Wie gut die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland ist, wird jährlich von dem Deutschen Kinderhilfswerk in ihrem Kinderreport berichtet. Dabei werden die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen betrachtet, ebenso wie die der Eltern. Was sind die Ergebnisse des Kinderreport 2020? Was sind die wichtigen Themen?

Kinderreport 2020

Jedes Jahr veröffentlicht das Deutsche Kinderhilfswerk ihren Report, indem sie die Sichtweisen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den Blick nimmt. Für den Kinderreport 2020 wurden dafür 2 Erhebungen durchgeführt, wobei Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren online befragt wurden und Erwachsene ab 18 Jahren durch eine telefonische Bevölkerungsumfrage. Insgesamt wurden 624 Kinder und Jugendliche befragt, sowie 1022 Erwachsene.

Der Report hat dabei jedes Jahr ein Thema, welches als Schwerpunkt betrachtet wird. Der Kinderreport 2020 hat sich als Schwerpunktthema mit dem Draußen spielen von Kindern beschäftigt. Gefragt wurde danach, wie wichtig das Spielen draußen sei, was davon abhalten könne, was das Spielen draußen erleichtern könne, ob Kinder und Jugendliche das Gefühl hätten, bei der Planung von Städten mitwirken zu können, um das Spielen draußen zu erleichtern und wie sie generell ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten einschätzen würden.

Draußen spielen wichtig

Im Kinderreport 2020 wurde zum einen danach gefragt, wie wichtig den Kindern und Jugendlichen das Spielen draußen sei. 29 Prozent gaben an, dass ihnen dies sehr wichtig sei, während weitere 10 Prozent angaben, es sei ihnen äußerst wichtig. Als wichtig, stuften es 31 Prozent der Befragten ein. Damit geben 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass das Draußenspielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt. Andersherum gaben aber auch 23 Prozent an, das Spielen draußen sei ihnen weniger wichtig und 6 Prozent gaben an, es sei ihnen gar nicht wichtig. Diese Ergebnisse seien im Vergleich zu denen im Jahr 2018 relativ konstant.

Dabei hätten vor allem jüngere Kinder dem Spielen draußen eine große Bedeutung zugemessen. Mit steigendem Alter sei die Wichtigkeit des Spielens draußen niedriger eingestuft worden. Der Kinderreport 2020 regt deshalb an, die älteren Kinder gezielter im schulischen Bereich anzusprechen und zu integrieren bzw. zu beteiligen, um ihnen die Wichtigkeit des Draußenspielens näher zu bringen und dabei auch ihre Bedarfe einbeziehen zu können. Vor allem im Bereich der Gymnasien sei dies wichtig, da hier die Schüler/innen dem Spielen draußen am wenigstens Wichtigkeit zugemessen hätten.

Bei der Befragung der Erwachsenen, kam der Kinderreport 2020 zu anderen Ergebnissen. Hier gaben ganze 56 Prozent an, das Spielen draußen sei äußerst wichtig, weitere 33 Prozent, dass es sehr wichtig sei und 10 Prozent, dass das Draußenspielen wichtig sei. Damit finden 99 Prozent der Erwachsenen, dass das Spielen draußen wichtig oder sogar besonders wichtig ist. Auch diese Ergebnisse seien im Vergleich mit den Ergebnissen aus 2018 stabil geblieben.

Bei Erwachsenen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss oder einem niedrigeren Einkommen, sei dabei die Wichtigkeit des Spielens draußen als weniger hoch eingeschätzt worden. Der Bildungsreport 2020 empfiehlt deshalb, bei diesen Gruppen Erwachsener gezielt anzusetzen und Wissen rund um das Thema zu vermitteln.

Außerdem leitet der Kinderreport 2020 die Forderung ab, dass das Spielen draußen allgemein mehr in der Politik fokussiert und in den Blick genommen werden sollte. So sollten Kinder mehr in die Stadt- und Raumplanung einbezogen werden und Spielflächen, etc. aus- und nicht abgebaut werden.

Warum Kinder nicht draußen spielen

Weitergehend hat der Kinderreport 2020 auch betrachtet, was Kinder und Jugendliche daran hindert, draußen zu spielen. Dabei gaben 54 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass andere Kinder zum Spielen fehlen würden. Dies stellte somit dem meist genannten Grund dar, warum Kinder und Jugendliche nicht draußen spielen würden. Im Vergleich zu 2018 bedeute das außerdem einen Anstieg der Nennungen (+ 7 Prozent). Anders sehe es bei den erwachsenen Befragten aus. Hier hätten diesem Grund nur 34 Prozent zugestimmt.

Dieser Punkt weise laut Kinderreport 2020 darauf hin, dass es nicht genügend zugängliche Treffpunkte für Kinder und Jugendliche gebe und es auch an Angeboten im Lebensumfeld dieser mangele. Als besonders wichtig werden deshalb Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit herausgestellt, weshalb hierfür auch mehr Ausgaben getätigt werden müssten.

Als zweitwichtigster Hinderungsgrund wurde von 46 Prozent der Kinder und Jugendlichen fehlende Zeit angegeben. Bei den Erwachsenen gaben dies 39 Prozent an. Ein weiterer Hinderungsgrund ist, dass der Straßenverkehr zu gefährlich sei. Dies wurde von 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen angegeben (+ von 12 Prozentpunkten gegenüber 2018) und von 64 Prozent der Erwachsenen. Damit ist dieser Hinderungsgrund der meistgenannte bei den Erwachsenen. Passend dazu wurde dem Hinderungsgrund von zu vielen parkenden Autos von 33 Prozent der Kinder und Jugendlichen zugestimmt (+ 5 Prozent mehr als 2018) und von 47 Prozent der Erwachsenen.

