Medizinstudium im Ausland, Medizinstudium im AuslandBildquelle: © NDABCREATIVITY für stock.adobe.com

Hausärzt*innenmangel und das Medizinstudium im Ausland

Eine Ausgabe des DUZ Spotlight – Gute Praxis international hat sich mit dem Hausärzt*innenmangel und dem Medizinstudium im Ausland beschäftigt. Die Ergebnisse stützen sich dabei auf Erkenntnisse des globalen Hochschulranking U-Multirank sowie auf durchgeführte Befragungen und einschlägige Studienergebnisse.

Das Problem des Hausärzt*innenmangel

Eine Studie der Robert Bosch Stiftung hat ergeben, dass bis zum Jahr 2035 rund 11.000 Hausärzt*innen fehlen werden. Dies liegt in erster Linie an der gegenwärtigen Demografie. Denn bis 2035 werden fast 30.000 der praktizierenden Ärzt*innen in Rente gehen. Verursacht wurde dies vor allem durch einen Stopp der Zulassungen für niedergelassene Ärzt*innen in den 1990er Jahren. Ein weiterer Grund für eine drohende Unterversorgung liegt allerdings an den fehlenden Nachrücker*innen. Eine ohnehin kostenintensive Niederlassung scheint aufgrund eines hohen Zeitaufwandes und bürokratischer Hürden, sowie weitreichender organisatorischer Aufgaben bei eher geringem Honorar wenig attraktiv für junge Mediziner*innen. Insbesondere im ländlichen Raum ergeben sich weitreichende Probleme aufgrund des Ärzt*innenmangels.

Aus diesem Grund ermöglicht der von der Politik beschlossene Masterplan Medizinstudium 2020 den Bundesländern die Etablierung einer Landarztquote. In deren Rahmen können bis zu zehn Prozent der der Studienplätze für Medizin an Studierende vergeben werden, die sich nach dem Abschluss zu einer bis zu zehnjährigen Niederlassung als Hausärzt*innen in ländlichen Regionen verpflichten.

Fehlende Studienplätze in Deutschland

Im Wintersemester 2021/2022 bewarben sich über 45.000 Personen auf die rund 10.000 verfügbaren Studienplätze der Humanmedizin. Bei gleichzeitigen drohenden Ärzt*innenmangel ergibt sich somit das paradoxe Bild eines Studienplatzmangels. Die Lösung des letzteren Problems finden mindestens 8.000 deutsche Studierende in einem Medizinstudium im Ausland. Denn wie die Datengrundlage zeigt, schließt jeder zehnte bis zwölfte Studierende das Medizinstudium im Ausland ab. Dies liegt wohl vor allem an den geringen Zulassungschancen in Deutschland.

Medizinstudium im Ausland

Medizinstudiengänge im deutschsprachigen Ausland sind schon länger beliebt. Zu nennen wären hier etwa Österreich, die Niederlande oder die Schweiz. Allerdings erfreuen sich neue Studienangebote in den südost- und osteuropäischen Ländern ebenfalls immer breiterer Beliebtheit. Dort werden spezielle Medizinstudiengänge für internationale Studierende auf Englisch angeboten oder aber auch Studienangebote, die sich explizit an deutsche Studierende richten und auf Deutsch abgehalten werden. Diese Studiengänge laufen dann parallel zu den regulären landessprachlichen Studiengängen der Medizin.

Zulassungskriterien und Kosten eines Medizinstudiums im Ausland

Anders als in Deutschland spielt die Abiturnote eine sehr viel geringere Rolle bei der Zulassung zu einem Medizinstudium im Ausland. Bezogen auf die Schulnoten spielen – wenn – auch eher die Noten in naturwissenschaftlichen Fächern eine höher gewichtete Rolle. Maßgeblich sind allerdings vor allem Motivationsschreiben, Auswahlgespräche und -tests sowie einschlägige Sprachkenntnisse. Außerdem ist ein Medizinstudium im Ausland in der Regel mit hohen Studienkosten verbunden. Nicht selten liegen diese bei über 10.000€ im Jahr oder in einigen Fällen sogar bei über 15.000€ jährlich. Allerdings gibt es Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und insbesondere Stipendien für besonders leistungsstarke Interessent*innen.

Wo kann ein Medizinstudium im Ausland absolviert werden?

Besonders im ost- und südosteuropäischen Raum gibt es eine hohe Dichte von Hochschulen, die medizinische Studiengänge für internationale Studierende anbieten. Diese finden sich insbesondere in folgenden Ländern:

  • Bosnien und Herzegowina
  • Bulgarien
  • Kroatien
  • Lettland
  • Litauen
  • Polen
  • Rumänien
  • Slowakei
  • Tschechien
  • Ungarn

Kooperationen mit deutschen Hochschulen und Kliniken

Einige Hochschulen der oben genannten Länder haben Kooperationsprogramme mit deutschen Einrichtungen ins Leben gerufen. Einige dieser Zusammenarbeiten werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Die Semmelweis Universität und der Asklepios Campus Hamburg

Der deutschsprachige Studiengang der Semmelweis Universität in Budapest hat einen eigenen Standort in Hamburg eröffnet. Nach Absolvierung des vorklinischen Teils (erstes bis drittes Studienjahr) können Studierende dann in Deutschland weiterstudieren. Etwa 20% arbeiten nach Absolvierung ihres Studiums bei der Asklepios. Da der restliche Anteil der dort ausgebildeten Ärzt*innen in den allgemeinen Arbeitsmarkt geht, ist der Asklepios Campus Hamburg als gemeinnützig anerkannt.

