Spielen ist für Kinder nicht bloß eine Beschäftigung, sondern vielmehr ein Grundbedürfnis, welches genauso wichtig für sie ist wie essen und schlafen. Im Spiel können sie sich und die Welt kennenlernen, Fähigkeiten erproben und vieles mehr. Wie groß ist die Wichtigkeit des Spielens? Warum ist es wichtig?

Spielen als Grundbedürfnis

Um der Wichtigkeit des Spielens auf den Grund zu gehen, ist es zunächst notwendig zu verstehen, dass spielen für Kinder nicht nur eine bloße Beschäftigung oder Tätigkeit ist, sondern so zentral wie essen und schlafen. Spielen ist ein Grundbedürfnis und untrennbar mit der Entwicklung des Kindes verbunden. Wie wichtig das Spiel für Kinder ist, kann man sehen, wenn man beobachtet, wie vertieft sie hierbei sind. Denn hier werden wichtige Erfahrungen mit sich und der Umwelt gesammelt, Fähigkeiten erprobt, Gefühle verarbeitet und verschiedenste Entwicklungen vorangetrieben.

Das Spielen kann den Kindern als eine Art Zugang zur Welt dienen, aber auch als eine Art Flucht vor der Realität, die so verarbeitet werden kann. All dies geschieht dabei aus einer Eigeninitiative und einem Eigenantrieb heraus, ohne dass ständige Anreize von außen nötig sind. In der Regel spielen Kinder so, wie es ihren aktuellen Gefühlen, Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten entspricht.

Dabei lernen sie zum einen Neues und entdecken ständig neue Dinge, zum anderen erproben sie auch Verhaltensweise und üben diese, bis sie sie beherrschen. Durch das Erforschen der Umwelt aus einem eigenen Antrieb heraus erfahren die Kinder ihre Selbstwirksamkeit. Hierdurch kann Selbstvertrauen aufgebaut werden, ebenso wie ein gesunder Selbstwert und die Eigeninitiative und Kreativität beim Erledigen von Aufgaben und Herausforderungen. Die Persönlichkeit wird gebildet und geformt.

Spielen nach Altersgruppen

Die Wichtigkeit des Spielens ist dabei in allen kindlichen Altersgruppen gleich ausgeprägt. Wie das Spielen aussieht, verändert sich jedoch mit dem Alter in Abhängigkeit zu den Fähigkeiten, die das Kind nach und nach erwirbt. Die Kleinkinder bzw. Babys beginnen mit dem Funktionsspiel, bei welchem sie sich und ihre Umgebung durch Berührungen und dem Erfühlen erkunden. So kann es den eigenen Körper aber auch die nahe Umgebung durch den Tastsinn erfahren lernen.

Lernen die Kinder laufen und auch Dinge festzuhalten, fangen sie häufig an, sich eingehender mit Dingen zu beschäftigen. Sie nutzen die Gegenstände auf unterschiedliche Weisen und lernen kennen, was man womit alles tun kann. Sie fangen an zu bauen, Dinge auseinander zu nehmen, beim Kneten Dinge zu formen oder aber auch zu malen und zu gestalten. Dies alles fördert die gestalterischen Fähigkeiten, die durch Anreize und Angebote von außen weiter gefördert werden können. Auch die motorischen Fähigkeiten werden gefördert, ebenso wie das räumliche Vorstellungsvermögen.

Mit der voranschreitenden Entwicklung eines Kindes, beginnt es auch zunehmend Dinge zweckzuentfremden, in der Regel mit ungefähr zwei Jahren. Sie nutzen Decken und Stühle als Höhle, Holzklötze als Pferde oder Autos und vieles mehr. Dies wird Symbolspiel genannt. Je besser die Kinder dabei die Sprache beherrschen, desto wichtiger wird diese im Spiel und bietet so weitere Möglichkeiten, kreativ und fantasievoll zu spielen.

Nimmt die Sprache immer weiter an Bedeutung zu, kann das Symbolspiel zu einem Rollenspiel werden. Dieses wird dann auch verstärkt mit anderen Kindern gemeinsam gespielt, was soziale und emotionale Fähigkeiten nochmal völlig neu trainiert und erprobt, indem das Kind auch die andere Person in seinen Gefühlen und Sichtweisen einbezieht und unter anderem lernt, dessen Perspektive zu übernehmen. Hier können Regeln selbst aufgestellt werden und die Kinder können ihre Erfahrungen und Gefühle im Spiel verarbeiten.

