Die Digitalisierung ist noch immer eins der größten Themen in der aktuellen Arbeitswelt. Sie verändert viele Bereiche des Arbeitens. Dies betrifft deshalb auch die duale Berufsausbildung. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus? Wo gibt es Veränderungsbedarf?

Aktuelle Studie

Das Institut für Wirtschaft Köln hat in seinem IW-Trends 2/2019 die Studie „Digitalisierung in der dualen Berufsausbildung“ vorgestellt. Diese hatte sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus? Hierzu wurden zwischen Oktober und Dezember 2017 in einer Online­-Befragung im Rahmen des IW-Personalpanels (Thema: Thema „Digitalisierung in der betrieblichen Ausbildung“) insgesamt 1022 Unternehmen befragt. In 9 von 10 dieser Unternehmen wurde dabei mindestens eine digitale Technologie eingesetzt. Allerdings gaben nur rund zwei Drittel der Unternehmen an, sich bereits mit dem Thema Digitalisierung in der Ausbildung beschäftigt zu haben. Je mehr digitale Technologien dabei jedoch im Unternehmen selbst genutzt wurden, umso häufiger gaben die Unternehmen an, sich bereits intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben sich demnach ein Drittel der Unternehmen, zu welchen vor allem kleinere Unternehmen zählten. Und wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus?

Bisherige Anpassungen

Um die Frage „ Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus? “ zu beantworten, muss sich auch angeschaut werden, was die Unternehmen bisher für Anpassungen vorgenommen haben. In der IW-Studie wurden die Unternehmen dazu befragt, was sie in den letzten 5 Jahren schon verändert haben. Über die Hälfte der Unternehmen, nämlich 54 Prozent, gaben dabei an, dass sie die eigenen Ideen und auch Erfahrungen der Auszubildenden im Bereich Digitalisierung nutzen würden und diese aktiv in die Ausbildung mit einbringen würden. Das verdeutliche die Annahme, dass vor allem die jungen Menschen bereits eine gewisse Affinität und auch ein Wissen im Bereich digitale Kompetenzen mitbringen, wovon profitiert werden könne. Das IW merkt an, dassdies noch systematischer genutzt werden könne, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern. So habe sich gezeigt, dass altersgemischte Teams hierzu ein gutes Mittel seien. So könnte das berufliche Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter/innen, mit den neuen Impulsen Auszubildender oder neuer Mitarbeiter/innen kombiniert werden, um beiden Seiten das Lernen voneinander zu ermöglichen.

Weitere 49,8 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihre Ausbildungsinhalte in den letzten 5 Jahren angepasst zu haben. 45,9 Prozent gaben an, dass sich ihre Ausbilder/innen auf die Digitalisierung in der Ausbildung vorbereitet hätten, beispielsweise durch die Weiterbildung zu neuen Lernmethoden oder -inhalten. Dabei haben nicht alle Unternehmen, die angegeben haben, ihre Ausbildungsinhalte angepasst zu haben, auch angegeben, ihre Ausbilder/innen auf die Digitalisierung vorbereitet zu haben.

37,4 Prozent gaben an, Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Parteien zu nutzen, um die Digitalisierung in der Ausbildung voranzubringen. Hier sei auffällig, dass zwei Drittel der Unternehmen, die angaben sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung in der Ausbildung zu beschäftigen, auch angaben, solche Kooperationen zu nutzen. Unter den Unternehmen, die sich weniger intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, würden allerdings weniger als ein Drittel solche Kooperationen nutzen.

Weitergehend haben 36 Prozent der Unternehmen angegeben, zusätzliche finanzielle oder zeitliche Ressourcen für das Thema eingesetzt zu haben. 32,8 Prozent gaben an, neue digitale Lehr- und Lernmethoden eingeführt zu haben.

Mindestens eine dieser Maßnahmen haben laut IW knapp 8 von 10 Unternehmen bereits angestoßen. Bei den Unternehmen, die bisher noch keine Maßnahme unternommen hätten, seien fast nur kleine Unternehmen (weniger als 50 Mitarbeiter/innen).

