Dadurch, dass immer mehr Eltern arbeiten und das auch in Vollzeit, ist der Bedarf an Betreuung durch Institutionen wie dem Hort, Kindergarten oder der Ganztagsschule immer weiter gestiegen. Immer mehr Eltern benötigen einen Platz und möchten oder müssen ihr Kind betreuen lassen. Aber wie sieht die Beschäftigungsentwicklung im Betreuungsbereich aus? Gibt es genügend Betreuer/innen? Oder sind Engpässe zu erwarten?

Bisherige Entwicklung

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in seinem IW-Report 14/19 „Beschäftigungsboom im Betreuungsbereich und keine Trendumkehr in Sicht – Aktuelle Entwicklungen bei Beschäftigung, Fachkräfteangebot und -nachfrage“ die Beschäftigungsentwicklung im Betreuungsbereich in den Blick genommen und beleuchtet. Zunächst wurde dabei auf Basis verschiedener Daten ausgewertet, wie die Entwicklung bisher verlaufen ist. Demnach habe es einen starken Beschäftigungsaufbau in den Berufen geben.

Die Auswertung der Daten von der Bundesagentur für Arbeit zu sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen ergab demnach, dass zwischen 2014 und 2018 die Beschäftigungen im Betreuungsbereich von 167000 auf 878000 gestiegen seien. Die meisten dieser Stellen seien dabei 2018 von Fachkräften in der Kinderbetreuung und -erziehung besetzt worden. Deren Anteil habe 86 Prozent ausgemacht. Dabei sei auch der Männeranteil in diesen Berufen über die Jahre auf 10,3 Prozent gestiegen. Die meisten Männer seien dabei im Bereich der Heimerziehung und der Tagesgruppen beschäftigt. Hier liege ihr Anteil bei 30,2 Prozent. In Kindertagesstätten und Horten liege ihr Anteil bei lediglich 6,2 Prozent. Da das Berufsfeld folglich noch immer ein stark weiblich geprägtes sei, überrasche es nicht, dass der Anteil der Teilzeitbeschäftigungen konstant bei rund 60 Prozent liege.

Nachteil dieser Daten der Bundesagentur für Arbeit sei es allerdings, dass der Betreuungsbereich mit seinen vielfältigen Berufsgruppen nur grob abgrenzbar sei und bspw. die Heilerzieher/innen gar nicht in der Statistik auftauchen würden. Deshalb seien auch die Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik zu Kitas und Horten ausgewertet worden, die allerdings ihrerseits den Nachteil hätten, dass private Kindertagesstätten nicht erfasst werden würden. Diese Daten ergaben, dass zwischen 2008 und 2018 die Zahl der pädagogisch Tätigen und im Leitungsbereich Tätigen von 379000 auf 621000 gestiegen sei. Der Anstieg beim pädagogischen- und Verwaltungspersonal in Heimen und Tagesgruppen sei von 44000 Beschäftigten 2006, auf 79000 Beschäftigten 2016 gewesen.

Auf der Ebene der Bundesländer sei der Beschäftigungszuwachs in den Kitas und Horten vor allem in Bayern und Baden-Württemberg hoch gewesen, ebenso wie in Berlin und Brandenburg. Niedrig sei der Zuwachs hingegen in Bremen und den übrigen neuen Bundesländern gewesen. Dies sei jeweils auf ein niedriges oder entsprechend hohes Ausgangsniveau und den entsprechenden Zuwachs an Kindern zurückzuführen.

Auch die Zahlen der Kinder- und Jugendhilfestatistik würden von einem konstanten Anteil von 60 Prozent Teilzeitbeschäftigung ausgehen. Dabei seien die meisten Fachkräfte ausgebildete Erzieher/innen, mit einem Anteil von ca. zwei Drittel. Der Anteil anderweitiger Abschlüsse, wie den zweijährigen Berufsfachschulabschlüssen, sei je nach Bundesland sehr unterschiedlich, genauso wie die Bedeutung der Abschlüsse. Generell sei das gesamte Berufsfeld sehr unterschiedlich je nach Bundesland strukturiert, was Maßnahmen auf Bundesebene erschwere, ebenso wie die Fachkräftemobilität.

