IT-Fachkräftemangel halbiert: Was das für die Studien- und Ausbildungswahl heißt

Veröffentlicht am 23. September 2026

Lange galt die IT als sicherer Hafen: Wer Informatik studiert oder eine Ausbildung zum Fachinformatiker macht, findet garantiert einen Job. Die neuen Zahlen des Digitalverbands Bitkom korrigieren dieses Bild. Aktuell sind in Deutschland rund 79.000 IT-Stellen unbesetzt – 2025 waren es noch 109.000, 2023 sogar 149.000. Der Fachkräftemangel in der IT hat sich damit in drei Jahren fast halbiert. Verschwunden ist er aber nicht, und das ist für Ihre Studien- oder Ausbildungswahl die wichtigere Nachricht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

KurzfassungNur noch 79.000 offene IT-Stellen statt 149.000 im Jahr 2023, doch 97 % der Firmen finden kaum Passende. Was das für Ihre Studien- und Ausbildungswahl heißt.
ThemenbereichArbeitsmarkt, Berufsausbildung, Berufswahl
Veröffentlicht23. September 2026
AutorJan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts
Passende Leistung des Institutsprivate Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige
HerausgeberProfiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland
Balkengrafik: offene IT-Stellen in Deutschland 2023 149.000, 2025 109.000, 2026 79.000
Offene IT-Stellen in Deutschland laut Bitkom. Grafik: KI-generiert.

Was die Bitkom-Zahlen zeigen

Bitkom Research hat im Frühjahr 2026 telefonisch 853 bzw. 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten befragt. Die Kernergebnisse:

  • Weniger offene Stellen: 79.000 statt 109.000 im Vorjahr und 149.000 im Jahr 2023.
  • Besetzen bleibt schwer: 97 Prozent der Unternehmen tun sich schwer, IT-Stellen zu besetzen. 78 Prozent sehen weiterhin einen Mangel an IT-Fachkräften, 14 Prozent ein ausreichendes Angebot, 5 Prozent ein Überangebot.
  • Gesucht werden vor allem Administration und Systembetreuung (26 Prozent), Softwareentwicklung und -architektur (17 Prozent), Cloud und Infrastruktur (14 Prozent) sowie IT-Sicherheit (11 Prozent).

Der Engpass hat sich also verschoben: Es fehlen nicht mehr einfach Köpfe, es fehlen die passenden. Das zeigen auch die Hürden, die Unternehmen bei der Einstellung nennen – fehlende Deutschkenntnisse (47 Prozent), eine nicht ausreichende fachliche Qualifikation (43 Prozent) und fehlendes Wissen über aktuelle Technologien (33 Prozent). 31 Prozent erhalten schlicht kaum Bewerbungen.

Und die KI?

Naheliegend ist die Vermutung, dass künstliche Intelligenz die Nachfrage drückt. Die Befragung stützt das nur begrenzt. 42 Prozent der Unternehmen mit IT-Personal setzen KI bereits in der IT-Abteilung ein, weitere 36 Prozent planen es. Doch nur 10 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen, haben deshalb Stellen abgebaut. 65 Prozent erwarten keinen Stellenabbau durch KI, 32 Prozent rechnen damit. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fasst es so zusammen: KI übernehme zwar einzelne Aufgaben, gleichzeitig entstünden neue Anforderungen.

Der Rückgang der offenen Stellen dürfte deshalb mehrere Ursachen haben – die schwache Konjunktur ebenso wie die Automatisierung einfacher Routinearbeiten. Wie sich KI auf einzelne Berufe auswirkt, beleuchten wir ausführlich unter Welche Berufe ersetzt KI? und im Überblick KI und Beruf.

Was das für Ihre Studien- und Ausbildungswahl heißt

Die Botschaft ist nicht „IT lohnt sich nicht mehr“, sondern: IT ist kein Selbstläufer mehr. Wer sich für ein Informatikstudium oder eine IT-Ausbildung entscheidet, sollte das aus Interesse und Eignung tun – nicht, weil die Branche jeden nimmt. Drei Punkte helfen bei der Entscheidung:

  • Auf die gesuchten Felder schauen. Systembetreuung, Cloud und IT-Sicherheit sind Bereiche, in denen auch eine Ausbildung trägt. Die Ausbildung zum Fachinformatiker gibt es in vier Fachrichtungen, von der Systemintegration bis zur Anwendungsentwicklung.
  • Tiefe statt Oberfläche. Wenn 43 Prozent der Unternehmen die fachliche Qualifikation bemängeln, zählt solides Grundlagenwissen mehr als eine Liste von Tools. Das spricht für eine gründliche Ausbildung oder ein Informatikstudium mit klarer Vertiefung. Wer Technik und Betriebswirtschaft verbinden will, schaut sich die Wirtschaftsinformatik an.
  • Kommunikation nicht unterschätzen. Sprache und Zusammenarbeit tauchen in der Liste der Einstellungshürden weit oben auf. IT-Arbeit ist Teamarbeit mit Fachabteilungen und Kunden – mehr dazu unter Soft Skills.

Wie sich IT im Vergleich zu anderen Berufsfeldern entwickelt, zeigt unser Ranking der Berufe mit den besten Zukunftsaussichten 2026. Einen Überblick über neue Tätigkeitsfelder rund um künstliche Intelligenz finden Sie unter KI-Berufe.

Passt IT überhaupt zu Ihnen?

Ein schrumpfender Mangel macht die Frage nach der Passung wichtiger, nicht unwichtiger. Einen ersten Eindruck liefern unser kostenloser Berufswahltest und der Studienwahltest. Für eine belastbare Einschätzung arbeiten wir in der Berufsberatung und der Studienberatung mit Verfahren nach DIN 33430 – also mit Instrumenten, deren Güte nachgewiesen ist.

Einordnung der Quelle

Bitkom ist der Branchenverband der Digitalwirtschaft und damit Interessenvertretung. Die Befragung ist nach Angaben des Verbands repräsentativ; sie wurde telefonisch von Bitkom Research durchgeführt, Feldzeit war die 18. bis 25. Kalenderwoche 2026. Die Zahl der offenen Stellen beruht auf Hochrechnungen aus den Unternehmensangaben, nicht auf gemeldeten Stellen der Bundesagentur für Arbeit.

Quellen

  • Bitkom e. V.: „IT-Fachkräftemangel in den letzten drei Jahren halbiert“, Presseinformation vom 03.09.2026 – bitkom.org

Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Werte stammen unverändert aus der genannten Veröffentlichung.

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