Heutzutage ist es nicht ungewöhnlich, dass beide Elternteile bereits früh wieder im Berufsleben stehen, nachdem sie die Elternzeit beendet haben. Wie ein Wiedereinstieg nach Elternzeit gelingen kann, haben wir in dem verlinkten Beitrag thematisiert. Sind beide Eltern berufstätig bedeutet das jedoch auch, dass die Kinder anderweitig betreut werden müssen. Wie ist die Entwicklung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren? Gibt es genügend?

Aktuelle Daten

Das Thema Entwicklung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren wurde von dem Institut der deutschen Wirtschaft im IW-Kurzbericht 69/2019 „Kinderbetreuung – Fast 320.000 Plätze für unter Dreijährige fehlen“ thematisiert.

Laut diesem ist der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren in den letzten Jahren stark angestiegen. Es gibt also immer mehr Eltern, die ihr Kind bereits früh nicht mehr allein betreuen können und auf externe Hilfe angewiesen sind. Im Jahr 2014 hätten 41,5 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren angegeben, sich zu wünschen, einen Betreuungsplatz für ihr Kind zu haben. 2018 stieg die Zahl der Eltern auf 47,7 Prozent. Bezogen auf Kinder mit einem Jahr, gaben dies 62 Prozent der Eltern in 2018 an. Bei den zweijährigen Kindern waren es 79,3 Prozent, also eine deutliche Mehrheit der Eltern. Der Bedarf an Betreuungsplätzen sei demnach die letzten Jahre deutlich gestiegen und werde voraussichtlich weiter ansteigen. Ursächlich sei hierfür zum einen die Tatsache, dass es mehr Kinder gebe als noch vor einigen Jahren. Dies verdeutliche, dass ein Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren nötig sei. Allerdings sei es auch notwendig, die Kindergartenplätze ab drei Jahren weiter auszubauen, da auch hier die Anzahl der Kinder in den nächsten Jahren ansteigen werde.

Städte und Gemeinden hätten auf diese Entwicklung mit einem Ausbau der Plätze für unter Dreijährige zwischen 2014 und 2018 reagiert. In diesem Zeitraum sei die Zahl von 661000 auf 818000 gestiegen. Hierdurch habe sich die Betreuungsquote allerdings nur minimal und nicht ausreichend verbessert, sodass noch immer Lücken in den Betreuungsplätzen bestünden, welche bei den Einjährigen bei 24,9 Prozent liege, bei den Zweijährigen bei 16,1 Prozent und bei allen Kindern unter drei Jahren bei 13,4 Prozent.

Mehr Plätze benötigt

Um die Entwicklung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren weiter zu betrachten, wurde in dem Bericht dargelegt, wie viele Plätze zurzeit für Kinder unter drei Jahren notwendig wären. Diese Zahl liege bei 1,14 Millionen. Im Vergleich habe der Bedarf im Jahr 2014 bei nur 846000 gelegen, also ein Viertel unter dem Wert. Dieser Bedarf wird auch nach 1- und 2-jährigen Kinder differenziert aufgeführt. Bei den Einjährigen seien die Zahlen von 350000 benötigten Plätzen in 2014, auf 494000 benötigte Plätze gestiegen. Für die Zweijährigen hätten sich Zahlen von 475000 und 637000 ergeben.

Diese Zahlen wurden anschließend mit der Zahl an tatsächlich betreuten Kindern unter drei Jahren verglichen. Dabei ergab sich eine Lücke von 318000 Betreuungsplätzen. Im Jahr 2014 sei diese Diskrepanz mit 188000 noch deutlich geringer gewesen, während sie im Vorjahr jedoch größer gewesen sei und das mit einer Lücke von 332000 Plätzen. Bezogen auf die konkreten Altersgruppen der Kinder, liege die Betreuungslücke der 2-jährigen bei 129000 Plätzen bzw. 16,1 Prozent. Im Vergleich dazu lag diese 2014 bei nur 74000 Plätzen/11 Prozent. Bei den Kindern mit einem Jahr sei die Lücke mit 198000 fehlenden Plätzen bzw. 24,9 Prozent noch größer. Auch gegenüber 2014, wo die Lücke noch bei 114000 Plätzen/16,6 Prozent lag, ist der Anstieg deutlicher.

Anschließend wird in dem IW-Kurzbericht auch die Entwicklung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in den einzelnen Bundesländern betrachtet, indem der Betreuungsbedarf und die Betreuungslücke dieser Kinder nach Bundesländern aufgeschlüsselt dargestellt werden. Der Bedarf sei demnach besonders in Brandenburg hoch und das mit 64 Prozent. Am geringsten sei er in Bayern mit 39,2 Prozent. Im Osten Deutschlands sei der Bedarf mit 60,6 Prozent höher als der im Westen, wo er 44,7 Prozent betrage. Bezogen auf die Betreuungslücke sei die Lage in Bremen am ungünstigsten. Hier betrage die Lücke 20,2 Prozent. Hinter Bremen folge mit 18,2 Prozent Rheinland-Pfalz und danach mit 18 Prozent Nordrhein-Westfalen. Am geringsten sei die Lücke in der Betreuung in Mecklenburg-Vorpommern mit 4 Prozent. Ebenfalls geringe Lücken gebe es in Sachsen-Anhalt (4,7 Prozent) und Thüringen (5,3 Prozent). Bezogen auf den Osten und Westen des Landes sei die Lage im Osten günstiger als im Westen (8,5 gegen 14,4 Prozent).

Fazit

Laut Zahlen aus diesem IW-Kurzbericht ist die Entwicklung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren nicht positiv, sondern es wird eine deutliche Lücke in den Betreuungskapazitäten gegenüber der steigenden Betreuungsnachfrage der Eltern deutlich. Zum Ende des Berichts wird noch angemerkt, dass die vorgestellten Zahlen vermutlich noch eine günstigere Lage widerspiegeln als der Realität entsprechend. Dies liege daran, dass auch die Betreuung durch Tageseltern in den Berechnungen als voll- bzw. gleichwertige Betreuung der Kinder einbezogen wurde, obwohl dies kritisch zu betrachten sei, unter anderem bedingt durch die qualitativ niedrigere Ausbildung dieser. Außerdem wird noch angeführt, dass davon auszugehen sei, dass ein Beginn der Betreuung von Kindern mit 2 Jahren in der Zukunft immer mehr zum Standard werden würde. Deshalb sei der Ausbau vor allem dieser Plätze notwendig.

Hier finden sie den IW-Kurzbereich 69/2019:

Kinderbetreuung – Fast 320.000 Plätze für unter Dreijährige fehlen

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.

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