Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem, Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem 2022Bildquelle: © pronoia für stock.adobe.com

Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem: Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich mit den Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine auf das deutsche Bildungssystem beschäftigt. Dieser Beitrag befasst sich somit mit den Ergebnissen der erst im Mai 2022 veröffentlichten Studie.

Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem: aktuelle Situation

Es sind mit 5,1 Millionen Menschen bereits etwa 12,3% der vormals ukrainischen Wohnbevölkerung in Staaten der EU geflüchtet (Stand Mai 2022). Dabei sind am 5. Mai 610.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland registriert. Insgesamt sind davon 242.000 und damit ca. 39,6% unter 18 Jahren. Somit leben 3,2% der ukrainischen Kinder und Jugendlichen momentan in Deutschland und haben in der Regel einen Bedarf in das deutsche Bildungssystem integriert zu werden.

Dabei spielt der Umstand, dass es sich bei dem russischen Angriffskrieg um einen Krieg innerhalb Europas handelt eine wichtige Rolle. Denn ukrainische Geflüchtete verfügen über die Visumsfreiheit, sodass sie bei Mitführung eines Passes in einfacher Weise die Grenzen des Schengen-Raumes passieren können und darüber hinaus auch nicht an die Dublin-Verordnung gebunden sind und ihr Zielland somit frei wählen können. Ukrainische Geflüchtete dürfen sich somit ohne eine Registrierung bei den entsprechenden deutschen Behörden bis zu 90 Tage legal in Deutschland aufhalten und verfügen in dieser Zeit über einen Touristenstatus.

Bei entsprechender Registrierung erhalten sie in der Regel sehr zeitnah einen Aufenthaltstitel nach §24 AufenthG und ukrainische Kinder und Jugendliche im entsprechenden Alter sind dann auch unmittelbar schulpflichtig. Ein Problem ist allerdings dann gegeben, wenn keine Registrierung erfolgt. Denn viele Ukrainer*innen, die keine Hilfsangebote in Anspruch nehmen (müssen), verzichten – wahrscheinlich auch unter der Annahme schnell wieder in die Ukraine zurückzukehren – auf eine entsprechende Registrierung. Dies erschwert dann sowohl die Integration der Kinder und Jugendlichen in das deutsche Bildungssystem und sorgt außerdem für lückenhafte Zahlen mit Blick auf den Zuwanderungsstrom, sodass eine entsprechende Planbarkeit erschwert wird.

Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem: Schulunterricht

Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem, Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem 2022

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Durch die Zuwanderung von ukrainischen Minderjährigen entsteht ein erhöhter Bedarf an Bildungsangeboten im schulischen Bereich. Dahingehend könnten Willkommensklassen mit einer empfohlenen Größe von je etwa 15 Schüler*innen helfen entsprechende sprachliche Kenntnisse zu erwerben, bevor dann eine Integration in bestehende Schulklassen erfolgt.

Dabei kommt es neben einem zusätzlichen Raumbedarf insbesondere zu einer erhöhten Nachfrage an Lehrpersonal. Um das entsprechende Fachpersonal aufbringen zu können, wäre es möglich Personen, die bereits im Ruhestand sind zu reaktivieren und vor allem aber auch aus der Ukraine geflüchtete Erwachsene mit einschlägigen Fachkenntnissen einzusetzen. Dahingehend ist es aber wichtig diese in Bezug auf deutsche Sprachkenntnisse zu schulen und nicht auf die Unterrichtung von ausschließlich ukrainischen Kindern und Jugendlichen zu begrenzen, um eine integrationshemmende Separation zu verhindern.

Der Ukraine-Krieg und das deutsche Bildungssystem: Betreuungsangebote

Die Annahmen und Lösungsansätze für die Nachfrage nach Personal im schulischen Bereich lassen sich auch auf den der Betreuungsangebote übertragen. Allerdings ist die Unterbringung von Kindern in eben solche nicht verpflichtend. Zieht man in Betracht, dass bereits heute Kitaplätze fehlen, erscheint die Bereitstellung von genügend Betreuungsangebote als weitaus schwieriger.

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Außerdem ist bei den zu betreuenden ukrainischen Kindern von einem speziellen Förderungsbedarf auszugehen. Dieser betrifft zum einen das Erlernen deutscher Sprachkenntnisse, aber zum anderen vor allem auch den Umgang mit psychisch stark belasteten Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben und häufig sehr plötzlich ihre Väter zurücklassen mussten. Das stellt Erzieher*innen und Betreuer*innen vor große Herausforderungen. Diese können übrigens ebenfalls für Kinder und Jugendliche im schulischen Bereich gegeben sein.

Zudem kann ukrainischen Eltern daran gelegen sein, dass die muttersprachlichen Kenntnisse ihrer Kinder nicht leiden, wenn eine baldige Rückkehr in die Ukraine geplant ist und die Eltern selbst jedoch einer Erwerbstätigkeit in Deutschland nachgehen und somit auf Betreuungsangebote in Deutschland zurückgreifen wollen.

 

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Über den Autor Lisa Schraets

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