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Geschlechter Stereotypen im Rahmen von Pisa

Die Zeitschrift Science Advances hat eine Studie veröffentlicht, die Stereotype untersucht, die von einer unterschiedlichen Begabung und Talent nach dem Geschlecht ausgehen. Die Autoren untersuchen dahingehend gesellschaftlich verankerte Vorurteile wie etwa, dass Männer grundsätzlich begabter und talentierter als Frauen seien. Sie zogen dazu die Ergebnisse der PISA-Studie 2018 heran, deren Proband*innen mehr als eine halbe  Millionen Schüler*innen aus insgesamt 72 Ländern umfasst. In der Studie konnte festgestellt werden, dass Talent und Begabung in fast allen untersuchten Ländern generell eher mit Männern assoziiert wird. Mädchen halten sich zudem selbst für weniger talentiert, als Jungen. So stimmten 61% der 15-jährigen Probandinnen der Aussage zu: „Wenn ich versage, habe ich Angst, dass ich vielleicht nicht genug Talent habe.“ Bei den männlichen Probanden stimmen lediglich 47% dieser Aussage zu.

Je höher entwickelt das Land, desto stärker der Glaube an Stereotype

Entgegen der intuitiven Annahme, dass Stereotype, die das Geschlecht betreffen mit steigender Entwicklung eines Staates an Bedeutung verlieren, stellt die Studie heraus, dass Mädchen weniger an ihre eigenen Talente glauben, je höher entwickelt das Land ist. Allein die befragten Schülerinnen aus Saudi-Arabien glauben mehr an ihre Talente, als die befragten Schüler des Landes. In allen anderen Ländern glauben Mädchen weniger an ihre Begabungen und Talente als Jungen. Dies liegt vermutlich an der großen Bedeutung des Individualismus in wohlhabenderen Ländern. Die Autoren vermuten, dass dieser verantwortlich ist, für ein Zurückfallen in alte und leicht verarbeitbare Geschlechterrollen. Als weitere Begründung führen sie zudem an, dass in vielen weniger hoch entwickelten Ländern ein anderes Verständnis von Intelligenz herrscht. In Indien oder Südafrika wird beispielsweise angenommen, dass jeder das Potenzial für hohe Intelligenz in sich trägt, während in in westlichen Ländern davon ausgegangen wird, dass hohe Intelligenz immer auch in Teilen eine Frage von Talent und Begabung ist.

Unterschiede bei Geschlecht größer bei Vergleich von leistungsstarken Schüler*innen

Der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in ihrer eigenen Zuschreibung von Talent und Begabung ist zudem größer bei leistungsstarken Schüler*innen. Demnach schätzen sich leistungsstarke Jungen insgesamt als talentierter ein als leistungsstarke Mädchen. Das macht Mädchen empfänglich für das sogenannte „Hochstappler-Syndrom“, bei dem sich Menschen trotz objektiver Beweise für ihre Kompetenz als unzureichend empfinden. Jungen könnten dahingehend anfälliger dafür sein, die Rolle von Arbeit und Eigeninitiative für den gewünschten Erfolg zu unterschätzen.

 

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Über den Autor Lisa Schraets

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