Viele Eltern stehen dem Tag, an dem die Kinder das Zuhause verlassen und eigenständig in die Welt hinaus gehen, mit gemischten Gefühlen gegenüber. Nicht selten mischt sich auch eine gewisse Angst und ein mulmiges Gefühl unter. Diese Phase des Lebens, die von der Ablösung der Kinder von dem familiären Elternhaus gekennzeichnet ist und auch als „ Empty Nest “ bezeichnet wird, ist nicht immer leicht für Eltern und es kann zum „ Empty-Nest-Syndrom “ kommen. Was genau bedeutet das? Was für Folgen können auftreten? Wie kann man diese Phase positiv meistern?

Das „ Empty Nest “

Bevor es um das „ Empty-Nest-Syndrom “ geht, wird zuerst erklärt, was genau das „ Empty Nest “ überhaupt meint. Vereinfacht ausgedrückt beginnt die Phase des Empty Nest dann, wenn alle Kinder das familiäre Elternhaus verlassen haben und ausgezogen sind. Als Folge ist das Zuhause der Eltern „leer“, denn die Kinder fehlen. Hierdurch ändert sich im Leben der Eltern einiges, Abläufe verändern sich, Aufgaben fallen weg oder müssen neu koordiniert werden und vieles mehr. Diese Empty Nest Phase erstrecke sich über 18 Monate bis 2 Jahre.

Die Phase kann jedoch in Familien mit mehreren Kindern oder in Familien, in denen Kinder zwar unter der Woche woanders wohnen, aber am Wochenende Zuhause sind, nicht klar abgegrenzt werden. Deshalb gibt es auch Begriffe für die Phasen vor der tatsächlichen Empty Nest Phase und für solche danach.

Allen gemein ist jedoch eine große Umstellung der Lebensumstände, die sich auch emotional, psychisch und sozial auf die Eltern auswirken kann.

Das Empty-Nest-Syndrom

Durch die großen Umstellungen und Veränderungen, die mit dem Auszug der Kinder einhergehen, kann es in Folge zum sogenannten Empty-Nest-Syndrom kommen. Der Auszug der Kinder kann sich auf die Gefühlslage der Eltern auswirken, die im Fall des Empty-Nest-Syndroms niedergeschlagen ist, wobei es zu Einsamkeits- und Verlassenheitsgefühlen, Trauer, Leere und Schmerz kommen könnte. Es könne außerdem zu einem Abfall im Selbstwert kommen, zu Zweifeln am Selbst und der Zukunft und auch in Depressionen oder anderen psychischen Störungen, wie Abhängigkeitserkrankungen, enden.

Hiervon seien vor allem Mütter seien betroffen, denn sie waren und sind oft nach wie vor diejenigen, die sich am intensivsten mit den Kindern und der Erziehung auseinandersetzen. Mit dem Wegfall dieser Aufgabe durch den Auszug der Kinder, falle eine Art „Lebensaufgabe“ weg. Außerdem fällt diese Phase des Lebens auch oft mit der der Menopause überein, was eine doppelte Belastung für Mütter darstellt, die sich hierdurch auch hormonell in einem großen Wechsel und Umbruch befinden. Aber auch für Väter kann der Auszug der Kinder ähnlich schwierig sein.

Durch den Auszug ändert sich der gesamte Rhythmus und häusliche Ablauf. Rituale müssen gehen gelassen und ersetzt werden, Aufgaben fallen weg und kommen dazu und vieles mehr. Außerdem sind die Kinder plötzlich nicht mehr Teil des alltäglichen Lebens und nehmen nicht mehr so viel Raum ein, wie zuvor. Das kann sich in der Folge anfühlen wie ein verlassen worden sein und eine Leere im eigenen Leben und Zuhause hinterlassen.

Das Empty-Nest-Syndrom ist dabei oft allerdings nur eine Phase und kann mit entsprechenden Gegenmaßnahmen bekämpft oder vermieden werden. Im Falle einer sich daraus entwickelnden psychischen Störungen, ist jedoch eine Therapie unumgänglich.

Gegenmaßnahmen

Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass das Empty-Nest-Syndrom nicht alle Mütter, Väter oder Eltern betrifft. Viele Eltern kommen gut und zügig über den Auszug der Kinder hinweg, auch wenn es eine gewisse Trauerphase geben sollte. Um ein ausgeprägtes und länger anhaltendes Empty-Nest-Syndrom zu vermeiden oder aus einem solchen wieder herauszukommen, gibt es einige hilfreiche Maßnahmen.

