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Digitale Medien sind heutzutage oft in den Alltag integriert. Soziale Medien, Spiele und mehr sind nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene interessant und fesselnd. Wie sieht die Nutzung digitaler Medien in Corona-Zeiten aus? Wie hat sie sich verändert?

Aktuelle Studie

Die DAK-Gesundheit untersucht gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE Hamburg in einer Längsschnittstudie, wie häufig Kinder und Jugendliche riskante oder sogar schon krankhafte Internetnutzung in Bezug auf soziale Medien und Spiele zeigen, bezogen auf die neu aufgestellten Kriterien zur Computerspielstörung, welche im ICD-11 der WHO erscheinen werden. In dem ersten Zwischenbericht „Gaming und Social-Media – Das Nutzungsverhalten 10- bis 17-Jähriger und ihrer Eltern vor und unter dem Corona-Lockdown“ geht es vor allem um die Nutzung digitaler Medien in Corona-Zeiten. Hierbei geht es vor allem um die anfängliche Corona-Zeit in der das öffentliche Leben massiv heruntergefahren war, bspw. dadurch, dass Schulen und Spielplätze geschlossen waren.

Krankhaftes Computerspielverhalten wird dabei durch einen Kontrollverlust, eine Weiterverführung des Verhaltens trotz negativer Konsequenzen und eine Priorisierung gegenüber anderen möglichen Aktivitäten definiert. Diese Dinge müssen mindestens 12 Monate auftreten. Beim riskanten Verhalten würden negative Konsequenzen zwar auch in Kauf genommen, diese müssten aber noch nicht eingetreten sein.

In der online durchgeführten forsa-Befragung, wurden rund 1200 Familien aus Deutschland befragt, bzw. deren 10- bis 17-jährige Kinder und ein Elternteil. In dem Zwischenbericht werden die Ergebnisse aus dem September 2019 und die vom April 2020 in den Blick genommen und verglichen. Betrachtet werden dabei neben der Häufigkeit von riskantem und pathologischem Nutzungsverhalten auch die Zeiten sowie die Motivation der Nutzung und die in den Familien aufgestellten Regeln zur Mediennutzung.

Allgemeine Ergebnisse

Bevor es konkret um die Nutzung sozialer Medien in Corona-Zeiten geht, wurde zunächst die Häufigkeit von riskantem und pathologischem Nutzungsverhalten in den Blick genommen. Demnach würden insgesamt 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein riskantes Spielverhalten zeigen. Jungen seien deutlich häufiger betroffen (14,3 Prozent) als Mädchen (5,1 Prozent). Ein pathologisches Spielverhalten hätten 2,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen gezeigt. Auch hier seien die Jungen (3,7 Prozent) wieder deutlich häufiger betroffen gewesen als die Mädchen (1,6 Prozent).

Bezogen auf die Nutzung sozialer Medien hätten 8,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein riskantes Verhalten gezeigt (Jungen 9,9 Prozent, Mädchen 6,3 Prozent). Ein pathologisches Nutzungsverhalten sozialer Medien hätten 3,2 Prozent gezeigt (Jungen 4 Prozent, Mädchen 2,2 Prozent).

Veränderte Nutzungszeiten

Nun wird in der DAK-Studie auf die Nutzung digitaler Medien in Corona-Zeiten und die Veränderungen zu vorher eingegangen. Zunächst werden dazu die Nutzungszeiten in den Blick genommen. Die Nutzungsdauer der Kinder und Jugendlichen selber habe dabei den größten Einfluss darauf, ob das Nutzungsverhalten dieser problematisch sei oder werden könne.

Im September 2019 hätten 84 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen mindestens einmal die Woche digitale Spiele genutzt, 40 Prozent täglich. An nicht freien Tagen lag die Nutzungsdauer bei durchschnittlich 79 Minuten, an freien Tagen bei 149 Minuten.

Im April 2020 waren es hingegen 97 Prozent, die mindestens einmal die Woche digitale Spiele genutzt hätten und 54 Prozent täglich. Die Nutzungsdauer kletterte auf 138 Minuten an nicht freien Tagen und 193 Minuten an freien Tagen. Damit habe sich die Nutzungsdauer digitaler Spiele bei Kindern und Jugendlichen an nicht freien Tagen um 75 Prozent gesteigert und an freien Tagen um rund 30 Prozent.

Soziale Medien hätten 2019 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mindestens einmal in der Woche genutzt, 66 Prozent täglich. An nicht freien Tagen betrug die Nutzungsdauer durchschnittlich 116 Minuten, an freien Tagen 192 Minuten.

