Eine Absage von Hochschulstart fühlt sich endgültig an – ist es aber nicht. Im September entscheidet sich ein erheblicher Teil der Studienplätze noch einmal neu, weil zugelassene Bewerberinnen und Bewerber ihre Plätze nicht annehmen. Wer weiß, wo diese Plätze auftauchen, hat in den kommenden Wochen drei reale Wege – und einen vierten, der oft der bessere ist.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | Absage von Hochschulstart: Nachrücken, Losverfahren und die Studienplatzbörse bis 31. Oktober – plus die Frage, die Sie jetzt stellen sollten. |
|---|---|
| Themenbereich | Bildung und Beruf, Hochschulen, Studienberatung |
| Veröffentlicht | 17. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | private Studienberatung, 1.400 Euro Festpreis mit Gutachten und Nachgespräch |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Weg 1: Nachrücken und Losverfahren
Jedes Zulassungsverfahren produziert Rückläufer. Wer einen Platz nicht annimmt, gibt ihn frei – und die Hochschulen vergeben ihn im Nachrückverfahren weiter. Bei bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin oder Zahnmedizin läuft das koordinierte Nachrücken zentral über hochschulstart.de; die genauen Termine veröffentlicht die Stiftung jedes Semester neu und sie sollten dort direkt geprüft werden.
Bei allen anderen Fächern liegt das Verfahren bei den Hochschulen selbst. Viele schließen daran ein Losverfahren an, in dem Restplätze unabhängig von der Abiturnote verlost werden. Zwei Dinge sind dabei entscheidend:
- Die Fristen sind kurz. Losverfahren laufen häufig nur wenige Tage und werden nicht breit beworben. Setzen Sie sich Erinnerungen für die Hochschulen, die für Sie infrage kommen.
- Jede Hochschule hat ein eigenes Formular. Eine zentrale Anmeldung gibt es nicht. Mehrfachbewerbungen sind zulässig und sinnvoll.
Wie das konkret aussieht, zeigt ein Beispiel aus diesem September: Die Universität Erfurt hat am 11. September für den Bachelor Primarpädagogik ein zweites Losverfahren gestartet. Beworben wird über das Portal der Hochschule, nicht über hochschulstart.de – und ein bereits erhaltener Studienplatz an anderer Stelle geht durch die Teilnahme nicht verloren.
Wie die Verfahren im Detail zusammenhängen, welche Quoten es gibt und worauf bei den Nachweisen zu achten ist, steht in unserem Leitfaden zu Zulassung und Bewerbung.
Weg 2: Die Studienplatzbörse der Hochschulrektorenkonferenz
Seit dem 1. August 2026 läuft die Studienplatzbörse der Hochschulrektorenkonferenz und ist noch bis zum 31. Oktober 2026 geöffnet. Dort melden Hochschulen ihre freien Plätze – zulassungsbeschränkte wie zulassungsfreie, Bachelor wie Master, quer durch alle Fächergruppen. Die Liste wird täglich aktualisiert.
Die Nutzung ist kostenlos und ohne Registrierung möglich: Sie filtern nach Fach und Ort, sehen die jeweilige Bewerbungsfrist und nehmen über ein Formular direkt Kontakt zur Hochschule auf. Für viele ist das der pragmatischste Weg, weil er das mühsame Abklappern einzelner Hochschulseiten ersetzt.
Ein Hinweis aus der Praxis: Die Börse belohnt Flexibilität beim Ort deutlich stärker als beim Fach. Wer bereit ist, für sein Wunschfach umzuziehen, findet dort erfahrungsgemäß mehr als jemand, der auf eine bestimmte Stadt festgelegt ist.
Weg 3: Ausbildung oder duales Studium – jetzt noch möglich
Der Ausbildungsmarkt ist im September ausdrücklich noch offen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende August bundesweit 116.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, und die Nachvermittlung läuft bis zum 30. September weiter. Wo Sie freie Ausbildungsplätze finden, haben wir zusammengestellt.
Das ist kein Trostpreis. Gut jeder vierte neue Azubi hat Abitur, im öffentlichen Dienst sogar fast jeder zweite – warum das so ist und welche Perspektiven daran hängen, steht in unserem Beitrag zur Ausbildung nach dem Abitur. Auch das duale Studium ist eine Option: Einige Anbieter besetzen Plätze bis kurz vor Semesterbeginn nach.
Der vierte Weg: die Absage als Zwischenfrage nehmen
Bevor Sie in vier Wochen einen Platz irgendwo annehmen, lohnt eine unbequeme Frage: War das Wunschfach wirklich das richtige – oder war es das naheliegendste? Absagen zwingen zu einer Entscheidung, die viele sonst aufschieben. Wer die Zeit bis zum Sommersemester oder zum nächsten Wintersemester bewusst nutzt, startet danach oft besser.
Sinnvoll gefüllte Wartezeit sieht so aus: ein Praktikum im angestrebten Feld, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, Auslandsaufenthalt, Werkstudententätigkeit. Alle Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen haben wir unter Nach dem Abitur gesammelt; speziell zum Studieneinstieg finden Sie Details unter Studium nach dem Abitur.
Und wenn die Richtung unklar ist?
Einen ersten Anhaltspunkt liefert unser kostenloser Studienwahltest. Wenn die Absage aber vor allem eines gezeigt hat – dass die Entscheidung für das Fach nie richtig belastbar war –, ist die Studienberatung der gründlichere Weg. Wir arbeiten mit eignungsdiagnostischen Verfahren nach DIN 33430, gleichen Interessen, Fähigkeiten und Anforderungen ab und leiten daraus konkrete Studien- und Berufsoptionen ab. Für alle, die auch den Ausbildungsweg mitdenken wollen, ist die Orientierungsberatung das passende Format.
Quellen
- Hochschulrektorenkonferenz: Studienplatzbörse im Hochschulkompass, Laufzeit 01.08. bis 31.10.2026
- Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeitsmarkt im August 2026, Presseinfo Nr. 31 vom 28.08.2026
- Universität Erfurt: Freie Studienplätze im Bachelor-Studiengang Primarpädagogik, Meldung vom 11.09.2026
- Statistisches Bundesamt: Anteil der neuen Auszubildenden mit Abitur 2025, Pressemitteilung vom 25.08.2026
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert.