Zum einen ist es wichtig, sich neue Lebensinhalte und/oder Beschäftigungen zu suchen. Müttern, die bereits vor Auszug des Kindes berufstätig waren, fällt die Verarbeitung des Auszuges meist leichter als Hausfrauen, die wenig anderen Beschäftigungen neben der Familie nachgegangen sind. Aber auch berufstätige Frauen und Männer können Probleme bekommen, wenn sie keine anderen erfüllenden Beschäftigungen in ihrem Leben haben. Deshalb sollten sich Eltern, wenn nötig, neue Beschäftigungen suchen, denen sie nachgehen können. Das kann die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit sein, ebenso wie ein neues Hobby und das allein oder als Paar. Auch soziales Engagement kann in diesem Zusammenhang eine hilfreiche Tätigkeit sein, denn auch hier ist man meist mit Menschen in Kontakt, die Dankbar für die Unterstützung sind.

Auch das in Kontakt bleiben mit den Kindern ist hilfreich. Dies ist heutzutage durch die verschiedenen technischen Möglichkeiten weniger schwierig. Hieraus können beispielsweise neue Rituale gemacht werden, wie das Telefonieren an bestimmten Tagen oder Uhrzeiten. So bleibt das Gefühl, Teil des Leben des Kindes zu sein und dass das Kind Teil des eigenen Lebens ist, bestehen.

Auch das Angehen von Projekten kann hilfreich sein. Das kann sich auch auf das Haus bzw. die Wohnung beziehen, sei es eine neue Wandfarbe, neue Möbel oder die Umgestaltung des Kinderzimmers in ein Zimmer, welches weiterhin von den Eltern, oder auch nur einem Elternteil, genutzt werden kann, beispielsweise als Hobbyraum. So hat man etwas zu tun und gleichzeitig kommt „frischer Wind“ in die Wohnung, die ohne das Kind anfangs oft einfach nur leer wirkt.

Auch die Beziehung zum/zur Partner/in sollte neu entdeckt werden. Waren diese in der vergangenen Zeit vor allen Dingen Eltern, bedeutet der Auszug des Kindes auch, dass diese wieder primär als Paar zueinander finden müssen und sich wieder in anderen Rollen wahrnehmen können und müssen. Wie bereits gesagt, können neue Beschäftigungen, wie Hobbys, auch gemeinsam als Paar durchgeführt werden. Das kann sich positiv auf die Beziehung zueinander auswirken. Der Auszug des Kindes bedeutet dabei auch mehr Freiräume für das Leben als Paar, welches über die Elternrolle hinaus geht. So können sich die Partner wieder neu erfahren, was spannend und aufregend sein kann.

Wer dennoch weiter Probleme hat, die Leere und Traurigkeit allein und Zuhause zu bewältigen, für den können Selbsthilfegruppen eine gute Möglichkeit darstellen. Über das Bestehen einer solche kann man sich im Internet oder auch in den sozialen Medien informieren. In der Gruppe mit Menschen, denen es ähnlich geht oder ging, können die negativen Gefühle oft einfacher bearbeitet werden.

Sollten die Symptome jedoch länger anhalten, sich ggf. sogar bis zu einer Depression intensivieren oder zu anderen schwerwiegenden psychischen Problemen führen, so ist eine Therapie unumgänglich und es sollte sich professionelle Hilfe gesucht werden.

Fazit

Der Auszug des Kindes oder der Kinder ist für alle Eltern eine Umstellung, die oft mit Trauer und Ungewissheit einhergeht. Nehmen negative Gefühle überhand, kann es zum Empty-Nest-Syndrom kommen. Hierbei können neue Beschäftigungen, wie eine Berufstätigkeit, ein neues Hobby oder ehrenamtliches Engagement hilfreich sein, ebenso wie neue Rituale bezüglich des Kontakts zu den Kindern und auch eine optische Veränderung der Wohnsituation. Außerdem ist die Zeit auch für Paare eine Umstellung, die sich seit Jahren wieder losgelöst von der Elternrolle sehen und entdecken können. Allgemein sollten Eltern auch Gefühle wie Trauer und Leere nach dem Auszug des Kindes zulassen, aber die Phase dennoch als den Beginn eines neuen Lebensabschnittes sehen, welcher eigene neue und spannende Dinge bereithält. Der Auszug des Kindes kann sich wie das Ende einer Welt anfühlen, erschließt jedoch gleichzeitig eine neue Zeit für Eltern, die sehr positiv sein kann.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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