Bildung auf einen Blick 2026: Nur noch 38 Prozent mit Ausbildung als höchstem Abschluss

Veröffentlicht am 16. Oktober 2026

Deutschland galt lange als das Land der Berufsausbildung. Der neue OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2026“ zeigt, wie stark sich das verschoben hat. Unter den 25- bis 34-Jährigen hatten 2015 noch 51 Prozent einen beruflichen Abschluss als höchsten Bildungsabschluss. 2025 waren es 38 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen ohne Berufsausbildung und ohne Abitur leicht gestiegen. Für die Frage „Ausbildung oder Studium“ liefert der Bericht damit mehr als eine Schlagzeile.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

KurzfassungNur noch 38 statt 51 Prozent der jungen Erwachsenen haben eine Ausbildung als höchsten Abschluss. Die OECD-Zahlen 2026 für die Wahl zwischen Ausbildung und Studium.
ThemenbereichBerufsausbildung, Berufsorientierung, Bildung und Beruf
Veröffentlicht16. Oktober 2026
AutorJan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts
Passende Leistung des Institutsprivate Berufsberatung, 1.400 Euro für Schüler und Abiturienten, ab 900 Euro für Berufstätige
HerausgeberProfiling Institut, Eignungsdiagnostik nach wissenschaftlichen Standards, sieben Standorte in Deutschland
Balkengrafik OECD Bildung auf einen Blick 2026 für 25- bis 34-Jährige in Deutschland: beruflicher Abschluss als höchster Abschluss 2015 51 Prozent und 2025 38 Prozent, Tertiärabschluss 2015 30 Prozent und 2025 41 Prozent, ohne Abschluss der Sekundarstufe II 2025 knapp 14 Prozent
Höchster Bildungsabschluss der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland, 2015 und 2025. Grafik: KI-generiert.

Worum es im Bericht geht

Die OECD hat „Education at a Glance 2026“ am 29. September 2026 veröffentlicht. Der Bericht vergleicht jährlich die Bildungssysteme der Mitgliedsstaaten anhand von Kennzahlen: Abschlüsse, Beschäftigung, Ausgaben, Personal. Er misst keine Schülerleistungen wie die PISA-Studie. Schwerpunkt der Ausgabe 2026 ist der Lehrkräftemangel. Die deutschen Ergebnisse haben Kultusministerkonferenz und Bundesbildungsministerium gemeinsam vorgestellt.

Die Verschiebung: weniger Ausbildung, mehr Studium

Entscheidend ist, was die 38 Prozent genau messen. Gezählt werden junge Erwachsene, deren höchster Abschluss eine Berufsausbildung ist. Wer nach der Lehre den Meister, den Techniker oder ein Studium anschließt, fällt aus dieser Gruppe heraus und zählt zum sogenannten Tertiärbereich. Der Rückgang bedeutet also nicht, dass 13 Prozentpunkte weniger eine Ausbildung gemacht haben. Er bedeutet, dass für deutlich weniger junge Menschen die Ausbildung der Endpunkt ist.

  • Beruflicher Abschluss als höchster Abschluss: von 51 auf 38 Prozent. Im OECD-Schnitt sank der Wert nur von 25 auf 23 Prozent.
  • Tertiärabschluss: 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen, elf Prozentpunkte mehr als 2015. Dazu zählen Hochschulabschlüsse, aber auch Meister, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Abschlüsse Bachelor Professional und Master Professional.
  • Ohne Abschluss der Sekundarstufe II: knapp 14 Prozent, also weder Berufsausbildung noch Hochschulreife. In Deutschland ist der Anteil leicht gestiegen. Im OECD-Schnitt ist er seit 2015 von 17 auf 12 Prozent gefallen.

Deutschland liegt beim Anteil der Berufsabschlüsse damit immer noch weit über dem internationalen Durchschnitt. Der Abstand schrumpft aber schnell.

Was ein Berufsabschluss am Arbeitsmarkt wert ist

Die Zahlen sprechen nicht gegen die Ausbildung. Von den 25- bis 34-Jährigen mit beruflichem Abschluss sind in Deutschland 89 Prozent beschäftigt, die Erwerbslosenquote liegt bei 3,4 Prozent. Im OECD-Schnitt sind es 83 Prozent Beschäftigte.

