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Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | Die KMK erwartet den Höchststand der Schülerzahlen schon 2029, danach minus 6,2 Prozent bis 2040. Was das für den Lehrkräftemangel und angehende Lehrkräfte heißt. |
|---|---|
| Themenbereich | Arbeitsmarkt, Beruf, Berufsberatung |
| Veröffentlicht | 4. Oktober 2023 |
| Aktualisiert | 19. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | private Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Im Schuljahr 2021/22 unterrichteten beeindruckende 8,6 % der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen ohne eine anerkannte Lehramtsprüfung. Das entspricht rund 60.800 von insgesamt 709.000 Lehrkräften. Dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Schuljahr 2011/12, als der Anteil noch bei 5,9 % lag. Damals unterrichteten rund 39.300 von 669.800 Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung.
Aber was bedeutet es, ein Quer- oder Seiteneinsteiger zu sein? Quereinsteigerinnen und -einsteiger sind Personen, die kein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen können und ohne das übliche Referendariat in den Schuldienst aufgenommen werden. Im Gegensatz dazu ist für Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger ein Referendariat obligatorisch.
Besonders alarmierend ist die Situation an beruflichen Schulen in Deutschland, wo im Schuljahr 2021/22 ganze 20,8 % der Lehrkräfte keine anerkannte Lehramtsprüfung vorweisen konnten. Das bedeutet, dass von insgesamt 124.000 Lehrkräften an beruflichen Schulen rund ein Fünftel Quer- oder Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger waren. Auch hier gab es im Vergleich zum Schuljahr 2011/12 eine besorgniserregende Steigerung von 12,6 % auf 20,8 %.
Der Lehrkräftemangel ist nicht nur auf die fehlende Qualifikation der Lehrkräfte zurückzuführen, sondern auch auf den Rückgang der Absolventinnen und Absolventen von Lehramtsstudien. Im Prüfungsjahr 2022 bestanden nur rund 28.700 Lehramtsstudierende ihre Abschlussprüfungen, was zwar nur leicht unter dem Vorjahreswert (rund 28.900) lag, jedoch im Vergleich zur Zahl von vor zehn Jahren einen Rückgang von 10,5 % darstellt.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in Lehramtsstudiengängen rückläufig ist. Im Studienjahr 2022 begannen lediglich knapp 45.400 Personen ein Lehramtsstudium im Bachelor- oder Staatsexamensstudium in Deutschland, was einem Rückgang von 3,2 % im Vergleich zum Vorjahr und 7,0 % im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt entspricht.
Prognose bis 2040: Die Schülerzahlen kippen schon 2029
Aktualisierung vom September 2026. Die Zahlen oben beschreiben, wie groß die Lücke bereits geworden ist. Wie sich der Bedarf weiter entwickelt, hängt vor allem an den Schülerzahlen – und dazu hat die Kultusministerkonferenz am 18. September 2026 eine neue Vorausberechnung vorgelegt. Ihr zentraler Befund: Der demografische Wandel erreicht die Schulen früher als erwartet.
- Höhepunkt 2029 statt 2032. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigt von rund 11,27 Millionen (2025) noch bis 2029 auf rund 11,54 Millionen. Die bisherige Vorausberechnung hatte den Gipfel erst für 2032 erwartet.
- Danach geht es abwärts. Bis 2040 sinkt die Zahl auf rund 10,58 Millionen – rund 694.000 oder 6,2 Prozent weniger als 2025.
- Die Regionen laufen auseinander. In den ostdeutschen Flächenländern liegt das Minus bis 2040 bei rund 21 Prozent, in den westdeutschen Flächenländern bei 3,6 Prozent, in den Stadtstaaten bei 5,3 Prozent.
- Die Schulformen auch. Die Primarstufe verliert bis 2040 rund 14,8 Prozent. Die Sekundarstufe I wächst dagegen noch bis 2031, die Sekundarstufe II erreicht ihren Höchststand erst um 2035, und die beruflichen Schulen wachsen bis Mitte der 2030er-Jahre.
Ursache ist vor allem der Geburtenrückgang seit 2021: 2025 wurden rund 654.300 Kinder geboren, 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Was das für angehende Lehrkräfte bedeutet
Die Prognose heißt nicht, dass sich der Lehrkräftemangel von selbst erledigt. Sie heißt, dass er sich verschiebt – zeitlich, regional und nach Schulform. Wer heute ein Lehramtsstudium beginnt, steht frühestens Anfang der 2030er-Jahre vor der Klasse. Für das Grundschullehramt, vor allem in Ostdeutschland, dürfte der Druck bis dahin spürbar nachlassen. An weiterführenden Schulen, in der Oberstufe und an beruflichen Schulen – wo der Anteil der Lehrkräfte ohne Lehramtsprüfung schon heute am höchsten ist – bleibt der Bedarf dagegen länger bestehen. Die Wahl von Schulform, Fächern und Bundesland wird damit wichtiger als die Frage, ob Lehramt „sicher“ ist.
Wer das Lehramt als Studienziel prüft, findet die Wege unter Lehramt studieren: Studienfeld im Überblick und im Berufsbild Lehrer. Für Berufstätige mit Hochschulabschluss ist der Quereinstieg als Lehrer in allen Bundesländern die Alternative; wer schon unterrichtet und über einen Wechsel nachdenkt, findet Orientierung unter Berufliche Neuorientierung für Lehrer. Ob die Eignung trägt, klären wir in der Studienberatung mit Verfahren nach DIN 33430.
Quelle: Kultusministerkonferenz, Pressemitteilung „Schülerzahlen: Demografischer Wandel erreicht die Schulen früher“ vom 18.09.2026 zur Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen 2025 bis 2040 (Statistische Veröffentlichung Nr. 251). Eine ältere Modellrechnung der KMK zum Lehrkräfteangebot bis 2030 besprechen wir im Beitrag Prognose des Lehrkräfteangebotes.
Der Lehrkräftemangel in Deutschland ist eine drängende Angelegenheit, die nicht nur die Bildung der kommenden Generationen beeinflusst, sondern auch die Frage aufwirft, wie dieser Mangel in Zukunft bewältigt werden kann. Es bedarf dringender Maßnahmen, um qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen und den Bildungsbereich nachhaltig zu stärken.
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