Alles was wir im Internet machen, hinterlässt Spuren. Unsere Daten werden von zahlreichen Unternehmen gesammelt, weiterverarbeitet und verkauft. Daten sind der zentrale Rohstoff in der digitalen Wirtschaft. Vor allem Jugendliche als Digital Natives hinterlassen viele Spuren in sozialen Netzwerken. Jugendliche und Datenschutz, wie hängen diese Dinge zusammen? Wie wichtig ist Jugendlichen der Datenschutz? Was sind die Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen?

Daten als Rohstoff

Das Institut der deutschen Wirtschaft berichtet in dem IW-Trends 02/2018 über die Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen. Daten seien demnach der zentrale Rohstoff in der digitalen Wirtschaft und seien von vielen Unternehmen begehrt. Unternehmen wie Facebook und Google würden einen Großteil ihres Umsatzes mit Werbung verdienen, die auf der Analyse von persönlichen Daten basieren würde. Bei Google mache dies 90 Prozent des Umsatzes aus, bei Facebook sogar 95 Prozent. Die persönlichen Daten seien daher ein Tauschwert für die Nutzung der Onlinedienste, den viele Menschen bereitwillig zahlen würden. Dabei wüssten viele jedoch nicht, welcher Dienst welche Daten erfassen, analysieren und weiterverwenden würde und warum es dies tue. Die Sorge um mangelnden Datenschutz sei generell sehr hoch, obwohl viele Internetnutzer bereitwillig ihre persönlichen Daten preisgeben. In der Wissenschaft nennt man dies das Privacy Paradox. Privatsphäre im Internet werde zwar als wichtig angesehen, aber diese Einstellung würde sich nicht im Verhalten der Nutzer widerspiegeln. Datenschutzpräferenzen würden sich also von dem beobachteten Verhalten unterscheiden.

Jugendliche beginnen als Digital Natives schon früh sich im Internet zu bewegen, weshalb sie viele digitale Spuren hinterlassen, die sich zu großen Datensätzen aufbauen. Aber wie gut wissen Jugendliche über Datenschutz Bescheid? Liegt auch hier das Privacy Paradox vor? In dem IW-Trends 02/2018 wird eine IW-Studie zu den Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen vorgesellt, die hierauf Antworten geben soll.

Umfrage zu den Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen

Die IW-Studie basiert auf einer Umfrage, in der 3000 Schüler/innen zwischen 14 und 21 Jahren im Jahr 2017 befragt wurden. Abgefragt wurden hierbei die Nutzung und Wahrnehmung von Datenschutz auf mehreren Plattformen. Ebenso wurde die Zahlungsbereitschaft für datenschutzfreundliche Onlinedienste ermittelt. Die dabei abgefragten Dienste wurden je nach Hauptfuunktion in drei unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Diese sind:

  • Kommunikationsdienste (WhatsApp, Snapchat, Skype), Hauptfunktion: bilateraler Austausch von text-/bildbasierten Nachrichten
  • Soziale Netzwerke (Instagram, Pintereset, Google+, Facebook), Hauptfunktion: Vernetzung vieler Nutzer über Text/Bild
  • Medienplattformen (YouTube, Twitter, Tumblr, Flickr), Hauptfunktion: Zusammenbringen von Anbietern und Nachfragern unterschiedlicher Medien und Formate

Die Netzwerkeffekte dieser Kategorien seien dabei sehr unterschiedlich. Starke Netzwerkeffekte bedeuten, dass Nutzer eines Dienstes auch bei datenschutzrechtlichen Bedenken eher nicht den Dienst wechseln, da das soziale Umfeld ebenfalls diesen Dienst nutzt und so Vorteile durch die Nutzung entstehen. Solche hohen Netzwerkeffekte würden vor allem die sozialen Netzwerke und Kommunikationsdienste aufweisen. Die Medienplattformen hingegen würden eher geringe Netzwerkeffekte aufweisen. Ebenso unterschiedlich sei die Intensität der Datennutzung. Diese unterscheide sich sowohl zwischen den Kategorien, als auch innerhalb der Kategorien. Generell seien soziale Netzwerke sehr datenintensiv. Facebook sei hier aber datenintensiver, als Pinterest. Auch Kommunikationsdienste seien datenintensiv, da sie vor allem auf die Kontaktlisten der Nutzer zugreifen würden.

Die Nutzung der abgefragten Dienste ist laut der Studie unter den Schüler/innen sehr hoch. Die meisten würden 3 oder 4 der Dienste nutzen. 78 Prozent der Befragten gaben an, mehrere Dienste parallel zu nutzen. Nur 14 Prozent gaben an, keinen der Dienste zu nutzen. 46 Prozent der Befragten wurden als Heavy User eingestuft, da sie angaben, mindestens 4 der Dienste zu nutzen. Wie intensiv diese Nutzung ist, wurde nicht abgefragt. Am häufigsten nutzen die Befragten WhatsApp (78 Prozent), gefolgt von Snapchat an zweiter Stelle (54 Prozent) und YouTube an dritter Stelle (51 Prozent). Besonders wenig genutzt wird die Plattform Flickr (2 Prozent). Facebook nutzen ebenfalls nur 17 Prozent der Befragten. Besonders beliebt sind demnach Kommunikationsdienste, gefolgt von sozialen Netzwerken und Medien.