Die Rolle der Berufsschulen

Auch die Berufsschulen spielen bei der Frage „ Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus? “ eine wichtige Rolle, denn sie sind neben den Unternehmen ebenfalls für die duale Ausbildung zuständig und tragen deshalb auch ihren Teil dazu bei, die Digitalisierung zu integrieren oder eben nicht. Deshalb wurden die Unternehmen auch zu deren Einschätzung bezüglich der Berufsschulen als Lernortpartner einschätzen. Viele der Unternehmen würden sich hierzu allerdings kein Urteil zutrauen. Vor allem die Anzahl der Lehrkräfte und deren digitale Kompetenzen könnten viele nicht einschätzen. Dies deute darauf hin, dass Unternehmen und Berufsschulen sich nicht ausreichend und regelmäßig genug austauschen würden.

Unter den Unternehmen, die allerdings eine Einschätzung vorgenommen haben, sei die Zufriedenheit gering. Noch am besten wurde demnach die Bereitschaft zur Lernortkooperation eingeschätzt. Allerdings gaben auch hier weniger als ein Drittel der Unternehmen an, zufrieden zu sein. Unter diesen zufriedenen Unternehmen seien Großunternehmen anteilig häufiger vertreten. Sie würden über mehr Ressourcen verfügen, um die Kooperation zu gestalten und hätten es durch die größere Auszubildendenanzahl einfacher, bei den Berufsschulen gehört zu werden. Die Großunternehmen seien jedoch in den Punkten digitale Kompetenzen der Lehrkräfte und Vorbereitung der Azubis auf digitale Anforderungen kritischer. In diesem letzten Punkt seien weniger als ein Prozent der Unternehmen sehr zufrieden. 29 Prozent gaben an, eher unzufrieden zu sein mit der Vorbereitung der Azubis auf die digitalen Anforderungen.

Ein Drittel der Unternehmen sei weitergehend damit unzufrieden, wie viele Lehrkräfte verfügbar sind und welche digitalen Kompetenzen diese haben. Die technische Ausstattung der Berufsschulen wird von 4 von 10 Unternehmen kritisiert.

Wünsche zu Modernisierungen der Ausbildungsordnungen

Die Ausbildungsordnungen sind ebenfalls wichtig bei der Frage „ Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ausbildungen aus? “. Die Unternehmen wurden in der IW-Studie dazu befragt, welchen Modernisierungsbedarf sie hier sehen bzw. was sie sich wünschen. Am häufigsten gaben die Unternehmen an, sich neue Zusatzqualifikationen zu wünschen. 73,2 Prozent stimmen diesem Wunsch voll und ganz zu. Ebenfalls groß ist der Wunsch nach Modernisierung der vorhandenen Ausbildungsberufe. Hier stimmen 71,8 Prozent voll und ganz zu. Der Vorteil dieser Wünsche sei, dass diese zeitnah umgesetzt werden könnten. Den Bedarf neue Ausbildungsberufe zu schaffen, sehen 3 von 10 Unternehmen.

Dabei würden sich die Unternehmen, welche einen Modernisierungsbedarf sehen, in zwei Gruppen einteilen lassen. Die eine Gruppe würde aus den Unternehmen bestehen, die bereits mehrere digitale Technologien einsetzen würden und die auch aktiv darin seien, die Digitalisierung in der Ausbildung voranzutreiben. Diese Unternehmen hätten laut IW eine Idee davon, wie eine solche Modernisierung konkret aussehen sollte. Die andere Gruppe bestehe aus den Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit der Digitalisierung in der Ausbildung beschäftigt hätten. Laut IW würden diese Unternehmen sich durch eine Modernisierung Orientierung versprechen und zwar in Bezug auf Ausbildungsinhalte und geeignete Qualifizierungsmethoden.

Hier finden Sie die IW-Studie im IW-Trends 2/2019:

„Digitalisierung in der dualen Berufsausbildung“

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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