Lesen und schreiben gehört in unserer Gesellschaft viel zum Alltag dazu. Dennoch gibt es auch in Deutschland viele Erwachsene, die diese beiden Kompetenzen nicht beherrschen. Wie viele Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben?

Aktuelle Zahlen

In der Studie „LEO 2018 – Leben mit geringer Literarität“ der Universität Hamburg, die unter anderem vom Bundesbildungsministerium gefördert wird, wird sich unter anderem mit der Frage „ Wie viele Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben? “ beschäftigt. Befragt wurden im Rahmen der Studie insgesamt 6681 in Deutschland lebende Personen, die zwischen 18 und 64 Jahren alt sind. Außerdem wurden zusätzlich 511 Personen aus dem unteren Bildungsbereich befragt. Um an der einstündigen Befragung teilnehmen zu können, mussten die Personen ausreichend gut Deutsch sprechen. Außerdem wurde ein Kompetenztest mit Lese- und Schreibaufgaben angewandt.

Nun aber zur Beantwortung der Frage „ Wie viele Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben? “. Ein Ergebnis der Studie ist es, dass in Deutschland 6,2 Millionen Menschen nicht richtig lesen oder schreiben können. Das entspricht einem Anteil von 12,1 Prozent. Dieser Wert setzt sich aus Werten aus drei verschiedenen Leveln, den Alpha-Leveln, zusammen. Insgesamt 0,3 Millionen, also 0,6 Prozent der Deutschen befinden sich auf dem Alpha-Level 1. Das bedeutet, dass nur die Buchstabenebene erfasst und verstanden wird. Auf Alpha-Level 2 befinden sich in Deutschland laut Studie 1,7 Millionen Menschen, was 3,4 Prozent entspricht. Diese Personen können einzelne Wörter lesen oder scheiben, jedoch keine Sätze. Weitere 4,2 Millionen Menschen in Deutschland, also 8,1 Prozent, befinden sich auf dem Niveau Alpha-Level 3. Hier können Betroffene zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, jedoch keine zusammenhängenden Texte, auch wenn diese kurz sind. Die Summe dieser Personen ergibt dann die eingangs vorgestellte Zahl von 6,2 Millionen Menschen in Deutschland bzw. 12,1 Prozent, die nicht richtig Deutsch lesen oder schreiben können.

Im Gegensatz zur vorangegangenen LEO-Studie im Jahr 2010, ist diese Zahl allerdings ein Fortschritt. Dort waren es noch 14,5 Prozent Betroffene.

Welche Menschen sind betroffen?

Neben der Frage Frage „ Wie viele Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben? “ ging es in der LEO-Studie 2018 auch darum herauszufinden, wie sich die Gruppe der Menschen mit geringen Kompetenzen im lesen oder schreiben zusammensetzt. Bezogen auf das Geschlecht seien mehr Männer, als Frauen vertreten (58,4 Prozent zu 41,7 Prozent).

Bezogen auf das Alter sei es so, dass Personen über 45 Jahren den größeren Anteil ausmachen würden. Die Altersgruppen 46-55 und 56-65 Jahre würden zusammen auf einen anteiligen Wert von 46,9 Prozent kommen. Weitere 22,9 Prozent entfallen auf die Altersgruppe 36-45 Jahre. Die übrigen 30,2 Prozent entfielen auf die Gruppen der 18-25 und 26-35 Jährigen.

Auf die Herkunftssprache bezogen sieht es so aus, dass 52,6 Prozent Deutsch als Herkunftssprache haben. Die übrigen 47,4 Prozent haben eine andere Herkunftssprache als Deutsch. Sie sind also mit einer anderen Sprache aufgewachsen und haben diese als erste Sprache erworben. Von diesen Menschen mit einer anderen Herkunftssprache als Deutsch geben 77,4 Prozent an, in dieser Herkunftssprache auch anspruchsvolle Texte zu schreiben und lesen. Anteilig gesehen ist es allerdings so, dass der Anteil der betroffenen Personen unter den Menschen mit einer anderen Herkunftssprache als Deutsch weit höher liegt, als bei denen mit deutscher Herkunftssprache. Unter den Menschen mit einer anderen Herkunftssprache können demnach 42,6 Prozent nicht richtig Deutsch lesen oder schreiben. Unter den Menschen mit Deutsch als Herkunftssprache sind es nur 7,3 Prozent.

Insgesamt haben 76 Prozent der Betroffenen einen Schulabschluss erworben. 2010 lag der Wert noch bei 80,1 Prozent. Der Großteil der Personen hat dabei einen geringen Schulabschluss erreicht, also einen Haupt- oder Volksschulabschluss. Der Anteil beträgt 40,6 Prozent. Im Gegensatz zu 2010 bedeutet auch dies einen Rückgang, denn hier lag der Anteil noch bei 47,7 Prozent. Das bedeutet, dass 22,3 Prozent der Betroffenen keinen Schulabschluss haben. 2010 lag der Wert bei 19,3 Prozent. Bezogen auf die gesamte Gruppe der Menschen ohne Schulabschluss ist es allerdings so, dass dort 54,5 Prozent der Personen nicht richtig Deutsch lesen oder schreiben können. Der Anteil der Betroffenen ist hier also besonders hoch. Dies gilt auch allgemein für die Höhe des Schulabschlusses. Bei den niedrigen Schulabschlüssen sind anteilig mehr Personen betroffen, als bei den hohen Schulabschlüssen.

62,3 Prozent der betroffenen Menschen sind dabei erwerbstätig. 12,9 Prozent sind arbeitslos, weitere 8,1 Prozent bezeichnen sich als Hausfrau/-mann und 5,6 Prozent sind Rentner/in.

In Bezug auf den Familienstand ist es laut Studie so, dass mit 54,2 Prozent der Großteil verheiratet ist. 30,7 Prozent sind ledig, 12,2 Prozent geschieden und 2,4 Prozent verwitwet.

Fazit

Laut Ergebnissen der LEO-Studie 2018 lässt sich die Frage „ Wie viele Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben? “ demnach so beantworten, dass 2018 6,2 Millionen Menschen in Deutschland, also 12,1 Prozent betroffen waren. Im Vergleich zu 2010 ist dieser Wert zurück gegangen, denn dort waren noch 14,5 Prozent betroffen. Prozentual sind mehr Männer als Frauen betroffen. Außerdem seien die meisten über 45 Jahre alt. Etwas über die Hälfte der Betroffenen hat Deutsch als Herkunftssprache. Anteilig auf die jeweiligen Gruppen gesehen ist es allerdings so, dass der Anteil der Betroffenen in der Gruppe der Menschen mit einer anderen Herkunftssprache mit 42,6 Prozent weit höher liegt, als bei den Personen mit Deutsch als Herkunftssprache (7,3 Prozent). 76 Prozent der Betroffenen haben einen Schulabschluss beworben. Die Höhe des Schulabschlusses scheint dabei mit dem Anteil der Betroffenen zusammenzuhängen. So ist der Anteil der betroffenen Personen unter den Menschen mit keinem oder einem geringen Schulabschluss höher, als bei denen mit einem höheren Abschluss. Außerdem ist über die Hälfte der Personen erwerbstätig und verheiratet.

Hier finden sie die LEO-Studie 2018:

LEO 2018 – Leben mit geringer Literarität

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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