Das Statistische Bundesamt hat die Daten für alle Erwerbsalter ausgewertet. Danach waren 2025 von den 25- bis 64-Jährigen beschäftigt:

  • mit niedrigem Bildungsstand 63 Prozent (2015: 59 Prozent),
  • mit mittlerem Bildungsstand, also Abitur oder Berufsausbildung, 83 Prozent (2015: 80 Prozent),
  • mit hohem Bildungsstand, also Studium, Meister oder Techniker, 88 Prozent (2015: 88 Prozent).

Der Abstand zwischen mittlerem und hohem Bildungsstand ist innerhalb von zehn Jahren von acht auf fünf Prozentpunkte geschrumpft. Die eigentliche Trennlinie am Arbeitsmarkt verläuft nicht zwischen Ausbildung und Studium. Sie verläuft zwischen einem Abschluss und keinem.

Die Risikogruppe: knapp 14 Prozent ohne Abschluss

Dass der Anteil der jungen Erwachsenen ohne Ausbildung und ohne Abitur in Deutschland steigt, während er international sinkt, ist die unbequemste Zahl des Berichts. Dazu passt eine zweite: 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sind weder in Beschäftigung noch in Schule, Ausbildung oder Studium. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2015, auch wenn Deutschland damit noch unter dem OECD-Schnitt von 13 Prozent liegt.

Die Zahl ist nicht deckungsgleich mit den 18,8 Prozent aus dem Bildungsmonitor 2026. Dort geht es um junge Erwachsene ohne Berufsabschluss; wer Abitur hat, aber keine Ausbildung und kein Studium abgeschlossen hat, zählt dort mit, bei der OECD-Kennzahl nicht. Beide Werte beschreiben dasselbe Problem aus verschiedenen Blickwinkeln.

Weitere Ergebnisse für Deutschland

  • MINT: 34 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen schließen ein Fach aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik ab. Das ist nach Angaben der Kultusministerkonferenz der höchste Wert im OECD-Vergleich.
  • Frühe Bildung: 96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen eine Kita oder Vorschule, im OECD-Schnitt 90 Prozent.
  • Ausgaben: Deutschland gibt je Bildungsteilnehmer 16.430 US-Dollar aus, der OECD-Schnitt liegt bei 14.861.
  • Lehrkräfte: Der Schwerpunkt des Berichts bestätigt, was die Schulen spüren. Die Zahlen und die Prognose dazu finden Sie in unserem Beitrag zum Lehrkräftemangel in Deutschland.

Was das für die Entscheidung nach der Schule heißt

  • Die Ausbildung ist kein Abstellgleis. Die Beschäftigungsquote liegt nah an der von Akademikern, und der Weg über Meister, Techniker oder ein späteres Studium steht offen. Dass sich immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten bewusst so entscheiden, zeigt unser Beitrag Jeder vierte neue Azubi hat Abitur.
  • Der Trend zum Studium ist kein Argument für das Studium. Dass mehr junge Menschen studieren, sagt nichts darüber, ob es für Sie oder Ihr Kind der passende Weg ist. Die Entscheidungshilfe für Eltern steht unter Duales Studium oder Ausbildung.
  • Riskant ist vor allem, gar nichts abzuschließen. Wer eine Ausbildung oder ein Studium abbricht, sollte schnell einen neuen Anlauf planen, statt die Entscheidung aufzuschieben.

Ob eher ein praktischer oder ein akademischer Weg zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt, lässt sich klären, bevor Bewerbungsfristen ablaufen. Einen ersten Anhaltspunkt geben der kostenlose Berufswahltest für Schüler und der Studienwahltest. Eine fundierte Einschätzung auf Grundlage einer Eignungsdiagnostik nach wissenschaftlichen Standards erhalten Sie in unserer Berufsberatung. Einen Überblick über einzelne Wege bieten die Bereiche Ausbildungsberufe und Studienwahl.

Quellen

  • OECD: Education at a Glance 2026, veröffentlicht am 29.09.2026 – oecd.org
  • Kultusministerkonferenz und Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: gemeinsame Pressemitteilung vom 29.09.2026 – kmk.org
  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 343 vom 29.09.2026 – destatis.de

Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Werte stammen aus den genannten Quellen; der Tertiärwert für 2015 ist aus dem Anstieg um elf Prozentpunkte errechnet.

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