Die Ergebnisse der PISA-Studie 2018 wurden kürzlich veröffentlicht und sorgen für Diskussionen. Wie hat Deutschland abgeschnitten? Was bedeuten die Ergebnisse?

Die PISA-Studie 2018

Die PISA-Studie 2018 war die bisher größte ihrer Art und wurde in 79 Ländern mit ca. 600.000 Teilnehmenden durchgeführt. In Deutschland lag die Zahl der 15-Jährigen Teilnehmenden bei 5451 aus insgesamt 226 Schulen. Dabei schnitt Deutschland in den geprüften Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften leicht überdurchschnittlich ab. Dennoch sind die Ergebnisse insgesamt schlechter als vergangene Jahre und es wurde ein Rückgang in den Bereichen verzeichnet. Im Ranking der teilnehmenden Länder findet sich Deutschland hinter Norwegen und vor Slowenien, jedoch weiter abgeschlagen hinter den Spitzenreitern aus Europa und Asien. An den Spitzenpositionen befinden sich vier chinesische Provinzen, Singapur und Estland. Dies sind die Hauptergebnisse der PISA-Studie 2018 mit dem Vergleich aller Ländern:

Quelle: OECD, PISA 2018 Datenbank. Verfügbar unter: Überblick über die Leistungen in Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften

Lesekompetenz

Im Bereich der Lesekompetenz schneidet Deutschland leicht über dem Durchschnitt ab. Die Verschlechterung gegenüber früheren Ergebnissen ist dabei nicht statistisch signifikant, also nicht belastbar und damit nicht besonders groß. Sie liegen ungefähr wieder bei dem Wert von 2009. Mädchen schnitten in Deutschland und auch im Durchschnitt aller Länder deutlich besser ab als Jungen. Der Vorsprung der Mädchen war dabei in Deutschland weniger stark ausgeprägt, als der OECD-Durchschnitt und auch weniger stark als der im Jahre 2009 im Rahmen der PISA-Studie ermittelte.

Dabei hat sich vor allem der Unterschied in der Lesekompetenz von Schüler/innen mit einem günstigen und ungünstigen sozioökonomischen Hintergrund verschärft. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2018 zeigen einen deutlich größeren Unterschied zwischen den Schüler/innen, als es noch 2009 der Fall war. Der Vorsprung der Schüler/innen aus besonders günstigen sozioökonomischen Verhältnissen gegenüber jenen aus besonders ungünstigen ist dabei deutlich größer, als im OECD-Durchschnitt. Erfreulich sei hingegen, dass 10 Prozent der Schüler/innen aus ungünstigen Verhältnissen ebenfalls im oberen Bereich der Leistungsverteilung gelegen haben, was im Durchschnitt der Länder liege. In Spitzenreiterregionen wie einer Provinz in China und Estland, gelte dies allerdings sogar für mehr als 15 Prozent der Schüler/innen aus ungünstigen Verhältnissen. Chancengleichheit und gute Ergebnisse scheinen sich demnach nicht auszuschließen und die Chancengerechtigkeit hat sich damit als präsentes Thema in Deutschland herausgestellt.

Mathematik

Im Bereich Mathematik zeigte sich in den Ergebnissen der PISA-Studie 2018 ein leicht überdurchschnittlicher Wert deutscher Schüler/innen. Dennoch wurde auch ein deutlicher Rückgang gegenüber den Ergebnissen von 2012 festgestellt. Jungen schnitten gegenüber Mädchen besser ab, wobei der Unterschied zwischen den Geschlechtern weniger deutlich ausfiel als der bei der Lesekompetenz, er aber dennoch über dem durchschnittlichen Vorsprung der Jungen gegenüber den Mädchen der OECD-Länder lag.

Naturwissenschaften

In den Naturwissenschaften war der in Deutschland erzielte Wert im Rahmen der PISA-Studie 2018 am deutlichsten überdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen OECD-Länder. Dennoch wurde auch hier ein Rückgang gegenüber den Ergebnissen früherer Jahre verzeichnet. Mädchen und Jungen zeigten in diesem Bereich keine Unterschiede in den Ergebnissen.

Schüler/innen mit Migrationshintergrund

Auch Schüler/innen mit Migrationshintergrund, also mit beiden Elternteilen die nicht in Deutschland geboren wurden, finden in der PISA-Studie 2018 Berücksichtigung. So habe sich der Anteil in Deutschland gegenüber 2009 um 4 Prozent erhöht (18 zu 22 Prozent). Bezogen auf die Chancengleichheit sieht es so aus, dass die Hälfte der Schüler/innen mit Migrationshintergrund auch einen ungünstigen sozioökonomischen Hintergrund hätten. Im Bereich der Lesekompetenz seien die Unterschiede zwischen Schüler/innen mit und und ohne Migrationshintergrund besonders hoch. Dennoch seien 15 Prozent der Schüler/innen mit Migrationshintergrund im obesterten Bereich der Leistungsverteilung zu finden.

Der erhöhten Anforderungen an das Bildungssystem, die mit einem verstärkten Zuwachs an Schüler/innen mit Migrationshintergrund der letzten Jahre einhergegangen seien, könnten eine mögliche Erklärung für den Leistungsrückgang in Deutschland sein. Eine breite Suche nach Ursachen sei jedoch angebracht, so die Pressemitteilung für die PISA-Ergebnisse Deutschlands.

Wohlbefinden von Schüler/innen

Neben den Kompetenzen wurde in der PISA-Studie 2018 auch das Wohlbefinden der Schüler/innen erfragt und erhoben. Als zufrieden mit ihrem Leben würden sich in Deutschland demnach 67 Prozent der Schüler/innen bezeichnen, was im OECD-Durchschnitt liege, während 92 Prozent angaben, manchmal oder immer glücklich zu sein. 4 Prozenz würden sich als immer traurig bezeichnen und 23 Prozent berichten von mindestens einmal im Monat stattfindenden Hänselein oder Mobbing durch Mitschüler/innen, wobei dieser Wert genau im OECD-Durchschnitt liege. Das Wohlbefinden der Schüler/innen in Deutschland sei demnach relativ gut und werde als positives Beispiel angeführt, wie beispielsweise auch die Ergebnisse aus dem flämischen Teil Belgiens, Estland oder Finnland. Im Ländervergleich habe sich gezeigt, dass Versagensängste besonders in den Ländern unter Schüler/innen weit verbreitet seien, in denen die Ergebnisse der Lesekompetenz besonders hoch gewesen seien. In den eben genannten Ländern habe sich dieser Zusammenahng allerdings nicht gezeigt, was bedeute, dass gute Leistungen auch mit einem guten Wohlbefinden der Schüler/innen einhergehen könnten.

Bericht der Schulleitungen

Ebenfalls auffällig sei bei den Ergebnissen der PISA-Studie 2018 gewesen, dass die Schulleitungen in Deutschland überdurchschnittlich häufig Mängel geäußert hätten. Dies beziehe sich sowohl auf das Personal als auch die Ausstattung. Besonders Schulen, an denen ein ungünstiger sozioökonomischer Status vorherrsche, würden unter Personalmangel leiden und 70 Prozent dieser Schüler/innen würden hierdurch Unterrichtsbeeinträchtigungen spüren. In begünstigten Schulen, seien hingegen nur 34 Prozent der Schüler/innen von solchen Beeinträchtigungen im Unterricht aufgrund von Personalmangel betroffen.

 

Hier finden Sie die Ländernotiz zu den Ergebnissen der PISA-Studie 2018:

Ländernotiz für Deutschland 

Hier finden Sie die entsprechende Pressemitteilung:

Pressemitteilung für Deutschland 

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.