Im April 2020 haben nicht deutlich mehr Kinder und Jugendliche soziale Medien mindestens einmal die Woche genutzt (93 Prozent). Täglich nutzten es 75 Prozent. Die Nutzungsdauer der sozialen Medien an nicht freien Tagen betrug 192 Minuten, an freien Tagen 241 Minuten. An nicht freien Tagen stieg die Nutzungsdauer der sozialen Medien somit um 66 Prozent, an freien Tagen um 30 Prozent.

Auch bei den Eltern gab es eine Steigerung der Nutzungszeiten. In Bezug auf digitale Spiele gaben 2019 55 Prozent an, diese mind. einmal die Woche zu nutzen, 24 Prozent täglich. An nicht freien Tagen lag die Nutzungsdauer bei durchschnittlich 59 Minuten, an freien Tagen bei 101 Minuten.

Im April 2020 hätten 66 Prozent der Eltern mind. einmal in der Woche digitale Spiele gespielt und 33 Prozent täglich. Die Nutzungsdauer an nicht freien Tagen steigerte sich auf 88 Minuten und somit um rund 50 Prozent, an freien Tagen auf 131 Minuten und somit um rund 30 Prozent.

Die sozialen Medien nutzten 2019 91 Prozent der Eltern mind. einmal in der Woche und 66 Prozent täglich. Die durchschnittliche Nutzungsdauer an nicht freien Tagen lag bei 80 Minuten, an freien Tagen bei 100 Minuten.

Im April 2020 nutzten nicht deutlich mehr Eltern die sozialen Medien mind. einmal pro Woche (93 Prozent). Die täglichen Nutzer/innen nahmen aber auf 72 Prozent zu. Die Nutzungsdauer an nicht freien Tagen stieg auf 126 Minuten und somit um 57 Prozent, die an freien Tagen auf 141 Minuten und somit um rund 40 Prozent.

Nutzungsmotive und Regeln der Mediennutzung

In der DAK-Studie zur Nutzung digitaler Medien in Corona-Zeiten wurden dabei auch die Motivation der Nutzung dieser abgefragt. Bezogen auf die digitalen Spiele und die sozialen Medien gaben viele Kinder und Jugendliche an, diese gegen Langeweile (Spiele 89 Prozent, soz. Medien 86 Prozent) und zur Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte zu nutzen (Spiele 55 Prozent, soz. Spiele 89 Prozent). Ebenfalls einige Kinder würden die digitalen Medien nutzen, um aus der Realität zu fliehen, Stress abbauen zu können und ihre Sorgen zu vergessen.

Ähnlich sah es bei den Eltern aus. Auch diese nutzten digitale Medien, um Langeweile abzubauen (Spiele 75 Prozent, soz. Spiele 58 Prozent) und Kontakte aufrecht zu erhalten (Spiele 27 Prozent, soz. Medien 89 Prozent). Auch die Realitätsflucht, der Stressabbau und das Vergessen von Sorgen wurden von den Eltern angegeben, vermehrt bei den digitalen Spielen.

Darüber hinaus wurden auch die Regeln zur Mediennutzung in den Blick genommen. Diese hätten sich weder aus kindlicher noch elterlicher Sicht von September 2019 bis April 2020 wesentlich verändert. Besonders auffällig war, dass nur ca. 50 Prozent der Eltern angaben, Regeln zur zeitlichen Nutzung aufgestellt zu haben. Die Kinder und Jugendliche gaben häufiger an, dass es Regeln bzgl. der Nutzung gebe. Auch bezogen auf die Medieninhalte gebe es nur in 67 bzw. 64 Prozent der Familien klare Regeln.

Fazit

Die Nutzung digitaler Medien in Corona-Zeiten hat sich somit laut den Ergebnissen der DAK-Studie sowohl bei den Kindern und Jugendlichen als auch den Eltern gesteigert. Besonders deutlich werde dabei, dass Eltern die Nutzungsdauer und die Nutzungsart der Medien durch ihre Kinder oftmals nicht bzw. nicht ausreichend durch Regeln kontrollieren würden. Vor allem die Nutzungsdauer der Medien könne entscheidend darüber sein, ob das Nutzungsverhalten problematisch sei oder werde. Deshalb müsse es klare Regeln zur Mediennutzung innerhalb der Familien geben. Außerdem müsse es Frühwarnsysteme zum Thema Computerspielstörung geben, da der Anteil der Kinder mit riskantem Nutzungsverhalten hoch sei.

Hier finden Sie Informationen zur DAK-Studie:

Gaming, Social-Media & Corona: DAK-Gesundheit startet Präventionsoffensive „Mediensucht 2020“

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.