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Der Bildungsmonitor 2021 hat sich in seinem Bericht näher mit dem Thema Hochschulen in der Corona-Krise auseinandergesetzt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den sogenannten MINT-Studiengängen.

Bildungsmonitor 2021: aktuelle Lage der Hochschulen in Deutschland

Bildung stellt die Basis für den Wohlstand einer Gesellschaft dar und sichert diesen gleichzeitig. Umso wichtiger erscheint es demnach sich mit der Lage der Hochschulen in Deutschland zu befassen. Der Trend geht hin zu einer immer stärkeren Akademisierung. Die Anzahl der Studienanfänger*innen überschreitet die Anzahl der Personen, die eine Ausbildung beginnen und es gibt generell immer mehr Hochschulen in Deutschland. So ist die Anzahl der Hochschulen seit Beginn des 21. Jahrhunderts von 140 auf heute über 200 Standorte angestiegen.

Trotz dieses Trends ist die Abbrechen*innenquote relativ hoch. 27% der Bachelor-Studierenden und 17% der Master-Studierenden brachen ihr Studium jüngst ab. Hier könnte die Corona-Pandemie als Katalysator fungieren. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium wirkt sich jedoch äußerst positiv auf das Berufsleben der Absolvent*innen aus. Das Risiko einer drohenden Arbeitslosigkeit sinkt extrem und die Aussichten auf ein höheres Gehalt steigen mit dem Abschluss eines Hochschulstudiums. Dabei haben bereits Bachelorabsolvent*innen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Sonderposition von MINT-Studierenden

Studierende im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind hoch nachgefragt. Dies liegt sowohl an demografischen Gründen – denn heute ist jede fünfte Person, die im MINT-Bereich tätig ist älter als 55 Jahre und wird demnach in naher Zukunft altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden –  als auch an der schlichten Notwendigkeit von MINT-Kompetenzen im Hinblick etwa auf drängende Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Aufgrund des Fachkräftemangels im MINT-Bereich, verdienen MINT-Akademiker durchschnittlich mehr als Akademiker aus anderen Fachbereichen. Dessen ungeachtet sind dennoch personelle Engpässe hinsichtlich Berufen im MINT-Bereich zu verzeichnen.

Wenige Frauen im MINT-Bereich

Der Frauenanteil im MINT-Bereich ist auch heute noch gering. Hier liegt eine Möglichkeit eine erhöhte Anzahl an Fachpersonal zu rekrutieren. Dazu müssten Mädchen bereits in der Schule gefördert werden. Denn laut aktuellen Studien schätzen sowohl Mädchen selbst, als auch Eltern von Mädchen deren Leistung in mathematischen Bereichen im Vergleich zu Jungen als schlechter ein. Durch etwaige Noten lassen sich diese Einschätzungen dabei nicht erklären.

Studien zeigen, dass die Wahl von Leistungskursen in der Oberstufe entscheidend für die spätere Studienfachwahl ist. Demnach sollten Schülerinnen bereits früh gefördert und Angebote geschaffen werden, die darauf fokussieren das Interesse von Mädchen an MINT-Fächern wecken, bevor sich diese für etwaige Leistungskurse oder gar ein Studienfach entscheiden. Außerdem müssen mehr weibliche Rollenvorbilder im MINT-Bereich durch zum Beispiel die Einstellung von mehr Professorinnen und Wissenschaftlerinnen etabliert werden.

Rückgang von ausländischen Studierenden in der Corona-Krise

Aufgrund der Corona-Krise kam es zu einem erheblichen Rückgang der ausländischen Studierenden. Die Zahl der Ausländer*innen ist vom Wintersemester 2019/2020 zu 2020/2021 um insgesamt 18,1% zurückgegangen, während die Anzahl der inländischen Studierenden sogar um 1,3% angestiegen ist. Diese Entwicklung ist angesichts der erschwerten Reisebedingungen aufgrund der pandemischen Lage in diesem Zeitraum naheliegend.

Da sich durch die Corona-Krise jedoch nicht die grundlegenden Bedingungen der Hochschullehre in Deutschland geändert haben, wie etwa die zu entrichteten Kosten oder die Qualität der Lehre, ist davon auszugehen, dass es sich um keinen langfristigen Effekt handelt. Dies ist insbesondere dahingehend wichtig, als dass ausländische Studierende einen großen Effekt auf den Fachkräftemangel im MINT-Bereich haben. Denn insbesondere in diesem Bereich ist der Anteil an ausländischen Studierenden traditionell besonders hoch. Somit leisten ausländische Studierende einen großen Beitrag dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich in Deutschland entgegenzuwirken.

Bildungsmonitor 2021: Hochschulen in der Corona-Krise: Unterricht findet statt – Austausch bleibt auf der Strecke

Die Schließungen der Hochschulen hatten – anders als die Schulschließungen – generell wenige Ausfälle zur Folge. Viele Hochschulen sind technisch gut ausgestattet, sodass die Umstellung auf eine vollständig digitale Lehre vielerorts – und insbesondere im Vergleich zu den Schulen – relativ simpel umsetzbar war.

Dennoch hatte die Corona-Krise weitreichende Folgen auf das Lernen für Studierende generell. Es ist seit langem bekannt, dass Studierende häufig Lerninhalte in Gruppen erschließen, um damit die Distanz zu Dozierenden zu kompensieren. Doch die Möglichkeit für den Austausch untereinander war während der Hochzeiten der Corona-Krise sehr viel geringer und können sich somit negativ auf den Lernerfolg der Studierenden auswirken. Die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten können zudem Probleme für die Motivation und Selbstorganisation verursacht haben. Hinzu kam eine vermehrte finanzielle Belastung im Hinblick auf weggefallene Jobmöglichkeiten oder auch den tatsächlichen Jobverlust für Studierende.

Ob sich Studienzeiten im Zuge der Pandemie verlängert haben oder es durch die Corona-Pandemie zu einem empirisch gesicherten Anstieg an Studienabbrüchen kam, muss im nächsten Bildungsreport für 2022 näher untersucht werden.

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Über den Autor Lisa Schraets

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