Medizinstudium: Auswahlverfahren, Bewerbung und Chancen auf einen Studienplatz

Veröffentlicht am 4. April 2025 Aktualisiert am 7. September 2026

Aktualisiert am 7. September 2026: TMS und HAM-Nat werden ab 2027 durch einen gemeinsamen Test ersetzt – den TMSnat. Der letzte reguläre TMS findet am 7./8. November 2026 statt, die Anmeldung dafür ist abgeschlossen. Alles zum Übergang steht im Abschnitt Studierfähigkeitstests.

Ein Medizinstudium in Deutschland ist heiß begehrt – jährlich bewerben sich Zehntausende auf rund 12.000 Studienplätze. Wer Medizin studieren möchte, muss sich frühzeitig informieren und strategisch vorgehen. Dieser Beitrag zeigt dir, wie das Auswahlverfahren funktioniert, welche Chancen du hast, worauf du achten solltest und wie du deine Bewerbung optimal vorbereitest.

Wie viele Studienplätze gibt es für Medizin in Deutschland?

Insgesamt vergeben staatliche Hochschulen in Deutschland jährlich etwa 12.000 Plätze für das Fach Humanmedizin. Besonders viele Studienplätze gibt es in Nordrhein-Westfalen. Neben den staatlichen Hochschulen bieten auch sechs private Hochschulen ein Medizinstudium an – dort allerdings kostenpflichtig.

Bewerbung über Hochschulstart.de

Die Bewerbung für ein Medizinstudium erfolgt zentral über die Plattform hochschulstart.de. Dort kannst du dich für bis zu 12 verschiedene Studiengänge gleichzeitig bewerben – dazu zählen auch andere Fächer neben Medizin. Wichtig: Private Hochschulen wie Witten/Herdecke haben ein eigenes Bewerbungsverfahren.

Auswahlverfahren: So werden Studienplätze vergeben

Das Auswahlverfahren ist in drei Hauptquoten aufgeteilt:

  • 30 % Abiturbestenquote: Hier zählt ausschließlich die Abiturnote. Ein Schnitt von 1,0 oder 1,1 ist in der Regel erforderlich.
  • 60 % Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH): Hochschulen können selbst Kriterien festlegen. Neben der Abiturnote spielen hier Tests wie der TMS oder berufliche Vorerfahrungen eine Rolle.
  • 10 % Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ): Diese Quote ist unabhängig von Schulnoten. Punkte gibt es zum Beispiel für abgeschlossene Ausbildungen, Berufserfahrung oder Auswahlgespräche.

Studierfähigkeitstests: TMS, HAM-Nat und der neue TMSnat

Viele Hochschulen fordern zur Auswahl einen Studierfähigkeitstest. Der TMS (Test für medizinische Studiengänge) ist der gängigste und wird zweimal jährlich durchgeführt – im Frühjahr und im Herbst. Er prüft naturwissenschaftliches Verständnis, logisches Denken und Merkfähigkeit. Die Teilnahme kostet 100 Euro; wiederholen darfst du ihn genau einmal, und zwar innerhalb von zwölf Monaten nach deiner ersten Teilnahme.

Einige Unis nutzen auch den HAM-Nat, zum Beispiel in Hamburg oder Magdeburg. Auch dieser Test ist freiwillig, kann die Chancen aber deutlich verbessern.

Das ändert sich 2027: der TMSnat. Die Entwickler beider Verfahren führen sie zu einem Test zusammen. Der TMSnat übernimmt Aufgabengruppen aus TMS und HAM-Nat – du musst dann nur noch einen Test schreiben, der an allen staatlichen Medizin-Studienorten berücksichtigt werden kann. TMS und HAM-Nat sollen ab 2027 nicht mehr angeboten werden.

  • Letzter regulärer TMS: 7./8. November 2026 – die Anmeldung ist seit dem 19. August 2026 geschlossen
  • Erster TMSnat: voraussichtlich 8./9. Mai 2027, Anmeldung voraussichtlich ab Februar 2027
  • Zwei Durchgänge pro Jahr, Dauer rund fünf Stunden, Gebühr weiterhin 100 Euro
  • Beliebig oft wiederholbar – auch wenn du den TMS schon zweimal geschrieben hast

Zwei Dinge legt jede Hochschule selbst fest: in welcher Quote und mit welchem Gewicht der TMSnat zählt – und wie lange ein vorhandenes TMS-Ergebnis in der Übergangsphase noch anerkannt wird, etwa zum Wintersemester 2027/28. Frag deshalb gezielt bei deinen Wunschhochschulen nach. Eine Bewerbung bleibt übrigens auch ganz ohne Testergebnis möglich. Wie der Test aufgebaut ist und wie du dich vorbereitest, steht ausführlich in unserem Beitrag Wie meistert man den Medizinertest?.

