Das Statistische Bundesamt hat am 25. August 2026 Zahlen veröffentlicht, die eine verbreitete Annahme aushebeln: Wer Abitur hat, studiert. Tatsächlich hatten 26 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Jahres 2025 eine Auszubildende oder einen Auszubildenden mit Hochschul- oder Fachhochschulreife. Gut jeder vierte Azubi kommt also mit dem Abitur in die duale Ausbildung.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | 26 Prozent der neuen Auszubildenden hatten 2025 Abitur – im öffentlichen Dienst fast jeder zweite. Die Zahlen nach Branchen und was sie bedeuten. |
|---|---|
| Themenbereich | Berufsausbildung, Berufsorientierung, Bildung und Beruf |
| Veröffentlicht | 16. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | private Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Wo die Abiturienten in der Ausbildung landen
Der Durchschnitt verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen den Ausbildungsbereichen:
| Öffentlicher Dienst | 48 % |
| Industrie und Handel | 30 % |
| Freie Berufe | 27 % |
| Landwirtschaft | 22 % |
| Handwerk | 16 % |
| Hauswirtschaft | 4 % |
Im öffentlichen Dienst hat also praktisch jeder zweite neue Azubi Abitur – kein Zufall, denn viele Verwaltungsberufe setzen es faktisch voraus oder bevorzugen es deutlich. Im Handwerk ist es gut jeder sechste. Wer dort mit Abitur einsteigt, gehört zur Minderheit, was in der Praxis oft ein Vorteil ist: Der Weg zum Meister oder in die Betriebsübernahme ist kürzer, als viele annehmen.
Der Trend geht nicht nach oben
Bemerkenswert ist die Bewegung über die Zeit. 2015 lag der Anteil der Studienberechtigten unter den neuen Auszubildenden noch bei 28 Prozent, heute sind es 26 Prozent. Der Anteil mit mittlerem Schulabschluss ist im gleichen Zeitraum auf 43 Prozent gestiegen, der Anteil mit Hauptschulabschluss von 26 auf 23 Prozent gesunken. Drei Prozent der neuen Auszubildenden starten ohne Schulabschluss.
Die verbreitete Erzählung vom „Ansturm der Abiturienten auf die Ausbildung“ trägt in dieser Datenlage also nicht. Was stimmt: Ein stabiler Anteil von rund einem Viertel entscheidet sich seit Jahren bewusst für diesen Weg – und tut das nicht mangels Alternativen.
Warum Abiturienten sich für eine Ausbildung entscheiden
In der Beratung begegnen uns im Wesentlichen vier Beweggründe:
- Frühe Praxis statt weiterer Theorie. Nach zwölf oder dreizehn Schuljahren ist der Wunsch nach konkreter Arbeit oft stärker als der nach dem nächsten Hörsaal.
- Eigenes Geld ab dem ersten Monat. Die Ausbildungsvergütung schafft finanzielle Unabhängigkeit, gerade wenn eine Förderung unsicher ist.
- Klarheit über den Berufsalltag. Wer unsicher ist, welches Fach passt, gewinnt in der Ausbildung belastbare Erfahrung – ein Studium bleibt danach jederzeit möglich.
- Aufstiegsperspektiven. Meister, Techniker, Fachwirt: Die Fortbildungswege sind durchlässiger geworden, und für viele Führungspositionen im Mittelstand zählt der Weg über die Praxis mehr als der Abschluss.
Was für Abiturientinnen und Abiturienten in einer Ausbildung besonders zählt und welche Berufe häufig gewählt werden, haben wir in unserem Beitrag zur Ausbildung nach dem Abitur zusammengefasst.
Ausbildung, Studium oder beides?
Die Entscheidung ist längst keine Entweder-oder-Frage mehr. Das duale Studium verbindet beides, verlangt aber eine frühe Festlegung auf Betrieb und Fachrichtung. Wer nach einem abgebrochenen Studium in die Ausbildung wechselt, bringt oft mehr mit, als er denkt – dazu haben wir die Wege unter Studienabbruch und Ausbildung beschrieben. Und wer noch mitten in der Abiturphase steckt, kann mit dem Abi-Notenrechner zumindest die formale Seite durchrechnen.
Die eigentliche Frage bleibt aber inhaltlich: Welcher Beruf passt zu Ihren Interessen und Fähigkeiten? Einen ersten Anhaltspunkt liefert unser kostenloser Berufswahltest für Schüler. Wer die Entscheidung auf eine belastbare Grundlage stellen möchte, ist in der Orientierungsberatung richtig: Dort arbeiten wir mit eignungsdiagnostischen Verfahren nach DIN 33430 statt mit Bauchgefühl.
Übrigens: Wer noch für dieses Jahr sucht, hat gute Karten. Ende August waren bundesweit noch 116.000 Ausbildungsstellen unbesetzt – wo Sie freie Ausbildungsplätze finden, steht in unserem aktuellen Überblick.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: 26 % der neuen Auszubildenden hatten 2025 Abitur, Pressemitteilung vom 25.08.2026 (Berufsbildungsstatistik nach BBiG; ohne schulische Ausbildungen in Gesundheits- und Pflegeberufen)
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Anteile stammen unverändert aus der genannten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts.


