Abitur 2030: Was sich an Oberstufe, Formelsammlung und Rechnern ändert

Veröffentlicht am 27. September 2026

Wer heute in der sechsten oder siebten Klasse ist, macht Abitur nach neuen Regeln. Die Kultusministerkonferenz hat die gymnasiale Oberstufe bundesweit enger aneinander angeglichen; spätestens 2030 legen die ersten Jahrgänge ihr Abitur danach ab. Parallel ändern sich ab dem Prüfungsjahr 2030 die Hilfsmittel in Mathematik und den Naturwissenschaften. Hier finden Sie, was sich ändert – und was nicht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

Kurzfassung40 Kurse belegen, 36 einbringen, zwei oder drei Leistungsfächer, neue Rechnerregeln: Was sich bis zum Abitur 2030 ändert und worauf Sie jetzt achten sollten.
ThemenbereichBildung und Beruf, Jugendliche, Schule
Veröffentlicht27. September 2026
AutorJan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts
Passende Leistung des Institutsprivate Studienberatung, 1.400 Euro Festpreis mit Gutachten und Nachgespräch
HerausgeberProfiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland
Übersicht: vier Änderungen an der Oberstufe bis zum Abitur 2030
Die wichtigsten Änderungen nach der KMK-Vereinbarung von 2023. Grafik: KI-generiert.

Zwei Beschlüsse, zwei Zeitpunkte

Vorweg eine Klarstellung, weil das Thema derzeit in Interviews und Berichten wieder auftaucht: Es gibt keinen neuen Beschluss aus dem September 2026. Die Änderungen gehen auf zwei ältere Entscheidungen zurück:

  • die Vereinbarung zur gymnasialen Oberstufe vom 16./17. März 2023 – sie regelt Kurse, Leistungskurse und Fächerbelegung,
  • die Vorgaben zu den Hilfsmitteln für die gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder, die ab dem Prüfungsjahr 2030 gelten – die KMK hat dazu im September 2025 ausführliche Antworten veröffentlicht.

Was sich an der Oberstufe ändert

  • 40 Kurse belegen, 36 einbringen. In den vier Halbjahren der Qualifikationsphase belegen Schülerinnen und Schüler insgesamt 40 Kurse; 36 davon fließen in die Gesamtqualifikation ein. Abweichungen sind nur unter engen Bedingungen zulässig.
  • Zwei oder drei Fächer auf erhöhtem Niveau. Bisher waren je nach Land zwei bis vier Leistungskurse möglich. Wer nur zwei Fächer auf erhöhtem Niveau belegt, bekommt sie doppelt gewichtet.
  • Mehr Gesellschaftswissenschaften. Fächer wie Geschichte, Politik oder Erdkunde müssen mindestens sechs Halbjahre belegt werden statt bisher vier.
  • Naturwissenschaften einheitlich dreistündig. Grundkurse in Biologie, Chemie und Physik werden überall mit drei Wochenstunden unterrichtet; zweistündige Kurse entfallen.
  • Gewichtung bleibt. Die Abiturnote setzt sich weiter zu einem Drittel aus den Prüfungen und zu zwei Dritteln aus der Qualifikationsphase zusammen.

Die Länder müssen die Regeln spätestens für die Schülerinnen und Schüler umsetzen, die 2027 in die Einführungsphase der Oberstufe eintreten. Das erste Abitur nach den neuen Regeln findet damit spätestens 2030 statt. Einige Länder stellen früher um – maßgeblich ist die Oberstufenverordnung Ihres Bundeslandes.

Was sich bei Formelsammlung und Rechnern ändert

Für die Aufgaben aus den gemeinsamen Abituraufgabenpools gibt es eine mathematisch-naturwissenschaftliche Formelsammlung für Mathematik, Chemie und Physik, die das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) bereitstellt. Für das Prüfungsjahr 2030 gibt es eine neue Fassung; die bisherige gilt bis einschließlich 2029.

Die größere Änderung betrifft die Rechner. Die KMK spricht dabei nicht von CAS-Rechnern, sondern von Modularen Mathematiksystemen (MMS) – Geräten oder Programmen, die Module wie Computeralgebra, Funktionsplotter, dynamische Geometrie, Verteilungen und Tabellenkalkulation vereinen. Ab dem Prüfungsjahr 2030 gilt für Mathematik, Biologie, Chemie und Physik:

  • Die Systeme dürfen keine speziellen Funktionen mehr anbieten, die fertige Anwendungen liefern – etwa eigene Befehle für Nullstellen, Extrempunkte, Tangentengleichungen, Volumen oder Winkel.
  • Erlaubt bleiben allgemeine Werkzeuge wie das Lösen von Gleichungen oder das Zeichnen von Graphen. Wer eine Nullstelle braucht, muss also den Lösungsweg selbst aufsetzen.
  • Auch für einfache wissenschaftliche Taschenrechner werden die Einschränkungen ausdrücklich festgeschrieben.
  • Die Hersteller planen einen Prüfungsmodus per Update, sodass vorhandene Geräte weiter genutzt werden können.

Die Länder entscheiden, welche Geräte zugelassen sind; die gemeinsamen Vorgaben zum Funktionsumfang können sie nicht ändern.

Was Schülerinnen, Schüler und Eltern jetzt tun sollten

  • Fächerwahl früh planen. Mit nur noch zwei oder drei Leistungsfächern hat jede Entscheidung mehr Gewicht. Sie sollte zu Stärken und späteren Studien- oder Berufszielen passen, nicht nur zum Stundenplan der Freundinnen und Freunde.
  • Verstehen statt Knöpfe drücken. Wer im Unterricht mit voller Rechnerfunktion arbeitet, sollte früh üben, Aufgaben auch mit eingeschränkten Funktionen zu lösen.
  • Die Regeln des eigenen Landes prüfen. Zeitpunkt der Umstellung und zugelassene Geräte unterscheiden sich.

Die Prüfungstermine der einzelnen Länder finden Sie in unserer Übersicht Abiturtermine, etwa für NRW 2027 oder Bayern 2027. Die Grundlagen erklärt das Glossar unter Abitur; wie es um ein bundesweites Zentralabitur steht, lesen Sie im Beitrag Wird das bundesweite Zentralabitur kommen? Warum Mathematik bundesweit ohnehin im Fokus steht, zeigt der Beitrag zu den PISA-Ergebnissen 2025.

Leistungsfächer wählen, die tragen

Die Wahl der Leistungsfächer ist oft die erste Entscheidung, die spürbar in Richtung Studium oder Beruf weist. Einen ersten Anhaltspunkt geben unser kostenloser Studienwahltest und der Berufswahltest für Schüler. Für eine fundierte Einschätzung arbeiten wir in der Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten und der Studienberatung mit Verfahren nach DIN 33430. Was nach dem Abschluss möglich ist, zeigt unsere Übersicht Nach dem Abitur.

Quellen

  • Kultusministerkonferenz: „Kultusministerkonferenz gleicht Rahmenbedingungen für die gymnasiale Oberstufe weiter an“, Pressemitteilung vom 17.03.2023 – kmk.org
  • Kultusministerkonferenz: „Gemeinsame Abituraufgabenpools der Länder – FAQs zu digitalen Hilfsmitteln ab 2030“, Stand 29.09.2025 – kmk.org (PDF)
  • IQB: Begleitende Dokumente Mathematik, Mathematisch-naturwissenschaftliche Formelsammlung – iqb.hu-berlin.de

Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die Inhalte stammen aus den genannten Quellen.

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