Bonuspunkte für Berufsausbildung und Ehrenamt

Eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich (z. B. Krankenpflege) oder ehrenamtliches Engagement kann dir zusätzliche Punkte bringen. Die Uni Köln vergibt z. B. 10 Punkte im AdH für eine abgeschlossene Ausbildung. Auch Freiwilligendienste oder Preise bei naturwissenschaftlichen Wettbewerben zählen positiv.

Wie funktioniert die Auswahl im AdH genau?

Im Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) legen die Unis ein eigenes Punktesystem fest. Beispiel Charité Berlin: Dort gibt es bis zu 100 Punkte – 20 für die Abiturnote, 60 für den TMS und 20 für einen fachbezogenen Dienst. Jede Hochschule gewichtet anders. Daher lohnt es sich, die Kriterien der Wunschhochschulen frühzeitig zu checken.

Ist das Abitur überall gleich viel wert?

Ja. Damit Bewerberinnen aus verschiedenen Bundesländern fair behandelt werden, erfolgt eine Umrechnung in Landesquoten. Deine Abiturnote wird relativ zur Leistung aller anderen Bewerberinnen deines Bundeslands eingeordnet und dann bundesweit verglichen.

Landarztquote: Studium gegen Verpflichtung

In vielen Bundesländern gibt es eine Landarztquote. Hier verpflichten sich Bewerberinnen, nach dem Studium für eine gewisse Zeit in einer medizinisch unterversorgten Region als Hausärztin zu arbeiten. In NRW fließen Abiturnote, TMS-Ergebnisse und berufliche Erfahrungen ein. Zusätzlich gibt es ein Auswahlgespräch.

Keine Wartezeitquote mehr

Früher war die Anzahl der Wartesemester ein entscheidendes Kriterium. Seit der Reform des Auswahlverfahrens wird Wartezeit nicht mehr berücksichtigt. Eine Verbesserung der Chancen ist also nur noch über andere Kriterien möglich.

Studienmöglichkeiten ohne Abitur

Auch ohne Abitur kann man inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen Medizin studieren – etwa mit einer beruflichen Qualifikation und entsprechender Berufserfahrung. Details dazu gibt es beim CHE unter „Medizinstudium ohne Abitur“.

Fristen und Deadlines für deine Bewerbung

Die Bewerbungsfristen über hochschulstart.de sind seit Jahren stabil, gelten aber als Ausschlussfristen – prüfe sie vor jeder Bewerbung noch einmal direkt beim Portal:

  • Sommersemester: 15. Januar
  • Wintersemester, Alt-Abiturient*innen: 31. Mai
  • Wintersemester, Neu-Abiturient*innen: 15. Juli

Achte darauf, alle nötigen Unterlagen fristgerecht einzureichen. Und plane die Testvorbereitung rückwärts: Wer im Mai 2027 zum ersten TMSnat antreten will, meldet sich voraussichtlich schon im Februar 2027 an.

Medizin im Ausland studieren

Wer in Deutschland keinen Platz bekommt, kann ein Medizinstudium im Ausland in Betracht ziehen. Im „Check Medizinstudium in Europa“ vom CHE findest du Infos zu Studiengebühren, Unterrichtssprachen, Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen in anderen Ländern.

Tipps zur optimalen Bewerbung

  • Frühzeitig informieren: Welche Kriterien gelten an deinen Wunschhochschulen?
  • Tests planen: Vorbereitung auf TMS oder HAM-Nat rechtzeitig starten.
  • Realistische Chancen prüfen: Wie gut ist dein Abischnitt? Lohnt sich der TMS?
  • Alternativen einplanen: Freiwilligendienste, Ausbildung, Ausland.
  • Prioritäten setzen: Im Bewerbungsportal musst du deine Studienwünsche priorisieren. Diese Reihenfolge beeinflusst, welches Angebot du am Ende bekommst.

Fazit: Gut vorbereitet ins Medizinstudium

Wie das Studium dann konkret abläuft – Vorklinik, Klinik, Praktisches Jahr und die drei Staatsexamen – liest du in unserem Beitrag Wie läuft das Medizinstudium in Deutschland ab?. Der Weg ins Medizinstudium ist anspruchsvoll, aber mit der richtigen Vorbereitung deutlich planbarer als früher. Wer seine Bewerbungsstrategie auf Tests, persönliche Stärken und die individuellen Auswahlkriterien der Hochschulen abstimmt, hat auch mit weniger als 1,0 realistische Chancen. Nutze Tools wie hochschulstart.de, das CHE-Ranking und Informationsportale zu TMS & Co., um optimal gerüstet zu sein.

Quelle und Idee zusammengefasst mit ChatGPT: CHE Kompakt

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