Am 28. August 2026 hat die TU Darmstadt den dritten KI-Monitor vorgelegt. Über 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen wurden gemeinsam mit YouGov befragt – und das auffälligste Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Annahme: Nicht die Ahnungslosen sorgen sich am meisten um ihren Arbeitsplatz, sondern diejenigen, die Künstliche Intelligenz am besten verstehen.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | Der KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt zeigt: Nur 15 Prozent haben eine KI-Weiterbildung besucht, und wer KI versteht, sieht den eigenen Job kritischer. |
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| Themenbereich | Arbeitsmarkt, Beruf, Bildung und Beruf |
| Veröffentlicht | 25. Oktober 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | Karriereberatung ab 160 Euro je Stunde, Orientierungs-Beratung ab 900 Euro |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach wissenschaftlichen Standards, sieben Standorte in Deutschland |

Der blinde Fleck: 59,7 Prozent gegen 15,7 Prozent
Die Studie stellt zwei Fragen nebeneinander, die selten zusammen gestellt werden. Erstens: Halten Sie es für wahrscheinlich, dass KI in vielen Berufen menschliche Arbeit ersetzt? Zweitens: Halten Sie das für Ihren eigenen Arbeitsplatz für wahrscheinlich?
Die Antworten liegen weit auseinander. 59,7 Prozent der Erwerbstätigen rechnen allgemein mit Verdrängung, aber nur 15,7 Prozent sehen den eigenen Job in Gefahr. Sozialpsychologisch ist dieses Muster als Optimism Bias bekannt: Risiken werden für andere realistisch eingeschätzt und für sich selbst systematisch kleingerechnet. Das ist menschlich – nur führt es dazu, dass viele erst reagieren, wenn die Veränderung bereits am eigenen Schreibtisch angekommen ist.
Wer mehr weiß, sorgt sich mehr
Interessanter ist, wer diesen blinden Fleck nicht hat. Unter den Befragten mit sehr gutem KI-Know-how rechnen laut Pressemitteilung der TU Darmstadt 43 Prozent damit, dass KI ihre Arbeit übernehmen könnte – fast dreimal so viele wie im Durchschnitt. Studienleiter Prof. Dr. Peter Buxmann ordnet das nicht als Panik ein, sondern als Realismus: Wer die Werkzeuge täglich benutzt, sieht genauer, was sie können.
Dasselbe Muster zeigt sich nach Position und Generation. Führungskräfte halten ihren eigenen Job häufiger für ersetzbar (22,8 Prozent) als Beschäftigte ohne Führungsverantwortung (13,1 Prozent), und die Generation Z (21,0 Prozent) blickt deutlich skeptischer auf die eigene Position als die Babyboomer (7,7 Prozent).
Die Weiterbildungslücke ist das eigentliche Problem
Genutzt wird KI längst breit: 72,3 Prozent der Befragten haben sie schon einmal eingesetzt, vor allem für Recherche und Lernen (71,0 Prozent) sowie für Texte (51,9 Prozent). Nur schätzen gerade einmal 21,8 Prozent ihre eigenen Kenntnisse als hoch oder sehr hoch ein. Zwischen Ausprobieren und Können liegt also eine erhebliche Strecke.
Geschlossen wird sie kaum. Nur 15 Prozent der Bevölkerung haben an einer KI-Weiterbildung teilgenommen. Unter Erwerbstätigen sind es 23,2 Prozent, unter Arbeitsuchenden dagegen nur rund 4 Prozent – ausgerechnet die Gruppe, die eine solche Qualifizierung am dringendsten bräuchte. Und auch innerhalb der Betriebe verteilt sich die Förderung ungleich: 35,2 Prozent der Führungskräfte haben ein KI-Training absolviert, aber nur 18,6 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung.
Hinzu kommen die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz. 52,3 Prozent dürfen KI beruflich nutzen, meist mit Einschränkungen; 19,5 Prozent berichten von einem Verbot. Zwischen den Branchen liegen Welten: In IT, Medien und Wissensarbeit ist die Nutzung für 83,0 Prozent erlaubt, in Handel und Logistik nur für 39,7 Prozent. Wer den Umgang mit KI im Job schlicht nicht üben darf, baut auch keine Kompetenz auf – und steht bei der nächsten Bewerbung schlechter da als jemand aus einem offeneren Umfeld. Wie sich das auf Auswahlverfahren auswirkt, zeigt unser Überblick zu KI und Beruf.
Nicht die Branche entscheidet, sondern die Tätigkeit
Der vielleicht praktischste Befund der Studie: Ob ein Arbeitsplatz unter Druck gerät, hängt weniger an der Branche als an zwei Merkmalen der Tätigkeit selbst – der eigenen KI-Affinität und der Digitalisierbarkeit des Arbeitsergebnisses. Entsteht am Ende eines Arbeitstages ein Dokument, ein Code, eine Auswertung, ein Entwurf? Dann ist die Schnittmenge mit dem, was Sprachmodelle können, groß. Entsteht dagegen etwas Physisches, oder besteht die Arbeit aus Aushandlung, Betreuung und Verantwortung vor Ort, ist sie klein.
