Die Bologna Reform wird 20 Jahre alt. Seit ihrer Einführung ist sie in Deutschland stark umstritten, Gegner und Befürworter diskutieren leidenschaftlich. Was hat sich in den Jahren getan? 20 Jahre Bologna Reform – welche Fortschritte gibt es? Wo gibt es noch Probleme?

Ziele

Wenn es darum geht, 20 Jahre Bologna Reform zu betrachten, ist es zunächst wichtig, sich die Ziele der Reform anzusehen. Die Reform wurde im Juni 1999 beschlossen und von 30 Ländern verabschiedet.

Vor der Reform war die Hochschullandschaft in Deutschland verschachtelt und uneinheitlich. Es gab Diplom- und Magisterabschlüsse, die nur schwer vergleichbar waren untereinander und vor allem international. Durch die Bologna Reform und die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und -abschlüsse sollte sich dies ändern.

Eins der Ziele war es, die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen international bzw. europaweit zu verbessern und die Abschlüsse leichter verständlich zu machen. Unter anderem damit sollten die beiden Hauptziele von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Mobilität von Studierenden und Lehrenden erreicht werden. Zur Förderung der Mobilität sollten auch mehr interkulturelle Kompetenzen während des Studiums vermittelt werden. Außerdem war es ein Ziel, die Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen und den Arbeitsmarktbezug in den Blick zu nehmen. Es sollten mehr junge Menschen früher in den Arbeitsmarkt einsteigen und es sollte das lebenslange Lernen gefördert werden.

Mobilität

Die 20 Jahre Bologna Reform hätten positive Konsequenzen nach sich gezogen, aber es seien noch nicht alle Ziele erreicht worden. So sei es nach wie vor oftmals schwierig, entweder während des Bachelors ein oder mehrere Semester ins Ausland zu gehen oder aber mit dem Bachelorabschluss einen Masterstudiengang an einer anderen Hochschule zu machen.

Wer während des Bachelors ins Ausland möchte, stellt meist fest, dass es kompliziert ist, sich die dort belegten Kurse auch wirklich als Credit Points in Deutschland anrechnen zu lassen. Welche Kurse angerechnet werden können und welche nicht, ist meist zunächst kompliziert, was es nötig macht, sich im Vorfeld intensiv damit auseinanderzusetzen, was viele abschrecke. Dennoch sei die Auslandsmobilität deutscher Studierenden deutlich höher, als vor der Bologna Reform. Die meisten auslandsmobilen Studierenden würden dabei mit Unterstützung der Erasmus-Programms ins Ausland gehen.

Innerhalb von Deutschland gebe es zum Teil Probleme beim anrechnen lassen von erbrachten Studienleistungen aus dem Bachelorabschluss. Wer den Master an einer anderen Hochschule absolvieren wollen würde, als der einigen, sei häufig mit dem Problem konfrontiert, dass der Bachelorabschluss nicht oder nur teilweise anerkannt werde. Dies gelte für Studierende, die ihren Bachelor in einem anderen Land erworben hätten ebenso wie für deutsche Studierende, die diesen an einer anderen Hochschule erworben hätten, als an der deutschen Hochschule, an der sie den Master machen wollen würden. Dies hänge mit der zum Teil hohen Spezialisierung der Studiengänge zusammen. Zum Teil müssten Masterstudierende deshalb Kurse aus dem Bachelorstudiengang nachholen.

Was Deutschland als Zielland internationaler Studierender angeht, sehe es wiederrum gut aus. 2017 war Deutschland das beliebteste nicht englischsprachige Zielland ausländischer Studierender und lag damit auf Platz 4 der Zielländer.

Prüfungsstress

Ein weiterer Punkt, der bei dem Thema 20 Jahre Bologna Reform häufig genannt wird, ist der große Prüfungsstress, dem die Studierenden ausgesetzt seien. Dies liege daran, dass es in den Bachelorstudiengängen nach jedem der vielen Modul eine Prüfung gebe, um die erforderlichen Credit-Points zu erreichen. Dadurch sei auch der Prüfungsstress für Studierende gestiegen, ebenso wie der Druck. Dadurch werde die Regelstudienzeit oft nicht eingehalten, denn die vorgesehenen Prüfungen könnten in der kurzen Zeit von vielen Studierenden nicht erbracht werden, weshalb diese mehr Semester machen müssten. Außerdem würde auch fast jeder 3. Studierende den Bachelorstudiengang abbrechen.

Außerdem wird oft das sogenannte „Bulimie-Lernen“ kritisiert, zu welchem das System führe. Dadurch, dass es mehr Prüfungen in kürzerer Zeit gebe, müssten die Studierenden den Stoff so schnell wie möglich in ihr Gedächtnis bekommen und würden diesen dadurch nicht langfristig dort behalten, sondern ihn kurz nach der Prüfung wieder größtenteils vergessen.

Rahmenbedingungen

Ebenfalls oft in die Diskussion zum Thema 20 Jahre Bologna Reform eingebracht wird, dass die Rahmenbedingungen in den Ländern zum Teil nicht einheitlich seien. So sei es zwar einheitlich geregelt, dass Studierende 180 Credit Points erreichen müssten, um den Bachelorabschluss zu erreichen. Es sei international aber nicht einheitlich, wie viele Kurse belegt werden müssten, um auf diese Credit Points Anzahl zu kommen. Ebenso sei es nicht einheitlich geregelt, wie lang die Regelstudienzeit für einen Bachelor- oder Masterstudiengang zu sein habe.

Fazit

Zum Thema 20 Jahre Bologna Reform wird von vielen Dingen gesprochen, die noch nicht erreicht worden seien und in denen noch Handlungsbedarf bestehe. Die Reform sei allerdings nach wie vor ein Prozess und noch nicht abgeschlossen. Bisher habe die Reform viel gutes gebracht, vor allem mit Blick auf die Studierenden, die heute stärker im Fokus seien. Durch die Umstellung sei der Studiumseinstieg erleichtert, das Studium kürzer, sie könnten früher ins Arbeitsleben einsteigen und die internationale Mobilität sei einfacher und attraktiver als zuvor. Die noch nicht erreichten Ziele und Schwierigkeiten würden im Prozess weiter angegangen werden, um die positiven Auswirkungen noch weiter auszubauen und zu vervielfachen.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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