Nur noch 65,7 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist der niedrigste Wert, den der Ausbildungsreport der DGB-Jugend je gemessen hat. Im Vorjahr waren es noch 71,6 Prozent. Der Schwerpunkt des Reports 2026 erklärt einen Teil des Rückgangs: Jede und jeder zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | DGB-Ausbildungsreport 2026: Zufriedenheit auf Tiefstwert (65,7 %), 50,6 % psychisch belastet, jeder Dritte ohne Ausbildungsplan. Zahlen, Berufe und Fragen fürs Gespräch. |
|---|---|
| Themenbereich | Berufsausbildung, Berufseinstieg, Gesundheit |
| Veröffentlicht | 28. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | private Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Die wichtigsten Ergebnisse
Für den Report hat die DGB-Jugend 13.227 Auszubildende aus den 25 am häufigsten gewählten dualen Ausbildungsberufen befragt, veröffentlicht wurde er am 20. August 2026. Das Schwerpunktthema ist in diesem Jahr die mentale Gesundheit.
- Zufriedenheit: 65,7 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden, 5,9 Prozentpunkte weniger als 2025 und ein Tiefstwert.
- Psychische Belastung: 50,6 Prozent fühlen sich belastet. Die häufigsten Gründe sind Leistungs- und Zeitdruck (20,9 Prozent), Personalmangel und Verantwortungsdruck – jeweils rund ein Fünftel der Befragten.
- Allein damit: 41,7 Prozent der Belasteten haben niemanden, mit dem sie darüber sprechen können.
- Geld: 49,9 Prozent belastet ihre finanzielle Lage.
- Überstunden: 35,4 Prozent leisten regelmäßig Überstunden (2025: 32,3 Prozent).
- Ausbildungsfremde Tätigkeiten: 16,3 Prozent müssen immer oder häufig Aufgaben erledigen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben – ein Höchststand.
- Ausbildungsplan: 34,5 Prozent haben keinen betrieblichen Ausbildungsplan, bei 11,6 Prozent ist die Ausbilderin oder der Ausbilder selten oder nie anwesend.
Große Unterschiede zwischen den Berufen
Wie gut eine Ausbildung läuft, hängt stark vom Beruf ab. Zu den am besten bewerteten Berufen gehören Industriemechaniker, Mechatroniker, Verwaltungsfachangestellte, Bankkaufleute und Elektroniker für Betriebstechnik. Am unteren Ende stehen Friseure, Zahnmedizinische Fachangestellte, Hotelfachleute, Maler und Lackierer sowie Köche. Die Spanne ist beträchtlich: Bei den Verwaltungsfachangestellten sind 81,8 Prozent zufrieden, bei den Hotelfachleuten nur 53,6 Prozent.
Ein Faktor wirkt quer über alle Berufe: Wo es im Betrieb eine Interessenvertretung gibt, also einen Betriebsrat oder eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, sind 75,7 Prozent zufrieden – deutlich mehr als im Durchschnitt.
Warum das für die Berufswahl zählt
Wenn ein Ausbildungsverhältnis scheitert, liegt das selten nur am Beruf und selten nur am Betrieb. Häufig passt beides nicht zusammen: die Erwartungen an den Beruf, das Arbeitsumfeld und die eigenen Stärken. Der Report zeigt, dass Belastung dort entsteht, wo Zeitdruck, fehlende Anleitung und unklare Aufgaben aufeinandertreffen. Wer vorher weiß, was ihn erwartet, und einen Beruf wählt, der zu den eigenen Interessen passt, kommt mit schwierigen Phasen besser zurecht.
Für die Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz helfen ein paar Fragen im Vorstellungsgespräch:
- Gibt es einen schriftlichen Ausbildungsplan? Er ist gesetzlich vorgeschrieben, fehlt aber bei jedem Dritten.
- Wer betreut mich im Alltag? Fragen Sie, wie viel Zeit die Ausbilderin oder der Ausbilder tatsächlich hat.
- Wie werden Überstunden geregelt? Für Auszubildende gelten klare Regeln, und Überstunden müssen vergütet oder ausgeglichen werden.
- Gibt es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung? Die Zahlen zeigen, dass sie einen Unterschied macht.
- Kann ich mit früheren Azubis sprechen? Das sagt oft mehr als jede Hochglanzbroschüre.
Welche Berufe zu Ihnen passen, können Sie mit unserem kostenlosen Berufswahltest und dem Persönlichkeitstest für Jugendliche eingrenzen. Einen Überblick über mehr als 300 Berufe bietet unser Bereich Ausbildungsberufe, auf Einstellungstests bereitet unser Einstellungstest-Trainer vor. Wer bereits über einen Ausbildungsabbruch nachdenkt, sollte die Entscheidung nicht allein treffen: In der Berufsberatung klären wir mit normierten Tests nach DIN 33430, ob ein Wechsel des Betriebs oder des Berufs der richtige Weg ist.
Für Ausbildungsbetriebe
Der Report ist auch eine Botschaft an die Betriebe. Wer Auszubildende passend auswählt und gut begleitet, senkt das Risiko von Abbrüchen deutlich. Wie eine strukturierte, faire Auswahl gelingt, zeigen wir auf unserer Seite zur Auswahl von Auszubildenden. Die DGB-Jugend fordert unter anderem Fort- und Weiterbildungen zu mentaler Gesundheit für Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte, eine verbindliche Arbeitszeiterfassung und eine Mindestausbildungsvergütung von mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung.
Einordnung
Der Ausbildungsreport ist eine Befragung der Gewerkschaftsjugend in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Er ist nicht repräsentativ für alle Ausbildungsberufe, aber wegen der großen Stichprobe und der jährlichen Wiederholung ein guter Gradmesser für Entwicklungen. Die Zahlen zur psychischen Belastung beruhen auf Selbstauskünften und sind keine klinischen Diagnosen.
Quellen
- DGB-Jugend: Ausbildungsreport 2026, Schwerpunkt Mentale Gesundheit (PDF) – dgb.de
- DGB: Pressemitteilung vom 20.08.2026 – dgb.de
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert.