Wie sieht es jetzt aber mit den Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen aus? Viele der befragten Schüler/innen stört es, dass die Dienste Daten speichern und nutzen. 67 Prozent gaben an, es nicht gut zu finden, dass WhatsApp ihre persönlichen Daten speichert und nutzt. Bei Snapchat sagten dies 63 Prozent. Je weniger eine Anwendung genutzt wird, desto egaler sei es den Befragten, ob ihre Daten verwendet werden würden. Die höchsten Werte bei der Zustimmung zur Datennutzung erhält YouTube. 25 Prozent gaben hier an, die Datennutzung gut zu finden. Weniger als 1 Prozent der Befragten gab bei allen Diensten an, dass sie es gut fänden, dass diese ihre Daten nutzen würden. 29 Prozent gaben hingegen bei allen Diensten an es nicht gut zu finden, dass diese ihre Daten nutzen würden. Kaum einer der Schüler/innen findet es demnach nur gut, was mit ihren Daten geschieht. Es gibt jedoch viele, die eine gleichgültige Einstellung haben. Insgesamt stehen allerdings 73 Prozent der Befragten der Datennutzung kritisch gegenüber. Besonders bei den Kommunikationsdiensten äußerten sich viele kritisch gegenüber der Datenverwendung. Weniger kritisch zeigten sich die Befragten bei den Medienplattformen, wo Kritiker und Nicht-Kritiker fast ausgeglichen waren.

Dabei führt eine kritische Einschätzung jedoch meist nicht zum Verzicht der Nutzung. Sowohl Nutzer, als auch Nicht-Nutzer würden Kritik am Datenschutz äußern. Bei den Kommunikationsdiensten WhatsApp, Snapchat und Skype sind sogar die Nutzer kritischer, als die Nicht-Nutzer. Bei den anderen Diensten ist es andersrum. Demnach scheint der mangelnde Datenschutz bei den Kommunikationsdiensten nicht zu einem Verzicht zu führen.  Viele der Dienste scheinen durch die Datennutzung einen Mehrwert schaffen zu können, der durch die Nutzer wahrgenommen wird, weshalb die Datennutzung positiver bewertet wird.

Die Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen, also die Bewertung der Datennutzung der Befragten, unterscheide sich außerdem signifikant, je nachdem, wie viele Dienste genutzt werden würden, welches Geschlecht sie hätten und ob sie auf einem Gymnasium seien oder nicht. Wenn die Befragten viele Dienste nutzten, so störte es sie tendenziell weniger, dass die Dienste ihre Daten verwenden. Vielnutzer sind demnach unkritischer gegenüber der Datennutzung. In Bezug zum Geschlecht ist es so, dass die männlichen Befragten weniger kritisch seien, als die weiblichen. Bei den Schulformen kam heraus, dass die Befragten, die auf ein Gymnasium gehen kritischer seien, als die Befragten anderer Schulformen.

Bereit für Dienste zu zahlen, die Daten nicht speichern oder nutzen sind weniger als die Hälfte der Befragten. 56 Prozent würden kein Geld hierfür ausgeben. 16 Prozent wären bereit 5 Euro oder weniger monatlich hierfür auszugeben. 3 Prozent der Befragten gaben an, sogar 30 Euro und mehr hierfür ausgeben zu wollen. Die Zahlungsbereitschaft nimmt mit dem Alter allgemein gesehen leicht zu. So würden 14-Jährige durchschnittlich 3,80 Euro im Monat ausgeben und Volljährige 4,60 Euro. Bezieht man aber den Aspekt mit ein, dass ältere Jugendliche in der Regel über mehr Geld verfügen, als jüngere, so sinkt die Zahlungsbereitschaft sogar im Alter, da die jüngeren Befragten einen höheren Anteil ihres Geldes bereit sind zu zahlen. Je kritischer die Befragten sich vorher gegenüber der Datennutzung geäußert haben, desto eher lag eine positive Zahlungsbereitschaft vor. Bezogen auf die Geschlechter sind Schülerinnen eher dazu bereit, etwas zu zahlen, als Schüler. Ebenso würden Gymnasiasten mehr zahlen, als Schüler/innen anderer Schulformen.

Fazit

Die IW-Studie kommt also zu dem Ergebnis, dass die Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen so aussehen, dass ein Großteil der Datennutzung kritisch gegenüber steht. Dennoch sind weniger als die Hälfte bereit, etwas für Dienste zu zahlen, die besser mit den Daten umgehen. Außerdem trifft das Privacy Paradox auch hier zu. Obwohl die Datennutzung als kritisch angesehen wird, nutzt ein Großteil der Jugendlichen die betroffenen Dienste trotzdem. Viele der Schüler/innen sehen demnach keinen Mehrwert in der Datennutzung der Dienste, aber würden diese Dienste schätzen und sie deshalb weiter nutzen. Hier würden, laut IW-Studie, Netzwerkeffekte eine zentrale Rolle spielen. Würde das Umfeld eines Schülers/einer Schülerin einen Dienst nutzen, der datenschutzfreundlich ist, so sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der/die Betroffene ebenso dafür entscheidet dieses zu nutzen. Wird der Kontakt zum sozialen Umfeld jedoch durch die Nutzung eines datenschutzfreundlichen Dienstes erschwert, so sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass dieser genutzt werde.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Nutzer auch weiterhin mehr persönliche Daten freigeben würden, als sie ausgleichende Gegenleistungen hierfür erhalten. Es stelle sich die Frage, wie Anreize geschaffen werden könnten, damit den Datenschutzpräferenzen von Jugendlichen auch nachgekommen werden könnte. Momentan gäbe es wenige Anreize für Unternehmen, ihre Dienste datenschutzfreundlich zu gestalten, da die Zahlungsbereitschaft so gering sei. Es wird angeführt, dass Laborstudien Experimentierräume darstellen könnten, um unterschiedliche Regeln und Regularien auszutesten um so zu ermitteln, wie Anreize aussehen können und wie sie durchgesetzt und gewährleistet werden könnte.

Hier finden Sie das IW-Trends 02/2018:

IW-Trends 02/2018

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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