Ausbildungsmarkt-Endspurt: 116.000 Lehrstellen sind noch frei

Veröffentlicht am 31. August 2026

Der Ausbildungsmarkt 2026 geht in die letzte Runde – und er ist voller als es die Nachrichtenlage vermuten lässt. Nach dem Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit vom 28. August 2026 waren zu diesem Stichtag noch 116.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während gleichzeitig 102.000 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt geblieben sind. Zwei Zahlen, die nicht zusammenpassen wollen – und genau darin liegt für alle, die jetzt noch suchen, die Chance.

Balkengrafik: 451.000 gemeldete Ausbildungsstellen, davon 116.000 unbesetzt, 433.000 Bewerber, davon 102.000 unversorgt
Der Ausbildungsmarkt Ende August 2026 in Zahlen. Grafik: KI-generiert auf Basis der Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Die Zahlen im Überblick

Seit Beginn des Berichtsjahres im Oktober 2025 haben sich 433.000 junge Menschen als ausbildungsuchend gemeldet – 4.000 mehr als im Vorjahr. Dem gegenüber standen 451.000 gemeldete Ausbildungsstellen, allerdings 32.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Betriebe halten sich also spürbar zurück, ohne dass die Nachfrage nachgelassen hätte.

Gemeldete Ausbildungsstellen 451.000 (–32.000 zum Vorjahr)
Davon Ende August unbesetzt 116.000
Gemeldete Bewerberinnen und Bewerber 433.000 (+4.000 zum Vorjahr)
Davon Ende August unversorgt 102.000

Wichtig zur Einordnung: Beide Zahlen sind Momentaufnahmen. Der Ausbildungsmarkt bleibt bis zum 30. September offiziell in Bewegung, und erfahrungsgemäß verändern sich beide Seiten in diesen Wochen noch deutlich. Wer jetzt aktiv wird, sucht also nicht in einem abgeschlossenen Markt, sondern mitten in der heißen Phase.

Warum so viele Stellen frei bleiben

Dass gleichzeitig Zehntausende ohne Platz und Zehntausende Plätze ohne Bewerber dastehen, ist kein Rechenfehler, sondern ein Passungsproblem. Die Bertelsmann Stiftung hat es in ihrer Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ (Juli 2026) für das Vorjahr klar beziffert: 84.000 Bewerberinnen und Bewerber gingen leer aus, während 54.400 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Die Gründe sind seit Jahren dieselben:

  • Regionale Lücken: Freie Stellen und suchende Jugendliche sitzen häufig nicht im selben Landkreis.
  • Berufliche Lücken: Beliebte Berufe sind überlaufen, während in Handwerk, Bau, Lebensmittelhandwerk und Logistik Plätze offen bleiben.
  • Auswahlkriterien: Viele Betriebe filtern zuerst über Schulnoten – Interessen und Fähigkeiten kommen erst im Gespräch zur Sprache, wenn es überhaupt dazu kommt.

Für Sie als Suchende heißt das vor allem eines: Der Suchradius entscheidet. Wer räumlich und beruflich etwas breiter denkt, hat im September rechnerisch bessere Chancen als im Frühjahr.

Was Sie in den nächsten vier Wochen tun können

1. Den Suchradius bewusst erweitern

Prüfen Sie, welche verwandten Berufe zu Ihrem Interessenprofil passen. Wer sich für einen kaufmännischen Beruf beworben hat, findet oft im gleichen Umfeld Alternativen mit deutlich weniger Konkurrenz. Unsere Übersicht der Ausbildungsberufe listet alle anerkannten Berufe mit Anforderungen, Dauer und Perspektiven – ein guter Startpunkt, um Nachbarberufe zu entdecken. Wenn die Vergütung eine Rolle spielt, hilft der Blick auf die bestbezahlten Ausbildungsberufe.

2. Die Nachvermittlung aktiv nutzen

Die Agenturen für Arbeit und die Kammern führen bis in den Herbst hinein Nachvermittlungsaktionen durch. Melden Sie sich dort ausdrücklich als noch suchend – viele Betriebe geben ihre Restplätze in dieser Phase gezielt an die Vermittlung. Eine aktuelle Übersicht der Wege zu freien Ausbildungsplätzen haben wir zusammengestellt.

3. Die Bewerbung auf Restplätze anpassen

Bei Restplätzen zählt Tempo. Betriebe, die im September noch suchen, entscheiden oft innerhalb weniger Tage. Halten Sie eine schlanke, fehlerfreie Bewerbung bereit, die Sie in einer Stunde auf den jeweiligen Betrieb zuschneiden können. Unser Leitfaden zur Bewerbung und der ATS-Lebenslauf-Generator helfen dabei, Formfehler zu vermeiden, an denen Bewerbungen in automatisierten Systemen scheitern.

4. Auf Auswahlverfahren vorbereitet sein

Auch bei kurzfristigen Einstellungen setzen viele Unternehmen Tests und strukturierte Gespräche ein. Wer weiß, was dort passiert, geht ruhiger hinein: Wir haben zusammengefasst, wie ein Assessment Center für die Ausbildung abläuft, und mit dem Interview-Simulator lässt sich das Gespräch selbst üben.

Wenn die Richtung selbst noch unklar ist

Manchmal ist der fehlende Ausbildungsplatz nicht das eigentliche Problem, sondern das Symptom: Wer sich auf zehn Berufe bewirbt, die nur mittelmäßig passen, überzeugt in keinem Gespräch wirklich. In diesem Fall lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und die Richtung zu klären, bevor die nächste Bewerbungsrunde startet.

Einen ersten Anhaltspunkt liefert unser kostenloser Berufswahltest für Schüler. Wer es fundierter braucht, findet in der Orientierungsberatung ein Verfahren nach DIN 33430, das Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeit systematisch zusammenführt – und daraus konkrete Berufsvorschläge ableitet.

Und wenn es dieses Jahr nicht klappt?

Ein verlorenes Jahr ist eine unbesetzte Ausbildung nicht. Einstiegsqualifizierungen, ein freiwilliges soziales Jahr, ein schulisches Ausbildungsjahr oder ein späterer Einstieg zum Frühjahr sind reguläre Wege, keine Notlösungen. Wichtig ist, die Zeit mit etwas zu füllen, das im nächsten Bewerbungsgespräch erzählbar ist. Auch wer eine Ausbildung abgebrochen hat, findet über die Nachvermittlung häufig schneller wieder Anschluss als erwartet.

Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeitsmarkt im August 2026, Presseinfo Nr. 31 vom 28.08.2026
  • Bertelsmann Stiftung: Ausbildungsperspektiven 2026, veröffentlicht am 23.07.2026

Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Zahlen stammen unverändert aus dem genannten Bericht der Bundesagentur für Arbeit.

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