Weitergehend haben 33 Prozent der Kinder und Jugendlichen dem Hinderungsgrund zugestimmt, dass es keine geeigneten Orte zum Draußen spielen in der Nähe geben würde (+ 7 Prozent ggü. 2018). Gleiches galt für 33 Prozent der Erwachsenen.

Meckernde Erwachsene wurden von 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen angegeben (+ 11 Prozent ggü. 2018) und von 58 Prozent der Erwachsenen selbst. Die Angst vor manchen Kindern und Jugendlichen wird von 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen angegeben (+ 14 Prozent ggü. 2018), während 65 Prozent der Erwachsenen angaben, es gebe Kinder und Jugendliche, die andere ärgern, ängstigen oder belästigen würden. 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben weitergehend die Angst vor manchen Erwachsenen an, während 56 Prozent der Erwachsenen angaben, dass es Erwachsenen gebe, vor denen Kinder sich ängstigen würden.

Der seltenste Hinderungsgrund bei den Kinder und Jugendlichen sei mit 22 Prozent eine schmutzige Gegend mit gefährlichen herumliegenden Gegenständen oder nicht beleuchteten Wegen gewesen, weshalb sie sich unsicher gefühlt hätten. Dem stimmten 36 Prozent der Erwachsenen zu.

Der Kinderreport 2020 leitet aus diesen Ergebnissen weitergehend ab, dass es auch Freiräume und Zeiten geben müsse, um draußen spielen zu können. Es wird gefordert, solche Angebote im Schulalltag und vor allem im Rahmen der Ganztagsschulen zu integrieren.

Weitergehend wird auch gefordert, mehr Orte zu schaffen, an denen Kinder ohne Bedenken draußen spielen könnten. Die Kommunen müssten kindgerecht gestaltet werden und es müsse bei der Stadtentwicklung auf Spielräume im freien geachtet werden, auch und vor allem in Stadtbereichen, die benachteiligt seien.

Mögliche Erleichterungen

Der Kinderreport hat auch gefragt, was das Draußenspielen erleichtern würde. 92 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben hierbei eine bessere Erreichbarkeit geeigneter Orte an, die durch kostenlosen ÖPNV, gute bzw. sichere Radwege und grüne Wegverbindungen erreicht werden könne. Gleiches gaben auch 94 Prozent der Erwachsenen an.

Ein Spielort in der Nähe des Wohnsitzes würde es 88 Prozent der Kinder und Jugendlichen draußen zu spielen. Das sehen auch 94 Prozent der Erwachsenen so. Weitere 87 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind für mehr verkehrsberuhigte Bereiche, bei den Erwachsenen waren es 85 Prozent. Naturerfahrungsräume, also naturbelassene Flächen, befürworten 86 Prozent der Kinder und Jugendliche und 88 Prozent der Erwachsenen.

Die oben vorgeschlagenen Angebote, die in den Schulalltag und den Ganztagsbereich integriert werden könnten, befürworten 84 Prozent der Kinder und Jugendliche und 87 Prozent der Erwachsenen.

Ein jährlicher autofreier Sonntag wird von 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen befürwortet und von 51 Prozent der Erwachsenen. Ebenfalls wenig Zustimmung fand sich für eine Tempobeschränkung auf 30 km/h im Ort. Die Zustimmung lag bei den Kindern und Jugendlichen bei 52 Prozent und bei den Erwachsenen bei 46 Prozent.

Auch hier wird vom Kinderreport 2020 wieder die Wichtigkeit der kinderfreundlichen Stadtgestaltung angeführt und abgeleitet. Dabei wird angeregt, kinderfreundliche Maßnahmen bevorzugt zu fördern. Schwerpunkt der Förderungen sollten vor allem auf solche Gebiete gelegt werden, die als benachteiligt bzw. mehrfachbelastet anzusehen seien. Auch für ein Spielraumgesetz in allen Bundesländern wird sich ausgesprochen. Außerdem solle bei Neubauten von Wohnräumen verstärkt darauf geachtet werden, dass Spielräume und Naturerfahrungsräume in der Nähe seien. Weitergehend wird auch die Wichtigkeit der Verkehrsplanung und die Interesseneinbeziehung von Kindern in diese angesprochen und herausgestellt.

Mitwirkungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen

Zuletzt wurden im Kinderreport 2020 auch die Möglichkeiten zur Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen beleuchtet. Nur 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben an, ihre Chancen bei der Stadt- und Flächenplanung mitwirken zu können, als gut einzuschätzen, während 69 Prozent diese als schlecht einschätzten. Bei den Erwachsenen wurden die Chancen von 32 Prozent als gut eingeschätzt und von 65 Prozent als schlecht.

Hier fordert der Kinderreport 2020, Kinder und Jugendliche stärker bei der Stadt-, Bau- und Verkehrsplanung mit einzubeziehen. Sie sollten Gelegenheit bekommen, sich angemessen ihres Alters und nachhaltig beteiligen zu können, was auch fest verankert werden solle. Kommunen sollten darüber hinaus auch finanziell bei der Umsetzung beteiligungsorientierter Spielflächenkonzepte entlastet werden.

Insgesamt habe der Kinderreport 2020 auch gezeigt, dass Kinder und Jugendliche die Wichtigkeit ihrer Mitbestimmung allgemein als höher einschätzen als es Erwachsene tun. Kindern und Jugendlichen sei Mitbestimmung dabei vor allem im schulischen und familiären Rahmen besonders wichtig. Der Report fordert, der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen noch mehr Bedeutung zuzumessen und dieser auch (politisch) mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Hier finden Sie den Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerkes:

Kinderreport 2020

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.