Der Ausbruch der Pandemie hat für viele Bürger plötzliche Einschläge mit sich gebracht. Finanzielle und gesundheitliche Sorgen blieben nicht aus. Die Ausnahmesituation hat zu dieser Zeit vor allem die sozialen Unterschiede bestimmter Bevölkerungsgruppen sichtbarer gemacht und verschärft. Für einige war ein gesellschaftlicher Zusammenhalt Anfangs nicht in Sicht. Allerdings hat sich die Gesellschaft während der Corona-Krise als absolut Robust erwiesen, so der „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“ denn: der gesellschaftliche Zusammenhalt ist seit dem Ausbruch nicht nur stark geworden, sondern seitdem auch enorm gewachsen. So äußerte sich Dr. Kai Unzicker, Experte der Bertelsmann Stiftung für gesellschaftlichen Zusammenhalt. © andyller für stock.adobe.com

Gesellschaftlicher Zusammenhalt steigt

Interessant ist, insgesamt ordnen die Menschen in Deutschland den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach den ersten Monaten der Corona-Pandemie als positiver ein, als zu ihrem Start im März 2020. Das Vertrauen ist insgesamt also gewachsen. Zu dieser Erkenntnis wurden in der Studie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“ im Februar und März letzten Jahres 3.010 Personen, und nach Ende der ersten Kontaktbeschränkung in der Zeitspanne von Mai bis Juni, noch einmal 1.000 Personen repräsentativ befragt. Im Februar sahen 46% der Befragten den Zusammenhalt in Deutschland als gefährdet. Im März reduzierte sich die Skäpzis auf 40% und im Mai und Juni waren es nur noch 36%.

Ebenso kam der Eindruck auf, dass die Bürger:innen sich mehr um ihre Mitbürger:innen Sorgen und Solidarität zeigen. Im Februar blickten 41% pessimistisch auf den Zusammenhalt der Gesellschaft, während im Mai und Juni nur noch 21% dieser Auffassung waren. Nicht nur das Vertrauen in die Mitmenschen ist gewachsen, auch das Vertrauen in die Bundesregierung. So stieg das Vertrauen von 19% auf 30% im März und beim dritten Befragungspunkt sogar auf 45%.

So sagte Kai Unzicker: „Wir verzeichnen einen Aufschwung bei der allgemeinen Stimmungslage in unserer Momentaufnahme bis Anfang Juni.“ Ebenso teilte er mit: „Viele Menschen sind zunächst erleichtert, dass die ersten Auswirkungen der Pandemie in ihren Augen bisher so glimpflich ausgefallen sind. Zugleich haben sie mehrheitlich große Solidarität und Rücksichtnahme erfahren.“ Wenn man den Ausgang der Studie mit der Vorgängeruntersuchung aus dem Jahre 2017 vergleicht, erweist sich der gesellschaftliche Zusammenhalt als äußerst positiv und stabil.

„Auch wenn viele Bürgerinnen und Bürger sich um das Miteinander Sorgen machen, zeigen unsere Daten: Der Zusammenhalt in Deutschland ist insgesamt weiterhin robust“, fasst Unzicker das Resultat des Zeitvergleichs zusammen. Der Durchschnittswert ist bei der Messung auf einer Skala von 0 (gering) bis 100 (hoch) für die westdeutschen Bundesländer sogar von 60 auf 62 Punkte gestiegen. In Ostdeutschland liegt der Wert nach wie vor bei 58 Punkten. Allerdings gibt es in der Studie auch Erhebungen dazu, dass viele Bürger:innen den Zusammenhalt in Deutschland gar nicht so stark erleben und ihn eher als gering empfinden. Menschen mit unterdurchschnittlicher Bildung, niedrigem ökonomischen Status und Migrationshintergrund stehen dem Zusammenhalt eher pessimistisch gegenüber.

Auch Einzelhaushalte und Alleinerziehende weisen eine höhere Zukunftsangst auf. Gerade seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie kommen solche sozialen Unterschiede noch einmal deutlicher zum Vorschein. Meist stellt sich für die eh schon Benachteiligten, die Krise als besonders schwer dar. 90% der befragten gaben trotz mehreren Befragungen immer wieder an, gut mit der Krise und dessen Auswirkungen klarzukommen. Die Menschen die von Anfang an einen hohen Zusammenhalt gespürt haben, haben auch nach einigen Monaten im Frühsommer mit geringeren Lasten zu kämpfen. Sie plagten weniger Zukunftsängste, fühlten sich selten einsam oder von den Umständen und Maßnahmen belastet.

Trotz der Pandemie haben sich die Sorgen der Bürger im ersten halben Jahr des Jahres 2020 zwar reduziert, während noch im Februar über die Hälfte aller befragten die Wirtschaftskrise und Pandemie so stark belastete, dass sie finanziellen Sorgen plagten. Im Frühsommer, waren es allerdings nur noch 47%. Die Angst vor einem Jobverlust viel zu der Zeit von 44% auf 31%. Auch die Ängste um eine Wirtschafts- und Finanzkrise oder einer Erkrankung, ist um wenige Prozente gefallen. Interessant ist vor allem, dass Anhänger des extrem politischen Spektrums der Linkspartei und der AfD, viel weniger Zusammenhalt wahrnahmen, als die Mitte, welche den Zusammenhalt deutlich positiver wahrnehmen. Die Anhänger der Rechtspartei zeigten generell ein geringes Vertrauen in Institutionen und der Akzeptanz von Diversität. Anhänger der Linkspartei empfinden eher einen Mangel in der sozialen Gerechtigkeit.

„Gerade durch die Erfahrungen der aktuellen Krisensituation drohen vor allem Alleinerziehende, Migranten und Personen mit geringerer Bildung aus dem sozialen Gefüge herauszufallen. Sollte sich beispielsweise die Situation bei der Kinderbetreuung oder dem Homeschooling in nächster Zeit nicht deutlich verbessern oder gar wieder verschärfen, so geht dies vor allem zu Lasten dieser Gruppen“, sagt Kai Unzicker.

Trotz der Pandemie haben sich die Sorgen der Bürger im ersten halben Jahr des Jahres 2020 zwar reduziert, während im Februar noch über die Hälfte aller befragten die Wirtschaftskrise und Pandemie so stark belastete, dass sie finanziellen Sorgen plagten. Im Frühsommer, waren es allerdings nur noch 47%. Die Angst vor einem Jobverlust viel zu der Zeit von 44% auf 31%. Auch die Ängste um eine Wirtschafts- und Finanzkrise oder einer Erkrankung, ist um wenige Prozente gefallen. Ziel sei es Unterstützungs- und Versorgungsangebote an Orten zu schaffen um notwendige Hilfe zu leisten und gezielt handeln zu können.

Die komplette Studie findest du auf der Seite der Bertelsmann Stiftung

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Über den Autor Profiling Institut

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