Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung, Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung 2022Bildquelle: © contrastwerkstatt für stock.adobe.com

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat sich in Kooperation mit der deutschen Kinder- und Jugendstiftung mit den Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung beschäftigt. Die Studie wurde im Rahmen einer Delphi-Befragung durchgeführt und fasst so die Einschätzungen von über 100 Expert*innen aus einschlägigen Bereichen, wie beispielsweise etwa der Wissenschaft, der Bildung, Arbeitgeberverbänden, Betrieben oder aber auch der Agentur für Arbeit zusammen.

Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung: eine Bestandsaufnahme

Nach dem Schuljahr 2019/2020 verließen 22,5% der Schulabgänger*innen in Deutschland die Schule lediglich mit einem Hauptschul- bzw. Ersten Schulabschluss (ESA) oder verließen die Schule sogar gänzlich ohne Schulabschluss. Die meisten von ihnen finden sich daran anschließend im Übergangssystem wieder. Dort können Jugendliche ihren Schulabschluss nachholen oder an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilnehmen. Dennoch gelang es – nach den Ergebnissen des Berufsbildungsberichts 2022 – mit 64,4% etwa zwei Dritteln der Personen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Schulabschluss nicht, eine Ausbildung abzuschließen. Bei der entsprechenden Gruppe von Personen mit einem Hauptschulabschluss trifft das auf immerhin noch auf ein Drittel (35,8%) zu.

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist dabei, insbesondere für Jugendliche mit niedriger Schulbildung essentiell, um einem direkten Abrutschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit einhergehenden finanziellen Sorgen entgegenzuwirken. Aus diesem Grund fragt die Studie nach den Verbesserungspotentialen des Übergangs von Schule zu Ausbildung, um gerade Jugendlichen mit niedriger Schulbildung gute berufliche Perspektiven zu ermöglichen.

Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung: wo liegen wichtige Handlungsfelder?

Um den Übergang von der Schule hin zur Ausbildung für Jugendliche mit niedriger schulischer Bildung bis 2030 zu verbessern, konnte die Studie vier Handlungsfelder identifizieren.

  1. Handlungsfeld: Förderung digitaler und sozialer Kompetenzen
  2. Handlungsfeld: Individualisierung der Berufsorientierung
  3. Handlungsfeld: Steigerung der Flexibilität und Attraktivität von Ausbildungen
  4. Handlungsfeld: Bündelung von Zuständigkeiten, die zu einer Erhöhung von Verständlichkeit und Transparenz führen

 

Ergebnisse der Delphi-Befragung zu den Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung

Zukünftige Entwicklung

Die Hälfte der befragten Expert*innen (50%) geht davon aus, dass die Anzahl an Menschen zwischen 20 und 34 ohne Berufsabschluss bis 2030 steigen wird, obwohl wir uns mit 2,16 Millionen Betroffenen bereits auf einem erhöhten Niveau befinden.

Die sich wandelnde Arbeitswelt wird auch Folgen für die Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung haben. Die Expert*innen gehen davon aus, dass digitale und vor allem aber soziale Kompetenzen, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Abnahme der Beschäftigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte durch den Trend hin zur Automatisierung, gefragt sein werden und demnach gefördert werden sollten.

Systemische Rahmenbedingungen

An dem Übergang von der Schule in die Ausbildung arbeiten vielzählige Instanzen mit, die ein ausdifferenziertes Gesamtsystem bilden. Die befragten Expert*innen sehen aber mehrheitlich ein Problem in der fehelenden Abstimmung und Kooperation der einzelnen Instanzen. Es sei demnach notwendig eine Bündelung vorzunehmen. Darüber hinaus sollte die Angebotsqualität erhöht werden und für mehr Verständlichkeit und Transparenz gesorgt werden.

Besonders wünschenswert sei eine individuelle und auf Dauer angelegte Betreuung von benachteiligten Jugendlichen, die nach den Expert*innen vor allem in Jugendberufsagenturen und den allgemeinbildenden Schulen organisiert sein sollten.

Schulische Berufsorientierung

Mit insgesamt 90% sind sich die befragten Expert*innen sehr einig, dass in der schulischen Berufsorientierung großes Verbesserungspotential liegt. Dahingehend sollte diese in einem ersten Schritt fester Bestandteil der Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen sein. Zudem sollten mehr Praxiserfahrungen ermöglicht werden und Eltern sowie Peers in die Förderung der Jugendlichen zur Orientierung mit eingebunden werden.

Passungsprobleme

Der aktuelle Ausbildungsmarkt in Deutschland ist von Passungsproblemen betroffen. Das bedeutet, dass es sowohl unbesetzte Ausbildungsplätze als auch Bewerber*innen ohne Ausbildungsstelle gibt. Angebot und Nachfrage passen in diesem Fall also nicht zusammen, sodass es zu Passungsproblemen kommt. Die befragten Expert*innen widersprechen mit 85% der Aussage, dass diese Probleme bis 2030 vermutlich (nahezu) verschwunden sein werden. Aus diesem Grund muss diesen dringend entgegengewirkt werden.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung

Fragt man nach den langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Ausbildungsangebot geben 65% der Expert*innen an, dass sie es für unwahrscheinlich halten, dass sich die Betriebe im Jahr 2030 aufgrund langfristig spürbarer Corona-Folgen aus dem Ausbildungsmarkt zurückgezogen haben werden. Immerhin hält allerdings auch ein Viertel der Expert*innen genau diese Hypothese für wahrscheinlich.

 

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Über den Autor Lisa Schraets

Social Media Manager Profiling Institut