dadurch kann der Streit unter Umständen nur noch mehr entfacht werden, da wieder ein Gefühl der Ungleichbehandlung und der Unfairness entstehen kann. Außerdem ist es oft so, dass es nicht den oder die eine/n gibt, die oder der „Schuld“ an dem Streit ist. Zum streiten gehören immer mindestens 2 Parteien.

Besser ist es, individuell auf die Konfliktsituation und die Kinder einzugehen. Eltern sollten alle Parteien in dem Streit fragen, was genau gerade los ist. Um konstruktiv mit dem Streit umzugehen, sollte dann auch jeder zu Wort kommen. Dabei sollte geklärt werden, was passiert ist und was aus der Sicht des jeweiligen Kindes zum Streit geführt hat. Dabei sollte auch gefragt werden, was das mit den Kindern jeweils gemacht hat, also wie sie sich fühlen. Darauf aufbauend sollte möglichst versucht werden, gemeinsam eine Lösung zu finden, wie man jetzt ohne Streit weiter machen kann. Das kann auch das Verständnis und damit das Verhältnis der Geschwister gegenseitig stärken.

Auch tatsächliche ungleiche Behandlung und Bevorzugung kann natürlich zu Geschwisterstreit führen. Hier sind dann die entsprechenden Erziehungsmethoden der Eltern der Ansatzpunkt, um etwas zu ändern.

Es ist jedoch nicht immer nötig, in Geschwisterstreits einzugreifen. Durch die Auseinandersetzung stärken die Kinder auch ihre Konfliktfähigkeit. Um dies tun zu können, müssen sie einige Gefechte auch alleine klären und lösen. Deshalb sollten sich Eltern bei Streits zunächst fragen, ob ein Eingreifen notwendig erscheint, oder ob die Kinder bereits in der Lage sind, diese Situation selber zu klären und aufzulösen. Besonders bei älteren Kindern bzw. Jugendlichen, kann das der Fall sein, denn sie haben schon viele Fähigkeiten erworben, die sie nutzen können. Bei jüngeren Kindern ist ein Eingreifen dagegen meist öfter angebracht. Dies ist allerdings keinesfalls als generelle Aussage oder Regel zu betrachten, sondern es kommt immer auf die individuelle Situation an. Auch älteren Kindern oder Jugendlichen können die nötigen Erfahrungen fehlen, eine Streitsituation selbstständig und möglichst konstruktiv zu lösen. Eine individuelle Einschätzung der Eltern, die ihre Kinder am besten kennen, ist daher immer notwendig.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Geschwisterstreits normal sind, auch wenn sie Eltern an ihre Grenzen bringen können. Gründe für solche Streits sind dabei vielfältig und individuell. Häufig geht es allerdings um die Aufmerksamkeit der Eltern oder eine als unfair empfundene Behandlung. Wie mit dem jeweiligen Streit umgegangen werden sollte, muss dabei immer individuell beurteilt und von der konkreten Situation abhängig gemacht werden. Schätzen die Eltern die Lage so ein, dass die Kinder den Streit nicht selbstständig lösen können, ist ein konstruktives Eingreifen sinnvoll. Dabei sollten alle Beteiligten zu Wort kommen und schildern, was passiert ist und wie sie sich gefühlt haben bzw. fühlen. Dann sollte gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden, indem überlegt wird, wie man jetzt ohne Streit weitermachen kann. Auch wenn Geschwisterstreits anstrengend sein können, sind sie normal und wirken sich meist auch positiv auf die Konfliktfähigkeit der Kinder aus. Als Eltern sollte man versuchen, die Ruhe zu bewahren und sich nicht in eine Art Schiedsrichterposition drängen lassen, sondern individuell auf alle Kinder eingehen. Denn zum streiten gehört immer mehr als eine Person.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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