Der Fachkräftemangel betrifft noch immer weite Teile der deutschen Wirtschaft. Heute sind vor allem solche Berufe Mangelberufe, die mit einer Berufsausbildung einhergehen. Das betrifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die auch selber ausbilden. Hier war auch ein Ansatzpunkt für Veränderungen seitens der Betriebe. Wie sieht die Veränderung der Ausbildungssituation in Mangelberufen aus? Wie verhält sich die Nachfrage?

Aktuelle Erkenntnisse

Das Institut für deutsche Wirtschaft (IW) hat sich in in seinem IW-Kurzbericht 62/2019 „Unternehmen schaffen mehr Ausbildungsplätze in Mangelberufen mit der Veränderung der Ausbildungssituation in Mangelberufen auseinander gesetzt.

Zuerst wurden die Berufe in 3 Kategorien eingeteilt. Die erste Kategorie bilden die Mangelberufe. In diese Kategorie fallen Berufe, in denen seit 2011 ein Engpass herrscht. Das heißt, dass seit 2011 mehr offene Stellen vorhanden waren, als es qualifizierte Fachkräfte für diese gab. Viele der Mangelberufe seien dabei im Handwerk und der Elektro- und Metallindustrie zu finden. Die nächste Kategorie sind die Engpassberufe. Dies seien Berufe, in denen in 2011 kein Fachkräftemangel geherrscht hätte, es aber mittlerweile Engpässe an Fachkräften gebe. Die letzte Kategorie sind die Nicht-Engpassberufe, in denen kein Mangel bestehe.

Ausbildungsstellenangebot

Bei der Frage nach der Veränderung der Ausbildungssituation in Mangelberufen ging es in dem Bericht zunächst um die Frage, wie sich das Angebot der Ausbildungsplätze zwischen 2011 und 2018 verändert hat. Demnach habe es in den Mangelberufen den größten Zuwachs an gemeldeten Ausbildungsstellen gegeben. Dieser habe 33 Prozent betragen. Am zweitstärksten, aber weit hinter dieser Zahl, liege der Zuwachs an Ausbildungsstellen in Engpassberufen mit 7,1 Prozent. In Nicht-Engpassberufen sei die Anzahl an Ausbildungsstellen nicht gestiegen, sondern sogar zurück gegangen und zwar um 4,2 Prozent.

Nachfrage an Ausbildungsstellen

Um die Veränderung der Ausbildungssituation in Mangelberufen beurteilen zu können, wurde auch die Entwicklung der Nachfrage an Ausbildungsstellen im Zeitraum zwischen 2011 und 2018 im IW-Kurzbericht betrachtet. Demnach sei neben der Zahl der Ausbildungsstellen, auch die Zahl der Bewerber/innen für diese in den Mangelberufen angestiegen. Der Anstieg habe allerdings nur 25,6 Prozent betragen, womit die Zahl der Bewerber/innen deutlich hinter der der Ausbildungsstellen liege. Hierdurch gebe es im Jahr 2018 auch deutlich mehr unbesetzte Ausbildungsstellen, als noch 2011. Betrug die Zahl 2011 noch 1570 unbesetzte Ausbildungsstellen, betrug sie 2018 schon 5019, was einen Anstieg um 220 Prozent bedeute. Die Unternehmen hätten darüber hinaus mit deutlich mehr neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gerechnet. Das Plus an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen habe allerdings nur 18 Prozent gegenüber 2011 betragen. Insgesamt habe es im Jahr 2018 16592 mehr Ausbildungsstellen gegeben, als Bewerber/innen.

Auch in den Engpassberufen sehe es nicht viel besser aus, denn hier habe es 2018 27374 mehr Ausbildungsstellen, als Bewerber/innen für diese gegeben. Bleibe diese große Lücke bestehen, bestehe die Gefahr, dass auch die Engpassberufe zu Mangelberufen würden.

In den Nicht-Engpassberufen sehe die Lage hingegen anders aus. Hier habe die Zahl der Bewerber/innen für eine Ausbildung sogar mit 23798 Bewerber/innen deutlich über dem Angebot an Ausbildungsstellen gelegen.

Gründe und was hilfreich sein könnte

In dem IW-Kurzbericht wird als Grund für diese Veränderung der Ausbildungssituation in Mangelberufen und auch Engpassberufen ein Problem der Passung angeführt. Die Berufswünsche der Bewerber/innen passen also nicht mit dem aktuellen Bedarf und Angebot der Wirtschaft zusammen.

Um das Problem zu beheben und zu verhindern, dass heutige Engpassberufe zu zukünftigen Mangelberufen würden, müssten die Ausbildungsbewerber/innen ihre Wünsche bzgl. des Berufs daran anpassen, wie sich der Bedarf der Wirtschaft verändere. Dies könne durch eine verstärke bedarfsorientierte Berufsorientierung erreicht werden, so das IW. Wichtig sei dabei, nicht nur auf den Wunschberuf einzugehen, sondern auch darüber aufzuklären, welche verwandten Berufe es gibt. In diesen verwandten Berufen seien die beruflichen Perspektiven meist sogar deutlich besser. Dies könne sich zum einen im Gehalt widerspiegeln, zum anderen aber auch in den Beschäftigungschancen, da mehr freie Stellen zur Verfügung stehen würden und somit die Chance auf eine gute Anstellung steige.

Deshalb sei es wichtig, vertieft auf die Berufswahlmöglichkeiten von jungen Menschen in der Beratung einzugehen und diese über sie aufzuklären, auch auf den konkreten Beruf bezogen. Würde die Wahl des Berufs klug getroffen werden, so sei ein sicherer Job und ein gutes Einkommen deutlich wahrscheinlicher. Bei berücksichtigten Fähigkeiten und Interessen würde so auch die Zufriedenheit mit der Arbeit steigen.

Hier finden Sie den IW-Kurzbericht 62/2019:

Unternehmen schaffen mehr Ausbildungsplätze in Mangelberufen

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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