Bezogen auf den Ganztagsbereich an Schulen gebe es keine Daten zur Beschäftigungsentwicklung im Betreuungsbereich, sondern lediglich zu der im Lehrkräftebereich.

Entwicklungen

Als nächstes wird in dem IW-Bericht auf die zu erwartende zukünftige Beschäftigungsentwicklung im Betreuungsbereich eingegangen. Hierzu wurde wieder eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit genutzt. Demnach sei sowohl die Zahl der arbeitssuchenden, als auch die der arbeitslosen Fachkräfte in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei demnach von 2012 bis 2018 um 21,5 Prozent gesunken. Die Zahl der als offen gemeldeten Stellen seitens der Arbeitsgeber sei hingegen deutlich von 2012 bis 2018 um ungefähr drei Viertel gestiegen. Die höhere Nachfrage an Fachkräften stehe demnach einem immer kleiner werdenden Angebot an Fachkräften gegenüber, wodurch es das ganze Jahr zu Engpässen käme, was auf lange Sicht dazu führe, dass auch der Betreuungsbereich nicht ausgebaut werden könne.

Auch die Ausbildung wurde vom IW in den Blick genommen, denn die neu ausgebildeten Fachkräfte würden eine entscheidende Rolle bei der Beschäftigungsentwicklung im Betreuungsbereich einnehmen. Hier sei, wie bereits beschrieben, festzustellen, dass das Berufsfeld in den Bundesländern stark unterschiedlich strukturiert sei. Auch die überall am meisten verbreitete Erzieherausbildung unterscheide sich zum Teil stark je nach Bundesland. Dies sei sowohl im Bereich der Ausbildungsinhalte der Fall, als auch in den Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung. Hier sei eine Angleichung der Voraussetzungen und Inhalte sinnvoll. Dennoch seien die Zahlen der neuen Auszubildenden in fast Bundesländern stark angestiegen. Dies würde jedoch nicht ausreichen, um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Zukünftig sei eine Angleichung der Berufsfeldstrukturierung sinnvoll, um auch auf der Bundesebene sinnvolle Maßnahmen zur Fachkräftesicherung vornehmen zu können.

Um die gesellschaftliche Bedarfe künftig ideal decken zu können, müssten laut IW 225000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Dies stelle allerdings nur den wünschenswerten Bedarf an zusätzlichen Fachkräften im Zusammenhang mit einem Betreuungsausbau dar, um eine optimale Betreuung gewährleisten zu können. Die tatsächliche Fachkräftenachfrage werde vermutlich geringer ausfallen, was damit zusammenhänge, dass ansonsten steigende Personalkosten anfallen würden, wofür zunächst die Finanzierung sichergestellt werden müsse. Es könne außerdem sein, dass diese Kosten zum Teil auf die Eltern, in Form von steigenden Beiträgen, abfallen würden. Außerdem müssten auch weitere Gegebenheiten da sein, um den Betreuungsausbau gewährleisten zu können, wie genügend Räumlichkeiten. Deshalb sei nicht davon auszugehen, dass der Betreuungsausbau in nächster Zeit so umgesetzt werde, wie es wünschenswert sei.

Ebenfalls von Bedeutung sei der Professionenmix in den Einrichtungen mit Akademiker/innen und Berufsfachschulabsolvent/innen. Denkbar sei es, dass diese beiden Gruppen zukünftig stärker eingesetzt werden könnten, um Lücken zu schließen. Personen mit einem Grundkurs in Kindertagespflege könnten darüber hinaus als Ergänzungs- oder Zweitkraft eingestellt werden, um zumindest einen Teil der offenen Stellen so besetzen zu können.

Hier finden Sie den IW-Bericht 14/19:

Beschäftigungsboom im Betreuungsbereich und keine Trendumkehr in Sicht – Aktuelle Entwicklungen bei Beschäftigung, Fachkräfteangebot und -nachfrage

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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