MLP Studentenwohnreport 2022, MLP Studentenwohnreport 2022: Studierende wohnen in der Krise schwererBildquelle: © Drobot Dean für stock.adobe.com

 

Der MLP Studentenwohnreport 2022 ist da. Dieser untersuchte in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft nun zum vierten Mal den Wohnungsmarkt speziell mit Hinblick auf Studierende. Dabei wird beispielsweise Bezug auf Angebot und Nachfrage und den Studentenwohnpreisindex genommen. Aktuelle Krisen wie die Corona-Pandemie, die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sowie die einhergehende momentane Inflation finden ebenfalls Berücksichtigung.

Was ist studentischer Wohnraum?

Studierende wohnen in der Regel in kleinen Wohnungen mit weniger als 40 Quadratmetern oder in WG-Zimmern. In beiden Fällen befindet sich der angemietete Wohnraum in der Nähe zur Universität oder Fachhochschule. Wohnheimplätze gehören dabei eher weniger zur gelebten studentischen Realität in Deutschland. So wohnen nur 9,5% der Studierenden in Wohnheimen.

MLP Studentenwohnreport 2022: Angebot und Nachfrage

Bei Betrachtung der Mietpreisentwicklung im Bereich des studentischen Wohnungsmarkts, ist es wichtig sich mit Angebot und Nachfrage zu beschäftigen. Letztere richtet sich dabei vor allem nach der Studierendenanzahl und erstere nach der Anzahl der inserierten Wohnungen.

Nachfrage

Die Studierendenanzahl – also die der Wert nachdem sich die Nachfrage in erster Linie richtet – pendelt sich derzeit auf einem Niveau von circa 3 Millionen Studierenden in Deutschland ein. Der Grund für die in den letzten Jahren nur noch leichte Steigerung ist vielfältig. Für den Trend hin zur Stagnation sorgen neben dem demografischen Wandel und der gestiegenen Attraktivität von Ausbildungsplätzen auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zu letzterem zählt auch der Fakt, dass es aufgrund der Pandemie weniger ausländische Studierende in Deutschland gab.

Doch obwohl die Studierendenanzahl nicht mehr stetig wächst, wie in den Jahren zuvor, kommt es nicht zwangsläufig zu geringerer Nachfrage hinsichtlich studentischen Wohnraums auf dem Wohnungsmarkt. Denn gerade in Großstädten interessieren sich auch andere Gruppen für den typisch studentischen Wohnraum. So haben Berufsanfänger*innen, Pendler*innen und Renter*innen ebenfalls ein Interesse an kostengünstigen, kleinen und zentral gelegenen Wohnungen.

Angebot

Das Angebot richtet sich, wie bereits beschrieben, nach der Anzahl der inserierten Wohnungen und WG-Zimmern. Hier gibt es deutschlandweit allerdings große Standortunterschiede. Das Angebot an studentischem Wohnraum ist in reinen Universitätsstädten besonders hoch und dafür in Großstädten geringer. Dabei gibt es allerdings bei Betrachtung des Angebots in Relation zur Studierendenanzahl mehr Angebote in großen Großstädten wie etwa Frankfurt am Main, Stuttgart oder München, als in kleineren (Universitäts-)Städten wie Münster, Heidelberg oder Darmstadt.

Allerdings darf man aufgrund dessen nicht annehmen, dass es in Großstädten deshalb einfacher für Studierende sei, eine passende Wohnung zu finden. Denn dort ist die Konkurrenz um typisch studentischen Wohnraum, auch abseits der Gruppe der Studierenden, sehr hoch. Anders ist dies in Standorten wie Magdeburg oder Leipzig. Dort ist das Angebot so groß, dass aufgrund des eher geringen preislichen Niveaus  auch Wohnungen abseits des typischen studentischen Wohnraums (etwa in Form einer höheren Quadratmeteranzahl) für Studierende in Frage kommen können.

Das WG-Zimmer-Angebot ist entgegen des Wohnungsangebots eher größer in den (preisintensiveren) Großstädten und entsprechend kleiner in den (kostengünstigeren) reinen Universitätsstädten. Insgesamt hat sich Angebot an WG-Zimmern zudem verringert. Das gesunkene Angebot an WG-Zimmern liegt wohl darin begründet, dass weniger Studierende im Zuge der Corona-Pandemie in WGs gezogen, bzw. WGs gegründet haben und somit WG-taugliche Wohnungen vermehrt komplett an Familien oder Paare vermietet wurden.

MLP Studentenwohnreport 2022: Mietpreisentwicklung

Der MLP Studentenwohnreport betrachtet auch das Mietpreisniveau von studentischem Wohnraum. Das sind die Top 5 der teuersten Hochschulstandorte:

  1. München (am teuersten)
  2. Frankfurt
  3. Stuttgart
  4. Freiburg
  5. Heidelberg

Nachfolgend die Top 5 der günstigsten Hochschulstandorte:

  1. Chemnitz (am günstigsten)
  2. Magdeburg
  3. Bochum
  4. Saarbrücken
  5. Greifswald

MLP Studentenwohnreport 2022: Studierende und die Inflation

Die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ausgelöste Inflation trifft Studierende besonders. Denn Studierendenhaushalte müssen im Vergleich zum deutschen Durchschnittshaushalt einen höheren Teil ihres Einkommens für die Wohnungsmiete und die Deckung von weiteren Grundbedürfnissen durch Lebensmittel, Wasser und Energie aufwenden. Die Sparquote bei Studierenden ist zudem deutlich geringer als bei der Gesamtbevölkerung.

Da Studierende demnach den überwiegenden Teil ihres Einkommens konsumieren, sind sie durch die in der Regel ausbleibende oder nur geringe Anpassung ihres Einkommens in besonderem Maße von der Inflation betroffen und müssen aufgrund ihres Kaufkraftverlustes teilweise auf elementare Dinge verzichten. Da die Neuerungen des BAföG nur auf wenige Studierende generell Auswirkungen haben und die BAföG-Erhöhung insgesamt geringer als die Inflation ausfällt, bedarf es hier neuer (staatlicher) Unterstützungsmechanismen.

MLP Studentenwohnreport 2022: Ausblick

Es ist aufgrund der aktuellen Krisensituation davon auszugehen, dass sich der Druck auf den studentischen Wohnungsmarkt noch erhöhen wird. Denn der inflationsbedingte Kaufkraftverlust der Bevölkerung wird wohl dafür sorgen, dass auch abseits des studentischen Milieus vermehrt nach kleinen und günstigen Wohnungen nachgefragt werden wird. Die momentane Entwicklung der Energiepreise sorgt außerdem zusätzlich für eine Attraktivitätssteigerung von kleineren Wohnungen, da diese ihrerseits geringere Energiekosten aufweisen.

Im Hinblick auf WG-geeignete Wohnungen kommt es aufgrund der Zinsentwicklung zudem zu einer erhöhten Mietnachfrage von Bevölkerungsgruppen, die vormals an Eigentum interessiert gewesen sind. Aufgrund der Verknappung des Angebots an WG-Zimmern sind die Mieten in diesem Bereich demnach bereits jetzt stark angestiegen und bisher ist dahingehend keine Verbesserung in Sicht. Demnach ist es besonders wichtig, dass in Zukunft weiterhin günstige und kleine Wohnungen gebaut werden.

 

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Über den Autor Lisa Schraets

Social Media Manager Profiling Institut