Die Universität Split und die Medical School REGIOMED

Ebenfalls in der kroatischen Hochschule in Split müssen Studierende lediglich die Vorklinik absolvieren und können den klinischen Teil (viertes bis sechstes Studienjahr) in Deutschland, genauer in Oberfranken und Südthüringen, den Standorten der REGIOMED-Kliniken, absolvieren. Das Studium findet allerdings in englischer Sprache statt. Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels bietet Bildungskredite an, die bei längerfristiger Bindung an die REGIOMED-Kliniken von eben diesen übernommen werden. Die Studiengebühren belaufen sich dabei auf 12.000€ jährlich.

Die Universität Pécs und das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ der kassenärztlichen Vereinigung Sachsen

Die KV Sachsen zahlt im Rahmen dieses Modellprojekts über einen Zeitraum von sechs Jahren die Studiengebühren von ca. 15.000€ pro Jahr des deutschsprachigen Medizinstudiengangs in Ungarn, bei Verpflichtung der Studierenden ihre fünfjährige Fachärzt*innenausbildung in Sachsen zu absolvieren und danach nochmals fünf weitere Jahre als Hausärzt*innen dort tätig zu sein. Auf die 40 angebotenen Studienplätze bewerben sich pro Jahr etwa 120 bis 130 Personen.

Die medizinische Universität Varna und das Stipendienprogramm der Bezirkskliniken Mittelfranken

Eine Ähnliche Möglichkeit wie in Sachsen bietet die Kooperation der bulgarischen Universität Varna mit den Bezirkskliniken Mittelfranken. Im Gegenzug der Übernahme der Studiengebühren von 8.000€ jährlich des englischsprachigen Studiums durch die Bezirkskliniken Mittelfranken, verpflichten sich Studierende fünf Jahre in deren Kliniken zu arbeiten.

Vorteile und Nachteile eines Medizinstudiums im Ausland

Der grundlegende Vorteil eines Medizinstudiums im Ausland liegt in dem schlichten Umstand verfügbarer Studienplätze. Während es an Studienplätzen in Deutschland fehlt und die Zulassung mit einem sehr hohen NC verbunden ist, bietet ein Medizinstudium im Ausland die Möglichkeit auch mit einer schwächeren Abiturdurchschnittsnote ein Medizinstudium absolvieren zu können. Außerdem ermöglicht ein Studium im Ausland auch immer persönliches Wachstum durch die Bewältigung von Herausforderungen und das Kennenlernen einer fremden Kultur. Weiterhin zeigen erste Untersuchungen, dass die Qualität der internationalen Studiengänge hoch ist. Es herrschen gute Betreuungsrelationen, die Gruppengrößen sind klein und es wird Wert auf einen hohen Anteil von Praxiserfahrungen gelegt.

Eine Schwierigkeit besteht allerdings in den sprachlichen Barrieren eines Medizinstudiums im Ausland. Viele Studiengänge werden komplett in englischer Sprache abgehalten und der klinische Teil muss in der Regel auf der jeweiligen Landessprache absolviert werden. Das birgt besondere Herausforderungen für Studierende. Außerdem stellen die hohen Studiengebühren für einige Studien*interessierte ein Problem dar. Wer diese nicht aufbringen kann, muss sich auf Stipendien und Förderprogramme bewerben, die ebenfalls hoch nachgefragt sind und gleichzeitig oftmals eine zeitlich nicht unerhebliche Bindung nach Abschluss des Studiums verlangen.

Kann durch Studienangebote im Ausland das Problem des Ärzt*innenmangels in Deutschland gelöst werden?

Abgesehen von einzelnen Problematiken der Anerkennung der Studienabschlüsse, wie sie beispielsweise im Rahmen polnischer Studiengänge vorkommt, sind die Daten hinsichtlich der Absolvent*innen, die nach Deutschland zurückkehren nicht hinreichend erhoben. Es herrscht schlichtes Nichtwissen über die Zahl der Anerkennungen von medizinischen Studienabschlüssen aus dem Ausland. Demnach kann keine klare Antwort auf die Frage des Lösungspotentials der im Ausland ausgebildeten Ärzt*innen in Bezug auf den Hausärzt*innenmangel gegeben werden.

Weiterhin werden Forderungen nach einer Reform des Medizinstudiums in Deutschland laut. Es braucht grundlegende Lösungsansätze, die fernab einer Landarztquote die Niederlassung für junge Mediziner*innen attraktiver machen. Dazu braucht es vor allem eine Anpassung der Arbeits- und Rahmenbedingungen. Noch grundlegender allerdings müssen in Deutschland mehr Studienplätze geschaffen werden, um Studierende vor Ort und ohne die Gefahren einer sozialen Selektion durch Studiengebühren zu Ärzt*innen auszubilden.

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Über den Autor Lisa Schraets

Social Media Manager Profiling Institut