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Deutschland ist von einem akuten Fachkräftemangel betroffen, der sich in naher Zukunft demografiebedingt wohl noch verstärken wird, wenn man die Zuwanderung in Deutschland nicht in die Lösung dieses Problems mit einbezieht. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich vor diesem Hintergrund mit der Frage beschäftigt welchen Beitrag zugewanderte Personen zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands geleistet haben, derzeit leisten und in Zukunft leisten können.

Zuwanderung in Deutschland – ein Einwanderungsland?

Auch wenn sich Deutschland lange gegen diese Erkenntnis gewehrt hat, muss letztlich anerkannt werden, dass es sich heute um ein Einwanderungsland handelt. Wenn der damalige Innenminister Kanther (CDU) 1998 noch verneinte, dass es sich bei Deutschland um ein Einwanderungsland handle und erklärte, dass sich dies auch nicht ändern solle, so bedingte die damalige Süßmuth-Kommission (2000) den ersten Schritt hin zu einem Bewusstseinswandel. Die amtierende Bundesregierung hielt 2021 sogar im Koalitionsvertrag fest, dass es sich bei Deutschland um eine vielfältige Einwanderungsgesellschaft handeln würde. Dafür sprechen auch aktuelle Zahlen. Denn 19,2% und damit ein Fünftel der deutschen Bevölkerung ist nicht in Deutschland geboren (Stand 2019).

Arbeitsangebot durch Zuwanderung in Deutschland

Das große Problem Deutschlands liegt im demografischen Wandel. Eine überalterte Gesellschaft sorgt für eine Destabilisierung auf dem Arbeitsmarkt. Dem Renteneintritt der sogenannten Babyboomer Generation stehen zahlenmäßig weitaus schwächere Geburtskohorten gegenüber, die ins Berufsleben starten. Hier kann Zuwanderung Abhilfe schaffen. Denn anhand des typischen Wanderungsmuster im Lebenslauf ist davon auszugehen, dass in der Regel jüngere Menschen zuwandern. Zudem ist die Geburtenzahl ausländischer Mütter mit 2,0 Kindern pro Frau höher als bei Inländerinnen, die durchschnittlich nur 1,4 Kinder zur Welt bringen. Demnach könnte die Zuwanderung in Deutschland zur Stabilisierung der demografischen Lage einen entscheidenden Beitrag leisten.

Allerdings stehen nicht alle Personen im erwerbsfähigen Alter auch für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Gründe hierfür könnten etwa eine Elternschaft oder eine noch nicht abgeschlossene Erstausbildung sein. Dennoch kann festgehalten werden, dass 19% im Jahr 2019 und damit rund ein Fünftel der Erwerbspersonen in Deutschland im Ausland geboren worden sind. Dabei hat die Zuwanderung in Deutschland insbesondere zur Stärkung der hochqualifizierten Fachkräftebasis beigetragen.

Dahingehend spielen Berufe aus dem MINT-Bereich eine wichtige Rolle. Denn gerade im MINT-Segment ist der Fachkräftemangel in Deutschland hoch ausgeprägt. Die Zuwanderung wirkt dieser Entwicklung entgegen. Das zeigen aktuelle Zahlen der Studie. So ist die Zahl der Ausländer*innen in qualifizierten MINT-Berufen vom ersten Quartal 2012 bis hin zum dritten Quartal 2021 um knapp 80% gestiegen. Der Anstieg belief sich bei den Inländer*innen lediglich auf etwa 7%.

Die Zuwanderungsanteile sind zudem in den Branchen des Gastgewerbes, der Arbeitnehmerüberlassung, der Wachdienste, dem Reinigungsgewerbe, dem Bereich Verkehr und Lagerei sowie dem Baugewerbe besonders hoch. Insbesondere der Bereich Verkehr und Lagerei ist von Fachkräfteengpässen betroffen, sodass eine Zuwanderung in diesem Bereich sich als äußerst hilfreich für eine ausreichende Transportinfrastruktur und damit letztlich auf den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands auswirken dürfte.

 

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Über den Autor Lisa Schraets

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