Mit der Zeit wächst bei den Kindern dann auch das Interesse an Spielen, welche klar definierten Regeln folgen. Dies können sportliche Spiele, wie Fußball, Handball oder ähnliches sein, aber auch Brett- und Kartenspiele zählen hierzu. Auch hierbei werden wieder neue Anreize gesetzt, die die Entwicklung vorantreiben, wie das Umgehen mit Erfolg und Misserfolg, Sieg und Niederlage.

Das Spielen entwickelt sich also mit zunehmendem Alter der Kinder und auch mit deren wachsenden Fähigkeiten. Die Wichtigkeit des Spielens bleibt jedoch immer bestehen, um neue Erfahrungen zu sammeln, Fähigkeiten auszubauen und Erlebtes zu verarbeiten.

Was wird durch das Spielen gefördert?

Die Wichtigkeit des Spielens ergibt sich dabei auch aus den Aspekten, die hierdurch erprobt und gefördert werden. Einige davon wurden bereits angeschnitten. Im Folgenden wird ein Überblick über die Fähigkeiten und Kompetenzen gegeben, die durch das Spielen gefördert und gefordert werden können. Diese Aufzählung ist dabei nicht abschließend, vollständig oder generell gültig, sondern zeigt nur einige Aspekte auf, die vom Spielen erprobt/erworben/trainiert werden können.

  • Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl
  • Kreativität, Fantasie
  • Begriffsentwicklung (Wissen, welcher Gegenstand was ist und Gegenstände unterscheiden können)
  • Körperliche Fähigkeiten/Motorik kennenlernen, Körpergefühl/Körperkontrolle, Geschicklichkeit, Freude an Bewegung, Koordination
  • Logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen
  • Verarbeitung von Erlebtem/Gefühlen/Erlebnissen, Vorbereitung auf ungewisse/neue Situationen (z.B. Arztbesuch)
  • Verantwortungsbewusstsein (zuerst für sich selbst und später auch für andere)
  • Soziale und emotionale Kompetenzen im Umgang mit anderen (z.B. Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Perspektivübernahmen, Empathie, Hilfsbereitschaft, usw.)
  • Problemlösefähigkeit
  • Kommunikative Kompetenzen und Wortschatz
  • Mit Regeln umgehen und diese einhalten
  • Umgang mit Misserfolgen und Enttäuschungen
  • Zugang zur Welt, aber auch Rückzugsort vor Außenwelt/Realität

Die Rolle der Eltern

Die Wichtigkeit des Spielens ergibt sich also aus vielen Aspekten. Aber welche Rolle spielen die Eltern hierbei? Sie sollten vor allem genügend Raum und Zeit zum Spielen für die Kinder einräumen und bereitstellen. Außerdem sollten sie die Kinder vor allem das spielen lassen, was sie gerne möchten, da sie am besten wissen, was ihren derzeitigen Interessen und Bedürfnissen entspricht.

Dennoch können sie Anregungen, wie Malgelegenheiten, Spielzeug und mehr bereitstellen und gemeinsam mit dem Kind spielen. Bei neuen Spielsachen oder Spielen, sollte auch eine ausführliche Erklärung eingeplant werden und genügend Zeit, das Spiel gemeinsam mit dem Kind zu erproben. Bei fantasievollen Spielen, die vom Kind aus ausgehen, sollten die Eltern wiederrum versuchen, sich auf die Erklärungen und Regeln des Kindes einzulassen.

Auch genügend Möglichkeiten zum körperlichen/motorischem Spiel in der Natur sollten gegeben werden, wie durch einen Spielplatzbesuch oder Waldspaziergang.

Des Weiteren sind Sicherheit und Unterstützung Dinge, die Eltern für die Kinder bieten sollten, vor allem wenn es später darum geht, aktiv mit anderen Kindern zu spielen und Freundschaften unter Kindern aufzubauen. Hier ist eine sichere Bindung von Bedeutung und eine gute Vertrauensbasis.

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Über den Autor Alina Biermann

Alina Biermann unterstützt das Profiling Institut im Bereich der Pressearbeit und Social Media. In dem Blog setzt sie sich regelmäßig mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Schule, Studium, Karriere und Bildung auseinander.