Das erklärt, warum sich in der Befragung Beschäftigte aus IT, Medien und Wissensarbeit (23,9 Prozent) und aus der Produktion (21,0 Prozent) häufiger betroffen sehen als Menschen aus Gesundheit, Bildung und Soziales (12,5 Prozent) oder aus Bau und Handwerk (12,3 Prozent). Wer diese Logik auf den eigenen Arbeitstag anwenden möchte, findet in unserem KI-Risiko-Check eine strukturierte Anleitung; ergänzend zeigen wir, welche Berufe KI ersetzt und welche Berufe vergleichsweise KI-sicher sind.
Was Sorgen macht – und was nicht
Bemerkenswert ist auch, worüber sich die Befragten Gedanken machen. Ganz oben stehen keine Science-Fiction-Szenarien, sondern Alltagsprobleme: falsche Inhalte und Halluzinationen (66,3 Prozent), mangelnde Nachvollziehbarkeit (61,8 Prozent), Datenschutz (61,4 Prozent). Immerhin 50,4 Prozent fürchten den Verlust eigener Fähigkeiten – die Sorge, dass Routine im Denken verlernt wird, wenn sie dauerhaft ausgelagert wird.
Insgesamt bleibt das Stimmungsbild ambivalent: 25,7 Prozent sehen überwiegend Chancen, 28,8 Prozent überwiegend Risiken, 40,8 Prozent halten beides für ausgeglichen. Das ist keine Technikfeindlichkeit, sondern eine abwartende Haltung.
Fünf Konsequenzen für die eigene Laufbahn
- Schätzen Sie die Tätigkeit ein, nicht den Berufstitel. Fast jeder Beruf besteht aus mehreren Aufgabenbündeln. Betroffen sind selten alle gleichzeitig – aber fast immer einige.
- Warten Sie nicht auf ein Angebot des Arbeitgebers. 15 Prozent Weiterbildungsquote heißt: Die meisten Betriebe qualifizieren nicht systematisch. Der erste Schritt ist deshalb in der Regel ein eigener.
- Üben Sie dort, wo es erlaubt ist. Gilt im Job ein Verbot, bleiben private Projekte, Kurse und Ehrenämter. Kompetenz entsteht durch Anwendung, nicht durch Lektüre.
- Bauen Sie das aus, was schwer zu automatisieren ist. Beratung, Aushandlung, Verantwortung, Kontextwissen über Menschen und Organisationen. Eine Standortbestimmung liefert unser kostenloser Future-Skills- und Digital-Readiness-Test.
- Denken Sie in Übergängen, nicht in Brüchen. Der übliche Weg aus einem gefährdeten Feld führt über eine angrenzende Rolle, nicht über einen kompletten Neuanfang. Welche Wege es gibt, zeigt unser Bereich Weiterbildung und Umschulung.
Wenn die Frage grundsätzlicher ist
Für manche bleibt es bei einer Anpassung im bestehenden Job. Für andere ist der KI-Monitor der Anlass, eine Frage zu stellen, die schon länger im Raum steht: Passt dieser Beruf noch zu mir und zu dem, was der Arbeitsmarkt in zehn Jahren braucht? Wir haben dazu einen eigenen Leitfaden zur beruflichen Neuorientierung im KI-Zeitalter zusammengestellt.
Wer diese Frage nicht allein beantworten möchte, findet in unserer Berufsberatung und in der Potenzialanalyse einen strukturierten Rahmen. Wir arbeiten mit eignungsdiagnostischen Verfahren nach wissenschaftlichen Standards und gleichen Fähigkeiten, Interessen und Marktentwicklung systematisch ab – statt auf ein Bauchgefühl zu setzen, das laut dieser Studie ohnehin dazu neigt, das eigene Risiko zu unterschätzen. Wie sich die Entwicklung auf den Arbeitsmarkt insgesamt auswirkt, haben wir im Beitrag zu KI und Arbeitsmarkt beschrieben; wie Studierende die Technik heute nutzen, zeigt unser Beitrag zu KI im Studium.
Quellen
- TU Darmstadt, Fachgebiet Wirtschaftsinformatik (Prof. Dr. Peter Buxmann): KI-Monitor 2026 – Wie blickt Deutschland auf Künstliche Intelligenz?, Befragung mit YouGov, über 2.000 Personen
- TU Darmstadt: Pressemitteilung „Wer KI versteht, hat mehr Angst vor Jobverlust“, 28. August 2026
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Werte stammen aus dem KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt.


