16 Bewerbungen je Stelle, nur vier passen: was die IAB-Zahlen über Absagen verraten

Veröffentlicht am 24. September 2026 Aktualisiert am 15. Oktober 2026

Auf eine sozialversicherungspflichtige Stelle kamen 2025 im Schnitt 16 Bewerbungen – 2022 waren es noch neun. Mehr Auswahl also für die Betriebe? Nur auf dem Papier. Aus betrieblicher Sicht waren davon nur rund vier geeignet, das sind 28 Prozent. Fast drei von vier Bewerbungen fallen durch, bevor überhaupt ein Gespräch stattfindet. Das zeigt die aktuelle IAB-Stellenerhebung, und sie verschiebt die Frage, die sich viele nach einer Absage stellen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

KurzfassungAuf eine Stelle kamen 2025 im Schnitt 16 Bewerbungen, nur rund vier davon passten. Was die IAB-Stellenerhebung über Absagen zeigt und was Sie ändern können.
ThemenbereichArbeitsmarkt, Beruf, Bildung und Beruf
Veröffentlicht24. September 2026
Aktualisiert15. Oktober 2026
AutorJan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts
Passende Leistung des InstitutsKarriereberatung ab 160 Euro je Stunde, Orientierungs-Beratung ab 900 Euro
HerausgeberProfiling Institut, Eignungsdiagnostik nach wissenschaftlichen Standards, sieben Standorte in Deutschland
Balkengrafik: 9 Bewerbungen je Stelle 2022, 16 im Jahr 2025, davon rund 4 geeignet
Mehr Bewerbungen, kaum mehr passende: Werte der IAB-Stellenerhebung. Grafik: KI-generiert.

Was die IAB-Zahlen zeigen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung befragt jedes Quartal Tausende Arbeitgeber, im zweiten Quartal 2026 waren es 8.529. Aus den Angaben zu den zuletzt besetzten Stellen ergibt sich ein klares Bild:

  • Die Zahl der Bewerbungen ist stark gestiegen – von 9 auf 16 je Neueinstellung.
  • Der Anteil geeigneter Bewerbungen ist klein – rund 28 Prozent. Bei Stellen für Spezialisten und Experten liegt er mit 23 Prozent noch darunter.
  • Große Betriebe ziehen den Andrang an. Betriebe mit mindestens 250 Beschäftigten erhielten im Schnitt 27 Bewerbungen je Stelle, kleine Betriebe unter 50 Beschäftigten nur 8.

Das IAB spricht von einer schlechten Passung zwischen Angebot und Nachfrage – möglicherweise eine Folge der wirtschaftlichen Umbrüche, die Menschen aus ihren bisherigen Tätigkeiten drängen, und des gestiegenen Konkurrenzdrucks. Einzelne Absagegründe schlüsselt die Erhebung nicht auf.

Warum „mehr bewerben“ selten die Lösung ist

Wer viele Absagen bekommt, reagiert meist mit mehr Bewerbungen. Die IAB-Zahlen legen nahe, dass genau das den Engpass verschärft: Die Betriebe sortieren eine wachsende Menge an Unterlagen, von denen die meisten schon an den formalen Anforderungen scheitern. Eine weitere Bewerbung auf eine Stelle, die nicht passt, erhöht die Chancen kaum – sie erhöht nur die Zahl der Absagen.

Der wirksamere Hebel liegt vorher: bei der Frage, auf welche Stellen Sie sich überhaupt bewerben. Drei Punkte lohnen einen ehrlichen Blick:

  • Muss-Anforderungen. Abschluss, Berufserfahrung, Führerschein, Sprachniveau: Wo diese Punkte fehlen, sortieren viele Betriebe und automatisierte Bewerbermanagementsysteme früh aus.
  • Anforderungsniveau. Gerade bei Spezialisten- und Expertenstellen ist der Anteil passender Bewerbungen am niedrigsten. Eine Stufe zu hoch zu zielen, ist einer der häufigsten Gründe für Serienabsagen.
  • Betriebsgröße. Bei großen Arbeitgebern konkurrieren Sie im Schnitt mit dreimal so vielen Bewerbungen wie bei kleinen. Mittelständische und kleine Betriebe sind oft die realistischere Adresse.

Passung ist messbar – auch vor der Bewerbung

Viele Unternehmen prüfen Passung inzwischen nicht mehr nur über Zeugnisse, sondern mit Online-Tests, strukturierten Interviews oder Assessment-Centern. Wie diese Verfahren arbeiten und warum kognitive Tests zu den treffsichersten Instrumenten der Personalauswahl gehören, haben wir im Beitrag zu Intelligenztests in der Personalauswahl beschrieben. Wer vor einem solchen Verfahren steht, kann mit unserem kostenlosen Einstellungstest-Trainer üben; für das Assessment-Center gibt es einen eigenen Leitfaden.

Der Umkehrschluss ist genauso wichtig: Dieselben Fragen, mit denen Betriebe Passung prüfen, können Sie sich selbst stellen, bevor Sie Unterlagen verschicken. Welche Tätigkeiten liegen Ihnen, welche Arbeitsumgebung trägt Sie, wo liegen Ihre Stärken im Vergleich zu anderen? Einen ersten Anhaltspunkt liefert der kostenlose Berufswahltest, für Schülerinnen und Schüler der Berufswahltest für Schüler.

Was das für Ihre nächste Bewerbung heißt

  • Weniger, aber gezielter. Zehn Bewerbungen auf passende Stellen bringen mehr als dreißig auf irgendwie passende.
  • Anforderungen wörtlich nehmen. Zeigen Sie in Anschreiben und Lebenslauf konkret, wo Sie die geforderten Punkte erfüllen – nicht nur, dass Sie motiviert sind.
  • Absagemuster lesen. Häufen sich Absagen bei einem Stellentyp, liegt das Problem selten am Anschreiben, sondern an der Zielrichtung.
  • Bei einem Wechsel den roten Faden zeigen. Wer das Berufsfeld wechselt, muss die Brücke selbst schlagen. Wie das gelingt, steht in unserem Leitfaden zur Bewerbung bei beruflicher Neuorientierung.

Wenn sich Absagen trotz sorgfältiger Unterlagen häufen, lohnt ein Blick von außen. Im Bewerbungscoaching arbeiten wir an Unterlagen, Auftreten und Zielrichtung. Steht dahinter die grundsätzlichere Frage, welche Stellen überhaupt passen, ist die Berufsberatung für Erwachsene der gründlichere Weg: Wir arbeiten mit eignungsdiagnostischen Verfahren nach wissenschaftlichen Standards und leiten daraus konkrete Berufsziele ab.

Quellen

  • Kubis, Alexander: IAB-Stellenerhebung 2/2026 – Fast drei von vier Bewerbungen sind aus betrieblicher Sicht ungeeignet. IAB-Forum, 03.09.2026

Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert. Die dargestellten Werte stammen unverändert aus der genannten Veröffentlichung.

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